mini|Hausboot, Vembanad-See
Kerala () ist ein Bundesstaat an der Malabarküste im Südwesten Indiens mit einer Fläche von 38.863 km² und etwa 33,4 Millionen Einwohnern (Volkszählung 2011). Die Hauptstadt ist Thiruvananthapuram, das ehemalige Trivandrum.
Die Bevölkerungsdichte beträgt 859 Einwohner je km². Damit gehört der Staat zu den am dichtesten besiedelten Regionen Indiens. Hinsichtlich der sozialen Entwicklungsindikatoren (Alphabetisierungsgrad, gesellschaftliche Stellung der Frau, wirtschaftliche Entwicklung, Kontrolle des Bevölkerungswachstums) belegt Kerala einen der Spitzenplätze unter den indischen Bundesstaaten.
Der Bundesstaat Kerala wurde 1956 nach den Sprachgrenzen des Malayalam geschaffen. Der Name Kerala ist abgeleitet von den Malayalam-Wörtern kera für „Kokospalme“, die überall in der Region in großer Zahl zu finden sind, und alam für „Land“ und bedeutet wörtlich „Land der Kokospalmen“.
Geographie Lage und Ausdehnung mini|Topografische Karte Keralas mini|links|Nelliampathi-Berge in den Westghats
Kerala grenzt im Norden an den Bundesstaat Karnataka, im Osten wird es durch die Westghats von Tamil Nadu abgeschirmt und im Westen durch das Arabische Meer begrenzt. Der zum Unionsterritorium Puducherry gehörende Ort Mahé liegt als Exklave im Norden des Staates. Kerala nimmt fast die gesamte Malabarküste ein. Insgesamt beträgt die Küstenlänge rund 590 Kilometer.
Landschaftsformen Die teils noch dicht bewaldeten Westghats im Osten steigen im Durchschnitt 1500 Meter auf. Die höchste Erhebung des Bundesstaates und der gesamten Westghats ist der 2695 Meter hohe Anamudi. Das Gebirge fällt nach Westen über eine Hügellandschaft zur höchstens 120 Kilometer breiten, fruchtbaren Küstenebene am Arabischen Meer ab. Über den mittleren Küstenabschnitt, zwischen Kochi und Kollam, erstrecken sich die Wasserstraßen, Seen und Lagunen der Backwaters. Deren größtes Gewässer ist der Vembanadsee südlich von Kochi. Fast alle Flüsse entspringen in den Westghats. Keralas längster Strom ist der Periyar.
Klima Das Klima ist tropisch mit geringen Temperaturschwankungen im Jahresverlauf und wird stark vom Monsun beeinflusst. Der Südwestmonsun setzt in Kerala im Regelfall Anfang Juni ein und bringt bis Oktober ergiebige Niederschläge. Fast die gesamte jährliche Niederschlagsmenge, die zwischen 1250 mm im Tiefland und 5000 mm im Gebirge beträgt, fällt während der Monsunperiode. Von Oktober bis Mai ist es zwar trocken, die Luftfeuchtigkeit ist aber dennoch ganzjährig hoch. 2001 machte ein Roter Regen in Kerala von sich reden.
Bevölkerung
Sprachen mini|Ein Schild auf Malayalam in Kasaragod Kerala ist ein sprachlich sehr homogener Bundesstaat. Die Hauptsprache Malayalam wird von 97 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Es dient als alleinige Amtssprache des Bundesstaates. Die größte Minderheit sind die Sprecher des Tamil, die vor allem in den Distrikten Palakkad und Idukki leben. Im nördlichsten Distrikt Kasaragod wird von etwa 125.000 Menschen Tulu gesprochen. Entlang der Küste leben außerdem rund 70.000 Konkani-Sprecher. Koraga ist die Muttersprache einiger tausend Stammesangehöriger im Norden. Englisch ist als Bildungs- und Wirtschaftssprache weit verbreitet.
+ Sprachen in Kerala (2011)DDW-C16-STMT-MDDS-3200.XLSX (C-16: Population by mother tongue. Kerala) In Sprache Sprecher Anteil Malayalam 32.413.213 97,0 % Tamil 502.516 1,5 % Sonstige 490.332 1,5 % Summe 33.406.061 100 %
Religionen mini|Vadakkunnathan-Tempel in Thrissur mini|Cheraman-Freitagsmoschee in Kodungallur mini|Kirche in Kadamattom In religiöser Hinsicht ist Kerala gemischt. Hindus stellen mit 55 Prozent (Volkszählung 2011) der Bevölkerung zwar die Bevölkerungsmehrheit, ihr Anteil ist aber deutlich niedriger als im landesweiten Durchschnitt, wo er etwa 80 Prozent beträgt. Der Anteil von Muslimen (27 Prozent) und Christen (18 Prozent) liegt dabei deutlich über den gesamtindischen Durchschnitt (14 Prozent bzw. 2 Prozent). Die verschiedenen Glaubensrichtungen sind bereits seit vielen Jahrhunderten in Kerala vertreten und existieren weitgehend friedlich nebeneinander.
Der Islam wurde in Kerala nicht wie in Nordindien durch zentralasiatische Eroberer, sondern schon deutlich früher durch arabische Händler eingeführt. So soll die Cheraman-Freitagsmoschee in Kodungallur im Jahr 629 – also noch zu Lebzeiten des Propheten Muhammad – erbaut worden sein. Heute gehört Kerala zu den indischen Bundesstaaten mit dem höchsten muslimischen Bevölkerungsanteil. Vor allem in Nordkerala ist der Islam stark vertreten. Im Distrikt Malappuram stellen Muslime sogar die Bevölkerungsmehrheit.
Mit über sechs Millionen Christen beherbergt Kerala die größte christliche Population aller indischen Bundesstaaten. Am höchsten ist der christliche Bevölkerungsanteil in den Distrikten Zentralkeralas (Kottayam, Ernakulam etc.), wo um die 40 Prozent der Einwohner christlichen Glaubens sind. Die Christen Keralas sind vor allem Thomaschristen, die ihren Ursprung bis auf den Apostel Thomas zurückführen. Sie sind in verschiedene Konfessionen gespalten: Anhänger der Römisch-katholischen Kirche oder der mit Rom unierten Ostkirchen, d. h. die Syro-Malabaren, die Syro-Malankaren und die Lateinische Kirche (Westkirche), bilden die Mehrheit; außerdem gibt es indisch-orthodoxe (Malankara Orthodox-Syrische Kirche), syrisch-orthodoxe und anglikanische Christen sowie eine kleine Minderheit von Protestanten. Die Thomaschristen der verschiedenen Richtungen sind fest in die Gesellschaftsordnung integriert. Sie werden als konvertierte Brahmanen angesehen, missionieren nicht und bilden eine der oberen Schichten bzw. Kasten in Kerala. Dagegen sind die Angehörigen der Lateinischen Kirche und der protestantischen Missionskirchen zumeist niedrigkastige oder kastenlose Konvertiten.
Bis ins 20. Jahrhundert gab es in Kerala eine nennenswerte jüdische Bevölkerungsgruppe, die sogenannten Cochin-Juden. Diese sind laut ihrer eigenen Überlieferung seit der Zerstörung des Tempels im 1. Jahrhundert, spätestens aber seit dem frühen Mittelalter in Kerala ansässig. Seit der Gründung Israels sind fast alle Cochin-Juden dorthin ausgewandert.
+ Religionen in Kerala (2011)DDW32C-01 MDDS.XLS (C-01: Population by religious community. Kerala) In Religion Angehörige Anteil Hinduismus 18.282.492 54,7 % Islam 8.873.472 26,6 % Christentum 6.141.269 18,4 % Sonstige 108.828 0,3 % Summe 33.406.061 100 %
Bildung Von allen Bundesstaaten Indiens weist Kerala mit 93,9 Prozent (Männer: 96,0 Prozent, Frauen: 92,0 Prozent) die höchste Alphabetisierungsrate auf. Der gesamtindische Durchschnitt liegt dagegen bei nur 74,0 Prozent (Stand jeweils Volkszählung 2011). Nach dem jährlichen Bildungsreport der Pratham Education Foundation besuchten im Jahr 2012 über 60 % der Schüler in Kerala Privatschulen. Die Anwesenheitsrate in Grundschulen war mit 94,4 % eine der höchsten unter Indiens Bundesstaaten, die Tendenz war gegenüber 2009 noch steigend. 92 % der Schulen in Kerala erfüllen die Vorgaben, die das Gesetz über das Recht auf Bildung an das Schüler-Lehrer-Verhältnis stellt (in ganz Indien sind es nur 43 %). Der Anteil der Schulen, in denen es pro Lehrer wenigstens ein Klassenzimmer gab, sowie der Schüler, die in der 5. Klasse grundlegende Rechenfähigkeiten hatten, nahm zwischen 2009 und 2012 – entgegen dem indienweiten Trend – zu.Ministry of Finance, Government of India: Economic Survey 2012-13. S 286.
In Kerala gibt es sieben Universitäten, die University of Kerala in Thiruvananthapuram, die Cochin University of Science and Technology in Kochi, die Kannur University, die Calicut University in Kozhikode, die Mahatma Gandhi University in Kottayam, die Kerala Agricultural University in Thrissur und die Sree Sankaracharya University of Sanskrit in Kalady.
Siedlungsstruktur mini|Thiruvananthapuram ist die größte Stadt Keralas Die Siedlungsstruktur Keralas unterscheidet sich stark von den meisten anderen Gegenden Indiens. Statt klar abgegrenzter Ortschaften mit umliegenden unbebauten Gebieten herrschen hier raumgreifende Streusiedlungen vor. Entsprechend lassen sich Städte und Dörfer oft nur schwer abgrenzen. Dies spiegelt sich auch in den offiziellen Statistiken wider. Nach der Volkszählung 2011 gibt es in Kerala 520 Städte und 1018 Dörfer. Von den Städten sind aber nur 59 Statutarstädte, d. h. Städte im juristischen Sinne. Die restlichen 461 sind „Zensusstädte“, d. h. Dörfer, die aufgrund bestimmter demografischer Kriterien statistisch als Städte gezählt werden. Bei der vorigen Volkszählung 2001 waren in Kerala noch 60 Statutarstädte und nur 99 Zensusstädte gegenüber 1364 Dörfern registriert worden. Der Unterschied in der statistischen Definition der Städte und Dörfer erklärt auch den sprunghaften Anstieg des Anteils der Stadtbevölkerung von 26 Prozent im Jahr 2001 auf 48 Prozent im Jahr 2011. Die Urbanisierungsrate gehört damit zu den höchsten Indiens und liegt deutlich über dem Landesdurchschnitt von 31 Prozent.
Die größte Stadt Keralas ist die im Süden des Bundesstaates gelegene Hauptstadt Thiruvananthapuram (Trivandrum) mit rund 752.000 Einwohnern (Volkszählung 2011), gefolgt von Kochi (Cochin) in Zentralkerala, das rund 602.000 Einwohner zählt. Die größte Stadt Nordkeralas ist Kozhikode (Calicut) mit rund 432.000 Einwohnern.Census of India 2011: Provisional Population Totals. Cities having population 1 lakh and above. (PDF; 154 kB) Andere wichtige Städte sind Kollam (Quilon, 350.000 Einwohner) und Alappuzha (Alleppey, 174.000 Einwohner) im Süden sowie Thrissur (Trichur, 316.000 Einwohner) und Palakkad (Palghat, 131.000 Einwohner) in Zentralkerala. Verglichen mit dem Rest Indiens sind die Einwohnerzahlen der größten Städte Keralas eher gering. Aufgrund der erwähnten Besonderheiten in der Siedlungsstruktur des Bundesstaates greifen die Agglomerationen der Städte aber oft weit über die eigentlichen Stadtgrenzen hinaus. So gibt es nach Volkszählung 2011 in Kerala sieben Agglomerationen mit jeweils mehr als einer Million Einwohnern, nämlich Kochi (2,1 Millionen), Kozhikode (2,0 Millionen), Thrissur (1,9 Millionen), Malappuram (1,7 Millionen), Thiruvananthapuram (1,7 Millionen), Kannur (1,6 Millionen) und Kollam (1,1 Millionen).
Bevölkerungsentwicklung Aufgrund einer niedrigeren Geburtenrate als in anderen indischen Bundesstaaten und stetiger Auswanderung, vor allem in die arabischen Golfstaaten, hatte Kerala von 2001 bis 2011 nur noch ein moderates Bevölkerungswachstum (+4,91 %). Jahr Einwohnerzahl 1901 6.396.262 1911 7.147.6731921 7.802.127 1931 9.507.050 1941 11.031.541 1951 13.549.118 1961 16.903.715 1971 21.347.375 1981 25.453.680 1991 29.098.518 2001 31.841.374 2011 33.406.061
Geschichte Frühgeschichte Eine Legende besagt, dass ein Mann namens Parashurama, eine Inkarnation des Vishnu, der eine Siedlung für seine Krieger suchte, von den Göttern Land aus dem Meer zugesprochen bekam. Er musste allerdings seine Axt von einem Berg im jetzigen Norden Keralas werfen. Dort, wo seine Axt landete, verwandelte sich das Meer in Land und der Teil zwischen den Bergen und dem Meer wurde zum heutigen Kerala.
Soweit die Legende, doch tatsächlich ist nur wenig über Keralas frühe Geschichte bekannt. Vieles ist ungesichert oder nur in Legenden und Mythen überliefert. So soll der Apostel Thomas im Jahre 52 in Muziris (heute Kodungallur) gelandet sein – der antiken Hafenstadt, die im 1. Jahrhundert n. Chr. auch der römische Gelehrte Plinius der Ältere erwähnte – und das Christentum nach Kerala gebracht haben. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es durch christliche Kaufleute aus Syrien eingeführt worden ist. Belegt sind christliche Gemeinden erst seit dem 4. Jahrhundert. Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem 70 n. Chr. soll es angeblich auch eine Masseneinwanderung von Juden nach Muziris gegeben haben. Möglicherweise gab es aber auch vorher schon Juden an der Malabarküste.