Phenylacetylen ist das einfachste aromatische Alkin. Es ist eine farblose, viskose Flüssigkeit mit einem Flammpunkt von 27 °C. In der Forschung wird es manchmal als Analogon zu Acetylen verwendet, als Flüssigkeit ist es leichter zu handhaben als gasförmiges Acetylen.

Herstellung Im Labor kann Phenylacetylen durch Eliminierung von Bromwasserstoff aus 1,2-Dibromphenylethan (auch fälschlicherweise als Styroldibromid bezeichnet) mit Natriumamid in flüssigem Ammoniak erhalten werden:

Synthese von Phenylacetylen

Es kann auch durch Eliminierung von Bromwasserstoff aus 1- oder 2-Bromphenylethen (als Trivialnamen 1- oder 2-Bromstyrol) mit geschmolzenen Kaliumhydroxid hergestellt werden.

Eigenschaften Wie Acetylen reagiert auch seine Ethinylgruppe (–C≡C–H) gegenüber sehr starken Basen (wie z. B. NaNH2) als Säure und zeigt andere, für Alkine typische Reaktionen, wie elektrophile Additionen, Hydrierung oder Polymerisationen. Die Verbindung ist thermisch instabil. In einer DSC-Messung wird oberhalb von 115 °C eine stark exotherme Zersetzung mit einer Zersetzungswärme von −1921 kJ·kg−1 bzw. −196 kJ·mol−1 beobachtet.Brach, N.; Le Fouler, V.; Bizet, V.; Lanz, M.; Gallou, F.; Bailly, C.; Hoehn, P.; Parmentier, M.; Blanchard, N.: Optimized Synthesis of 7‑Azaindazole by a Diels-Alder Cascade and Associated Process Safety in Org. Process Res. Dev. 24 (2020) 776–786, doi:10.1021/acs.oprd.0c00184. Phenylacetylen bildet mit Luft leicht entzündliche Gemische. Der Flammpunkt liegt bei 27 °C.

Reaktionen Phenylacetylen kann durch Wasserstoff über dem Lindlar-Katalysator zu Styrol reduziert (hydriert) werden. Die vollständige Hydrierung der Dreifachbindung führt zum Ethylbenzol. Die Reaktion verläuft mit einer Reaktionsenthalpie von −176,6 kJ·mol−1 exotherm.Davis, H.E.; Allinger, N.L.; Rogers, D.W.: Enthalpies of hydrogenation of phenylalkynes: indirect determination of the enthalpy of formation of diphenylcyclopropenone in J. Org. Chem. 50 (1985) 3601–3604, doi:10.1021/jo00219a030.Rogers, D.W.; McLafferty, F.J.: A new hydrogen calorimeter. Heats of hydrogenation of allyl and vinyl unsaturation adjacent to a ring in Tetrahedron 27 (1971) 3765–3775, doi:10.1016/S0040-4020(01)98237-7. Es trimerisiert unter Metallkatalyse zu 1,2,4- (97 %) und 1,3,5-Triphenylbenzol (3 %):Hilt, G.; Vogler, T.; Hess, W.; Galbiati, F.: A simple cobalt catalyst system for the efficient and regioselective cyclotrimerisation of alkynes in Chem. Commun. 11 (2005) 1474–1475, doi:10.1039/B417832G.

Trimerisation von Phenylacetylen

Es addiert unter Katalyse von Natriumtetrachloroaurat Wasser. Das zunächst entstehende Enol tautomerisiert spontan zu Acetophenon:

Hydrolyse von Phenylacetylen

Diese Reaktion hat jedoch keine praktische Bedeutung, da Acetophenon durch eine einfache Friedel-Crafts-Acylierung von Benzol mit Acetylchlorid und Lewis-Säuren herstellbar ist.

Einzelnachweise

Kategorie:Alkin Kategorie:Aromatischer Kohlenwasserstoff