Calvià ist eine Gemeinde auf der spanischen Balearen-Insel Mallorca. Mit jährlich 1,4 Millionen Feriengästen ist sie eines der größten touristischen Ballungszentren und zugleich eine der reichsten Kommunen Mallorcas.Einkommens-Ranking, abgerufen am 6. April 2026 Zur touristischen Infrastruktur gehören Unterkünfte in allen Preisklassen, hunderte von gastronomischen Betrieben und ein breites Angebot an Sport- und Freizeitaktivitäten. Auf dem Gemeindegebiet liegen vier Yachthäfen und fünf Golfplätze. Die Ausrichtung auf den Massentourismus hatte einen demografischen Wandel zur Folge und hinterließ im Landschaftsbild an der Küste tiefgreifende Auswirkungen.

Auf dem Gemeindegebiet von Calvià begann die Geburtsstunde des Königreichs Mallorca: Am 10. September 1229 landete Jaume I. von Aragón in der Bucht von Santa Ponça und leitete die Rückeroberung der Insel von den muslimischen Mauren ein.

Lage mini|Luftbild der Küste von Calvià, in der Bildmitte die Bucht von Santa Ponça Die Gemeinde Calvià befindet sich im Südwesten der Insel Mallorca in den südlichen Ausläufern der Serra de Tramuntana. Sie grenzt im Norden an Estellencs und Puigpunyent, im Osten an Palma, im Westen an Andratx und im Süden ans Mittelmeer. Das Gebiet wird gegen die Nordwinde von den hohen Tramuntana-Bergen geschützt.

Geografie und Naturraum Die Gemeinde Calvià hat eine Fläche von 145 km². Der gleichnamige Hauptort (auch Calvià Vila genannt) und Sitz der Verwaltung befindet sich auf 143 m Höhe. Im Nordwesten reicht das Gemeindegebiet in die südliche Tramuntana hinein, in der mit dem Puig de Galatzó (1027 m) und dem Mola de s'Esclop (928 m) die höchsten Erhebungen erreicht werden. Der Galatzó ist mit seiner unverwechselbaren Silhouette eines der landschaftlichen Wahrzeichen von Calvià, wegen seinem dreikantigen Gipfelaufbau wird er mitunter als das „Matterhorn Mallorcas“ bezeichnet.Ingrid Retterath: Mallorca. Conrad Stein Verlag. Welver 2017, ISBN 978-3-86686-484-9, S. 36. Östlich von dem Gemeindesitz erhebt sich die von lichten Kiefernwäldern geprägte Serra de na Burguesa, die sich bis in das angrenzende Gemeindegebiet von Palma erstreckt. Dieses im Durchschnitt um die 400 m hohe Mittelgebirge hat mit dem Puig d'en Bou (503 m) den höchsten Punkt. rechts|mini|Landschaft bei Calvià

Nach Süden erstreckt sich das Gemeindegebiet über eine ins Mittelmeer ragende große Halbinsel, deren Ost- und Westküste fast durchgängig mit touristischen Siedlungen bebaut ist. Die Gemeinde verfügt über einen 54 km langen Küstenstreifen. Dieser ist einer der am stärksten eingeschnittenen Küstenbereiche von Mallorca, er besteht aus einer Vielzahl von Landzungen, Buchten, Landspitzen und kleinen Buchten. Der Küste vorgelagert sind zahlreiche Inselchen, wovon Es Malgrat und Illot de sa Porrassa die größten sind.

Flora und Fauna

mini|Kormoran bei Santa Ponça Trotz massiver Abholzung und Rodung in den letzten hundert Jahren ist die Hälfte des Gemeindegebiets bewaldet oder von niedriger Buschvegetation (Macchie) bedeckt. In den lichten Wäldern der südlichen Tramuntana und in Bereichen der von der touristischen Bebauung ausgesparten Küste ist die Aleppo-Kiefer der vorherrschende Baum. Auch Steineichen und Erdbeerbäume kommen vor. Im Unterwuchs finden sich Zwergpalmen, Baumheide, Krummstab, Rosmarin und andere typische Arten der mediterranen Flora. Im Gipfelbereich des Galatzó ist eine endemische Unterart der Stängellosen Schlüsselblume (mallorquinisch: primavera blanca) zuhause. Infolge der Überbauung der Küste ist die Stranddistel selten geworden.

Nach herbstlichen Regenfällen wächst in den Kiefernwäldern im Tramuntana-Gebirge der Weinrote Kiefern-Reizker (mallorquinisch: Esclata-sang) aus der Gattung der Milchlinge. Es handelt sich um einen in der mallorquinischen Küche beliebten Speisepilz.Sección Micológica del Museu Balear de Cièncias Naturals

Das Gebiet zwischen Cala Figuera, Refeubetx, El Toro und der Felseninsel Malgrat ist ein bedeutender Nistplatz für Gelbschnabel-Sturmtaucher, Balearensturmtaucher, die Krähenscharbe und andere Seevogelarten. Es ist als Meeresschutzgebiet und Europäisches Vogelschutzgebiet ( – ZEPA) ausgewiesen. Auf den unbewohnten Felseilanden kommt eine endemische Eidechsenart (Podareis lilfordi hartmanni) vor.Meeresschutzgebiet Illes Malgrat Die Neptungraswiesen um die Inselchen sind unter anderem der Lebensraum von Zackenbarschen und Adlerfisch.

Im Tal von Galatzó gibt es eine kleine Population der Griechischen Landschildkröte (Testudo hermanni), in anderen Teilen Spaniens ist diese nur sehr selten anzutreffen.

Klima In der Gemeinde Calvià herrscht ein mediterranes Klima mit trockenen heißen Sommern und milden Wintern vor. Das Gebiet gehört mit durchschnittlich 300 Sonnentagen im Jahr zu den wärmsten Regionen der Insel. Die durchschnittliche Temperatur schwankt von 27 °C im Sommer und von 14 °C im Winter. Die meisten Niederschläge fallen im Winter. Sie sind von der Höhenlage abhängig, an der Küste sind es weniger als 400 l/m², in den Bergen bis zu mehr als 800 l/m². Der trockenste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 7,8 l/m². Die höchste Niederschlagsmenge wurde am 8. November 1950 registriert, an dem Tag fielen 150 l/m².Klima in Calvià, abgerufen am 6. April 2026

Bevölkerung mini|hochkant=1.3|Küste bei Santa Ponça, rechts im Hintergrund der Puig de Galatzó rechts|mini|hochkant=1.3|Politische Karte von Calvià In der Gemeinde wohnen 53.793 Einwohner (Stand: 2025), das entspricht einer Bevölkerungsdichte von 371 Personen pro km². Calvià ist damit die zweitgrößte Gemeinde der Insel.

Orte der Gemeinde Zur Gemeinde Calvià gehören folgende Orte: Badia de Palma (1125 Einwohner) Calvià (2797 Einwohner) Cas Català - Ses Illetes (3101 Einwohner) Bendinat (390 Einwohner) Costa d’en Blanes (1944 Einwohner) El Toro (2366 Einwohner) Es Capdellà (1100 Einwohner) Galatzò (1597 Einwohner) les Rotes Velles (1730 Einwohner) Magaluf (5506 Einwohner) Palmanova (7073 Einwohner) Peguera (4095 Einwohner) Portals Nous (2145 Einwohner) Portals Vells (28 Einwohner) Santa Ponça (12.056 Einwohner) Sa Porrassa (118 Einwohner) Sol de Mallorca (767 Einwohner) Son Ferrer (6144 Einwohner) (Quelle: INE)

Demografischer Wandel Der Chronist Ludwig Salvator von Österreich-Toskana berichtet, dass der Ort Calvià in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus 228 Häusern mit 1146 Einwohnern bestand und auf einer von Olivenhainen und Johannisbrotbäumen umstandenen Anhöhe lag. An der Küste gab es zu jener Zeit lediglich kleinere Siedlungen mit ein paar Fischerhäusern.

Der Tourismus führte zu einem fundamentalen demografischen Wandel. Bis 1960 hatte die Gemeinde lediglich knapp 3.000 Einwohner, wovon der überwiegende Teil im Hauptort Calvià lebte. Von diesem Zeitpunkt an stieg die Einwohnerzahl kontinuierlich an. Seit 1996 hat sich die Einwohnerzahl fast verdoppelt. Durch Zuzug von Arbeitskräften und Einwanderern entstanden in den seit den 1960er Jahren an der Küste errichteten Ferienstädten nicht nur Unterkünfte für den Tourismus, sondern auch neue Wohnquartiere. Die größten davon befinden sich in Santa Ponça, Palmanova, Son Ferrer, Magaluf und Peguera. Im Gemeindegebiet geborene Mallorquiner machen lediglich noch etwa 37 Prozent der Bevölkerung aus, den übrigen Teil stellen ausländische Einwanderer und Zuwanderer vom spanischen Festland.Mallorca Magazin, Zuwanderung, abgerufen am 6. April 2026 Im Gemeindesitz Calvià selbst wohnt heute weniger als ein Zwanzigstel der Bevölkerung.

Geschichte mini|Keramikbild am alten Rathaus mit historischer Landkarte von der Gemeinde Die Herkunft des Namens Calvià ist nicht eindeutig belegt. Einiges deutet darauf hin, dass der Name aus dem lateinischen stammt, da es sich um eine relativ trockene Gegend handelt. Eine andere Theorie besagt, dass der Name auf Calvius aus der Zeit der römischen Besetzung zurückgeht.

Die ersten Spuren menschlicher Zivilisation in Calvià reichen bis 2000 v. Chr. zurück. Aus der Talayot-Kultur sind vornehmlich in Santa Ponça Türme und andere in Großsteinbauweise errichtete Steinbauten erhalten. Von der römischen Besetzung (123 v. Chr. bis 425 n. Chr.) zeugt die Ausgrabung der römischen Villa Sa Mesquida. mini|Zyklopenmauer, Puig de sa Morisca

534 eroberte der oströmische Feldherr Belisar die Insel. Mallorca wurde Teil des Oströmischen Reiches. Während der islamischen Expansion fiel die Insel 707 an die Mauren, deren Kultur auf Mallorca noch heute sichtbare Spuren hinterlassen hat. Die Gemeinde Calvià war Teil des Verwaltungsgebietes von Juz’d’Ahwaz al-Madina. Ab dem Jahre 903 wurde Mallorca zuerst von den nordafrikanischen Almoraviden und später den Almohaden erobert.

Königreich Mallorca mini|Kreuz der Ausschiffung, Santa Ponça Am 10. September landete Jaume I. von Aragón mit einer Streitmacht von 12.000 Mann in der Bucht von Santa Ponça, um Mallorca von den Mauren zurückzuerobern. Von dort begann die christliche Wiederinbesitznahme der Insel, bis schließlich drei Jahre später der letzte Widerstand der Mauren gebrochen werden konnte.Oliver Breda, Susanne Lipps: Mallorca. MairDumont, Ostfildern 2019, ISBN 978-3-7701-8137-7, S. 41. An das historische Datum erinnert in Santa Ponça das Creu del Desembarcament (deutsch: Kreuz der Asusschiffung). Die Stadt Calvià wurde wenige Jahrzehnte nach der Rückeroberung im Jahr 1285 unter der Herrschaft Jaumes II., Sohn Jaumes I., gegründet.

Im Mittelalter wurde Mallorca wiederholt von nordafrikanischen Piraten heimgesucht. Zum Schutz vor Angriffen schuf man ein Verteidigungssystem mit rund um die Insel errichteten Wachttürmen. Von insgesamt 14 Türmen auf dem Gebiet der Gemeinden Calvià und Andratx sind heute noch zwölf vorhanden.

Im 16. Jahrhundert wütete in Calvià die Beulenpest, die für den Tod vieler Menschen verantwortlich war. Anfang des 18. Jahrhunderts forderte eine anhaltende Dürreperiode und damit verbunden eine Hungersnot zahlreiche Opfer. Infolge chronischer Armut verließen im 19. Jahrhundert viele Einwohner Calviàs ihre Heimat und wanderten nach Algerien, Kuba, Argentinien oder Frankreich aus.

20. Jahrhundert Angesichts der sozialen Lage formierte sich 1923 unter den auf den großen Landgütern der Region Beschäftigten in Calvià eine linksgerichtete Arbeiterbewegung, was während des Franco-Regimes zu massiver Repression führte.Antoni Vives Reus, Calvià en la Epoca contemporànea, Calvià 2011, abgerufen am 6. April 2026

Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts begann auf Mallorca der Ausbau zu einem Ziel des Massentourismus. In der Gemeinde Calvià eröffnete 1951 als eine der ersten Unterkünfte das Hotel Bendinat, kurz darauf folgten die ersten größeren Häuser in Peguera und Santa Ponça. 2026 belief sich die Zahl der Hotelbetten in der Gemeinde auf rund 61.000.Mallorca Zeitung, Bettenzahl in der Gemeinde Calvià, abgerufen am 6. April 2026

Wirtschaft und Tourismus Ab Mitte der 1950er Jahre entwickelte sich der Tourismus in Calvià binnen weniger Jahre zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor. Parallel dazu verlor die Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung.

Tourismus mini|Vorbereitungen für den Bau einer Hotelanlage in El Toro (um 1972); im Hintergrund die Felseninsel Malgrat mini|Hotelrohbau in El Toro Anfang der 1970er Jahre mini|Magaluf (2010)