mini|hochkant|Verlagshaus Aschendorff, Stammsitz des Unternehmens bis 2008, heute Sitz des BuchverlagesDer Aschendorff Verlag wurde um das Jahr 1720 in Münster (Westfalen) gegründet und blieb bis heute stets in Familienbesitz. Damit zählt er zu den traditionsreichen wissenschaftlichen Buchverlagen Deutschlands. Schwerpunkte liegen in den Geistes- und Kulturwissenschaften, der Landes- und Regionalgeschichte sowie im Sach- und Publikumsbereich. Der Verlag veröffentlicht jährlich mehr als 150 Publikationen und betreut rund 50 Zeitschriften, Jahrbücher und andere Periodika.
Geschichte Die Anfänge des Verlages liegen im münsterschen Buchbinder- und Buchhandelsgewerbe des frühen 18. Jahrhunderts. Als Gründungsjahr gilt gemeinhin das Jahr 1720. Die Neue Deutsche Biographie nennt Wilm Aschendorff (1671–1729) als Gründer eines Verlages für Erbauungs- und Gebetbücher in diesem Jahr. Die frühe Verlagsgeschichte ist insbesondere durch Gottfried Hasenkamps Jubiläumsschrift Dem Worte verpflichtet. 250 Jahre Verlag Aschendorff 1720–1970 sowie Karl-Peter Ellerbrocks Unternehmensgeschichte Aschendorff – Geschichte eines deutschen Medienhauses 1720–2020 gut dokumentiert.
Unter Anton Wilhelm Aschendorff (1735–1804) wurde das Unternehmen erheblich erweitert. 1762 erwarb er eine eigene Druckerei; nach der Gründung der Universität Münster erhielt Aschendorff ein Privileg als Universitätsbuchdrucker. Zu den Autoren des Verlages gehörte unter anderen der katholische Priester und Pädagoge Bernhard Overberg.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts ging das Unternehmen mit dem Aussterben der männlichen Linie der Familie Aschendorff auf die Familie Hüffer über. Im weiteren Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts entwickelte sich insbesondere das wissenschaftliche, theologische und historische Programm weiter; daneben gewann Aschendorff als Schulbuchverlag an Bedeutung. Die Bibliographie in Hasenkamps Dem Worte verpflichtet, worin die Verlagswerke von 1912 bis 1970 verzeichnet sind, dokumentiert die zunehmende Breite des Buchprogramms.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts wurden neben dem Buchverlag weitere Medien- und Unternehmensbereiche ausgebaut und später organisatorisch verselbständigt. Der Buchverlag wurde innerhalb der Unternehmensgruppe als eigenständiges Unternehmen fortgeführt. Seine Geschichte ist damit Teil der Entwicklung des seit 1720 bestehenden Hauses, zugleich aber von dessen Presse-, Druck- und weiteren Medienaktivitäten zu unterscheiden. Eine Gesamtdarstellung der Unternehmensgeschichte bis 2020 legte Karl-Peter Ellerbrock 2021 anlässlich des 300-jährigen Bestehens vor.
Im Jahr 2026 wurde der Zeitungsbereich (= Westfälische Medienholding) an die Rheinische Post veräußert. Die verlegerische Tätigkeit von Aschendorff beschränkt sich seitdem erneut ausschließlich auf den Buchverlag.
Programm Das Verlagsprogramm gliedert sich seit 2025 in drei Verlagsbereiche:
Der Aschendorff Publikumsverlag veröffentlicht Sachbücher, Bildbände, Belletristik sowie Kinder- und Jugendbücher. Einen Schwerpunkt bilden Themen aus Geschichte, Kultur sowie Münster und Westfalen.
Aschendorff – Wissenschaft und Forschung umfasst vor allem geistes-, kultur- und sozialwissenschaftliche Publikationen. Schwerpunkte liegen unter anderem in Theologie und Religionswissenschaft, Philosophie, Geschichte und Kulturgeschichte, Politik sowie Psychologie und Pädagogik.
Der Aschendorff Verlag für Regionalgeschichte veröffentlicht wissenschaftliche und allgemeinverständliche Werke zur Landes-, Regional-, Stadt- und Ortsgeschichte. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Westfalen und Nordwestdeutschland.
Publikationen Der Aschendorff Verlag veröffentlicht jährlich mehr als 150 Publikationen und betreut rund 50 Zeitschriften, Jahrbücher und andere Periodika. Zum Programm gehören außerdem zahlreiche wissenschaftliche Reihen und Editionsprojekte, vielfach in Zusammenarbeit mit Universitäten, Forschungsinstituten, wissenschaftlichen Gesellschaften und anderen Institutionen. Neben gedruckten Büchern und Zeitschriften erscheinen E-Books, digitale Zeitschriften und Open-Access-Publikationen.
Literatur
Karl-Peter Ellerbrock: Aschendorff – Geschichte eines deutschen Medienhauses 1720–2020. Aschendorff, Münster 2021, IX und 350 S., ISBN 978-3-402-13220-3. Gottfried Hasenkamp (Hrsg.): Dem Worte verpflichtet. 250 Jahre Verlag Aschendorff 1720–1970. Mit einer Bibliographie der Verlagswerke von 1912–1970. Aschendorff, Münster 1970. Bernd Haunfelder:250 Jahre Druckhaus Aschendorff 1762–2012. Aschendorff, Münster 2012, ISBN 978-3-402-13004-9. Walter Kunze: Aschendorff, Anton Wilhelm. In: Neue Deutsche Biographie, Bd. 1, Duncker & Humblot, Berlin 1953, S. 410 f.
Weblinks Offizielle Website
Einzelnachweise
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