mini|hochkant|Bildnis Christian Duttenhofers von der Hand eines unbekannten Künstlers (1804)Das Bild entstammt der Sammlung von Bildnissen Deutscher Künstler in Rom, – Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte, Rom, Inventarnummer 80096. Die 1832 begonnene Sammlung enthält 142 Künstlerbilder, darunter acht früher geschaffene Bildnisse, wozu auch das von Duttenhofer aus dem Jahr 1804 gehört. Da es die „No. 94“ trägt, wurde es der Sammlung wohl erst lange nach 1832 einverleibt. Siehe auch: , abgerufen am 1. März 2011, und: Schroedter 2008, S. 101, Nr. 74. Christian Friedrich Traugott Duttenhofer (* 4. August 1778 in Gronau; † 16. April 1846 in Heilbronn) war ein deutscher Kupferstecher. Er war zu seiner Zeit vor allem bekannt für seine Landschaftsstiche, die er meist nach fremden Vorlagen anfertigte und als Einzelblätter oder Buchillustrationen veröffentlichte. Seine Frau war die Scherenschnittkünstlerin Luise Duttenhofer und sein Sohn der Kupferstecher Anton Duttenhofer.
Leben Christian Duttenhofer wurde am 4. August 1778 in GronauHeute ein Ortsteil von Oberstenfeld. als Sohn des evangelischen Pfarrers Christian Friedrich Duttenhofer und seiner Frau Johanna Christiane Duttenhofer geb. Hummel (1752–1814) geboren. Sein sechs Jahre jüngerer Bruder Carl (Rudolph Heinrich) Duttenhofer (1784–1805) studierte Architektur und starb im jugendlichen Alter von 21 Jahren in Rom. Zwei andere, vor Christian geborene Geschwister starben im Kleinkindalter. Der Vater wurde ein Jahr nach Christians Geburt als Prediger nach Heilbronn berufen, 1803 zum ersten württembergischen Dekan und 1810 zum Generalsuperintendenten ernannt. Christians Lebensmittelpunkt blieb bis zu seiner Verheiratung im Jahr 1804 die Stadt Heilbronn.
Kindheit und Jugend Bereits in seiner Kindheit und Jugend legte Duttenhofer „den Grundstein zu seiner wissenschaftlichen und künstlerischen Ausbildung, denn er fühlte eine unwiderstehliche Hinneigung zur Malerei und Zeichenkunst, und besonders Kupferstecherei, und zeichnete sich auch in lezteren Kunst bald aus.“ Im Jünglingsalter begab er sich zur weiteren Ausbildung nach Stuttgart, wo er sich aber nur kurz aufhielt, weil er „gefunden hatte, daß er hier zu wenig Gelegenheit habe, Etwas zu lernen“.Beide Zitate aus: Griesinger 1840, Sp. 272. Diese wenig konkrete Beschreibung von Duttenhofers Ausbildung in seiner Vaterstadt Heilbronn und in der Residenzstadt Stuttgart sind das einzige Zeugnis über diesen Zeitabschnitt seines Lebens.
Studium und Berufseinstieg Nach seinem Stuttgarter Aufenthalt (es ist nicht bekannt, wann und wie lange) begab sich Duttenhofer nach Dresden. Dort studierte er an der Kunstakademie als Schüler des Landschaftsmalers Johann Christian Klengel, bei dem er auch Zeichenunterricht genoss. Er besuchte eifrig die berühmte Gemäldegalerie und das Kupferstichkabinett, wo er sich an den alten Meistern schulen konnte. Spätestens 1802,Nach Apell 1880, S. 130, und Andresen 1870, S. 415, ist der Kupferstich La Solitude 1802 in Wien entstanden. eher früher, wechselte er an die Wiener Kunstakademie, um dort sein Studium fortzusetzen.
1803 und 1804Die oben abgebildete Zeichnung mit dem Bildnis Duttenhofers ist bezeichnet „Ch. Duttenhofer d[en] 2. Mai 1804. Paris.“ Der Aufenthalt in Paris im Jahr 1804 ist sonst nicht belegt. hielt er sich jeweils in Paris auf (wie lange, ist nicht bekannt), wo er im Auftrag seines Förderers, des in Paris lebenden deutschen Kupferstechers Johann Georg Wille, einige Blätter für das Reproduktionsstichwerk Le Musée Français stach.
Heirat Am 29. Juli 1804 heiratete Duttenhofer im Alter von 26 Jahren in Heilbronn seine zwei Jahre ältere Cousine Luise Hummel aus Stuttgart. (Christians Mutter war eine Schwester von Luises Vater Georg Bernhard Hummel (1741–1779)).
Zum gemeinsamen Leben des Ehepaars siehe: Luise Duttenhofer, Romreise und Luise Duttenhofer, Leben in Stuttgart.
Berufsleben Nach einigen Quellen wurde Duttenhofer 1809 als Professor an die Stuttgarter Kunstschule berufen.Thieme-Becker, AKL. Die Kunstschule wurde jedoch erst 1829 gegründet und die Bewerbung Duttenhofers für eine Anstellung im Jahr 1830 abgelehnt.Hauptstaatsarchiv Stuttgart, E 11 Bü 81, Bericht des Ministeriums des Innern an König Wilhelm vom 12. Oktober 1830. Auch in den folgenden Jahren wurde Duttenhofer im Königlich-Württembergischen Hof- und Staats-Handbuch nicht unter den Professoren oder Zeichenlehrern der Kunstschule aufgeführt. Andererseits wird er in zeitgenössischen Dokumenten als Professor bezeichnet.Evangelisches Totenbuch der Stadt Heilbronn, Nekrolog, Faber 1846. Man muss daher annehmen, dass er an einer anderen, ebenfalls als Kunstschule bezeichneten Schule als Professor oder Lehrer beschäftigt war.
Duttenhofer war ein fleißiger und tüchtiger Reproduktionsstecher und konnte seiner Familie einen angemessenen Lebensunterhalt sichern. Er stach viele Einzelblätter und viele Reproduktionsstiche, vor allem für Reiseführer und ähnliche Bücher. 1809 hielt er sich erneut in Paris auf und stach einige weitere Blätter für Le Musée Français. 1820 reiste er wieder nach Paris, diesmal mit Sulpiz Boisserée, für dessen Kölner Domwerk er zwei Blätter gestochen hatte und der in Paris die Vollendung seines Werkes betrieb. Nach dem Tod seiner Frau im Jahr 1829 war Duttenhofer beruflich kaum noch aktiv, jedenfalls sind aus den 1830er und 1840er Jahren keine datierbaren Werke bekannt außer einer 1842 veröffentlichten Panoramakarte des Neckars, die er zusammen mit seinem Heilbronner Kollegen Theodor Rausche stach.
Letzte Lebensjahre 1834, fünf Jahre nach dem Tod seiner Frau, verkaufte Duttenhofer das Haus in der Casernenstraße 10 in StuttgartHeute etwa gegenüber Leuschnerstraße 9 (). an den Literaturkritiker Wolfgang MenzelMenzel 1877, S. 211. und mietete sich eine Wohnung in der Hospitalstraße 14. Im gleichen Jahr zog er schließlich zurück in seine alte Heimat nach Heilbronn in die Fleiner Straße 22.Mitteilung vom 19. Januar 2011 von Annette Geisler, Stadtarchiv Heilbronn: „Im Heilbronner Ratsprotokoll 1834 findet sich unter dem 11. Dezember (S. 929v-930r) der Eintrag, dass C.F.T. Duttenhofer das Aufenthaltsrecht in Heilbronn erhält (»als Bürger der Gemeinde Gronau«). Nach den Heilbronner Adressbüchern für die Jahre 1836 und 1843 wohnte Duttenhofer in der Fleinerstraße (Haus Nummer 10).“ – Das damalige Haus Nummer 10 entspricht dem heutigen Haus in der Fleiner Str. 22 (). Über Duttenhofers Heilbronner Jahre ist wenig bekannt. Sein Sohn Anton, Kupferstecher wie er selbst, starb bereits 1843 im jugendlichen Alter von 31 Jahren. Mit ihm zusammen und später allein verkehrte er bei dem Dichter-Arzt Justinus Kerner im Kernerhaus in Weinsberg. Im Jahr 1835 fungierte Duttenhofer übrigens als einer von mehreren angesehenen und daher glaubhaften Zeugen, um die Geistererscheinungen der inhaftierten Geisterseherin Katharina Eslingerin zu dokumentieren, über die der „Oberamtsarzt zu Weinsberg“ Justinus Kerner 1836 sein Buch über Erscheinungen aus dem Nachtgebiete der Natur, durch eine Reihe von Zeugen gerichtlich bestätigt veröffentlichte.Kerner 1836. Theobald Kerner, Justinus Kerners Sohn, erinnerte sich 51 Jahre später: Duttenhofer „hatte sich in hohem Alter aus der Residenz nach Heilbronn zurückgezogen und lebte da still und bescheiden, doch nicht ohne liebe Freunde […].“Kerner 1897, S. 103–104.
Theobald Kerner berichtet weiter: „Auch mein Vater freute sich, wenn er ihn sah, doch geschah dies in letzter Zeit selten; es hieß, er sei krank und menschenscheu geworden.“Kerner 1897, S. 104. Duttenhofer litt an unheilbarem Zungenkrebs, und als er bei seinem letzten Besuch Justinus Kerner nach seiner ärztlichen Meinung fragte, um sich die Ausweglosigkeit seiner Situation bestätigen zu lassen, wurde dieser „bleich und schwieg“.Kerner 1897, S. 104. Wahrscheinlich aus „Verzweiflung“ aufgrund der täglichen Schmerzen und der Befürchtung, er müsse verhungern, erschoss sich Duttenhofer auf dem Rückweg von Weinsberg nach Heilbronn mit einer Pistole.Nach dem Heilbronner Ratsprotokoll vom 23. April 1846 (S. 325r). Mitteilung vom 19. Januar 2011 von Annette Geisler, Stadtarchiv Heilbronn. Laut dem evangelischen Totenbuch der Stadt Heilbronn starb er durch „Selbstmord mittelst Erschiessen“, „wahrscheinlich am 8ten April, im Walde erst aufgefunden am 20ten“. Theobald Kerner hingegen behauptet, ohne ein Datum anzugeben: „Eine Stunde darauf [nach Duttenhofers Besuch bei Kerner] kam die Nachricht ins Städtle, im Walde oben liege ein alter Herr mit weißen Haaren tot unter einer Eiche.“Kerner 1897, S. 104. Der Nekrolog auf Duttenhofer vom 27. Juni 1846 gab ohne Quellenangabe als Todesdatum den 16. April 1846 an, das in allen nachfolgenden Veröffentlichungen übernommen wurde. Die Beerdigung fand laut Totenbuch am 21. April 1846 in Heilbronn statt.
Werk mini|hochkant|Flüsschen mit HolzbrückeZeichnung (1809)aus dem Stammbuch Friedrich von Matthissons mini|hochkant|Sulpiz Boisserée auf den Spitzen des Kölner Domes, Scherenschnitt von Luise Duttenhofer (rechts unten sitzt Christian Duttenhofer und sticht eine Platte)
Zwei Jahre nach Duttenhofers Tod, im Jahr 1848, wurde sein Nachlass bei einer Auktion am 16. Februar 1848 zu Leipzig versteigert. Man muss annehmen, dass er damals „in alle Winde zerstreut wurde“, jedenfalls ist nichts Näheres über die Auktion, und wer was ersteigerte, bekannt. Sein Werk lässt sich (ebenso wie sein Lebenslauf) nur anhand fremder Zeugnisse rekonstruieren. Insbesondere fehlen Skizzenbücher, die er mit einiger Wahrscheinlichkeit z. B. während seines Rom-Aufenthalts geführt hat, und wir kennen auch keine Skizzen oder Zeichnungen, in denen er seine Frau oder seine Kinder porträtiert hätte.
Der Zeichner Von seinem zeichnerischen Werk sind nur wenige Proben bekannt: zwei Landschaftszeichnungen von 1809, die er dem Dichter Friedrich von Matthisson für sein Stammbuch schenkte,Matthisson 2007. zwei wahrscheinlich um 1800 entstandene Uracher Landschaften, die er selbst zeichnete und stach, von denen aber nur die Stiche überkommen sind, und zwei nicht näher beschriebene Zeichnungen, die 1812 in der ersten Stuttgarter Kunstausstellung gezeigt wurden.Rapp 1812.
Der Kupferstecher Die frühen Jahre. Duttenhofer war ein sehr produktiver und tüchtiger Reproduktionsstecher und stach viele Blätter nach den Vorlagen anderer Künstler, als Einzelblätter, für Ansichtsserien oder zur Illustration von Büchern. Seine frühesten bekannten Stiche sind Arbeiten für einen Taschenkalender, zu dem er zwischen 1799 und 1802 elf Beiträge im Sedez-Format (nicht ganz DIN A6) lieferte. Zu den frühen Blättern gehören auch die beiden Uracher Landschaften, die um 1800 entstanden sein sollen, und zwei Kupferstiche, die er 1802 während seines Studiums an der Wiener Kunstakademie stach: La Solitude (Die Einsamkeit) nach Richard Wilson und eine beifällig aufgenommene Gebirgslandschaft nach Annibale Carracci.
Die Hauptschaffensperiode. Zwischen 1802 und 1815 lieferte er Blätter für ein österreichisches Ansichtsserienwerk des Malers Martin von Molitor und drei österreichische Reiseführer von Joseph August Schultes. Sowohl Molitor wie auch Schultes wird er wohl während seiner Zeit an der Akademie in Wien kennengelernt haben. 1803 und 1804 und dann noch einmal 1809 weilte Duttenhofer in Paris und stach acht große Blätter für das Prachtwerk des Musée Français. Das Domenichino-Blatt entstand 1803 und wurde im gleichen Jahr im ersten Band des Werks veröffentlicht. Wann und wo er die übrigen Blätter gestochen hat, ist unbekannt.