Die Loggerfischerei oder „Große Heringsfischerei“ war eine küstenferne Hochseefischerei auf Heringe. Sie wurde von etwa 1860 bis 1976 (BRD) bzw. 1981 (DDR) betrieben und bestand zum einen aus den Fischereifahrzeugen, den Heringsloggern, zum anderen aus den Landbetrieben, den Loggereien, in denen der auf See geschlachtete und gesalzene Hering verkaufsfertig weiterverarbeitet wurde und die Logger versorgt und ausgerüstet wurden. mini|Heringslogger Stadt Emden im Emder Museumshafen mini|Heringslogger Stadt Emden im Emder Museumshafen
Geschichte der Loggerfischerei Der Logger löst die Buise ab mini|Eine niederländische Haringbuis holt ihr Netz ein (1789) mini|Modell einer niederländischen Heringsbuise im Husumer Museum Nach dem Niedergang der Ostsee-Heringsfischerei Ende des Mittelalters verlagerte sich die Fischerei und Salzheringsproduktion in die Nordsee. Zum einen fand die ertragreichste Fischerei vor Schottland statt, wobei küstennah gefischt und an Land verarbeitet werden konnte. Zum anderen entwickelten die Holländer eine Fernfischerei mit seetüchtigen Schiffen, den Buisen, auf Kiel gebauten, etwa 23 m langen und 5 m breiten Schiffen, mit einem rahgetakelten Großmast und gaffelgetakelten kleineren Besan (Treibermast) sowie vorn mit einer Fock. Die Fischerei erfolgte mit Treibnetzen aus Hanf, bei üblicherweise 48 aneinandergefügten Netzen ergab sich eine Länge der sog. Fleet von etwa 1400 m. Der Hering wurde an Bord geschlachtet, gesalzen und in Fässer verpackt. Der Fang erfolgte zwischen Mai und Oktober, in der Regel wurden 1 bis 2 Fangreisen gemacht. Man kehrte erst heim, wenn die Laderäume gefüllt waren. Gelegentlich wurden die Fässer aber auch auf See auf sog. Jager, schnell segelnde Frachtensegler, umgeladen und so Laderaum für die weitere Fischerei freigemacht.
Der Logger, ein schnelles Fangschiff der französischen Kanalfischer, revolutionierte und veränderte ab 1857 entscheidend die bisherige holländische Heringsfischerei mit den vergleichsweise schwerfälligen und plumpen Buisen. Durch ihre Geschwindigkeit konnten mit den Loggern jährlich vier bis fünf Fangreisen durchgeführt werden. Hinzu kam, dass die Fischerei durch den Ersatz der schweren Hanfnetze durch Baumwollnetze wesentlich erleichtert wurde. Die Netze konnten deutlich vergrößert werden, ein Logger führte ca. 70 Netze mit einer Gesamtlänge der Fleet von ca. 2000 m. Mit zum Erfolg der Fischerei trug das Entlohnungssystem für die Besatzung bei. Der Monatslohn wurde durch ein System der Anteile am Fang ersetzt. Der Lohn eines Matrosen entsprach durchaus demjenigen eines Facharbeiters, bei gutem Fang auch deutlich mehr.
Vorläufer der Loggereien in Deutschland Seit dem Mittelalter war die deutsche Heringsfischerei vor allem eine Küstenfischerei, so beispielsweise in der Schlei, in der Elbmündung und vor Helgoland. Die Heringe wurden frisch oder geräuchert vermarktet.
Eine erste küstenferne Fischerei mit Buisen wurde um 1550 von kriegsbedingt emigrierten Holländern in Emden betrieben. Ebenso waren holländische Fischereien im neugegründeten, seinerzeit dänischen und damit neutralen Glückstadt aktiv. Nach dem Ende des Niederländischen Befreiungskrieges 1648 kehrten die Betreiber aber samt ihren Schiffen nach Holland zurück.
Im dänischen Altona wurde 1767 eine vom dänischen Staat subventionierte Heringsfischerei-Kompanie gegründet. 1780 besaß sie 28 Buisen und 3 Jager. In den napoleonischen Kriegen kaperten die Engländer 18 Altonaer Heringsbuisen im Helgoländer Hafen, dies bedeutete das Ende der Altonaer Heringsfischerei-Kompagnie.
Nachdem Emden preußisch geworden war, gab Friedrich II. 1769 die Erlaubnis zum Aufbau einer Compagnie zum Herings-Fang in Emden. Emder Bürger gründeten daraufhin am 9. August 1769 die Societaet zum Herings-Fangst in der Stadt Emden bzw. die Königlich-preußische Compagnie zum Herings-Fang. Deren Flotte wuchs bald bis zu 55 Buisen an. Die Fischerei kam allerdings ebenfalls durch die napoleonischen Kriege und die Kontinentalsperre zum Erliegen und erholte sich auch hinterher kaum noch. Die letzten Buisen aus Emden wurden 1858 verkauft.
Von der Gründung der ersten Loggereien bis zum Ersten Weltkrieg mini|Aktie der Emder Heringsfischerei Aktiengesellschaft, 1872 mini|Werftzeichnung eines typischen Fischereiloggers, des Segelloggers Stör der Glückstädter Heringsfischerei, gebaut 1893 bis 1894 Dem Vorbild der Holländer folgend wurde 1872 die erste deutsche Loggerfischerei in Emden gegründet (Emder Heringsfischerei Aktiengesellschaft). Zunächst wurde mit 6 in Holland gekauften Segelloggern begonnen, bis 1893 fuhren von Emden aus bereits 25 Segellogger. Die Emder Heringsfischerei drohte bald in Konkurs zu gehen, wurde aber vom preußischen Staat massiv mit zinslosen Krediten und direkten Subventionen unterstützt. Die Loggerfischerei war während ihrer gesamten Existenz auf Subventionen angewiesen. Die Motivation zur Förderung war unterschiedlich. Zum einen galt es, mit dem Salzhering ein billiges Nahrungsmittel vor allem für die ärmere Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Zum anderen wurden auch militärische Zwecke verfolgt. Auf den Loggern arbeiteten hoch qualifizierte Seeleute, im Kriegsfall rasch abrufbar, die in der Kriegsflotte besonders gut einsetzbar waren, und die Logger waren als Hilfsschiffe im Krieg zu verwenden.
Nach dem erfolgreichen Neubeginn und nicht zuletzt wegen der staatlichen Subventionen wurden Ende des 19. Jahrhunderts eine Reihe weiterer Heringsfischereien gegründet. 1900 gab es an den Standorten Emden, Bremen-Vegesack (Bremen-Vegesacker Fischerei-Gesellschaft), Elsfleth, Geestemünde (heute: Bremerhaven) und Glückstadt 7 Heringsfanggesellschaften mit insgesamt 118 Loggern. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges erhöhte sich die Zahl der Gesellschaften auf 13. 1911 wurde mit 284 Loggern der höchste Bestand an Schiffen erreicht.
Emder Heringsfischerei Aktiengesellschaft 1872 Heringsfischereigenossenschaft Norden/Ostfriesland 1888 Glückstädter Heringsfischerei AG 1893 Bremen-Vegesacker Fischerei-Gesellschaft 1895 Elsflether Heringsfischerei 1896 Heringsfischerei Dollart, Emden 1899 Großer Kurfürst Heringsfischerei, Emden 1904 Braker Heringsfischerei 1904 Leerer Heringsfischerei 1905 Midgard Deutsche Seeverkehrs-AG, Nordenham 1905 Visurgis Heringsfischerei AG, Nordenham 1907 Norddeutsche Hochseefischerei AG, Bremerhaven 1907 Brema Heringsfischerei AG 1911
Mit Beginn des Ersten Weltkrieges kam die Loggerfischerei praktisch zum Erliegen. Die modernen Dampf- und Motorlogger wurden nunmehr als militärische Hilfsschiffe eingesetzt. Von ihnen gingen im Krieg 57 Logger verloren.
Zwischen den Weltkriegen Nach dem Krieg kam die Loggerfischerei mit den verbliebenen ca. 200 Fahrzeugen wegen der Minengefahr erst 1920 wieder voll in Gang. Allerdings verminderte sich in den Folgejahren der Bestand um über 100 Schiffe, da die veralteten Segellogger bis 1932 vollständig ausgemustert wurden.
Die Loggerfischerei war von jeher auf staatliche Subventionen angewiesen, diese wurden allerdings mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges eingefroren und erst 1925 wieder aufgenommen. Das drohende Ende der Loggerfischerei wurde mit der Wiederaufnahme der Subventionen abgewendet. Die staatlichen Hilfen umfassten Schutzzölle auf den Salzhering, Fangprämien, die Stundung und Gewährung von Krediten und Baudarlehen zum Umbau und Neubau von Loggern. 1932 wurde als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme der Bau von 30 Motorloggern auf Staatskosten beschlossen und die Schiffe den Heringsfanggesellschaften gegen Eintragung einer Schuld überlassen. Die Nazis führten das Programm 1933 – wegen Autarkiebestrebungen und wahrscheinlich wiederum auch aus militärischen Überlegungen – fort und erweiterten es 1934 um den Bau weiterer 23 Motorlogger. 1935 wurden die ersten Kombilogger, die sowohl mit der Fleet als auch mit dem Grundschleppnetz fischen konnten, eingesetzt.
1939, beim Beginn des Zweiten Weltkrieges, gab es an den vier Standorten Bremen-Vegesack, Leer, Emden und Glückstadt insgesamt 168 Logger, davon 110 Motorlogger und 8 Kombilogger. Mit Kriegsbeginn kam die Loggerfischerei wieder zum Erliegen, die moderneren Schiffe wurden von der Marine eingezogen und nach entsprechender Umrüstung unter anderem als Vorposten-, Sicherungs- und Minensuchboote eingesetzt.
Nach 1945 bis zum Ende der Loggerfischerei in Westdeutschland Im Krieg gingen 45 Schiffe verloren, weiterhin wurden 9 durch Verkauf und Abwracken ausgemustert. Der beste und modernste Teil der Loggerflotte war damit verloren. Von den verbliebenen, zum großen Teil überalterten Schiffen konnte nur ein Teil eingesetzt werden. Bis 1948 waren 76 Logger bei folgenden Logger-Fischereigesellschaften einsatzbereit: Emder Heringsfischerei Aktiengesellschaft Heringsfischerei Dollart, Emden Großer Kurfürst Heringsfischerei, Emden Leerer Heringsfischerei Glückstädter Heringsfischerei Aktiengesellschaft Bremen-Vegesacker Fischerei-Gesellschaft Wie in den Jahrzehnten zuvor war die Loggerfischerei auch jetzt auf staatliche Hilfen angewiesen. 1954 bis 1957 wurde ein Loggerneubauprogramm mit Geldern aus dem europäischen Wiederaufbauprogramm durchgeführt, bei denen die Heringsgesellschaften nur 20 % der Baukosten – zumeist finanziert über Kredite – aufbringen mussten. Zusammen mit 1961 eingeführten Abwrackprämien für die Außerdienststellung von überalterten Loggern führte das zu einer Modernisierung der Flotte durch den Bau relativ gut ausgestatteter Kombilogger, die neben Salzheringen auch Frischfisch anlandeten und damit einen Ganzjahresbetrieb ermöglichten. Ab 1963 wurden noch 4 moderne Hecklogger in Dienst gestellt.
Trotz des Neubauprogramms mit Kombi- und Heckloggern und staatlicher Subventionen, beispielsweise als Fangprämien, kam es dann jedoch in den 1960er Jahren aus folgenden Gründen zu einem unaufhaltbaren Niedergang der Loggerfischerei:
1. Veränderung der Konsumgewohnheiten. Das Frischfischangebot wurde – auch im Binnenland – ständig verbessert. Weiterhin nahm die Frostfischproduktion immer mehr an Bedeutung zu und die Verarbeitung zu Marinaden und Konserven führte zum Angebot einer breiten Palette an Produkten. Die Salzung verlor ihre überragende Bedeutung als Konservierungsmaßnahme und der Salzhering unterlag in der Produktkonkurrenz den anderen Fischprodukten. 2. Konkurrenz mit anderen Fischereien. Durch die Modernisierung der Trawler, Einführung hocheffizienter Fischereigeräte wie des pelagischen Netzes oder der Ringwade, konnte der Fisch wesentlich kostengünstiger produziert werden als in der traditionellen Loggerfischerei. 3. Überfischung. Durch den Einsatz dieser hocheffizienten Fischereimethoden wurde offensichtlich mehr Hering gefischt als von den Beständen reproduziert werden konnte, so dass die Bestände der Nordsee zusammenbrachen. Es kam bis zum Ende der 60er Jahre zu einem dramatischen Rückgang der Fangerträge in der Logger-Heringsfischerei. 4. Arbeitskräftemangel. Die Entlohnung bestand aus einem Festlohn und Fanganteilen. Mit Rückgang der Fänge sanken die Einkommen der Seeleute erheblich. Hinzu kam, dass an Land genügend Arbeitsplätze, besser bezahlt, mit geregelten Arbeitszeiten und freien Wochenenden, angeboten wurden und es daher immer schwerer gelang, die Logger mit dem erforderlichen qualifizierten Personal auszustatten.
1969 wurde die Loggerfischerei in Leer, Emden und Bremen-Vegesack eingestellt. Auch die Glückstädter Heringsfischerei ging in Konkurs, wurde dann jedoch teilweise von einem Bauunternehmer aus steuerlichen Gründen weiter geführt. Der letzte Logger lief Glückstadt 1975 an, 1976 wurde die Glückstädter Heringsfischerei endgültig liquidiert.
Loggerfischerei der DDR mini|Logger ROS 112 III. Bundeskongress hinter Heringsfässern im Rostocker Fischereihafen, 1964