mini|Wappen der Stadt Solingen
Die Geschichte der Stadt Solingen reicht von ihren Anfängen im Hochmittelalter bis zur nordrhein-westfälischen Großstadt der Gegenwart.
Die Anfänge Die kulturellen und Siedlungs-Ursprünge auf dem heutigen Stadtgebiet von Solingen sind unbekannt. Es gilt als gesichert, dass das – erst seit einigen Jahrhunderten so genannte Bergische Land – stark bewaldet war. Das Tal der Wupper, das an der Ost- und Südflanke das heutige Solinger Stadtgebiet begrenzt, war und ist zudem zerklüftet und wenig wegsam, was wahrscheinlich der Grund dafür war, dass das Gebiet sowohl von einer römischen Besiedlung wie auch von der Völkerwanderung unberührt blieb. Historiker vermuten, dass eine Besiedlung des heutigen Solinger (und Remscheider) Stadtgebiets aus Richtung Köln dem Lauf der Wupper wie auch der Dhünn entlang zwischen dem 8. und 9. Jahrhundert erfolgte.
Mittelalter Hochmittelalter mini|Schloss Burg (1891) mini|Gräfrath (2006)
An der Dhünn entstand um 1060 die Wehrburg Burg Berge, das heutige Altenberg, deren Bewohner dem Bischof von Köln bzw. der Abtei Deutz tribut- und beistandspflichtig waren.altenberger-dom.de Das Gebiet weiträumig um den Fluss Wupper ging später an ein Grafengeschlecht, das sich de Berge nannte. Der spätere Gebietsname „Bergisches Land“ rührt von diesem Grafengeschlecht und der Name Altenberg von dieser ersten Burg. Woher der Name Solingen stammt, ist ungeklärt.Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt. Walter Braun Verlag. Duisburg 1973
In Solingen selbst, das zunächst nur aus einzelnen Höfen bestand, entstand zwischen 750 und 1000 n. Chr. eine erste Kirche, deren Überreste 1954 gefunden wurden; zu gleicher Zeit wurde in Wald eine Kirche gebaut, die dem Erzbischof von Köln gehörte. Erstmals erwähnt wird der Ort als Solonchon in einer Urkunde aus dem Jahre 1067.
Die Grafen von Berg zogen später an einen höher gelegenen, verteidigungsstrategisch besseren Ort, dem heutigen Solinger Stadtteil Burg an der Wupper. Die neu gebaute Burg oberhalb der Wupper war kein repräsentatives Schloss, wurde aber Schloss Burg genannt. 1133 überließen die Grafen ihren Stammsitz Altenberg den Zisterziensern zur Gründung eines Klosters; dort wurde vom 13. bis zum 14. Jahrhundert der Bergische Dom errichtet. Sie übernahmen nach 1156 zunehmend die Macht im Deutzgau, in dem die Ortschaften Solingen und Wald lagen, die bis dahin unter der Verwaltung der rheinischen Pfalzgrafen gestanden hatten.Besonders in älterer Literatur, wird vielfach auch der Keldachgau als Teil des Altsiedellands des Bergischen Lands angeführt. Diese Angaben basieren jedoch auf einer wissenschaftlich inzwischen überholten falschen Annahme, dass zum Keldachgau auch rechtsrheinische Gebiete gehört hätten.
Ab 1200 ist in Solingen das Klingenhandwerk nachweisbar. Eine Voraussetzung dafür waren die dichten Wälder aus Buchen und Eichen, die die Ortschaft umgaben, zur Gewinnung von Holzkohle. Zudem waren die Wälder frei nutzbar für die Bauern, die auch das Handwerk betrieben.
Das Dorf Gräfrath, heutiger Stadtteil von Solingen, wurde 1135 erstmals mit der mutmaßlichen Bezeichnung Greverode erwähnt. Die Äbtissin Elisabeth von Vilich gründete zwischen 1185 und 1187 das Augustinerinnenkloster Gräfrath. Ein vorhandenes Grafengericht in Solingen wird 1303 erwähnt. Das Kloster Gräfrath erhielt 1309 eine wundertätige Katharinenreliquie, die Gräfrath zu einem Zentrum des Katharinenkultes werden ließ.
Spätmittelalter Im 14. Jahrhundert gab es erste Spezialisierungen; die Handwerker organisierten sich in „Bruderschaften“ (= Zünften) für verschiedene Berufsgruppen. Ihnen war gemeinsam, dass sie – anders als die Zünfte andernorts – keine Verbindung zur Kirche hatten. Ihre Satzungen übernahmen sie dem Vorbild der Kölner „Satzung der Gewandbruderschaft“.
Die Grafen von Berg vergaben im Laufe der Jahrhunderte Stadt-, Markt-, Zunft- und Manufaktur-Privilegien und förderten die Region durch ihren engen Kontakt zur Handelsstadt Köln. So kam die Schmiedeindustrie ins Bergische und nach Solingen – es waren süddeutsche, möglicherweise auch österreichische Schwertschmiede, die als „Gastarbeiter“ nach Solingen kamen und dort die weltberühmte Klingenindustrie mit ihrer sprichwörtlichen Qualität begründeten.
Die Grafen von Berg traten als Mittler auf und ließen die Waren in Köln verkaufen, so dass der Handelsname „Solingen“ erst sehr viel später überregionale Bedeutung erlangte. Damals wurden die Solinger Produkte als „Kölner Schwerter“ gehandelt. Das Prosperieren der Klingenindustrie war der Motor für die Siedlungsdynamik und Entwicklungsgeschichte der Stadt Solingen. Die Erze und die Kohlen für die Schmiede wurden früher aus dem Siegerland per Pferdekarren herangeschafft und auch in kleinen Mengen lokal gefördert. Erst im 19. Jahrhundert begann der Bezug der Grundmaterialien aus dem Ruhrgebiet.
Im Jahre 1363 erfolgte die erstmalige Bezeichnung des Ortes Burg als Freiheit sowie die erste Erwähnung des zum Herzogtum Berg gehörenden Amtes Solingen. Am 23. Februar 1374 erhob Graf Wilhelm von Berg auch das Dorf Solingen zur Freiheit und damit zur Stadt und genehmigte neben der Durchführung von Wochen- und Jahrmärkten auch die Befestigung des Ortes.J. Beese, K. Dörken: 625 Jahre Solingen - Eine Handreichung zum Stadtjubiläum. 1999.Theodor Joseph Lacomblet, in: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstiftes Cöln, Urkunde 754, 1853, Teil 3, 1301–1400, S. 648.
Die Härter und Schleifer erhielten im Jahre 1401 Privilegien. Ihnen folgten 1420 die Reider und die Schwertfeger (Schwertfeger-Privileg). Gräfrath wurde 1402 zur Freiheit erhoben und Solingen 1420 erstmals als Stadt genannt, die um etwa 1450 befestigt wurde. Dazu wurde ein Wall mit Graben errichtet. Die Lage der Befestigung war bis zur Zerstörung der Solinger Altstadt 1944 während des Zweiten Weltkriegs am Verlauf der Straßen Nord-, Ost-, Süd-, West- und Klosterwall ablesbar.
mini|Schloss Caspersbroich (2009)
Die Schwertschmiede erhielten 1472 Privilegien. Im gleichen Jahr wurde Schloss Caspersbroich erbaut. Die Stadt Solingen wurde 1492 von einem Stadtbrand heimgesucht.
Neuzeit Frühe Neuzeit mini|Zierschwert (ca. 1650) von Meves Berns mit der Inschrift Me fecit Solingen
1515 wurde das Schleiferprivileg von 1401 erneuert. Noch im selben Jahr wurde mit dem Bau der Stadtwindmühle auf dem nach ihr benannten Mühlenplatz begonnen, der 1516 beendet wurde. 1537 druckte Johannes Soter in der Papiermühle am Ufer der Wupper erstmals Bücher. 1535 brach ein weiterer großer Stadtbrand aus.
Nachdem bereits 1560 das Solinger Stadtprivileg erneuert worden war, erhielten auch die Messermacher 1571 Privilegien. Ihnen wurde des Weiteren vorgeschrieben, ihre Produkte als aus Solingen stammend erkenntlich zu machen, so etwa mit der Inschrift Me Fecit Solingen (lat. = Solingen machte mich). Im selben Jahr bekam Solingen auch die Berechtigung, Wegzoll zu verlangen. Durch einen weiteren Stadtbrand 1581 wurde die Stadt fast vollständig zerstört. Sieben Jahre später überfielen spanische Truppen die Stadt. Die städtischen Privilegien wurden 1596 von Herzog Johann Wilhelm erneut bestätigt. Nachdem von 1614 bis 1619 in Solingen die Pest gewütet hatte – rund 1800 Einwohner starben –, wurde die Stadt zwischen 1618 und 1648 im Dreißigjährigen Krieg mehrfach besetzt und geplündert, wobei Schloss Burg weitgehend zerstört wurde. 1665 trat die Pest auch in Gräfrath auf. Im darauf folgenden Jahr wurde Solingen von einer Roten Ruhr-Epidemie heimgesucht. 1686 und 1698 brannte auch Gräfrath.
Ab 1715 durften die Solinger Schmiede Reckhammerstahl beziehen und mussten somit ihren Stahl nicht mehr selber schmieden. Trotzdem wanderten einige Handwerker 1730 ins Elsass aus und begründeten die Klingenthaler Eisenindustrie. Zwischen 1756 und 1763 zogen wiederholt Truppen durch die Stadt, aber auch durch den Siebenjährigen Krieg bedingt, wurde das Wirtschaftsleben zu dieser Zeit empfindlich gestört. Im Jahre 1740 erhält Gräfrath infolge der verheerenden Brände in der Vergangenheit erstmals eine Feuerwehr.
Industrialisierung mini|Turmwindmühle und Mühlenplatz in Solingen, Stahlstich von Henry Winkles nach einer Zeichnung von Theodor Verhas, um 1840 mini|Ansicht von Solingen im Jahre 1840 mini|Schloss Hackhausen (2012) mini|Sturmschäden in Müngsten im Jahre 1906
1794 erhielten auch die Scherenmacher Privilegien. Der Einzug der Franzosen 1795 hatte Plünderungen und Misshandlungen zur Folge. Im Jahr darauf heiratete einer der Besatzer, der französische General Nicolas Jean-de-Dieu Soult, die Solinger Kaufmannstochter Louise Johanna Elisabeth Berg. 1801 wurde offiziell, aus schon früher vorhandenen Ursprüngen, der Meigener Männergesangsverein gegründet, welcher somit bei seiner Auflösung 2022 der bis dahin älteste noch bestehende Männergesangsverein in Deutschland war.
Dem Reichsdeputationshauptschluss fielen das Kloster Gräfrath und die Johanniterkommende in Solingen zum Opfer, die 1803 aufgehoben wurden. Im Jahre 1804 wurde der Evangelische Friedhof Kasinostraße eröffnet, auf dem seither zahlreiche bedeutende Unternehmerfamilien und Persönlichkeiten der Solinger Stadtgeschichte begraben wurden. 1807 wurden die vier Stadttore niedergelegt. 1808 wurde von Napoleon das Amt Solingen aufgelöst. Solingen bildete nun eine Mairie nach französischem Vorbild und gehörte zum Kanton Solingen im Arrondissement Elberfeld des Départements Rhein. Alle privilegierten Bruderschaften wurden 1809 aufgelöst. Im selben Jahr erschien die erste Solinger Zeitung, der Verkündiger (heute Solinger Tageblatt).
Experimente von Johann Abraham Gottlieb Fries, Johann Wilhelm Thomas, Peter Kaymer und Andreas Küller von 1811 waren erfolgreich und es gelang ihnen somit die Herstellung eines Tiegelgussstahls, der dem britischen Guss-Stahl gleichwertig war. Ihr Verfahren meldeten sie zum Patent an und gründeten die Walder Gussstahlerfindungsgesellschaft sowie die Firma Andreas Küller & Co. in der Bech. Die Firma Krupp in Essen kaufte später die Aufzeichnungen des Wundarztes Fries. 1813 bzw. 1815 fiel das Bergische Land an Preußen, infolgedessen wurde Solingen zur Kreisstadt des neuen Kreises Solingen erhoben. Aus der Mairie Solingen der Franzosenzeit wurde die preußische Bürgermeisterei Solingen.
Der Augenarzt Friedrich Hermann de Leuw eröffnete 1823 in Gräfrath eine Praxis für Augenheilkunde, woraufhin ein reger Kurbetrieb entstand, der allerdings schon 1861 mit dem Tod de Leuws endete. Infolge der Revolutionsunruhen von 1848 wurden in Solingen sowie in Burg an der Wupper zahlreiche Fabriken zerstört. 1849 beteiligten sich Solinger Arbeiter an Barrikadenkämpfen und an der Erstürmung des Gräfrather Zeughauses. Die erste Dampfmaschine in Solingen wurde 1853 errichtet.