mini|hochkant=1.4|Berlin-Buch nördlich der A 10

Buch ist ein Ortsteil des Bezirks Pankow in Berlin und der nördlichste der Stadt. Den an der Panke liegenden Ort prägen der historische Dorfkern, der Schlosspark, umfassende Krankenhausanlagen und moderne Neubausiedlungen.

Geographie

Buch im Barnim

Buch liegt auf dem Barnim, dessen Hochfläche sich recht deutlich über die umgebenden Talungen erhebt, im Norden und Nordosten das Eberswalder Urstromtal mit dem Oder-Havel-Kanal und dem Oderbruch, im Südosten die Buckower Rinne, im Süden das Berliner Urstromtal mit der Spree sowie im Westen das Zwischenurstromtal der Havel. Der Oberlauf der Finow sowie die Panke bilden die Grenze zwischen dem tieferen Westbarnim und dem höheren Mittelbarnim.

In Buch befindet sich der nördlichste Punkt von Berlin . Nachbarn sind, jeweils von West nach Ost betrachtet, die brandenburgischen Gemeinden Wandlitz und Panketal im Norden sowie die Pankower Ortsteile Blankenfelde, Französisch Buchholz und Karow im Süden.

Gliederung mini|In den Jahren 2007/2008 erbaute Schloss­park­passage II im Zentrum von Buch

Das Zentrum erstreckt sich um den Bahnhof Buch. Daran schließt sich im Osten der historische Dorfkern um Alt-Buch an. Dieser geht eine Verbindung mit dem weitgehend leerstehenden Waldhaus und mit dem Plattenbaugebiet Buch III, das sich südlich der Wiltbergstraße fortsetzt, ein. Außerdem gruppieren sich lose um die historische Mitte: die Siedlung Zepernicker Straße, der Ludwigpark, die Bucher Spitze (Städtische Zentrale Buch), der Hufeland-Klinikcampus, die Siedlung Buch (Siedlungsstraße) und Buch II. Den Südosten des Ortsteils nehmen der Campus Berlin-Buch, Buch I und IV ein. Im Osten schmiegt sich die Siedlung Alpenberge (Straße 4) an die Landesgrenze. Die bebaute Fläche liegt größtenteils südöstlich der Bahnstrecke Berlin–Szczecin bzw. der Panke. Nordwestlich gruppieren sich die Kolonie Buch, das Ludwig-Hoffmann-Quartier, die Klinikum-Siedlung (Südteil Röbellweg) und die Sandhäuser. An der Hobrechtsfelder Chaussee stehen zwei ungenutzte Krankenhäuser und tief im Bucher Wald der Wohnpark Allées des Châteaux. Im äußersten Westen befindet sich beiderseits des Berliner Rings ein Gewerbegebiet. Die Struktur der verschiedenen Quartiere ist recht vielgestaltig. Etwa die Hälfte der Gemarkung ist unbebaut.

Die Erschließung der Fläche zwischen der Moorlinse Buch und der A 10 soll die Zentrumsfunktion des Bahnhofs stärken, widerspricht aber dem Naturschutz.

Oberflächenform Im Osten begleitet eine fast zusammenhängende, relativ steil ansteigende Grundmoräne das linke Ufer der Panke. Dort markiert der Stener Berg mit den höchsten Punkt. Das Gebiet westlich des Höhenrückens zeigt ein geringeres Maß an Höhenlagen und -unterschieden. Den größten Teil füllt ein Sander aus. Die östliche Abflussrinne des Wandlitz-Ladeburger Sanders vereinigt sich nördlich von Buch mit dem Panke-Sander. Zunächst schlauchartig, verengt er sich auf seinem Weg gen Süden zum Berliner Urstromtal trichterförmig. Ganz im Westen liegt die Mühlenbecker Grundmoräne, durchbrochen von der Niederung der Fennbuchte. An beiden besitzt Buch einen kleinen Anteil. Insgesamt zeigt die Landschaft eine leichte Ost-West-Wellenform und ein Nord-Süd-Gefälle.

Der Sander präsentiert sich nur auf den ersten Blick als vollkommen eben. In ihn haben sich die Niederungen der Panke sowie des Lietzengrabens und seiner Nebenbäche eingegraben. Den Niveauunterschied zeigen mitunter prägnante Geländekanten an. Zudem sind in die Täler nochmals eine Vielzahl kleiner Becken wie die Moorlinse Buch, die Karower Teiche oder der Bogensee eingetieft. Nördlich und nordöstlich von Letzterem existieren noch einige kurze Kastentäler. Die Panke durchfließt nur eine schmale Rinne. Das Einzugsgebiet des Lietzengrabens geht hingegen stärker in die Breite. Sein eigentliches Tal verengt sich kurz vor der Pankemündung, im Umfeld des Berliner Rings auf nur 50 Meter.

Erdgeschichte Einführung mini|

Die jüngere Erdgeschichte setzte vor 1,8 Millionen Jahren mit dem Quartär ein. In Berlin-Brandenburg prägte dieses System das bis heute anhaltende Quartäre Eiszeitalter. In der ersten Serie des Quartärs, dem Pleistozän wechselten sich mehrere Kalt- und Warmzeiten ab. Die zweite Serie, der Holozän besteht bisher aus einer Warmzeit.

+ Gliederung des Quartärs Serie Kalt- und Warmzeiten Holozän Holozän-Warmzeit Pleistozän Weichsel-Kaltzeit Eem-Warmzeit Saale-Kaltzeit Holstein-Warmzeit Elster-Kaltzeit

Während der Kaltzeiten dehnte sich der Fennoskandische Eisschild von Nordwesten nach Südosten aus bzw. zog sich in entgegengesetzter Richtung zurück. Örtlich gab es von dieser Hauptrichtung erhebliche Abweichungen. Zudem formte der Eisrand keine gerade Front, sondern glich eher einer Girlande. Während einer Kaltzeit traten zwei verschiedene Phasen auf. Während eines Stadials stieß der Eisschild schnell vor, in einem Interstadial war die Vorwärtsbewegung verlangsamt, stand still oder das Eis zog sich zurück. Dort, wo der Gletscher stoppte, befand sich eine Eisrandlage. Setzte danach ein Abschmelzen ein, bildete sich meist eine glaziale Serie. Vom Eiszentrum aus betrachtet, folgten auf die Grundmoräne, die Endmoräne, der Sander und das Urstromtal. Daher dienten Eisrandlagen als sicherste Methode zur Gliederung der Kaltzeiten. Ablagerungen des Schmelzwassers aus Sand, Kies und/oder Schotter vor dem vorrückenden Eis heißen Vorschüttung, vor dem abtauenden Eis Nachschüttung.

Bucher Erdgeschichte Die zeitliche Datierung des Quartärs im Berliner Raum ist unter Geologen in der Diskussionsphase (Stand: 2004) und weicht teilweise erheblich voneinander ab. Daher werden in diesem Abschnitt keine Zeiten angegeben oder sind mit Vorsicht zu betrachten. Als Bezugspunkt dient das Jahr 2000.

Seine Hauptprägung erhielt der Barnim während der Saale-Kaltzeit. Sie legte u. a. die Täler von Panke und Lietzengraben an. Während der Eem-Warmzeit durchflossen sie eine baumbestandene Landschaft. Im Streifen von Niederschönhausen–Pankow im Süden über Buchholz–Buch in der Mitte bis Ladeburg im Norden fanden Bohrungen statt. Die Pollenanalyse der Bohrkerne belegte den Eem-Wald. Die Weichsel-Kaltzeit nutzte die älteren Formen des Saale-Komplexes, veränderte sie aber nicht wesentlich.

Die Maximalausdehnung der letzten Eiszeit erreichte die Brandenburg-Phase. Die Eisrandlage beschrieb ungefähr die Linie Beelitz–Luckenwalde–Baruth–Lübben–Guben. Schon unter dem abtauenden Inlandeis floss Schmelzwasser. Dabei nutzte es wohl bereits die Entwässerungsbahnen von Panke und Lietzengraben. Als das Eis die Bucher Landschaft vor etwa 18.000 Jahren freigab, blieben Grundmoränen sowie in den oben erwähnten Kleinbecken Reste des Gletschereises zurück. Diese Toteisblöcke verhinderten ein Auffüllen. Die Flüsse verbanden kleine Tümpel in einer fast vegetationslosen Gegend. Sie trugen in ihren Bereichen die weichselzeitliche Grundmoräne weitgehend ab, die Panke arbeitete sie auch zu einer Steinsohle auf. Als Nachschüttung hinterließen beide Sande und Kiese. Der Abschluss des Schichtpakets aus Eiskeilen, Flugsanden, Windkantern und pollenführenden Stillgewässer-Sedimenten wurde als Karower Interstadial interpretiert.

Zu Beginn der Frankfurt-Phase pausierte das Abschmelzen. Die Eisrandlage verlief auf dem Barnim von Prenden über Rüdnitz nach Tempelfelde, weiter über Werneuchen nach Buckow, bei unterschiedlich starker Ausprägung. Nach Wiedereinsetzen des Niedertauens überspülten zwei bis fünf Meter Sand und Kies das Toteis, zudem entstand im subarktischen Klima ein Dauerfrostboden. Dieser doppelte Schutz bewahrte die Gletscherreste rund 4000 Jahre lang. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand zog sich das Eis weit nach Norden zurück, vielleicht sogar bis in den südlichen Ostsee-Raum. Während der Pommern-Phase stieß es erneut vor. Die Eisrandlage im Raum Joachimsthal–Chorin–Oderberg schuf später das Eberswalder Urstromtal. Schmelzwasser spielte seitdem in der Bucher Gegend keine Rolle mehr.

Ab Anfang des Weichsel-Spätglazials löste sich der Permafrostboden langsam auf. Das Lockermaterial darüber sackte nach und brachte kleine Seen hervor. In diese lagerten sich im Wechsel der Jahreszeiten Feinsand und Schluff ab. Am flachen Rand der Becken bildete sich Wiesenkalk, z. B. im Nordteil der Karower Teiche, im Mittelbruch oder im gesamten Panketal. Das Wegtauen der Gletscherreste löste auch die Erosion von Panke und Lietzengraben in die Tiefe aus. Ihr Talbeginn verschob sich stetig gen Norden. Wo der Dauerfrost noch vorhanden war, verhinderte er eine Seitenabtragung, so entstanden Kastentäler mit steilen Talflanken. Die Tundra unterbrachen nur gelegentlich Zwergsträucher. In der Älteren Dryaszeit begann das Verfüllen der Becken mit Mudde. Im Alleröd-Interstadial startete die Vermoorung sowie mit Birken und Kiefern die Wiederbewaldung. Die Grundmoränen und höheren Bereiche des Sanders beeinflusste im Spätglazial hauptsächlich Windtransport. Markante Dünen formten sich aber erst außerhalb von Buch.

Mit der holozänen Klimaerwärmung wanderte Etappenweise die heutige Pflanzen- und Tierwelt ein. Panke und Lietzengraben mäandrierten durch Täler mit schwach vermoorten Randbereichen. Die meist nur flachen Seen verlandeten recht schnell, bis Mitte des 19. Jahrhunderts waren aus ihnen Moore mit mehreren Meter mächtigen Torf- und Mudde-Schichten geworden. Der Mensch begann ab der Jungsteinzeit den Wald für Felder, Weiden und Siedlungen zu roden. Während der Deutschen Ostsiedlung im Mittelalter wurden entlang der Panke Mühlteiche aufgestaut. Der dadurch angehobene Grundwasserspiegel ließ die Moore an den Talrändern stärker anwachsen. Die kleiner gewordenen Wälder dienten als Viehweide. In der Neuzeit kamen Entwässerungssysteme, Fischteiche, Flussbegradigungen, monotone Kiefern-Forste, Rieselfelder, Torfstiche und eine stärkere Bebauung hinzu. Trotz, manchmal wegen der menschlichen Eingriffe birgt die Bucher Landschaft einen immensen natürlichen Wert.

Geologie und Böden Den Untergrund bilden größtenteils Sand, Kies und Geschiebemergel aus den Eiszeiten. Die Sedimente der Elster-Kaltzeit stehen in Buch relativ dicht unter der Oberfläche, die Hauptablagerungen stammen aus der nachfolgenden Saale-Kaltzeit. Darüber folgt abschnittsweise eine Mudde- und Torf-Schicht aus der Eem-Warmzeit, z. B. erschlossen im Germanenbad. Die Weichsel-Kaltzeit zeigt sich nur in geringer Mächtigkeit. Auf den Grundmoränen ist der Geschiebemergel übersandet. Im Sander stehen anstelle der ausgeräumten bzw. zur Steinsohle aufgearbeiteten Grundmoräne nur bis 5 Meter Schmelzwasserablagerungen an. Die Torfentstehung reicht bis ins Holozän.

+ Bodengesellschaften in Buch und Umgebung Ausgangsmaterial Leitboden Begleitboden Nutzung Gefährdung Grundmoränenplatten mit sandigen Deckschichten Braunerde-Fahlerde, Braunerde Braunerde-Gley, Braunerde-Pseudogley, Kolluvisol Siedlungen, großflächiges Ackerland Flächenversiegelung, Bodenerosion durch Wasser und Wind, teilweise Strukturschäden durch Bodenverdichtung Täler und Rinnen, teilweise Moore Braunerde, Podsol-Braunerde, Humusgley Gley, Anmoorgley, Niedermoorboden Mischwald, teilweise Erlenbruch, Grünland Moordegradierung bei Grundwassersenkung Einstige Rieselfelder Regosol, Podsol-Braunerde, Kolluvisol, Podsol-Gley Aufforstung, Ödland Anreicherung mit Schadstoffen, Bodenversauerung

Die Berliner Rieselfelder hinterließen besonders wegen der unsachgemäßen Anwendung des ursprünglichen Konzepts eine hohe Anreicherung der Böden mit Nähr- und Schadstoffen. Das zur ökologischen Sanierung entwickelte Bucher Verfahren kam erstmals 1998 im Bucher Forst zur Anwendung.

Gewässer mini|hochkant|Furt über den Lietzen­graben zwischen Eisen­bahn und Auto­bahn an einem regner­ischen Sommer­tag