Lola Montez ist ein deutsch-französischer Historienfilm über das Leben von Lola Montez, der Tänzerin und Mätresse des bayrischen Königs Ludwig I. Er basiert auf der romanhaften Biografie Von Glück und Trauer trunken. Lola Montez (Originaltitel: Lola Montès) von Cécil St. Laurent. Zu seiner Entstehungszeit 1955 war er mit über sieben Millionen Mark der teuerste Film, der seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland gedreht wurde. Es war der erste Farbfilm des Regisseurs Max Ophüls und gleichzeitig sein letzter Film vor seinem Tod 1957.

Handlung

Ein peitscheschwingender Stallmeister kündigt in einem Zirkus der Menge die „Attraktion des Jahrhunderts“ und „das interessanteste Raubtier“ des Zirkus an: Die ehemalige königliche Mätresse Maria Dolorès Porriz y Montez, Gräfin von Landsfeld, genannt Lola Montez. Sie wird reich geschmückt in die Zirkusmanege getragen, wo ihr im ersten Teil der Show Fragen gestellt werden dürfen. Für eine Frage müssen 25 Cent gezahlt werden, die jedoch nicht als Gage für Lola Montez verwendet werden, sondern von ihr, wie der Stallmeister ankündigt, an ein Erziehungsheim für gefallene Mädchen gespendet werden. Die Menge ruft Lola Montez Fragen zu, etwa zu ihrer Taillenweite und ihren Affären, die jedoch vom Stallmeister launig beantwortet werden. Eine Liebhaberparade beginnt, während der Zirkusartisten die Anzahl der Liebhaber Lola Montez’ darstellen. Die Frage, ob sich die Gräfin von Landsfeld noch an das erinnere, was früher war, führt bei Lola Montez zu einer ersten Rückblende auf ihre Affäre mit dem Komponisten Franz Liszt.

Die Affäre mit Franz Liszt

Franz Liszt und Lola Montez sind in einer Kutsche nach Rom unterwegs, jedoch bemerkt der Komponist, der für Lola Montez Stücke schreibt, zu denen sie vor Publikum tanzt, dass ihrer Kutsche eine weitere folgt. Er weiß sich nun als bloßer Liebhaber, da Lola Montez in die andere Kutsche umsteigen wird, sobald sie ihn verlassen will. In einer Herberge übernachten beide. Franz Liszt will Lolas Verlassen zuvorkommen. Er zerreißt den eben fertiggestellten Abschiedswalzer und will heimlich das gemeinsame Zimmer verlassen, doch ertappt Lola Montez ihn dabei und beide verbringen eine letzte Nacht zusammen. Am nächsten Morgen trennen sich ihre Wege, Lola Montez liest die zerrissenen Noten auf, woraufhin Liszt meint, dass sie wenigstens seiner Musik treu bliebe.

Kindheit und Jugend

In der Zirkusmanege kündet der Stallmeister einen Szenen- und Kostümwechsel an, da man sich nun mit der Kindheit und Jugend von Lola Montez beschäftigen werde. In einer Rückblende sieht man die jugendliche Lola mit ihrer Mutter ein Schiff nach Paris besteigen. Während sich ihre Mutter eine Kabine mit ihrem Liebhaber Leutnant James teilt, muss Lola Montez im Schlafsaal zusammen mit anderen Mädchen übernachten. In Paris angekommen soll sie nach dem Willen ihrer Mutter mit einem alten Baron verheiratet werden, der als Bankier der Familie tätig war. Sie flüchtet zusammen mit Leutnant James, der ihr seine Liebe gesteht. Beide heiraten.

Der Stallmeister verkündet zu Beginn des „2. Akts“ in der Manege, dass die Ehe glücklich war, doch zeigt ein Rückblick, dass Lola Montez in Wirklichkeit nach fünf Jahren vor ihrem gewalttätigen, ständig betrunkenen und fremdgehenden Ehemann flüchtet. Es folgt das weitere Leben der Lola Montez, in der Manege dargestellt in aufwendigen Standbildern und Spielszenen. Lola Montez gibt ihr Debüt als Tänzerin in Madrid, wird von einem reichen Russen entführt, dessen Liebe sie zurückgewiesen hatte und kann erst durch die Intervention des französischen Gesandten befreit werden. Während dieser Geschehnisse in der Manege erscheint ein Arzt beim Direktor des Zirkus, der noch als Clown verkleidet die Tageseinnahmen zählt. Er weist ihn darauf hin, dass Lolas Herz schwach ist und sie sich schonen sollte.

Lola erzählt nun selbst ihre Geschichte. Sie tanzte am Tivoli und war in den Kapellmeister verliebt. In einer kurzen Rückblende wird gezeigt, wie sie auf der Bühne erfährt, dass er verheiratet ist. Sie ohrfeigt den gerade dirigierenden Kapellmeister und stellt ihn anschließend vor seiner Frau bloß. Sie wird dadurch bekannt, der Stallmeister besuchte sie damals und bot ihr einen Vertrag beim Zirkus an, den sie jedoch ablehnte.

In der Manege wird Lola Montez’ schwindelerregender Aufstieg in der Gesellschaft nachvollzogen. Während die Zahl ihrer Geliebten vorgelesen wird, die von Richard Wagner über Frédéric Chopin zum Graf von Lichtenfeld und dem Großherzog von Hessen immer mächtiger werden, schwingt sich Lola Montez an einem Trapez immer höher in die Zirkuskuppel hinauf, bis sie auf der obersten Plattform steht. Hier setzt der Rückblick auf ihr Leben in Bayern ein.

Lola Montez und Ludwig I. von Bayern mini|Im Gegensatz zu Stielers Porträt der Lola Montez, das Ludwig I. tatsächlich in Auftrag gegeben hat, zeigt das Porträt im Film Lola Montez schließlich nackt. Lola Montez spricht in den verschneiten Bergen einen wandernden Studenten an, der ihr, in der Kutsche mitgenommen, den Weg nach München zeigt. Hier will Lola als Tänzerin Karriere machen, doch wird sie nicht engagiert. Kurz vor ihrer Abreise beginnt sie eine Affäre mit Ferdinand von Freiberg, über den sie mit König Ludwig I. in Verbindung zu kommen hofft. Sie erhält eine Audienz beim König und beklagt sich über fehlende Auftrittsmöglichkeiten. Zweifel über eine schlechte Figur erstickt sie im Keim, indem sie ihr Mieder vor Ludwig I. aufreißt („Ich bin sehr gut gewachsen, wollen Sie sehen?“). Der König vermittelt ihr einen Auftritt als Tänzerin im Münchner Hof- und Nationaltheater, nach dem sie abreisen will. Er hält sie am Hof, indem er ein Porträt von ihr in Auftrag gibt, dessen Fertigstellung er immer weiter verzögern lässt. Sie wird seine Mätresse, mischt sich jedoch auch immer mehr in die Politik ein. Die Bürger rebellieren gegen Lola Montez, die schließlich nachts mithilfe des Studenten, den sie auf dem Weg nach München kennengelernt hat, über die Grenze nach Österreich flieht. Die Möglichkeit eines einfachen Lebens als Frau des Studenten lehnt sie ab, da etwas in ihr zerbrochen sei und sie nicht mehr lieben könne.

Finale

Der Stallmeister verkündet in der Manege, dass sich Lola Montez schließlich an sein Angebot der Zusammenarbeit erinnert hätte und so zum Zirkus kam. Sie tritt hier seit vier Monaten jeden Tag auf und beendet ihre Show mit einem Sprung von einer Plattform in der Zirkuskuppel ohne Netz auf eine gepolsterte Matte. Der Arzt bittet den Zirkusdirektor, diesmal das Netz gespannt zu lassen, doch der Stallmeister fürchtet, das Publikum zu enttäuschen und entfernt das Netz. Die Sprung-Einstellung aus der Sicht Montez’ lässt den Ausgang offen, man sieht sie aber am Ende in einem vergitterten Wagen sitzen. Die männlichen Zuschauer drängen sich vor dem Wagen, um Lola Montez für einen Dollar die Hand zu küssen. Der Stallmeister gesteht Lola Montez, dass er ohne sie nicht existieren könne. Sie entgegnet ihm resigniert: „Das Leben geht weiter.“

Entstehung

„Lola Montez“ wurde als Großprojekt geplant, das die Theorie eines europäischen Films in die Tat umsetzen sollte.Lola Montez: Ophüls und sein Zirkus. In: Der Spiegel. 14. September 1955, S. 38. Daher wurde der Film sowohl auf Französisch, Deutsch und Englisch gedreht. Als Regisseur wurde der deutsche Regisseur Max Ophüls gewonnen, der dem Stoff zunächst kritisch gegenüberstand, jedoch nach Beschäftigung mit der Biografie Lola Montez’ mit der Arbeit am Drehbuch für einen Schwarz-Weiß-Film begann.

Die Produktionsfirmen rechneten von Anfang an mit einem Erfolg des Films und besetzten ihn mit hochkarätigen Darstellern. Das französische Sexsymbol der 1950er Jahre Martine Carol wurde im September 1954 engagiert und erhielt eine Gage von umgerechnet rund 350.000 Mark, Adolf Wohlbrücks Gage betrug 100.000 Mark.Lola Montez: Ophüls und sein Zirkus. S. 39. Da Ophüls den Film um die Idee eines Zirkus kreisen lassen wollte, in dem Lola Montez vor dem Publikum in der Manege Fragen zu ihrem Leben beantwortet, entschieden sich Produktion und Verleih, den Film als Farbfilm drehen zu lassen. Obwohl die Produktionsfirma terminierte Verträge mit den Darstellern abgeschlossen hatte, verzögerte sich der Beginn der Dreharbeiten, da Ophüls erst nach langen Probeaufnahmen in einen Farbfilm einwilligte. Er schrieb das Drehbuch um, um Farben bewusst im Film einzusetzen.

Da CinemaScope-Filme beim Publikum zunehmend beliebter wurden, wurde das „Prestigeprojekt“ zudem in dem damals neuen Aufnahmeformat geplant. Dies zog erneute Änderungen des Drehbuchs nach sich, die schließlich auch hohe Kosten für Vertragsverlängerungen der beteiligten Schauspieler bedeuteten, die teilweise in der ersten Vertragslaufzeit keinen einzigen Drehtag erlebt hatten. „Ich habe angefangen zu arbeiten, zwei Tage bevor der Vertrag vorbei war“, schrieb Hauptdarsteller Peter Ustinov rückblickend.Martina Müller, Werner Dütsch: Lola Montez – Eine Filmgeschichte. In: Stefan Drößler (Red.): Lola Montez. Filmmuseum München, München 2002, S. 6.

mini|Drehort für die Parade König Ludwig I. war die Gegend um den Monopteros im Englischen Garten in München. mini|Der Zirkusbau des Films war acht Meter höher als der Bau des Circus Krone in München. Der erste Drehtag fand Mitte Februar 1955 statt, Drehorte waren in den folgenden Monaten Paris, Nizza, Schloss Weißenstein in Pommersfelden, Bamberg und die Bavaria Film in München. Da sich Ophüls im Gegenzug für einen Dreh in CinemaScope zusichern lassen hatte, dass ihm „alle technischen und künstlerischen Mittel zur Verfügung gestellt werden“Lola Montez – Eine Filmgeschichte. S. 5. stiegen die Kosten des Films in zur damaligen Zeit unerreichte Höhen. Für das ausgeklügelte Farbkonzept des Films wurden Wege künstlich eingefärbt, für eine Einstellung, in der Schnee benötigt wurde, schaffte man das Set in die Hohen Tauern, während die Szenen der Parade von Ludwig I. im Englischen Garten am Monopteros aus dem Winter in den Sommer verlegt wurden und daher alle Kostüme umgearbeitet werden mussten.Hans R. Beierlein: 1000 Komparsen jubeln im Englischen Garten. In: Abendzeitung. München, 5. Mai 1955. Für die Zirkusszenen, die die Rahmenhandlung und den roten Faden des Films darstellen, baute man einen festen Zirkusbau, da der Bau des Circus Krone in München für Max Ophüls’ Vorstellungen zu niedrig war,Ophüls und sein Zirkus. S. 40. und engagierte den Zirkus Brumbach mit Artisten und Tieren. Jede Szene wurde auf Französisch, Deutsch und Englisch gedreht, sodass sich die Produktionskosten und die Drehzeit immer mehr erhöhten.

Zwei Umstände retteten den Film vor dem vorzeitigen Drehstopp aufgrund Geldmangels: Der Verleiher der Union-Film Reinegger hatte den Film „Lola Montez“ gegen Überschreitung der vorgesehenen Drehzeit von 82 Tagen durch höhere Gewalt versichern lassenDie Überschreitung um 18 Tage konnte durch Krankheit der Hauptdarstellerin und starken Regen in München begründet werden. Vgl. Ophüls und sein Zirkus. S. 41. und durch den Kauf und anschließenden Kinokassenerfolg des Heimatfilms Der Förster vom Silberwald ausreichend finanzielle Mittel, um „Lola Montez“ fertigstellen zu lassen.

Insgesamt hatte „Lola Montez“ zum Zeitpunkt seiner Kinopremiere 7,2 Millionen D-Mark verbraucht,Vgl. Lola Montez – Eine Lehre? In: Der Spiegel. 25. Januar 1956, S. 35. was Ophüls in einem Interview kommentierte:

Reaktionen Misserfolg bei der Premiere und Kritik