Die Triebwagen der Baureihe 430/431 sind S-Bahn-Triebwagen, die zwischen April 2013 und November 2016 die Züge der Baureihe 420 im Stuttgarter S-Bahn-Netz sowie im Jahr 2014 auch bei der S-Bahn Rhein-Main abgelöst haben. Ursprünglich sollten sie auch bei der S-Bahn Rhein-Ruhr eingesetzt werden.
Allgemein Die Baureihe 430 wurde als Nachfolger der Baureihe 422/423 für Stuttgart konzipiert und ersetzte die im dortigen Netz noch eingesetzten Triebzüge der Baureihe 420. Die Ausschreibung erfolgte im Januar 2007. Später wurde mitgeteilt, dass die bei der S-Bahn Rhein-Ruhr eingesetzten Einheiten der Baureihe 422 nicht weitergebaut würden, sondern dass dorthin ebenfalls Triebzüge der Baureihe 430 geliefert werden sollten, wobei sich im April 2011 herausstellte, dass vermutlich keine weiteren Fahrzeuge an Rhein und Ruhr benötigt würden. Im Mai 2009 erteilte die Deutsche Bahn den Auftrag zum Bau von 83 Einheiten an die Firmen Bombardier und Alstom. Dieser Auftrag hatte einen Wert von 452 Mio. Euro. Zusätzlich wurde eine Option für den Bau von 83 weiteren Einheiten vereinbart. Im Dezember 2010 stockte die Deutsche Bahn die Option von 83 auf 166 auf. Diese Aufstockung stand im Zusammenhang mit der Ausschreibung der S-Bahn Rhein-Main.
Etwa 70 Konstrukteure waren bei Bombardier und Alstom mit der Entwicklung der Triebzüge betraut. Die Endmontage begann im November 2010 in Salzgitter und im Mai 2011 in Aachen.
Nach ursprünglichen Planungen der Hersteller sollte die Baureihe 430 bis Juni 2012 eine Zulassung erhalten haben. Dieser Zeitplan konnte jedoch nicht eingehalten werden. Die Fahrzeuge der Baureihe 430 erhielten am 21. Februar 2013 vom Eisenbahn-Bundesamt wegen Problemen mit der Mehrfachsteuerung zunächst nur eine Zulassung für den Kurzzugbetrieb. Die Zulassung für Voll- und Langzüge erfolgte am 25. März 2013. Seit dem 8. April 2013 erfolgt die Abnahme durch DB Regio vom Hersteller Bombardier.
Einsatz S-Bahn Stuttgart 1. Bauserie Bestellungen 2009 und 2011 Am 3. April 2009 unterzeichneten der Verband Region Stuttgart und DB Regio einen neuen, von 1.Juli 2013 bis 30.Juni 2028 laufenden Verkehrsvertrag. Darin war auch die Beschaffung von 83 neuen Triebzügen der Baureihe 430 enthalten. Im Mai 2009 erging der Auftrag zur Entwicklung und Herstellung der Fahrzeuge.Markus O. Robold: Fertigung der Baureihe 430. In: Eisenbahn-Kurier. Nr. 473. EK-Verlag, Freiburg, 2/2012, S. 54–57. . Diese wurden später als Baureihe 430.0 klassifiziert.
Die 90 verbliebenen Triebwagen der Baureihe 420 der S-Bahn Stuttgart sollten im Jahr 2013 durch 83 Züge des speziell für die S-Bahn Stuttgart neuentwickelten Triebzuges der Baureihe 430 ersetzt werden.Presseinformation Region Stuttgart, 16. Februar 2009: Der im Verkehrsvertrag der S-Bahn Stuttgart vorgesehene Fahrzeugpreis betrug 5,6 Millionen Euro.Verband Region Stuttgart (Hrsg.): Dokument vom 28. Februar 2014, Punkt 2, S.4–5.
Im Oktober 2011 beschloss der Verkehrsausschuss des Verbands Region Stuttgart, vier weitere Fahrzeuge der Baureihe 430 für die S-Bahn Stuttgart zu bestellen, um Mehrleistungen abdecken zu können. Die hierfür fälligen Zusatzkosten in Höhe von 23 Mio. Euro wurden über die Strafzahlung finanziert, die durch die nicht fristgerechte Bereitstellung der Fahrzeuge fällig wurden. Die 87 Fahrzeuge kosteten insgesamt rund 500 Mio. Euro.
Der Einsatz der Baureihe 430 in Stuttgart sollte ursprünglich Ende 2012 beginnen und bundesweit der Erste sein. Zum Beginn des Verkehrsvertrags am 1. Juni 2013 sollten dann alle 87 bestellten Fahrzeuge zur Verfügung stehen; letztlich war dies erst im Januar 2015 der Fall.
Inbetriebnahme mit aktivierten Schiebetritten Am 4. April 2013 wurden die Züge zugelassen. Am 25.April 2013 verkehrten die ersten Züge der Baureihe 430 auf der Linie S1 von Plochingen nach Böblingen. Zu diesem Zeitpunkt standen zwölf Fahrzeuge zur Verfügung. Die Auslieferung der restlichen Züge erfolgte bis Ende 2014.
Einsatzabbruch und Abnahmestopp Im Juni 2013 blieben mehrere Triebzüge aufgrund von Problemen mit der Tür- und Trittbrettsteuerung stehen. Daraufhin wurden zunächst nur noch drei der bis dahin gelieferten zwölf Triebzüge eingesetzt und zusätzlich von Technikern begleitet. Nachdem am 2. Juli 2013 ein Triebzug 26 Minuten mit geöffneten Türen am Bahnsteig stehengeblieben war, beschloss die Deutsche Bahn, den Einsatz abzubrechen und alle Triebzüge an den Hersteller zur Reparatur zurückzugeben. Die Abnahme weiterer Einheiten wurde zunächst gestoppt. Nach damaligen Herstellerangaben waren zur Problembehebung mechanische und elektronische Anpassungen notwendig, die teilweise eine neue Zulassung erforderlich machten.
Inbetriebnahme mit deaktivierten Schiebetritten Bis auf Weiteres wurden die ausfahrbaren Trittstufen abgeschaltet, sodass ab dem Fahrplanwechsel vom 15.Dezember 2013 die Triebzüge wieder planmäßig auf der Linie S1 verkehren konnten.Typ 430 rollt wieder. Stuttgarter Nachrichten online, 19. November 2013. Ab 16.Januar 2014 fuhren die Triebzüge probeweise auch auf der Linie S2 (Remsbahn).Peter Schwarz: Waiblinger Kreiszeitung, 17. Januar 2014. Zum 4.April 2014 wurde die S1 komplett auf die Baureihe 430 umgestellt (ausgenommen einzelne Kurzläufer zwischen Schwabstraße und Esslingen/Plochingen). Seit dem 18.August 2014 verkehren auf der S3 nur noch Züge der Baureihe 430. Mit der Lieferung der restlichen Züge wurde auch der Betrieb auf der S2 umgestellt. Bis Ende April 2014 wurden 36 Züge abgenommen. Ein Teil des Kaufpreises wurde aufgrund der technischen Probleme zunächst einbehalten. Anfang 2015 waren alle 87 bestellten Züge im Betrieb – mit ausgeschaltetem Schiebetritt.
Nachbestellung 2014 Für geplante Angebotsverbesserungen bot Bombardier der Deutschen Bahn nach Abschluss des neuen Verkehrsvertrags der S-Bahn Stuttgart weitere Triebzüge der Baureihe 430 an. Die Bestellung der Fahrzeuge hätte demnach zum 31.Juli 2014 erfolgen müssen, die Lieferung war bis 30. April 2017 vorgesehen. Bei der Mindestabnahmemenge von zehn Fahrzeugen wurde der Preis mit 8,15Millionen Euro je Fahrzeug beziffert. Der Stückpreis solle bei 24 Fahrzeugen auf 6,9Millionen Euro sinken. Der Verband Region Stuttgart lehnte diesen Preis ab. Ende Oktober 2014 machte Bombardier der Deutschen Bahn ein neues Angebot. Am 3. Dezember 2014 beschloss die Region Stuttgart die Anschaffung. Damit sollen auch überschlagene Wenden an vier Endbahnhöfen ermöglicht, einige Vollzüge zu Langzügen aufgewertet sowie der Fahrzeugbedarf für die S-Bahn-Verlängerung nach Neuhausen abgedeckt werden. Die zehn neubeschafften Triebzüge sollen von Juli bis Dezember 2016 ausgeliefert werden. Am 12. August 2016 wurde mit 430 088 der erste nachbestellte Triebwagen ausgeliefert. Am 1. Februar 2017 wurde der letzte Triebzug ausgeliefert.
Verbesserte Schiebetritte und Software Eine neue Lösung für die Schiebetritte wurde ab Januar 2016 im Betrieb erprobt und sollte bis Mitte 2017 in allen Zügen eingebaut werden.Alexander Ikrat: Schiebetritt wird wieder ausgefahren. In: Stuttgarter Nachrichten. 28. Dezember 2015. Nach verlängerten Testphasen wurde zwischen 2017 und 2019 eine Hälfte der Triebzüge umgebaut, die andere folgte coronabedingt erst im ersten Halbjahr 2022.
Mit Softwareupdates wurden eine selektive Abschaltung von Aggregaten zur Reduzierung des Energieverbrauchs und der Lärmbelästigung in der Abstellung nachgerüstet sowie eine weitere Reduzierung der Türöffnungszeiten erreicht. Das Ausfahren der Schiebetritte vor dem Öffnen der Türen benötigt nun 4 Sekunden, sodass der vollständige Türöffnungs- und -Schließvorgang auf 14 Sekunden reduziert wurde. Die Dauer des Öffnens und Schließens der Türen selbst ist gegenüber der Baureihe 423 unverändert.
2. Bauserie Bestellung 2019 mini|BR 430 der S-Bahn in Stuttgart Hbf mini|Baureihe 430 der S-Bahn Stuttgart in neuem Design, bei Überführungsfahrt im Bahnhof Radeberg (2022) Am 30. Januar 2019 beschloss die Regionalversammlung in Stuttgart, 56 weitere Triebzüge der Baureihe 430 zu beschaffen. Zwei weitere Triebzüge wurden parallel von DB Regio beschafft. Die S-Bahn-Flotte in Stuttgart umfasst damit zukünftig insgesamt 215 Triebzüge. Diese Züge erhalten, ebenso wie später die übrige Flotte, ein neues Design. Mitte 2021 waren die ersten Rohbauten der neuen Triebzüge fertig. Ende 2021 sollten die ersten Triebzüge ausgeliefert werden, 2022 weitere 48 im neuen VRS-Design. Die Auslieferung der als Baureihe 430.2 klassifizierten Züge begann letztlich, nach dem Umbau aller Trittstufen der älteren Triebzüge, Mitte Juli 2022.
Der VRS wird jene 56 Triebzüge erwerben und für einen ab voraussichtlich 2032 laufenden, neuen Verkehrsvertrag zur Verfügung stellen.
Inbetriebnahme und Abnahmestopp Nach der Auslieferung der Hälfte der Triebzüge begann am 11. September 2022 der Fahrgasteinsatz. Ab dem Fahrplanwechsel am 11. Dezember 2022 wurde die Baureihe 430 mit den zusätzlichen Zügen auf den Linien S4, S5 und S62 statt der S3 eingesetzt, bis die Triebzüge beider Baureihen nicht mehr miteinander gekuppelt eingesetzt werden durften.
Bei den Neufahrzeugen gab es aus Sicht des VRS „Qualitätsdefizite (…), die im laufenden Betrieb zu gravierenden Beeinträchtigungen führten und für die der Fahrzeughersteller die Verantwortung trägt“. Aufgrund der Störanfälligkeit der neuen Fahrzeuge, die zu monatelangen Ausfällen im S-Bahn-Verkehr beitrugen, wurde im Februar 2023 die Abnahme der 2. Bauserie nach 47 von 58 Zügen vorerst gestoppt.
Die letzte Einheit wurde statt im August 2022 wie zunächst geplant erst am 21. Februar 2024 abgenommen.
Die Kuppelbarkeit der Fahrzeuge der Baureihen 430.0 und 430.2 wurde im Februar 2025 freigegeben, beschränkt auf Einheiten, die das Redesign und die ETCS-Umrüstung durchlaufen haben.
Aufrüstung mit ETCS und ATO, Redesign mini|Eines von zwei neuen Radabteilen in Fahrzeugmitte mini|Bildschirm in Deckengondel Die Stuttgarter Triebzüge der Baureihe 423 und 430 werden bis 2026 mit ETCS, ATO (Automatisierungsgrad 2) und weiterer Technik ausgerüstet und zeitgleich einem Redesign unterzogen. Die prototyphafte Ausrüstung von Zügen begann 2022, die Serienausrüstung Anfang 2024. Im Rahmen des Redesigns werden unter anderem zwei zusätzliche Mehrzweckbereiche in der Zugmitte eingebaut und die Zahl der festen Sitzplätze reduziert und die der Klappsitze erhöht. Weitere Neuerungen sind das Fahrgastinformationssystem mit Bildschirmen in zwei Deckengondeln pro Wagen, Steckdosen in manchen Vierer-Sitzgruppen und ein Fahrgastzählsystem. Die Inneneinrichtung sollte ab 2024 umgebaut werden. Daneben erhalten die Züge bis Mitte 2027 eine neue Lackierung.
Der Auftrag zur Ausrüstung der Triebzüge mit ETCS und ATO wurde im Juli 2020 ausgeschrieben und am 23. Juni 2021 an Alstom vergeben. Die Züge sollen u. a. Level-3-fähig, mit einer Zugintegritätsüberwachung ausgerüstet und für FRMCS vorbereitet werden. Das Projekt sollte im Januar 2021 beginnen und bis Dezember 2027 laufen. Die Ausrüstung eines ersten Triebzugs (First in Class) sollte im Oktober 2021 beginnen, der Versuchs- und Vorlaufbetrieb im April 2024 aufgenommen werden. Alle Fahrzeuge sollten bis Januar 2025 mit ETCS Level 2 (nach Baseline 3 Release 2) und ATO (mit statischen Fahrplandaten) ausgerüstet werden. In den Jahren 2026 und 2027 sollte die kontinuierliche Inbetriebnahme und Genehmigung nach TSI ZZS 2022 erfolgen und FRMCS in Betrieb genommen werden.
Der Auftragswert für die Ausrüstung und Wiederzulassung von insgesamt sechs Prototyp-Fahrzeugen der Baureihen 423 und 430 sowie die Lieferung der Serienausstattung sowie die Begleitung der Serienausstattung der übrigen 209 Triebzüge beträgt rund 130 Millionen Euro. 2025 wurden die Kosten der First-of-Class-Ausrüstung der Baureihen 423, 430.0 und 430.2 mit jeweils ungefähr 30 Millionen Euro angegeben, jene der Serienausrüstung mit etwa 350.000 Euro je Triebzug. Der Bund fördert die Nachrüstung mit rund 144 Millionen Euro.