Orgelbau Friedrich Weigle war ein Orgelbau-Unternehmen im Raum Stuttgart.

Firmengeschichte Die erste Werkstatt wurde von Carl Gottlieb Weigle 1845 gegründet. Carl Gottlieb Weigle Carl Gottlieb Weigle, geboren am 19. November 1810 in Ludwigsburg, begann 1826 eine Lehre bei seinem Schwager Eberhard Friedrich Walcker. Später wurde er der erste Gehilfe bei fast allen großen Orgelbauten dieses Meisters, insbesondere dem Umbau der Stuttgarter Stiftskirchenorgel von 1837 bis 1845. Im Jahr 1845 machte er sich in Stuttgart selbstständig.

Er entwickelte ein eigenes System der pneumatischen Spieltraktur, an dem sich Ende des 19. Jahrhunderts auch andere Orgelbauer (z. B. Klais, Bonn, Orgel im Collegium Albertinum, II/13, 1892) orientierten.

Bis 1879 hat er an die 100 Orgeln gebaut. Dazu kommen noch Umbau- und Reparaturarbeiten an verschiedenen Orgeln, wie z. B. 1862 an der Gabler-Orgel der Klosterkirche in Weingarten. Seine Orgeln gingen auch nach Übersee.

Er starb am 16. November 1882 in Stuttgart.

Friedrich Weigle mini|150x150px|Grabmal für Friedrich Weigle und seine Frau Fanny Friedrich Weigle wurde am 17. November 1850 in Stuttgart geboren. Er übernahm am 1. Januar 1880 die Werkstatt seines Vaters Carl Gottlieb Weigle, die er 1888 von Stuttgart nach Echterdingen verlegte. Vor der Jahrhundertwende wurden bereits Orgeln nach Amerika, Afrika und Asien geliefert. Um 1902 lief ein Konkursverfahren gegen das Unternehmen, sodass die große Orgel für die Gedächtniskirche in Speyer (65 Register) nicht von Weigle, sondern von Steinmeyer fertiggestellt werden musste. Er verstarb am 6. Januar 1906 in Stuttgart und wurde auf dem Friedhof in Echterdingen beigesetzt.

Friedrich Weigle (Sohn) Friedrich Weigle wurde am 9. September 1882 geboren. Er übernahm mit seinen Brüdern Karl, Julius und Gotthold 1906 das Unternehmen. Ab 1937 war er alleiniger Inhaber, da seine Brüder alle verstorben waren. In Zusammenarbeit mit dem Harmoniumbauer J. & P. Schiedmayer entwickelte Weigle 1908 die sogenannte Parabrahm-Orgel, die in Ergänzung zu einer üblichen Pfeifenorgel über ein integriertes Harmonium verfügt. Das einzige heute erhaltene Instrument dieser Art befindet sich in Eichwalde bei Berlin, nachdem bei der großen (zweiten) Parabrahm-Orgel in Liegnitz bei einem barockisierenden Umbau sowohl die Harmoniumstimmen als auch die Hochdruckregister entfernt wurden.

Er starb am 25. September 1958.

Fritz Weigle Fritz Friedrich Julius Gotthold Weigle wurde 1925 geboren und übernahm 1958 das Unternehmen. 1985 löste er das Unternehmen auf.

Joachim F. Weigle Joachim F. Weigle wurde 1960 geboren. Er lernte ab 1977 bis zur Gesellenprüfung 1981 bei Orgelbau Schmid in Kaufbeuren. 1986 gründete er seine eigene Werkstätte für Orgelbau Joachim F. Weigle in St. Johann-Upfingen bei Reutlingen und legte 1988 seine Meisterprüfung ab.

Ende 2019 wurde die Geschäftstätigkeit eingestellt.

Schüler von Weigle (Auswahl) Johann Nepomuk Kuhn (1827–1888): Er erhielt sein Zeugnis 1864 und gründete im selben Jahr die Firma Orgelbau Kuhn in Männedorf, Schweiz.Friedrich Jakob: Hundert Jahre Orgelbau Theodor Kuhn AG in Männedorf-Zürich 1864–1964. Männedorf 1964, Blatt 12 (PDF, 8,5 MB, aufgerufen am 31. Oktober 2011). Josef Behmann (1880–1932) Ernest Mühleisen (1897–1981): Er gründete 1941 in Straßburg die Manufacture d’Orgues Muhleisen.Manufacture d’Orgues Mühleisen G.Walther & Associés: Geschichte (französisch, aufgerufen am 31. Oktober 2011). Kurt Oesterle (1933–1989) Peter Paul Köberle (1928–1994) Bertfried Scharfe (* 1943): Nach der Ausbildung bei Weigle von 1961 bis 1964 gründete er 1976 die Firma Orgelbau Scharfe in Ebersbach an der Fils.

Werkliste (Auswahl) 1845–1880 Carl Gottlieb Weigle

Jahr OpusDa bislang keine offizielle Werkliste existiert, ist die Nummerierung nur vorläufig Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1846 1 Stuttgart Salonorgel JausI4 1846 2 Stuttgart Evang.-Reformierte GemeindeI6 1846 3 Schorndorf-Weiler Heilig-Kreuz-Kirche I8nicht erhalten 1846 4 Stuttgart-Hohenheim evang. BetsaalI3 1847 5 Untergruppenbach JohanneskircheI/P10nicht erhalten, seit 1973 Orgel von Peter Plum 1848 6 Stuttgart-BergOwen Berger KircheMarienkirche II/P 10 1855 verkauft; 1913 und 1928 erweitert; 1945 zerstört 1848 7 Echterdingen StephanuskircheII/P27 1849 8 Freudenstadt Evang. StadtkircheII/P20 1937 umgebaut und erweitert, 1945 zerstört 1849 9 Wiesensteig Stiftskirche St. Cyriakus zentriert|160x160px II/P 22 umgebaut und erweitert durch Weigle 1935 (II/27), op. 732 1850 10 Stuttgart-Gablenberg PetruskircheI/P9 1850 11 Crailsheim AnstaltI3 1850 12 Hößlinswart evang. KircheI6 1850 13 Stuttgart Königliches Hoftheater StuttgartI6 1851 14 Stuttgart Betsaal Römischen KaiserI3 1851 15 Comburg Stiftskirche St. Nikolaus zentriert|160x160pxII/P22 → Orgel 1851 16 Heimerdingen Peter-und-Paul-KircheII/P14 1851 17 Ohmden Pfarrkirche St. Cosmas und Damian I 8 1852 18 Hirschau (Tübingen) St. Ägidius I/P 10 1853 19 Ehingen (Donau) Konviktskirche II/P 17 nicht erhalten, seit 1963 Orgel von Späth Orgelbau 1853 20 Scharnhausen evang. Kirche I/P 11 1853 21 Stuttgart Pönitentionshaus-Saal I 2 1853 22 Bad Waldsee Stiftskirche St. Peter II/P 20 1854 23 Crailshaim-Goldbach evang. Kirche I 6 1854 24 Kirchheim u. Teck-Ötlingen Johanneskirche I 8 1854 25 Bad Saulgau Stadtkirche St. Johannes Baptist II/P 27 1855 26 New York City lutherische Kirche I/P 12 1855 27 Saint Croix (Karibik) Brüdergemeinde I 10 1855 28 Schafhausen Cyriakuskirche I 10 1855 29 Stuttgart-Berg neue Berger Kirche II/P 16 1856 30 Gernsbach evang. Stadtkirche II/P 23 neogotisch, 1938 und 1955 von Weigle umgebaut und erweitert, danach 3 Manuale und 42 Stimmen.Siegfried Diemer: Evang. St. Jakobskirche Gernsbach (Schnell, Kunstführer Nr. 1171). München/Zürich 1984, S. 14 Im Jahr 2000 ersetzt. 1856 31 Altheim bei Riedlingen St. Martin zentriert|160x160px II/P 14 Restaurierung 1995 1856 32 Ochsenhausen-Mittelbuch kath. Kirche I 8 1856 33 Rottenburg am Neckar evang. Stadtkirche I 8 1857 34 Ulm Dreifaltigkeitskirche II/P 24 1857 35 Schlier bei Ravensburg St. Martin I 12 1858 36 Dagersheim Agathenkirche II 15 erhalten 1858 37 Biberach a. d. Riß St. Martin II/P 14 1858 38 Stuttgart-Rotenberg Dorfkirche I 6 1859 39 Bad Wildbad-Calmbach im Schwarzwald evang. Kirche I/P 12 1859 40 Elim, Südafrika I 7 1859 41 Schwäbisch Gmünd-Kloster Gotteszell (heute JVA-Kirche Mariä Verkündigung) I/P 10 „halbe Orgel neu“; erhalten 1859 42 Altensteigdorf Remigiuskirche I 8 1859 43 Schwäbisch Gmünd kath. Lehrerseminar II/P 14 1861 44 Stuttgart Synagoge II/P 22 1861 45 Hessigheim evang. Kirche I/P 12 1861 46 Korntal evang. Brüdergemeinde II/P 16 1861 47 Tübingen Speisesaal im Stift Tübingen I 4 1861 48 Walddorf Evang. Pfarrkirche II/P 14 1861 49 Basel Missionshaus Basel I 5 1862 50 Bergatreute Kath. Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Philippus und Jakobus zentriert|160x160px I/P 12 1910 von Weigle erweitert (II/P 16) op. 422; 1978 ersetzt durch Neubau von Reiser 1862 51 Neuweiler-Zwerenberg Stephanuskirche II/P 15 1863 52 Esslingen-Zwerenberg Frauenkirche zentriert|160x160px II/P 24 1863 53 Lonsee Marienkirche 160px I/P 13 erhalten → Orgel 1863 54 Ringingen bei Blaubeuren evang. Kirche I/P 12 1864 55 Esslingen am Neckar St. Paul II/P 20 1864 56 St. Thomas, Karibik Brüdergemeinde I 6 1865 57 Mietingen-Baltringen St. Nikolaus I/P 10 1865 58 Ellwangen kath. Kirche I/P 10 1865 59 Stuttgart Englische Kirche II/P 12 1866 60 Hailfingen St. Laurentius II/P 15 1866 61 Basel, Schweiz Peterskirche 160x160px II/P 24 1867 62 Friedrichshafen Schlosskirche II/P 25 1867 63 Spraitbach evang. Kirche I/P 10 1868 64 Ehingen St. Blasius II/P 33 1868 65 Ravensburg Liebfrauenkirche II/P 34 1892 wg. einer Kirchenrenovierung abgetragen und durch Weigle leicht verändert wieder aufgebaut; 1911 ersetztWolfgang Manecke, Johannes Mayr, Mark Vogl: Historische Orgeln in Oberschwaben. Der Landkreis Ravensburg. Fink, Lindenberg 2006, ISBN 3-89870-250-2, S. 223–225; dort nicht als op. 65. sondern als op. 64 geführt, der Wiederaufbau 1892 als op. 316 → Orgel 1868 66 Dornstetten evang. Stadtkirche II/P 16 1869 67 Stuttgart-Birkach Franziska-Kirche I/P 11 1869 68 Bad Schussenried St. Magnus II/P 20 1869 69 Kaisersbach Evangelische Kirche I/P 12 1870 70 Paramaribo, Suriname II/P14 1870 71 Laupheim St. Peter und Paul II/P 16 1871 72 Ochsenhausen Staatswaisenhaus I 7Pedal? 1871 73 Leliendaal, Suriname I5 1872 74 Bernstadt St.-Lambertus-Kirche II/P 19 1872 75 Unterweissach im Tal St.-Agatha-Kirche II/P 16 1873 76 Wien, Österreich Weltausstellung II/P 17 „Elektromagnetische Orgel“ 1873 77 Künzelsau Musiksaal im Lehrerseminar II/P 10 1873 78 Clevia, Suriname I 4 1874 79 Heiligkreuztal bei Riedlingen kath. Kirche II/P 18 1874 80 Stuttgart Diakonissenanstalt I 8 1874 81 Nagold im Schwarzwald Stadtkirche II/P 38 1876 82 Stuttgart-West evang. Johanneskirche 160x160px|zentriert III/P 48 mechanische KegelladeOrgel der Johanneskirche Stuttgart, abgerufen am 4. September 2022.; umgebaut erhalten → op. 863 1876 83 Bad Boll Pfarrer Blumhardt I 7 1877 84 Egelfingen kath. Kirche I 8 1877 85 Ottenhausen evang. Kirche I/P 12 1878 86 Horgenzell-Kappel Kath. Pfarrkirche St. Gallus 160x160px I/P 8 1952 von Reiser umgebaut und erweitert (heute II/P 12) 1878 87 Aichelberg evang. Kirche I/P 8 1878 88 Schwäbisch Gmünd kath. Münster zentriert|160x160px II/P 30 1983 durch eine Orgel der Orgelmanufaktur Klais ersetzt. 1879 89 Napiersdorf, Südafrika I 9 1879 90 Stuttgart neue evang. Garnisonskirche II/P 30 1879 91 Ehingen evang. Stadtkirche II/P 10 1879 92 Riedlingen evang. Stadtkirche I 5 1880 93 Schwäbisch Gmünd kath. Johanniskirche 160px II/P 12 seit 1880 weitgehend unverändert belassen, 2009–2012 durch Orgelmanufaktur Klais umfangreich saniert

1881–1906 Friedrich Weigle

Jahr Opus Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1881 94 Nagold Festsaal im Lehrerseminar II/P 10 1881 95 Biberach an der Riß Simultankirche St. Martin, Hauptorgel III/P 40 1966 abgerissen; Prospekt zersägt und z.T. als Ofenholz verfeuert. ersetzt durch Neubau von Albert Reiser 1881 96 Filderstadt-Bernhausen Jakobuskirche II/P 13188197 Stuttgart-Heslachevang. MatthäuskircheII/P Umsetzung der Walcker-Orgel aus der ev. Garnisonskirche und Erweiterung; 1945 zerstört 188298StuttgartSalonorgel Georg Motz II 6188299Darmsheimevang. Kirche II/P 111882100Ettenkirch bei FriedrichshafenSt. Petrus und Paulus II/P 111882101StuttgartHospitalkirche II/P 361882102Ruit auf den Fildern evang. Kirche Umbau1882103Argenbühl-EglofsPfarrkirche St. Martin Umbau1886124St. Louis Evang. KircheII/P12 restauriert 1945 von Schwenkedel, 1956 Ernst Muhleisen, 1978 Gurrier1887131KilchbergKirche St. MartinII/P12original erhalten → Orgel1887WeinsbergJohanneskirche zentriert|160x160pxII/P23Erweiterung der Walcker-Orgel von 18231895176BondorfRemigiuskircheII/P161967/68 überholt von F. Weigle1895178StuttgartLiederhalleIV/P54mit patentierten Hochdruck-Registern. Fernwerk geplant, aber nicht gebaut. 1943 größtenteils zerstört → Orgel1896187Stuttgart-Heslachevang. MatthäuskircheII/P271943 zerstört, Teile in opus 906 eingebaut 1897201Einsiedeln (Schweiz) Kloster, Stiftskirche Unserer Lieben FrauIII/P51Umbau der bestehenden Orgelanlage und Erweiterung um ein Hochdruckwerk mit eigenem Spieltisch. 1932–34 ersetzt durch monumentale Orgelanlage von Albert Moser, die 1988/1994 durch einen Neubau von Mathis ersetzt wurde. → Orgel1898218SchönbornEvang. KircheI/P10Erweiterungsbau; nicht erhalten 1899221StraßburgSt. Maurice 160x160pxIII/P43erhalten; stillgelegt1899224Gundelsheim Kirchengemeinde Gundelsheim II/P 8 1899: 2 650 Mark; 2010 restauriert durch Mühleisen1900237Bischwihr Evang. KircheII/P81900235Colmar St. JosephIII/P441960 neu aufgebaut von Schwenkedel1900SpaichingenSt. Peter und PaulII/P251915 umgebaut, 1957 von Späth ersetzt unter Verwendung von vorhandenen Pfeifen