Die Ahrtalbahn ist eine teilweise zweigleisige, elektrifizierte Nebenbahn durch das Ahrtal, die ursprünglich von Remagen bis Adenau führte. Der Abschnitt Hönningen–Adenau wurde 1985 und der Abschnitt Ahrbrück–Hönningen 1999 stillgelegt. Durch das Hochwasser der Ahr am 14. Juli 2021 wurden die Bahnanlagen talaufwärts von Walporzheim weitgehend zerstört. Am 8. November 2021 wurde der Zugbetrieb zwischen Remagen und Ahrweiler wieder aufgenommen, zunächst eingleisig, seit dem 12. Dezember 2021 verkehrten die Züge wieder bis Walporzheim. Der Abschnitt Walporzheim–Ahrbrück wird seit Mitte Dezember 2025 wieder befahren und die Elektrifizierung wurde abgeschlossen.Nach der Flutkatastrophe: Neue Ahrtalbahn nimmt Betrieb auf., tagesschau.de, abgerufen am 12. Dezember 2025.
Geschichte mini|links|Querung der Ahr bei Marienthal (2018) 19. Jahrhundert: Bau und Inbetriebnahme Nachdem Remagen seinen Schienenanschluss bereits 1858 durch die linke Rheinstrecke der Rheinischen Eisenbahngesellschaft bekommen hatte, erhielt das gleiche Unternehmen am 23. September 1879 eine Ministerialverfügung zum Bau einer Stichstrecke durch das Ahrtal. Am 17. September 1880 eröffnete die Gesellschaft das erste Teilstück bis Ahrweiler, das am 1. Dezember 1886 bis Altenahr und am 15. Juli 1888 bis Adenau weitergeführt wurde.
1900–1945 links|mini|Die alte Trasse bei Lochmühle 1919 Aus strategischen Gründen begann 1910 der Bau eines zweiten Gleises von Remagen bis zum Abzweig Liers. Gleichzeitig wurde die ursprüngliche Strecke teilweise verlegt.
Das Hochwasser der Ahr am 13. Juni 1910 riss die Baugerüste mit und zerstörte mit ihnen und anderem Treibgut Kantinen und alle Straßenbrücken außer der von Rech. Die Schäden im Ahrtal wurden auf deutlich über drei Millionen Mark (entspricht heute etwa Millionen EuroDiese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 100.000 EUR gerundet und bezieht sich auf Januar .) geschätzt. Unter den 53 Menschen, die den Tod fanden, waren italienische Bahnarbeiter und andere, jedoch keiner aus dem Ahrkreis. Ab 18. Juni konnte die Eisenbahn wieder bis Altenahr verkehren. links|mini|Bahn- und Straßentunnel in Altenahr zur Zeit der amerikanischen Besatzung 1919 1912 wurde die Bahnstrecke Dümpelfeld–Hillesheim (Eifel)–Lissendorf eröffnet. Sie folgt der Ahr flussaufwärts und biegt bei Ahrdorf (Ahr) in das Tal des Ahbachs ein. Mit der Dümpelfelder Kurve (Abzw Liers–Abzw Insul) wurden die Strecken nach Adenau und Hillesheim verbunden.
Die Bahnstrecke Ahrdorf (Ahr)–Blankenheim (Wald) wurde 1913 eröffnet. Sie stellte die Verbindung vom Ahrtal über Blankenheim an die Eifelbahn her. Parallel dazu entstand in Kreuzberg (Ahr) ein Bahnbetriebswerk (Bw). links|mini|1940 an der „Bunten Kuh“ Eine Strecke von Adenau nach Daun (Luftlinie 22 Kilometer, siehe auch Bundesstraße 257), von 1917 bis 1944 als Planung dargestellt, wurde nicht gebaut. Auch hier wären die Gründe für den Bau überwiegend militärischer Natur gewesen.https://www.eisenbahn-tunnelportale.de/lb/inhalt/tunnelportale/3000.html#geschichte Denkschrift von 1926 Aus strategischen Gründen wurde die Ahrtalbahn über die Ludendorff-Brücke (1918 fertiggestellt; bekannt als Brücke von Remagen) an die Rechte Rheinstrecke angeschlossen.Übersichtskarte des Eisenbahn-Direktions-Bezirks Cöln, Zustand 1. Juni 1917, D.I.1.Nr.134. Nachdruck der Karten- und Luftbildstelle der DB, Mainz Nach dem Einsturz der Brücke am 17. März 1945 wurden sie und die Zufahrten abgebaut.
Eine strategische Bahn als Entlastungsstrecke der Verbindung zwischen dem Ruhrgebiet und der Mosel-Saar-Region und weiter nach Frankreich („Ruhr-Mosel-Entlastungslinie“) wurde ab 1904 aus Richtung Neuß über Liblar und Rheinbach bis nördlich des Ahrtals geplant und teilweise gebaut. Sie sollte über Ringen (Grafschaft) und Rech an die Ahrtalbahn und über Hillesheim in Gerolstein an die Eifelbahn anschließen. Der Bau ins Ahrtal hinunter nach Rech wurde in den 1920er Jahren eingestellt, weil die französische Besatzungsmacht den Weiterbau verbot. Im Adenbachtal nördlich von Ahrweiler stehen Viaduktpfeiler. Bereits fertiggebaute Tunnelabschnitte wurden im Krieg als Schutzbunker genutzt und ab 1960 als Regierungsbunker mit dem Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit (AdVB).
Am 16. August 1918 stießen bei Dümpelfeld ein Personenzug und ein Militärzug zusammen. 31 Menschen starben, 73 wurden verletzt.Hans Joachim Ritzau: Eisenbahn-Katastrophen in Deutschland. Splitter deutscher Geschichte. Bd. 1: Landsberg-Pürgen 1979, S. 79.
Durch den Bau des Westwalls ab 1938 erhielt die Ahrtalbahn erneut strategische Bedeutung. Im Laufe des Zweiten Weltkriegs wurde sie durch alliierte Luftangriffe und deutsche Sprengungen stark beschädigt. Sie war ab 1951 wieder durchgehend befahrbar.
1945–2000 Als Reparation wurde das zweite Streckengleis von Walporzheim bis Liers abgebaut. Die acht zerstörten Brücken wurden eingleisig wieder aufgebaut. Nach dem behelfsmäßigen Abschluss der Arbeiten war 1948 wieder ein durchgängiger Betrieb möglich.
Der Güterverkehr Hönningen (Ahr) – Adenau wurde am 31. Mai 1985 eingestellt. Mit einer Sondergenehmigung durfte nach einem Sturm bis März 1986 noch Holz von Adenau auf der schon stillgelegten Strecke transportiert werden. Bis zum 31. Dezember 1996 gab es noch Güterverkehr im Abschnitt Ahrbrück – Hönningen (Ahr), am 23. Dezember 1999 wurde der Abschnitt stillgelegt. Im Bereich Hönningen (Ahr) wurde die Bahntrasse 2001 zugunsten einer Umgehungsstraße im Rahmen der Bundesstraße 257 zurückgebaut.
Ab dem 2. Juni 1985 wurde der Personenverkehr auf den Abschnitt Remagen – Kreuzberg (Ahr) beschränkt und ein Stundentakt eingeführt. 1990 wurde das Angebot zwischen Remagen und Ahrweiler im Berufsverkehr auf einen Halbstundentakt verdichtet. Im Juni 1996 wurde der Personenverkehr auf dem Abschnitt Kreuzberg–Ahrbrück (vormals Brück (Ahr)) wieder aufgenommen.
21. Jahrhundert Bis zum Hochwasser 2021 Im November 2000 lösten Dieseltriebwagen die lokbespannten Wendezüge ab. Seit 2001 gibt es umsteigefreie Verbindungen von der Ahrtalbahn nach Bonn.
Auf der Trasse des zweiten Streckengleises wurde zwischen Rech und Altenahr der Ahr-Radweg als Bahntrassenradweg angelegt.
Im Jahr 2016 hatte der Verein „Freunde der Ahrtalbahn“ eine geplante Umstellung des Betriebsverfahrens auf einen technisch unterstützten Zugleitbetrieb zwischen Ahrweiler und Ahrbrück zur Personaleinsparung kritisiert.Ahrtalbahn auf dem Abstellgleis? Statt Modernisierung veraltete Betriebssysteme? Die DB Netz verfolgte diese Pläne daraufhin nicht weiter.
Im Juli 2019 wurde der Auftrag erteilt, die Strecke mit einem elektronischen Stellwerk auszurüsten.
Hochwasser im Juli 2021 mini|Zerstörte Strecke in Altenahr-Altenburg am 15. Juli 2021. An der Brücke der typische Stau von Treibgut. Während der Flutkatastrophe vom 14./15. Juli 2021 wurden sieben Brücken und 20 Kilometer Strecke zerstört. Der für den 17. Juli geplante Baubeginn für ein elektronisches Stellwerk entfiel.
Ab dem 15. Juli 2021 verkehrten die Züge der Linie RB 30 nach einer kurzen Unterbrechung nur noch zwischen Remagen und Bonn Hauptbahnhof, der Betrieb der RB 39 wurde eingestellt. Am 20. Juli 2021 wurde ein Schienenersatzverkehr eingerichtet,Fahrplan Schienenersatzverkehr Remagen–Ahrweiler, SPNV-Nord, Aufruf: 24. Juli 2021 digital der in unterschiedlichen Linienläufen die Orte zwischen Remagen und Ahrbrück bediente. Entsprechend dem Voranschreiten der örtlichen Aufbau- und Wiederherstellungsarbeiten mussten die Busfahrpläne wiederholt angepasst werden.
Die im Hinblick auf die zwischenzeitlich abgesagte Landesgartenschau 2023 durch den ÖPNV-Aufgabenträger zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 bestellte Ausweitung des Angebots auf der Linie RB 39, die wochentags bis Dernau zu einer Taktverdichtung auf 20 Minuten geführt hätte,SPNV Nord, Verbandsversammlung, TOP 5: Fahrplanverdichtung VAREO, 29. April 2021 entfiel.
Havarierte Fahrzeuge Sieben Triebzüge der Baureihe 620, die in Gerolstein, Densborn, Kordel und Kreuzberg (Ahr) abgestellt waren, wurden geflutet und stark beschädigt. Das in Kreuzberg havarierte Fahrzeug 620 045 wurde im Juli 2022 nach Ahrbrück überführt, wofür zum Teil neue Gleise gelegt werden mussten. Am 5. September 2022 wurde der Triebzug, in seine drei Wagen zerlegt, auf Straßenfahrzeugen nach Meckenheim an die Voreifelbahn transportiert und dort wieder aufgegleist. Anschließend folgte über die Schiene die Überführung nach Salzgitter zur Reparatur bei Alstom.Bericht des SWR, Videos und Texte, 7. September 2022, abgerufen am 5. Mai 2023Artikel im Generalanzeiger vom 7. September 2022, abgerufen am 5. Mai 2023Bericht im "Lok-Report" mit Bilderstrecke der Bergung, 8. September 2022, abgerufen am 5. Mai 2023
Wiederaufbau Der Betrieb wurde am 8. November 2021 zwischen Remagen und Ahrweiler eingleisig wieder aufgenommen. Dafür wurden beim Haltepunkt Heimersheim circa 1,2 Kilometer Gleise und 1,5 Kilometer Bahndamm instand gesetzt. Die Inbetriebnahme des zweiten Gleises war aufwändiger und erfolgte zu einem späteren Zeitpunkt. Auf dem Abschnitt Ahrweiler–Walporzheim verkehren seit dem 12. Dezember 2021 wieder Züge.Kirsten Verbeek, Leiterin und Sprecherin Nordrhein-Westfalen, Deutsche Bahn AG: Update Flutschäden: Strecken Essen–Wuppertal, Hagen–Rummenohl und Ahrweiler–Walporzheim ab Fahrplanwechsel wieder befahrbar, Pressemitteilung vom 10. Dezember 2021, abgerufen am 25. Dezember 2021.
Die Trasse zwischen Walporzheim und Ahrbrück wurde neu gebaut. Vor dem Wiederaufbau waren „Bestandsaufnahmen und detaillierte Planungen“ notwendig. Neun Brücken, fast alle Stützbauwerke und 14 km Oberbau sowie die übrige Infrastruktur wurden bis Sommer 2025 komplett erneuert. Bahndämme, Brücken und Durchlässe sollen künftig auch schwerem Hochwasser standhalten. Zugleich wird die Strecke elektrifiziert.db/schr: Ahrtalbahn: Bugrunderkundung für Elektrifizierung. In: Eisenbahn-Revue International 11/2022, S. 561. Mit dem Wiederaufbau wurde Ende 2023 begonnen. Um die von der Flut zerstörten Brückenteile zu recyceln, begann die DB, auf einer landwirtschaftlichen Fläche im Außenbereich der Gemeinde Grafschaft eine entsprechende Anlage zu errichten. Da keine Baugenehmigung vorlag, verhängte der Landkreis Ahrweiler einen Baustopp, die Behörden hatten erst nach Baubeginn von dem Vorhaben erfahren.https://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/kreis-ahrweiler-baustopp-deutsche-bahn-recyclinganlage-100.html Das elektronische Stellwerk für den Abschnitt von Remagen bis Walporzheim wurde mit neuen Signalen Anfang Dezember 2023 in Betrieb genommen. Auf dem Abschnitt Remagen – Walporzheim wurden im Frühjahr 2024 Fahrleitungsmasten gesetzt. Der Haltepunkt Bad Bodendorf erhält zwei neue Außenbahnsteige. So wurde von den Osterferien 2024 bis Pfingsten zuerst der Bahnsteig Richtung Walporzheim gebaut, danach erfolgte der Rückbau des alten Inselbahnsteigs. Der zweite Bahnsteig (Richtung Remagen) wurde dann gegen Sommer gebaut.https://www.blick-aktuell.de/Politik/Bahn-macht-in-Bad-Bodendorf-bei-neuen-Bahnsteigen-Tempo-581578.html
Am 8. Juli 2025 wurde mit der Eisenbahnüberführung Pützfeld die letzte Ahrbrücke des Wiederaufbaus eingeschoben. Sie war abseits ihrer Pfeiler gefertigt worden.https://www.ahrstrecke.de/aktuelles Da der Bahnhof Heimersheim an einer Engstelle des Flusslaufs lag und zudem nur aufwendig barrierefrei ausgebaut hätte werden können, wurde 700 Meter östlich davon als Ersatz der neue Haltepunkt Heimersheim/Lohrsdorf errichtet. Somit kann auch auf den Neubau der zerstörten Fußgängerbrücke verzichtet werden. Ein zusätzlicher Haltepunkt bei Heppingen soll geprüft werden, müsste allerdings eine reguläre Genehmigung erhalten.