Das West Indies Cricket Team, verkürzt auch als The West Indies oder The Windies bezeichnet, ist eine internationale Cricket-Mannschaft. Es ist eine der „Nationalmannschaften“, in denen sich Spieler aus mehr als nur einem Land befinden, und wird von Cricket West Indies (CWI) geleitet. Das West Indies Cricket Team vertritt die unabhängigen Staaten der Westindischen Inseln Antigua und Barbuda, Barbados, Dominica, Grenada, Jamaika, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Trinidad und Tobago, den südamerikanischen Staat Guyana sowie die abhängigen Gebiete Amerikanische Jungferninseln, Anguilla, Britische Jungferninseln, Montserrat und Sint Maarten. In den meisten dieser Staaten und Gebiete gilt Cricket als Nationalsport. Die West Indies verfügen über ihre eigene Flagge und eine eigene Hymne. Die West Indies sind eines der zwölf Vollmitglieder des International Cricket Council und dürfen somit Test-Cricket-Spiele (was allgemein als die angesehenste Form des Crickets gilt) austragen.

Das Team bestritt sein erstes Test Match 1928 in England. Größte Erfolge sind der Gewinn der ersten beiden Cricket World Cups (1975 und 1979), der Sieg bei der ICC Champions Trophy 2004 sowie der zweimalige Gewinn des T20 World Cup (2012 und 2016). 21 ehemalige Spieler der West Indies wurden in die ICC Cricket Hall of Fame aufgenommen.

Geschichte Einführung von Cricket und erste Touren mini|hochkant|Learie Constantine spielte in den 1920er und 1930er Jahren Test-Cricket für die West Indies und gilt als einer der ersten besten Spieler Wie in anderen Teilen der Welt brachten britische Siedler das Cricketspiel in die Karibik, wo es rasch Beliebtheit erlangte. Die Cricketgeschichte begann dort in den 1880er Jahren, als eine repräsentative Mannschaft für eine Tour nach Kanada und in die Vereinigten Staaten zusammengestellt wurde. Das erste dokumentierte Cricketspiel in der Karibik wurde zwischen örtlichen Mannschaften ausgespielt, die aus „weißen“ Spielern und englischen Besuchern bestanden – der Middlesex-Spieler Robert Slade Lucas unternahm 1894/95 erstmals mit einer englischen Mannschaft eine Tour in die Karibik, und zwei Jahre später führte Arthur Priestley eine Mannschaft nach Barbados, Trinidad und Jamaika, die erstmals gegen eine „All West Indies“-Mannschaft spielte, jedoch gegen den Gastgeber verlor. Lord Hawkes’ englische Mannschaft, die auch einige Testspieler mit sich führte, tourte aufgrund eines Missverständnisses zur gleichen Zeit in die Karibik und spielte gegen Trinidad, Barbados und Britisch-Guayana (heute Guyana). 1900 führte der „weiße“ Trinidader Aucher Warner, Bruder des späteren englischen Kapitäns Pelham Warner, eine Mannschaft nach England, deren Spiele in England jedoch keinen First-Class-Status besaßen. Zwei Jahre später, 1901/02, tourte Hampshire, angeführt von ihrem Wicket-Keeper Richard Bennett, in die Karibik und bestritt drei Spiele gegen eine „West Indies“-Mannschaft, die der Gastgeber mit 2–1 gewann. 1904/05 tourte Lord Brackleys Mannschaft in der Karibik und gewann beide Spiele gegen die West Indies.

Die Englandtouren fanden 1906 eine Fortsetzung, als Harold Austin eine Mannschaft der West Indies nach England anführte. Seine Mannschaft spielte gegen mehrere County-Mannschaften und erreichte in dem Spiel gegen eine „England XI“ ein unentschieden. Die englische Mannschaft setzte jedoch nur einen ihrer damaligen Test-Spieler ein – den Wicket-Keeper Dick Lilley – der nicht an Englands vorhergehender Südafrikatour 1905/06 teilnahm. Der Marylebone Cricket Club (MCC), der die Aufsicht über alle offiziellen englischen Touren übernahm, besuchte 1910/11 und 1912/13 die Karibik, bis zum Besuch der West Indies 1923 in England pausierten jedoch die gegenseitigen Besuche, vor allem als Folge des Ersten Weltkrieges. Während der Tour bestritten die West Indies jedoch kein Spiel gegen England, dafür wurde ein traditionelles Spiel zum Ende der Saison zwischen HDG Leveson-Gowers Mannschaft und einer virtuellen englischen Test-Mannschaft beim Cricketfest in Scarborough ausgetragen, das Leveson-Gowers Mannschaft mit vier Wickets gewann. 1925/26 unternahm der MCC wieder eine Tour in die Karibik.

Der MCC war eifrig dabei, das Cricket im gesamten Empire zu fördern, und am 31. Mai 1926 wurde der westindische Verband, zusammen mit seinen indischen und neuseeländischen Äquivalenten, Vollmitglied der Imperial Cricket Conference (heute International Cricket Council, ICC), die zuvor nur aus dem MCC und Vertretern aus Australien sowie Südafrika bestanden hatte. Nach ihrem Beitritt zum ICC durften die West Indies von nun an als vierte Mannschaft offizielle Tests spielen, die als wichtigste internationale Cricketspiele gelten. Die ersten fanden vom 23. bis 26. Juni 1928 gegen England im Londoner Lord’s statt. Die Englandtour der West Indies 1928 verlief jedoch enttäuschend, nachdem man alle drei Tests verlor und es versäumte, zumindest 250 Runs in den eigenen Innings zu erzielen. Es gelang auch nicht, Englands Spiel auf unter 350 Runs zu begrenzen und England dominierte die gesamte Testserie über.

Frühe Tests (1930er und 1940er Jahre) mini|links|Das West Indies Cricket Team der Australientour 1930/31 mini|Der Australier Bill Hunt mit dem West Indies Learie Constantine während der Australientour 1930/31 mini|Arbeiter aus den West Indies während des Zweiten Weltkrieges im Vereinigten Königreich, darunter der Cricketspieler Learie Constantine mini|links|Die Cricketspieler der West Indies George Francis, Learie Constantine und Herman Griffith bei der Australientour 1930/31 Das West Indies Cricket Team spielte in den 1930er Jahren 19 Tests in fünf Testserien gegen England und eine gegen Australien. Davon bestritt sie die ersten vier gegen eine englische Mannschaft, die, angeführt von Freddie Calthorpe, 1929/30 eine Karibiktour unternahm. Gleichzeitig führte Harold Gilligan eine andere englische Mannschaft nach Neuseeland, wodurch die Engländer in der Karibik nicht in voller Stärke antreten. Die Testserie endete mit 1–1 und die West Indies erzielten am 26. Februar 1930 ihren ersten Test-Sieg. George Headley erzielte die meisten Runs (703) und Learie Constantine die meisten Wickets (18).

Die West Indies unternahmen 1930/31 ihre erste Australientour. Man verlor die Testserie jedoch deutlich mit 1–4. Im letzten der fünf Tests geschah die eine oder andere Überraschung – die West Indies begannen als Schlagmannschaft und erzielten in den ersten drei Tagen einen Vorsprung von 250 Runs mit noch fünf übrig bleibenden Wickets im zweiten Innings. Die Bowler versetzten den Australiern einen großen Schlag, nachdem Herman Griffith vier Wickets erzielte und die West Indies ihren ersten Auswärtstest mit 30 Runs gewannen. Als die Mannschaft die Heimreise antrat, hatte man das australische Publikum beeindruckt, obwohl sie zu Beginn verschiedene kulturelle Herausforderungen zu meistern hatten – so waren ihre Gastgeber davon überrascht, dass ihre römisch-katholischen Gäste sich weigerten, am Sonntag Golf zu spielen und einen etwas raueren Umgang ablehnten. Das ausschließlich von „Weißen“ angeführte West Indies Cricket Team hatte neben sieben „Weißen“ auch elf „Einheimische“ in seinen Reihen; der Verband informierte die australischen Gastgeber darüber, „dass alle im selben Hotel übernachten sollen“. Australien verfolgte damals die White Australia-Politik („Weißes Australien“), und das Australia Cricket Board musste der Regierung versichern, dass alle „nichtweißen“ Spieler Australien nach der Tour wieder verlassen würden. Nach der Ankunft des West Indies Cricket Teams in Sydney wurden die „weißen“ Spieler in einen anderen Hotel als die „schwarzen“ Spieler untergebracht. Die Mannschaft protestierte dagegen und dem Wunsch nach einer gemeinsamen Unterkunft wurde entsprochen. Die Tour verursachte hohe Kosten im von der Weltwirtschaftskrise erschütterten Australien. Die West Indies gewannen vier ihrer 14 First-Class-Spiele.

1933 unternahm das West Indies Cricket Team eine Englandtour. Der Gastgeber war gerade von seinem Seriensieg in Australien bei der umstrittenen Bodyline Series 1932/33 zurückgekehrt, bei der Englands aggressives Bowling auf dem Körper mit mehreren englischen Feldspielern auf der Leg-Side heftig kritisiert wurde. England gewann die Testserie von drei Tests gegen die West Indies mit 2–0. Der zweite Test im Old Trafford, der in einem Remis endete, war ein interessanter Nachhall auf die Bodyline Series, da Manny Martindale und Learie Constantine Bodyline – schnelle, kurze Bälle direkt auf den Körper des Batter – gegen die Engländer bowlten, das einzige Mal, dass den Engländern selbst solche Bowls widerfuhren. Diese Strategie war jedoch nicht vom erhofften Erfolg gekrönt, da Douglas Jardines Wicket, der englische Kapitän, der seine Mannschaft gegen Australien zum Bodyline riet, nicht fiel und er sein einziges Century in Tests, 127 von Englands 374 Runs, erzielen konnte.

1934/35 unternahm England eine Karibiktour. England gewann den ersten Test nach Regenschauern auf einer schwachen Pitch in Barbados mit vier Wickets, nachdem insgesamt 309 Runs erzielt worden waren. Beide Mannschaften erklärten eine Declaration, um einen Vorteil aus der schwachen Pitch ziehen zu können. Den zweiten Test gewann das West Indies Cricket Team mit 217 Runs, und nach einem Remis im dritten Test wurde die Serie im vierten Test im Sabina Park in Jamaika entschieden. Herausragende 70 Runs ohne Verlust seines Wickets durch George Headley ließen die West Indies mit 535 Runs für sieben Wickets gewinnen. Trotz eines Century von Les Ames konnte England seine Niederlage nicht vermeiden und verlor mit einem Innings und 161 Runs – die West Indies gewannen somit ihre erste Testserie überhaupt.

1939 unternahmen die West Indies eine Englandtour. England gewann den ersten Test im Lord’s deutlich mit acht Wickets, darauf folgte ein Remis nach Regen in Manchester, und ein Remis mit hohem Ergebnis im The Oval Mitte August. Höhepunkt der West Indies Tour waren George Headley Centuries in beiden Innings im Lord’s. Aufgrund der sich zuspitzenden politischen Lage im Vorfeld des Tage später ausbrechenden Zweiten Weltkrieges mussten die anschließend geplanten Tour Matches abgesagt werden und die Mannschaft trat die Heimreise an. Der erste Test nach dem Krieg gegen England am 21. Januar 1948 endete in einem Remis. Der zweite Test endete ebenfalls in einem Remis, und sowohl George Carew als auch Andy Ganteaume erzielten Centuries. Ganteaume war danach jedoch nicht mehr Teil der Mannschaft, und er beendete seine Testkarriere mit einem Batting Average von 112 Runs – die höchste in der Test-Geschichte. Das West Indies Cricket Team gewann die letzten beiden Tests und damit auch die Testserie mit 2–0.

1948/49 unternahmen die West Indies ihre erste Tour in das kurz zuvor unabhängig gewordene Indien und bestritten fünf Tests. Auf dem Weg dorthin legten die West Indies einen Zwischenstopp in Pakistan ein, und nach der Indientour folgte ein ähnlicher Besuch in Ceylon. Nach drei Remis mit hohen Ergebnissen gewannen die West Indies den vierten Test mit einem Innings, bevor im fünften Test die indische Mannschaft noch sechs Runs – mit zwei Wickets übrig – vom eigenen Sieg entfernt war, um die Testserie für sich zu entscheiden. Nachdem jedoch die Zeit verstrichen war, gewannen die West Indies die Testserie mit 1–0. Nach seinem Century in der Testserie gegen England stellte Everton Weekes einen neuen Rekord von Centuries in fünf aufeinanderfolgenden Innings auf.

Nachkriegsjahre (1950er Jahre) mini|Die drei westindischen Cricketspieler Frank Worrell, Everton Weekes und Clyde Walcott während der Australientour 1951/52