mini|Schulterabzeichen der Forces Françaises à Berlin mit den Umrissen der Bezirke Reinickendorf und Wedding mini|Die vier Sektoren 1945 Als Forces Françaises à Berlin oder auch Forces Françaises de Berlin (deutsch: Französische Streitkräfte in Berlin), kurz auch "FFB", wurden die Einheiten der französischen Streitkräfte bezeichnet, die nach den Vereinbarungen von Jalta und der Potsdamer Konferenz in Berlin stationiert waren.
Geschichte Entsprechend den Vereinbarungen der Alliierten wurde Groß-Berlin nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht 1945 in vier Sektoren aufgeteilt. Nur den Siegermächten Frankreich, Sowjetunion, Vereinigtes Königreich und Vereinigte Staaten war es erlaubt, Besatzungstruppen in der Stadt zu stationieren. Dabei wurde Frankreich erst spät an den Planungen für die Teilung Deutschlands und Berlins beteiligt. Das erst im September 1944 von der deutschen Besatzungsmacht befreite Frankreichdhm.de abgerufen am 1. Juli 2022. wurde nicht zu den Verhandlungen der Siegermächte Sowjetunion, England und den USA über die Teilung Deutschlands und seiner Hauptstadt in Jalta im Februar 1945 und Potsdam im Juli und August 1945 eingeladen. Gleichwohl schloss die „Regierung des Freien Frankreichs“ unter Général de Gaulle am 10. Dezember 1944 in Moskau ein Abkommen mit der Sowjetunion über ein Mitspracherecht Frankreichs. Darüber hinaus wurde auf britischen und amerikanischen Wunsch auf der Konferenz von Jalta Frankreich eine eigene Besatzungszone in Deutschland zugestanden.Hermann Wentker: Das «Freie Frankreich» wird zur Siegermacht. In: NZZ, 26. Juni 2015. Josef Stalin stellte jedoch die Bedingung, dass die sowjetische Besatzungszone davon unberührt bliebe. Auch an der Verwaltung Berlins sollte Frankreich beteiligt werden.bpb.de abgerufen am 1. Juli 2022. So musste Großbritannien die zunächst für ihren Sektor Berlins zugedachten Bezirke Wedding und Reinickendorf im Norden Berlins an Frankreich abtreten.Udo Wetzlaugk: Die Alliierten in Berlin. Berlin-Verlag Arno Spitz, Berlin 1988, S. 26
Ebenso wie die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich hatte auch Frankreich in seinem Sektor Militäreinheiten stationiert. Gemeinsam mit Einheiten der USA und Großbritanniens rückte eine Vorhut der französischen Armee am 4. Juli 1945 in Berlin ein. Größere französische Truppeneinheiten folgten am 12. August 1945.Udo Wetzlaugk: Die Alliierten in Berlin. Berlin-Verlag Arno Spitz, Berlin 1988, S. 26 Die Einheiten der USA wurden als Berlin Brigade bezeichnet und die des Vereinigten Königreiches hießen Berlin Infantry Brigade.
Im Kalten Krieg sollten die Einheiten der westlichen Alliierten West-Berlin gegen sowjetische und ostdeutsche Truppen schützen. Im Nachkriegsdeutschland durften aufgrund des Potsdamer Abkommens keine Einheiten der Bundeswehr in Berlin stationiert werden. Die französische Armee stationierte ihre ersten Einheiten im Juli 1945 in Berlin und bezog zunächst die ehemalige Luftwaffenkaserne des Flakregiments 32 in der Ruppiner Chaussee 268 in Berlin-Heiligensee als Centre Jeanne d’Arc.berlin.de Abruf=2022-06-28 1947 zogen die Truppenteile in das Hauptquartier, dem Quartier Napoléon in Wedding um.
Nach dem Ende des Kalten Krieges zogen die Truppenkontingente der drei Westalliierten gemäß den Bestimmungen des Zwei-plus-Vier-Vertrages bis Juli 1994 aus Berlin ab.
Einheiten mini|Parade der Alliierten 1988 an der Straße des 17. Juni mit französischen Kampfpanzern AMX-30
Kampfeinheiten 11ème Régiment de Chasseurs (40x AMX-30B, 2x AMX-30D) 46ème Régiment d’Infanterie 110ème Compagnie du Génie Centre Entraînement de Commando (CEC No 10)
Unterstützungseinheiten 11ème Compagnie de Transmission Gendarmerie Berlin Hôpital Louis Pasteur Base Aérienne 165 (1x Max Holste MH1521 Broussard – 1988, 1x DHC-6-300 Twin Otter 1988–1994) 16va.be Groupement de Soutien Quartier Général Direction des Transports et de la Circulation de Berlin (TMFB – Train Militaire Français de Berlin) État-Major Détachement de l’Aviation Légère de l’Armee de Terre (DETALAT) (2x Cessna O-1 Bird Dog 1968–1993, 2x Sud-Ouest Alouette III 1987–1994) Direction Détachement du Matériel (DDM)
Untergeordnete Einheit Mission Militaire Française de Liaison (MMFL) in Potsdam
Train Militaire Français de Berlin (TMFB) mini|Ehemaliger Französischer Militärbahnhof in Berlin-Tegel mini|Waggon des Französischen Militärzuges im Alliierten-Museum, Berlin
Für den Transport der Militärangehörigen und deren Familien richteten die Forces françaises eine regelmäßige Zugverbindung ein, die dreimal wöchentlich von Straßburg im Elsass nach Berlin (West) verkehrte. Anfangs wurde hierfür der von der US-Besatzungsmacht betriebene Bahnhof Berlin-Wannsee genutzt, am 6. Dezember 1947 wurde ein eigener Militärbahnhof am Bahnhof Berlin-Tegel im Bezirk Reinickendorf in Betrieb genommen. Die Streckenführung erfolgte – wie auch die der amerikanischen und britischen Militärzüge – durch die sowjetische Besatzungszone – der späteren DDR – über Potsdam und Helmstedt. Nur zweimal war der Bahnbetrieb unterbrochen: Während der Berlin-Blockade von Juni 1948 bis Mai 1949 sowie während des Reichsbahnerstreiks im September 1980, da die Züge von Berlin (West) bis Helmstedt von Loks der Deutschen Reichsbahn gezogen wurden. Jährlich wurden mit dem TMFB 70.000 Reisende befördert, zu denen auch in den späteren Jahren französische Austauschschüler gehörten.Bezirksamt Reinickendorf von Berlin (Hrsg.): Die Franzosen in Berlin. Jaron Verlag, Berlin 1996 S. 153 Der Zug verkehrte bis zum September 1994.berlin.de abgerufen am 2. Mai 2022
Base Aérienne 165 Berlin-Tegel Da bei der Besetzung Berlins 1945 im geplanten französischen Sektor kein Flugplatz existierte, stellte die sowjetische Militärregierung in einem Abkommen vom 11. November 1945 dafür das Stolper Feld bei Hohen Neuendorf und das Gut Stolpe zur Verfügung. Zu einem Flughafenbau kam es jedoch nicht. Erst als durch die Berlin-Blockade 1948 die Frage der Versorgung von und der ungehinderte Zugang nach Berlin (West) dringend wurden, entschloss man sich an einem anderen Ort – auf dem Gelände eines ehemaligen Schießplatzes in Berlin-Tegel – zu einem Flughafenbau unter französischer Militärverwaltung.Bezirksamt Reinickendorf, 1996, S. 89
Am 5. November 1946 wurde aus der französischen Luftwaffenbasis BA (Base aérienne) 136 in Lahr/Schwarzwald die Abteilung DA (Détachement aérienne) 136 nach Berlin-Tempelhof im amerikanischen Sektor Berlins ausgegliedert. Somit war auch die französische Besatzungsmacht an der gemeinsamen Luftraumüberwachung Berlins durch die Siegermächte beteiligt. Am 25. April 1948 unterzeichneten die USA und Frankreich ein Abkommen dahingehend, dass Tegel unter französischem Kommando für die Dauer der Berlin-Blockade steht, die Amerikaner hingegen für Errichtung und Betrieb des Flugverkehrs verantwortlich sind. Weiterhin wurde vereinbart, dass 90 Tage nach Ende der Blockade alle Betriebsrechte an die Franzosen übergehen.Base aérienne 165 Berlin-Tegel. Ministère des Armées, Service historique de la Défence; servicehistorique.sga.defense.gouv.fr abgerufen am 3. Mai 2022
Nachdem für den Bau des Flugplatzes ein auf dem Gelände befindlicher Sendemast des unter sowjetischer Kontrolle stehenden Berliner Rundfunks am 16. Dezember 1948 gesprengt wurde, protestierte der sowjetische Stadtkommandant, forderte das Stolper Gebiet für ihre Besatzungszone zurück und besetzte es bereits vor dem vereinbarten Übergabedatum des 3. Januar 1949.
Der Bau des Flughafens begann während der Berlin-Blockade am 5. August 1948. Am Bau waren bis zu 19.000 deutsche Zivilisten beteiligt, 40 % davon waren Frauen. Zahlreiche Baumaterialien, darunter 10.000 Fässer Asphalt wurden durch die Luftbrücke eingeflogen. Die erste Landebahn konnte bereits am 5. November 1948 in Betrieb genommen werden.Bezirksamt Reinickendorf, 1996, S. 84 f. mini|Britische Douglas C-47 (Dakota) Transportflugzeuge bei der Entladung in Berlin-Tegel während der Luftbrücke, 1948 Der eigentliche Flugbetrieb begann mit britischen Dakota-Flugzeugen am 17. November 1948. Im Januar 1949 wurden über den Flughafen Tegel bereits 13.087.330 Tonnen Kohle und 143 Tonnen Nahrungsmittel eingeflogen. Die französische Beteiligung lag dabei weit hinter der der Amerikaner und Briten zurück. Im Dezember 1948 landeten drei, im Januar 1949 fünf französische Maschinen gegenüber 7.411 amerikanischen und britischen Flugbewegungen in den beiden genannten Monaten.Bezirksamt Reinickendorf, 1996, S. 90
1950 übernahm das Détachement Aerienne 2/139 die gesamte Kontrolle über den Flughafen Tegel und wurde am 1. Januar 1955 umbenannt in DA 4/165. Am 1. Juli 1964 wurde das Détachement aufgewertet zur Base aérienne 165. Mit der Landung einer Lockheed Constellation der Air France wurde 1960 auch der zivile Luftverkehr in Berlin-Tegel (Nord) eröffnet. Auf Grund der Zunahme des Flugverkehrs nach Berlin (West) begannen 1963 Planungen für die Errichtung eines zivilen Flughafens Berlin-Tegel auf dem Südgelände des Flughafens. Nach dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands verließ die französische Luftwaffe Berlin, die Luftwaffenbasis wurde am 15. September 1994 geschlossen und an die deutsche Bundesluftwaffe übergeben, die die Anlagen als Regierungsflughafen weiternutzte.amicaa.fr abgerufen am 21. Mai 2022
An ständigem Fluggerät waren auf der Base Aérienne 165 von 1965 bis 1993 eine Cessna Bird Dog, von 1970 an zwei Hubschrauber des Typs Alouette III sowie ab 1976 eine Max Holste Broussard stationiert.Friedrich Jeschonnek, Dieter Riedel, William Durie: Alliierte in Berlin 1945–1994. 2. Auflage. Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2007, S. 539
Hôpital Militaire Louis Pasteur mini|Humboldt-Krankenhaus, von 1945 bis 1952 französisches Militärkrankenhaus am historischen Standort Teichstraße in Berlin-Reinickendorf, heute (2022) Bürgeramt
Als Militärkrankenhaus unter dem Kommando des 425ième Hôpital de Campagne diente der französischen Garnison zunächst das 1945 beschlagnahmte, im Krieg weitgehend unzerstörte Humboldtkrankenhaus auf dem Areal zwischen der Teichstraße 65, dem Romanshorner Weg und der Sankt-Galler-Straße 7/19 in Berlin-Reinickendorf.berlin.de Abruf am 28. Juni 2022 In der Kapelle des Krankenhauses wurden auch Trauungen von Militärangehörigen durchgeführt.patriceschmink.wordpress.com abgerufen am 28. Juni 2022 1952 zog die Einrichtung auf das Gelände des Quartiers Napoléon um. Das Krankenhaus hatte eine Kapazität von 180 Betten, von denen nach 1992 nur noch 100 genutzt wurden.Hélène Perrein-Engels: La présence militaire française en Allemagne. Freie wissenschaftliche Arbeit an der Université de Metz, 1994, S. 219 Neben einer Ambulanz konnten stationär Behandlungen der inneren Medizin, der allgemeinen Chirurgie, der Gynäkologie sowie der Augenheilkunde durchgeführt werden. Das Krankenhaus verfügte ebenfalls über eine Abteilung der Geburtshilfe sowie der Anästhesie. Zur Diagnostik gehörten Radiologie und Labor. Weiterhin wurden physiotherapeutische Behandlungen durchgeführt. Die Ärzte waren alles Militärangehörige.Hélène Perrein-Engels: La présence militaire française en Allemagne. Freie wissenschaftliche Arbeit an der Université de Metz, 1994, S. 387.
Kommandanten mini|Stadtkommandant Jean Ganeval (Mitte) zwischen dem britischen Stadtkommandanten Sir Geoffrey Bourne und dem amerikanischen Stadtkommandanten Frank L. Howley, 1948 Von 1945 bis 1990 fungierten die Generäle der Forces Françaises de Berlin als Stadtkommandanten.