mini|Das Fördergerüst des Kaiser-Wilhelm-Schachtes in Clausthal gehört zu den ältesten erhaltenen Fördergerüsten in Deutschland mini|hochkant|Die Dennert-Tannen erinnern überall im Harz an Bergbauspuren Der Bergbau im Oberharz diente der Gewinnung von Silber, Blei, Kupfer und zuletzt auch Zink. Besonders vom Silberbergbau gingen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert ein großer Reichtum und bedeutende technische Erfindungen aus. Mittelpunkt dieses Bergbaus waren die sieben Oberharzer Bergstädte Clausthal, Zellerfeld, Sankt Andreasberg, Wildemann, Bergstadt Bad Grund (Harz), Lautenthal und Altenau.

Geschichte Der Oberharz gehörte einst zu den bedeutendsten Erzrevieren Deutschlands. Die Hauptprodukte des Bergbaus waren Silber, Kupfer, Blei und Eisen, ab dem 19. Jahrhundert auch Zink; Haupteinnahmequelle war jedoch das Silber. Ab dem 16. bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden im Mittel etwa 40–50 % des in ganz Deutschland geförderten Silbers im Oberharz gewonnen. Die darauf zu entrichtenden Abgaben trugen ganz erheblich zu den Steuereinnahmen in Hannover und Braunschweig-Wolfenbüttel bei und sicherten diesen Macht und Einfluss innerhalb des Reiches.

Der Gewinn rechtfertigte einen hohen Einsatz an Investitionen und Anstrengungen. Hierdurch brachte der Oberharzer Bergbau eine beträchtliche Menge an Innovationen und Erfindungen hervor, darunter so bedeutende wie die Fahrkunst, die Wassersäulenmaschine und das Drahtseil.

Der Oberharzer Bergbau erfolgte auf einer Ganglagerstätte. Der Abbau folgte den annähernd seiger einfallenden Oberharzer Erzgängen in die Teufe. In ihrer Blütezeit gehörten die Oberharzer Bergwerke zu den tiefsten der Welt. So wurden bereits um 1700 Schachtteufen von 300 Metern überschritten, um 1830 wurden Teufen von 600 Metern erreicht und die tiefsten Sohlen lagen – was man seinerzeit für bedeutsam hielt – unter dem Niveau des Meeresspiegels.

Erste Bergbauperiode im Mittelalter mini|hochkant|Mittelalterliche Abbaue auf dem Bockswieser Gangzug nördlich von Oberschulenberg Bergbauliche Tätigkeiten im Oberharz lassen sich anhand archäologischer Nachweise bis in das 3. Jahrhundert n. Chr. zurückverfolgen.Lothar Klappauf: Zur Archäologie des Harzes. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. Nieders. Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.) Hannover 1992, Heft 4. Bei den Hinweisen auf diesen sehr frühen Bergbau spielen die Ausgrabungen am Herrensitz Düna eine wesentliche Rolle.

Eine große Blütezeit muss es im 12. und 13. Jahrhundert gegeben haben, als Bergbau und Hüttenwesen in großen Teilen des Harzes durch die Mönche des Zisterzienserklosters Walkenried organisiert und verwaltet wurde. In diese Zeit fällt auch der Einsatz von Wasserrädern zur Energieversorgung von Hüttenwerken, der für das 13. Jahrhundert im Pandelbachtal südöstlich von Seesen nachgewiesen werden konnte. Es wurden zunächst die sogenannten Gangausbisse an der Erdoberfläche aufgesucht und oberflächennahe Erzpartien mit Schlägel und Eisen abgebaut. In den oberen Gangpartien befanden sich besonders reiche Silbererze (bis zu 9 % Ag).

Pestepidemien während des Mittelalters entvölkerten den Harz weitgehend und brachten den Bergbau nahezu zum Erliegen. Vermutlich spielte hierbei auch eine Rolle, dass der Bergbau mit zunehmender Teufe (zu diesem Zeitpunkt bis etwa 60 m) an seine technischen Grenzen stieß.

Frühneuzeitlicher Bergbau bis zur Industriellen Revolution Eine deutliche Wiederbelebung erfolgte ab etwa 1520 auf Veranlassung des Braunschweig-Wolfenbütteler Herzogs Heinrich dem Jüngeren. Besonders dessen Sohn Herzog Julius von Wolfenbüttel forcierte den begonnenen Oberharzer Erzbergbau und veranlasste die Anlage weiterer Infrastruktur, insbesondere von Bauwerken des Oberharzer Wasserregals zur Kraftwasserversorgung der Bergwerke. Um das nötige Arbeits- sowie Fachpersonal und auch Kapitalgeber in den Harz zu locken, erließen die Herzöge Bergfreiheiten nach böhmisch-sächsischem Vorbild.

Da die meiste Energie für die Wasserhaltung benötigt wurde und der Bedarf hierfür mit den tiefer werdenden Bergwerken immer mehr anstieg, versuchte man schon früh, ihn durch Anlegen von Wasserlösungsstollen zu reduzieren. So konnte das Wasser im freien Gefälle ablaufen. Je tiefer das Entwässerungsniveau lag, umso länger mussten die Stollen werden. Der längste dieser Stollen, der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgefahrene Ernst-August-Stollen, ist 26 Kilometer lang. Er sammelt das Wasser aus den Bergwerken in Bockswiese, Lautenthal, Zellerfeld, Clausthal und Wildemann und führt es nach Gittelde an den Harzrand.

Die größte Ausbeute brachte der Oberharzer Bergbau im 16. und im 17. Jahrhundert, wenn es auch zwischendurch immer wieder zu Krisen kam. Insbesondere durch den Dreißigjährigen Krieg kam er fast vollständig zum Erliegen.von Groddeck: Übersicht über die technischen Verhältnisse des Blei- und Silberbergbaues auf dem nordwestlichen Oberharz. In: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem Preußischen Staate. Band 14, 1866, S. 277. Trotzdem wurde schon 1690 eine bis 1850 unübertroffene Quantität bei der Metallerzeugung erreicht. Das war vor allem den wasserwirtschaftlichen Bauten und der Einführung des Schießpulvers für Sprengungen ab 1630 zu verdanken. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts kam es zu anhaltenden Krisen infolge Holzmangels. Das Problem wurde durch die Einführung von Kokskohle für die Hütten um 1800 entspannt.

Mitte des 19. Jahrhunderts lebten ca. 35.700 Menschen im Oberharz. Dies bedeutete einen Zuwachs von 30 % gegenüber dem Anfang des Jahrhunderts.Jugler: Die Bergwerksverwaltung des Hannoverschen Oberharzes seit 1837. In: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde. Band 26, Heft 1, 1854, S. 181. In gleichem Maße war die Metalllieferung des Silberbergbaus gestiegen. Die Schächte hatten ihre Teufe durchschnittlich verdoppelt, Hauptstollen und zugehörige Strecken hatten mindestens die dreifache Länge. Der Waldbestand erholte sich zunehmend durch rasche Aufforstung.Jugler: Der oberharzische Silberbergbau am Schluss des J. 1849 und der Ernst-August-Stollen. In: Archiv für Mineralogie, Geognosie, Bergbau und Hüttenkunde. Band 26, Heft 1, 1854, S. 278 f. Zu diesem Zeitpunkt gab es durchschnittlich 3.300 Beschäftigte in den Gruben, 1.450 Beschäftigte in der Aufbereitung und 500 Beschäftigte in den Hütten. Produziert wurden jährlich 21.000 Zollpfund Brandsilber, 6.000 Zollzentner Glätte, 90.000 Zollzentner Blei, 1.500 Zollzentner Kupfer und 25.000 Zollzentner Zinkblende im Gesamtwert von 1.295.000 Talern.von Groddeck: Uebersicht über die technischen Verhältnisse des Blei- und Silberbergbaues auf dem nordwestlichen Oberharz. In: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem Preussischen Staate. Band 14, 1866, S. 273.

Am 1. Januar 1864 wurden die 20von Groddeck: Uebersicht über die technischen Verhältnisse des Blei- und Silberbergbaues auf dem nordwestlichen Oberharz. In: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem Preussischen Staate. Band 14, 1866, S. 280. erzfördernden Bergwerke durch das Königreich Hannover verstaatlicht. Die Verwaltung gliederte sich in den Silberbergwerkshaushalt und den Eisenhüttenhaushalt. Die Gruben des Silberbergwerkshaushaltes wurden wiederum in drei Bezirke aufgeteilt: der Clausthaler, der Zellerfelder und der Andreasberger Bezirk. Man rechnete bereits damit, dass der Bergbau im Andreasberger Bezirk in wenigen Jahren zum Erliegen kommen würde.von Groddeck: Uebersicht über die technischen Verhältnisse des Blei- und Silberbergbaues auf dem nordwestlichen Oberharz. In: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem Preussischen Staate. Band 14, 1866, S. 274.

Im Clausthaler Bezirk bauten 1866 auf dem Burgstätter Gangzug die Gruben Caroline und Dorothea (Erstes Burgstätter Revier), die Gruben Bergmannstrost und Margarethe (Zweites Burgstätter Revier) sowie die Gruben Herzog Georg Wilhelm, Kranich und Königin Charlotte (Drittes und viertes Burgstätter Revier). Weiterhin auf dem Rosenhöfer Gangzug die Gruben Thurm-Rosenhof, Alter Segen und Silbersegen (Rosenhöfer Revier).

Zur gleichen Zeit bauten im Zellerfelder Bezirk die Gruben Ring und Silberschnur, Regenbogen und Silberblick (Vorderes Zellerfelder Revier) sowie Ernst-August und Juliane Sophia (Hinteres Zellerfelder oder auswärtiges Revier). Hinzu kamen die Gruben Herzog August und Johann Friedrich (Bockswieser Revier), Lautenthals Glück (Lautenthaler Revier) und die Gruben Hilfe Gottes, Friedrich Wilhelm sowie Bergwerkswohlfahrt (Silbernaaler Revier).

Im Andreasberger Bezirk bauten hingegen nur die Gruben Samson und Catharina Neufang.von Groddeck: Uebersicht über die technischen Verhältnisse des Blei- und Silberbergbaues auf dem nordwestlichen Oberharz. In: Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen in dem Preussischen Staate. Band 14, 1866, S. 280 f.

Letzte Betriebsphase von der Industriellen Revolution bis zur Einstellung Nach der Annexion des Königreiches Hannover durch Preußen 1866 übernahm die Königlich-Preußische Bergbauinspektion und ab 1924 die Preussag den Betrieb der Bergwerke des Oberharzes. Um 1900 wurden Schachtteufen von 1000 Metern erreicht. Die Förderung der Erze wurde damit immer aufwendiger. Gleichzeitig musste man bei immer besser werdenden Transportmöglichkeiten auch mit anderen in- und ausländischen Erzen konkurrieren. Raubbau während des Ersten Weltkrieges und sehr niedrige Metallpreise verursachten auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise im Jahre 1930 eine große Stilllegungswelle, der große Bergwerke in Clausthal-Zellerfeld, Bockswiese und Lautenthal zum Opfer fielen. In Bad Grund wurde der Oberharzer Erzbergbau noch bis 1992 fortgeführt.

Nachnutzung durch Stromerzeugung Nach Einstellung des Bergbaus 1930 wurden einige Schächte als Wasserkraftwerke nachgenutzt: Wasser aus Anlagen des Oberharzer Wasserregals wurde über Fallrohre in die Schächte eingeleitet, in denen dann auf Niveau des tiefsten Wasserlösungsstollens von Turbinen Generatoren angetrieben wurden. Die Stromerzeugung wurde von der Preussag bis 1980 in den Schächten Kaiser Wilhelm (maximale Leistung 4,5 MW) und Ottiliae (maximale Leistung 1,5 MW) durchgeführt. Die Wasserkraftwerke wurden Anfang der 1980er Jahre stillgelegt, weil ihre Wirtschaftlichkeit bei stark steigenden Löhnen und stagnierenden Strompreisen immer mehr zurückging. Danach wurden die letzten noch offenen Schächte verwahrt.

Bergbautechnik im Oberharzer Bergbau Abbau der Erze mini|Streichender Strossenbau – Längsschnitt, stark vereinfacht