mini|Interview mit Felix Sturm, im Hintergrund Michael Buffer (2010)
Felix Sturm (eigentlich Adnan Ćatić; * 31. Januar 1979 in Leverkusen) ist ein Profiboxer mit bosnisch-herzegowinischer und deutscher Staatsbürgerschaft. Er war bei verschiedenen Boxverbänden fünf Mal Weltmeister.
Herkunft und Amateurkarriere Felix Sturm wurde am 31. Januar 1979 in Leverkusen als Adnan Ćatić geboren. Sturms Eltern stammen aus Blagaj in Bosnien und Herzegowina. Er besitzt neben der deutschen auch die bosnische Staatsbürgerschaft. Felix Sturm wuchs im Großraum Köln auf, wo er Schüler der städtischen Gemeinschaftshauptschule Theodor-Wuppermann-Schule in Leverkusen-Manfort war.https://www.tws-leverkusen.de/das-sind-wir/Who is Who Leverkusen, lev-online.info
Sturm begann im Alter von elf Jahren mit dem Boxsport, trainierte im Club TSV Bayer 04 Leverkusen und boxte im Halbmittelgewicht (bis 71 kg). Er bestritt im Laufe seiner Jugend- und Amateurkarriere 186 Kämpfe, von denen er 175 gewann.Best I Faced: Felix Sturm
Er wurde 1995 und 1996 Deutscher Juniorenmeister,Boxen: Profi-Vertrag für Europameister Catic siegte 1996 beim Brandenburg Cup in Frankfurt (Oder)Brandenburg Cup 1996 und 1997 bei der Junioren-Europameisterschaft in Birmingham, wobei er sich gegen die Starter aus England, Rumänien, Belarus und Russland durchgesetzt hatte.European Junior Championships 1997 Im selben Jahr nahm er erstmals bei der Deutschen Meisterschaft der Erwachsenen teil und wurde Vizemeister, nachdem er erst im Finale gegen Jürgen Brähmer unterlegen war.German National Championships 1997
1998 wurde er dann mit einem Finalsieg gegen Jörg Rosomkiewicz Deutscher MeisterGerman National Championships 1998 und gewann nach einer Halbfinalniederlage gegen den späteren Olympiasieger Jermachan Ybrajymow eine Bronzemedaille beim Chemiepokal in Halle (Saale).Chemistry Cup 1998 Im Juni 1998 gewann er auch das Multi Nations Tournament in Liverpool und besiegte die Teilnehmer aus England, Ukraine und Russland.Multi Nations Tournament 1998
1999 wurde er mit einem finalen Sieg gegen Jörg Rosomkiewicz erneut Deutscher MeisterGerman National Championships 1999 und erreichte bei einem Länderkampf gegen Ungarn eine Niederlage (7:9) und ein Unentschieden gegen Károly Balzsay.Duals Germany - Hungary 1999 Bei der Weltmeisterschaft 1999 in Houston schied er im Achtelfinale knapp mit 4:5 gegen Jermachan Ybrajymow ausWorld Championships 1999, gewann jedoch noch im gleichen Jahr das Ahmet Cömert Tournament in Istanbul, womit er sich für die Olympischen Spiele 2000 in Sydney qualifizierte.Ahmet Comert Tournament 1999
Vorher nahm er noch an der Europameisterschaft 2000 in Tampere teil, besiegte Károly Balzsay, Mirosław Nowosada und Dmitri Usagin, wodurch er als einziger deutscher Starter in das Finale einzog. Dort schlug er beim Kampf um die Goldmedaille Andrei Mischin.European Championships 2000
Bei den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney konnte er Dilshod Yorbekov und Richard Rowles besiegen, unterlag dann aber im Viertelfinale mit 14:19 gegen Jermain Taylor.Olympic Games 2000
Profikarriere Anfänge und WBO-Weltmeister Sturm gab am 27. Januar 2001 in München sein Profidebüt gegen den Portugiesen António Ribeiro und gewann nach Punkten. Auch die folgenden 14 Kämpfe konnte er gewinnen, darunter gegen den späteren Benelux-Meister Bendele Ilunga und den ehemaligen Interkontinentalen Meister der WBO, Lóránt Szabó. Am 8. März 2003 gewann er den vakanten Junioren-Weltmeistertitel der IBF durch einstimmigen Punktesieg gegen den späteren Südamerika-Meister Javier Mamaní und verteidigte ihn durch einstimmigen Punktesieg gegen den Südafrikanischen Meister Tshepo Mashego.
In seinem nächsten Kampf am 12. Juli 2003 gewann Sturm in Leverkusen den Interkontinentalen Meistertitel der WBO durch technischen K.o. in Runde 5 gegen den Uruguayer Roberto Vechio, der nach 14 Profikämpfen erstmals außerhalb seines Heimatlandes boxte. Am 13. September 2003 durfte er in seinem erst 19. Kampf um den Weltmeistertitel der WBO gegen den Argentinier Héctor Velazco boxen. Eigentlich hätte Bert Schenk um den Titel boxen sollen, jedoch musste dieser verletzungsbedingt absagen, wodurch Sturm als der Weltranglisten-Vierte als Ersatzgegner verpflichtet wurde. Velazco boxte erstmals in seiner Karriere außerhalb Argentiniens und verlor gegen Sturm in Berlin geteilt nach Punkten. Jedoch gehörte die WBO damals noch nicht zu den bedeutenden Verbänden.
In seiner ersten Titelverteidigung besiegte Sturm den schlagstarken Spanier Rubén Varón einstimmig und klar nach Punkten und bereitete sich nun auf die zweite Titelverteidigung gegen den achtfachen Weltmeister aus niedrigeren Gewichtsklassen, den US-Superstar Óscar de la Hoya, vor.
Kampf gegen de la Hoya Am 5. Juni 2004 fand das Duell der beiden im MGM Grand Hotel von Las Vegas statt. Óscar de la Hoya strebte einen finanziell äußerst lukrativen Titelvereinigungskampf gegen den in drei Verbänden (IBF, WBA, WBC) amtierenden Weltmeister und gleichfalls bekannten Superstar Bernard Hopkins an, wofür er einen Sieg über den 1:12-Außenseiter Sturm benötigte. Sturm verblüffte die Boxwelt jedoch bereits in den ersten Runden, als er den Amerikaner mit mehreren Wirkungstreffern eindecken konnte. Wenn de la Hoya mit schnellen Schlagserien versuchte, im Infight zu punkten, konterte Sturm mit linken und rechten Haken. Als Sturm ab 11. Runde von der Normal- in die Rechtsauslage wechselte, verblüffte er den Amerikaner zusätzlich. Mehrmals hob Sturm triumphal seine Faust in die Luft, um sich vom Publikum anfeuern zu lassen.
Trotz dieses überlegen geführten Kampfes verlor Sturm seinen WBO-Titel äußerst umstritten nach Punkten an Óscar de la Hoya, der somit zum Kampf gegen Hopkins um alle vier anerkannten WM-Titel einer Gewichtsklasse antreten konnte. Der US-Sender und Mitveranstalter HBO hatte zunächst Sturm als Sieger gesehen, Box-Analyst Harold Lederman (aufgenommen in die World Boxing Hall of Fame) etwa wertete den Kampf 115:113 für Sturm. Sturms Promoter Klaus-Peter Kohl legte Protest bei der Nevada State Athletic Commission ein, die nach einer nochmaligen Überprüfung die Gültigkeit des Sieges von Óscar de la Hoya bestätigte. Dennoch stieg der Bekanntheitsgrad Sturms mit diesem Kampf sprunghaft an.De la Hoya entthront Mittelgewichtler Sturm. In: stern.de, 6. Juni 2004.
WBA-Weltmeister Sturm schlug bereits drei Monate später den WM-Herausforderer Robert Frazier und gewann so erneut den Interkontinentalen Meistertitel der WBO, am 4. Dezember 2004 gelang ihm zudem ein K.o.-Sieg in Runde 3 gegen Ex-WBC-Weltmeister Hacine Cherifi, wodurch er sich an den Spitzen der Ranglisten hielt. Am 5. März 2005 schlug er Bert Schenk in der zweiten Runde K.o. und gewann den Titeleliminierungskampf des WBA-Verbandes gegen den Spanischen Meister Jorge Sendra.
Sturm erhielt nun am 11. März 2006 einen Titelkampf um den WBA-Weltmeistergürtel gegen den in Neuseeland lebenden samoanischen Titelträger Maselino Masoe. Das Duell gegen den schlagstarken, 39-jährigen Masoe gestaltete sich zunächst ausgeglichen. Sturm erarbeitete sich in der Folgezeit Vorteile und sorgte damit für einen Punktevorsprung, den er jedoch zum Ende des Kampfes nur noch verteidigte und sich zunehmend dem Kampf entzog, um der Gefahr eines Lucky Punches vorzubeugen. Für dieses taktische Defensivverhalten wurde Sturm, obwohl er den Titel gewonnen hatte, vom Publikum kritisiert und mit Pfiffen bedacht.
Am 15. Juli 2006 verlor Sturm den Titel bereits in seiner ersten freiwilligen Titelverteidigung an den 38-jährigen Spanier Javier Castillejo durch technischen K.o. in der zehnten Runde. Aufgrund der Kritik an seinem extremen Defensivstil zum Ende des Kampfes gegen Masoe hatte sich Sturm in diesem Kampf auf einen offenen Schlagabtausch mit dem schlagstarken (60 Siege, davon 41 durch K.o.) ehemaligen Europa- und WBC-Weltmeister eingelassen. Bereits in der zweiten Runde musste er erstmals in seiner Profikarriere zu Boden. Wenige Sekunden vor Ende der 10. Runde war Sturm in schneller Reihenfolge von einem linken Haken, drei Kinnhaken und einem Leberhaken getroffen worden, worauf der Ringrichter den Kampf abbrach und den verteidigungsunfähigen und benommenen Sturm in seine Ecke begleitete, wo seine rechte Gesichtshälfte stark anschwoll.
Rund sieben Monate später besiegte Sturm im Dezember des gleichen Jahres den Australier Gavin Topp durch technischen K.o. in der 6. Runde.
Erneut WBA-Weltmeister Am 28. April 2007 stand Sturm vor 5.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena Oberhausen erneut Castillejo im Rahmen eines Rückkampfs gegenüber. Castillejo hatte zwar zuvor gegen den Argentinier Mariano Natalio Carrera seinen Weltmeistertitel verloren, bekam ihn aber wieder zurück, nachdem Carrera des Dopings überführt worden war. Sturm gewann den engen Kampf umstritten nach einstimmiger Punktwertung und wurde damit zum dritten Mal Weltmeister im Mittelgewicht.
Am 30. Juni 2007 verteidigte er in Stuttgart freiwillig seinen Titel gegen den ungeschlagenen Noe Alcoba aus Uruguay. Er siegte einstimmig nach Punkten. Bei einer Pflichtverteidigung gegen den Amerikaner Randy Griffin konnte Felix Sturm am 20. Oktober 2007 in Halle seinen Titel zwar verteidigen, erzielte aber nur ein Unentschieden. Nach einem harten Kampf wertete ein Punktrichter den Kampf als unentschieden und jeweils einer als Sieg für Griffin und Sturm.
Am 5. April 2008 stieg Sturm zu einer freiwilligen Titelverteidigung gegen den australischen Mittelgewichtler Jamie Pittman in den Ring, Sturm konnte diesen Kampf überzeugend und vorzeitig in Runde 7 zu seinen Gunsten entscheiden. Drei Monate später gewann Sturm den von beiden Kämpfern gewünschten Rückkampf gegen Randy Griffin nach Punkten. Die Punktrichter bewerteten die Leistungen der Kämpfer einstimmig zugunsten von Sturm. Der Kampf fand im Gerry-Weber-Stadion in Halle statt. Am 1. November 2008 verteidigte Sturm seinen Weltmeistertitel in der König-Pilsener-ARENA in Oberhausen gegen Sebastian Sylvester einstimmig nach Punkten.
Am 25. April 2009 boxte Sturm in Krefeld gegen den ungeschlagenen Japaner Koji Sato. Der deutlich überlegene Sturm besiegte den Asiaten in Runde 7 nach 2:46 Minuten durch technischen K.o. nach Abbruch des Kampfes durch den Ringrichter, noch bevor der Trainer Satos das Handtuch werfen konnte. Am 11. Juli 2009 verteidigte Sturm seinen Weltmeistertitel gegen Khoren Gevor in der Arena am Nürburgring durch Punktsieg. Die Punktrichter werteten die Runden mit 115:113, 115:113 und 117:111 einstimmig zugunsten von Sturm.
WBA-Superchampion Anschließend wurde Sturm im März 2010 zum „Superweltmeister“ der WBA ernannt, womit er den Kampf gegen Pflichtherausforderer Gennadi Golowkin meiden konnte. Die WBA begründete ihre kontroverse Entscheidung mit einem andauernden Rechtsstreit, der zwischen den beiden Boxern und ihrem ehemaligen Arbeitgeber Universum lief. Sturm hatte ausgesagt, lieber den Titel niederlegen zu wollen, als noch einmal für Universum zu boxen. Als Superchampion geriet Sturm nicht mehr in Gefahr, den Titel aberkannt zu bekommen.
Golowkin sicherte sich stattdessen den zuvor von Sturm gehaltenen „regulären“ Weltmeistertitel der WBA. Die Aufwertung zum Superchampion sorgte vielerorts für Verwirrung in der Boxwelt, da es nun neben einem Interimweltmeister und einem regulären Weltmeister noch einen zusätzlichen Weltmeister gab, der über diesem stand. Da Jermain Taylor 2005 noch die Weltmeistertitel aller vier Weltverbände (WBA, WBO, IBF, WBC) erkämpfen musste, um den Sonderstatus des WBA-Superchampions zu erlangen, sorgte es für Unmut, dass Sturm ohne jeden weiteren Titel diese Ehre zuteilwurde.