mini|Hauptfassade der Dominikanerkirche mini|Innenansicht der Dominikanerkirche mini|Hauptfassade und ehemaliges Dominikanerkloster links

Die ehemalige Dominikaner-Klosterkirche St. Blasius (auch Dominikanerkirche) am Regierungsplatz in Landshut war die Klosterkirche des Dominikanerklosters, das über viele Jahrhunderte bestand. Mit ihren zahlreichen Umbauten und Veränderungen im Kircheninneren zeigt sie ihre wechselhafte Vergangenheit. Die Kirche, seit der Säkularisation im Besitz des Freistaats Bayern (verwaltet von der Regierung von Niederbayern), gehört als Nebenkirche zur Pfarrei St. Jodok und ist die zweitgrößte Kirche Landshuts nach St. Martin. Sie ist dem heiligen Blasius von Sebaste (Gedenktag: 3. Februar) geweiht.

Geschichte Nach der Ansiedlung von Dominikanern aus dem Kloster Regensburg in Landshut im Jahr 1271 wurde bald mit dem Bau einer Klosterkirche begonnen, wie Ablassbriefe aus den Jahren 1288, 1292 und 1294 bezeugen. Allerdings gingen wichtige Unterlagen über die Entstehungszeit des Klosters bei dessen Auflösung im Zuge der Säkularisation 1802 verloren. Vermutlich bedingt durch eine längere Entwicklungs- und Bauzeit konnte die Konsekration erst 1386 vorgenommen werden. Über dendrochronologische Methoden wurde nachgewiesen, dass der Dachstuhl über dem Chorraum bereits 1291 errichtet wurde, während das Dachwerk über dem Langhaus auf 1340 datiert wird.Liedke, S. 216ff.Pfarrei Landshut-St. Jodok: Dominikanerkirche St. Blasius. Online auf www.jodok-landshut.de; abgerufen am 6. Mai 2021.

Vor der Fertigstellung der Klosterkirche dürfte den Dominikanern die der Kirche angegliederte und damals bereits bestehende Magdalenenkapelle oder deren nicht mehr vorhandener Vorgängerbau für ihr Wirken zugewiesen worden sein. Hinweise, auch anlehnend an die unterschiedlichen Patrozinien der Kirchen legen zumindest den Verdacht nahe, dass die Magdalenenkapelle bereits bei früheren Niederlassungsversuchen der Dominikaner im 13. Jahrhundert erbaut sein könnte oder damals schon Bestand hatte.

Die Dominikanerkirche wurde ursprünglich – als Kirche eines „Bettelordens“ – nach den Ordensvorschriften im frühgotischen Stil ohne Turm erbaut und dürfte nur äußerst karg ausgestattet gewesen sein. Durch Alter und Schäden im Dreißigjährigen Krieg bedingt war der Zustand des Gotteshauses gegen Ende des 17. Jahrhunderts schlecht. Es gab ab 1699 bereits erste barocke Umbauten, so wurde zum Beispiel der gotische durch einen barocken Dachreiter ersetzt. Erst 1747 bis 1749 vollzog Johann Baptist Zimmermann, der 15 Jahre zuvor auch die Abteikirche Seligenthal umgestaltet hatte, eine durchgreifende Neugestaltung und künstlerische Bereicherung des Kircheninneren im Stile des Rokoko. Sowohl die neue Raumgestaltung als auch die zahlreichen Dekorationselemente, die sich heute in der Kirche befinden, stammen von Zimmermann. Die Westfassade als Schaufassade zum Regierungsplatz hin wurde dagegen im Jahr 1805 zu Zeiten der Universität klassizistisch umgestaltet.

Die unterschiedliche Nutzung des Dominikanerklosters spiegelt sich auch in der Kirche wider. Nach der Säkularisation wurde sie Eigentum des Freistaats Bayern. Von 1802 bis 1826 diente sie als Studienkirche der Universität Landshut. Nach der Umsiedlung der Universität nach München wurde die Dominikanerkirche von den nahegelegenen Landshuter Gymnasien (Hans-Carossa-Gymnasium, Hans-Leinberger-Gymnasium) wiederum als Studienkirche genutzt. Nach 1865 wurde im rückwärtigen Joch des linken Seitenschiffes die Wendeltreppe als Aufgang zur Orgelempore eingebaut. 1869 ersetzte man den barocken Dachreiter durch einen neugotischen, welcher allerdings heute nicht mehr existiert. Um 1900 sind bei Restaurierungsarbeiten an den Fresken im Chor Übermalungen größeren Umfangs getätigt worden. Um 1960 mussten die Westfassade und die unmittelbar angrenzende Orgelempore statisch gesichert werden. Offenbar wurden bei der klassizistischen Umgestaltung im Jahr 1805 tragende Wandpfeiler des gotischen Kirchenbaus entfernt und nicht adäquat ersetzt. Eine umfassende Außen- und Innenrenovierung wurde 1965 durchgeführt. Dabei wurde auch die heutige Orgel angeschafft. In den Jahren 1988 bis 1991 wurde das Chorgestühl im Psallierchor aufwändig restauriert. Von 1999 bis 2005 erlebte die Dominikanerkirche die vorerst letzte Außen- und Innenrenovierung.Landbauamt Landshut (Hrsg.), S. 5–10.

Architektur mini|Mittelschiff: Blick rückwärts zur Orgelempore, im Vordergrund die barocke Kanzel

Bei der Dominikanerkirche handelt es sich um eine dreischiffige Basilika mit Obergaden. Der Bau ist im Kern frühgotisch, wurde jedoch im 18. Jahrhundert stark verändert. Während die Süd- und Ostseite noch in Sichtziegelbauweise ausgeführt sind, ist die Westfassade als klassizistische Schaufassade konzipiert. Die Gliederung erfolgt hier durch Lisenen, die in etwa die Aufteilung in drei Schiffe wiedergeben. In der Mittelachse befindet sich das Hauptportal. In den beiden seitlichen Achsen sind weitere Portale untergebracht, die jeweils von einem segmentbogig abschließenden Fenster bekrönt werden. Oberhalb eines doppelten Gesimses, das seitlich von zwei Vasen geschmückt wird, erhebt sich ein von flachen Pilastern begleiteter Aufbau, der in einem nochmals überbauten Dreiecksgiebel endet. Zwischen den Pilastern befindet sich ein weiteres segmentbogig abschließendes Fenster, welches im Inneren teilweise von der Orgel verdeckt wird.

Der von Johann Baptist Zimmermann umgestaltete Innenraum gilt als eine der beeindruckendsten Raumschöpfungen des bayerischen Rokoko. Durch eine Vergrößerung der Fenster im Obergaden und das Einfügen von Lichtkuppeln in den Seitenschiffen (im jeweils dritten Joch von Osten), die sich jeweils nach Norden bzw. nach Süden zu Rundbogenfenstern öffnen, erscheint das Innere heute als großzügiger lichter Raum. Das dreischiffige Langhaus umfasst dabei sechs Joche, wobei das westlichste Joch im Mittelschiff von der Orgelempore überdeckt wird. Durch die Verkleidung der ursprünglich schlanken gotischen Pfeiler entstanden die wuchtigen Rundbogenarkaden, die heute die Seitenschiffe vom Mittelschiff abtrennen. Letzteres setzt sich ohne weitere Verengung und ohne Chorbogen in den Altarraum fort, der sogar die gleiche Höhe wie das Mittelschiff besitzt. Der gotische Lettner, der hier früher zu finden war, wurde ebenfalls von Zimmermann entfernt. Der Chor umfasst drei Joche und einen Fünfachtelschluss und ist außen durch die spitzbogigen Fensteröffnungen und durch Strebepfeiler gegliedert. Der Hochaltar trennt den hinteren Bereich des Chorraumes ab, in dem sich der Psallierchor befindet. Früher war dieser mit einem sehr sehenswerten Chorgestühl ausgestattete Raum allein den Mönchen vorbehalten. Das gotische Gewölbe in Langhaus und Chor wurde beim Rokoko-Umbau durch eine flache Holzlattenkonstruktion ersetzt, die viel Raum für die von Zimmermann gestalteten Deckenfresken bietet. Auch in den Gewölben der Seitenschiffe finden sich Deckengemälde des Münchner Hofkünstlers.

Südlich an die Hauptkirche sind zwei im Kern gotische, aber barock veränderte Kapellen angebaut. Westlich zum Regierungsplatz hin liegt die vierjochige Maria-Hilf-Kapelle, die heute von der russisch-orthodoxen Gemeinde Landshuts genutzt wird, östlich davon die dreijochige Magdalenenkapelle. Beide Kapellen bilden eigenständige sattelgedeckte Baukörper, wobei die Magdalenenkapelle eine etwas größere Höhe aufweist. Die Westfassade der Maria-Hilf-Kapelle ist in ihrer Gestaltung der klassizistischen Schaufassade der Hauptkirche angeglichen. Die Maria-Hilf-Kapelle kann nur über das Portal auf der Westseite betreten werden. Der einzige Zugang zur Magdalenenkapelle befindet sich dagegen im südlichen Seitenschiff der Hauptkirche (zwischen dem zweiten und dritten Joch von Osten).

Ausstattung Die reiche Ausstattung im Stile des Rokoko stammt zu großen Teilen von Johann Baptist Zimmermann, der die Entwürfe für die umfangreichen Stuckaturen anfertigte sowie die Deckenfresken des Hauptschiffes und einige Altargemälde ausführte. Die zahlreichen Altäre selbst und das Chorgestühl wurden von lokalen Künstlern bzw. direkt in der Klosterwerkstatt gefertigt.

Fresken Neben den Stuckaturen stammen auch die Fresken von dem Münchner Hofmaler Johann Baptist Zimmermann. Eines der Langhausfresken ist von ihm signiert mit: „Zimmermann in(venit) et pinxit ano 1749“. Das rückwärtige Fresko oberhalb der Orgelempore zeigt die mystische Vermählung der heiligen Katharina von Siena mit Christus, dargestellt in einem Rokokohof. Als Zeugen dieser Szene sind Maria, Dominikus, Johannes und Paulus dargestellt. König David begleitet auf seiner Harfe musizierend das Geschehen. An diese erste Fresko schließt sich unmittelbar das langgestreckte Hauptfresko an, welches an seinem vorderen Ende einen Paradiesgarten mit Blumen pflückenden Engeln zeigt. Dieser ist durch eine Balustrade begrenzt, an der eine Kartusche mit der Inschrift „In plenitudine sanctorum detentio mea“ (lat. „In der Menge der Heiligen ist mein Aufenthalt“) aus dem Ecclesiasticus befestigt ist. Der Zugang zum Paradiesgarten durch ein geschmücktes Portal ist weit geöffnet dargestellt. Rechts davon führt eine Treppe zu einem Brunnen mit hoher Fontäne, der von einem Marienmonogramm geziert wird. Die Gottesmutter selbst ist mit dem Jesuskind auf einer Wolke in der oberen Bildhälfte dargestellt. Beide überreichen dem heiligen Dominikus, Ordensgründer der Dominikaner, einen Rosenkranz. Auf der rechten Seite kniet die heilige Katharina von Siena mit der Lilie der Reinheit, hinter ihr eine Schar heiliger Ordensfrauen. Vor ihnen weist Papst Pius V., Reformator der Kirche und großer Förderer des Rosenkranzgebetes, auf die Madonna. Auf der linken Seite kniet der heilige Thomas von Aquin, begleitet von den vier Kirchenvätern. Von der Madonna mit Kind geht ein Licht aus, das auf die Gegenwart Gottes verweist. In dem Lichtschein sind zahlreiche Engel dargestellt.Kissling, S. 4–8.

Das folgende Fresko zeigt ein sogenanntes Gottesurteil über die Schriften der im Zuge der Inquisition verfolgten Katharer und die des heiligen Dominikus. Während die Bücher der Häretiker in Flammen aufgehen, werden die Schriften des Ordensgründers Dominikus über Flammen und Rauch zum Himmel emporgehoben. Dieses Fresko ist als einziges, wie eingangs beschrieben, signiert. Daran schließt sich – auf Höhe des Übergangs vom Langhaus zum Chor – eine Uhr an, welche auf die Vergänglichkeit verweisen soll. Sie ist eine Stiftung der Rosenkranzbruderschaft. Daran anschließend, also über dem vorderen Bereich des Altarhauses, ist die Verehrung des Allerheiligsten in der Monstranz durch die vier damals bekannten Erdteile (in allegorischer Form) dargestellt. Beherrschend wirkt Europa mit dem Kreuz, daneben Asien als exotisch gekleidete, Weihrauch opfernde Gestalt. Unter einem kleinen Schirm lugt ein vornehm gekleideter Schwarzer hervor, der für Afrika steht. Ein Indianer mit Köcher auf dem Rücken schließlich versinnbildlicht Amerika. Das letzte Fresko in dieser Reihe befindet sich über dem Psallierchor. Hier sind König David mit der Harfe und zahlreiche musizierende Engel zu sehen. In den Zwickeln des Chorgewölbes sind die vier Evangelisten abgebildet.

Über den Arkaden im Mittelschiff sind Medaillons mit Heiligendarstellungen zu sehen. In den beiden östlichen Joche sind die Kirchenväter Papst Gregor der Große und Hieronymus sowie Augustinus und Ambrosius von Mailand jeweils gegenüber angeordnet. Auf der Nordseite folgen zunächst Thomas von Aquin und Bernhard von Clairvaux. Hier und auch auf der Südseite sind weitere Heilige dargestellt, die in irgendeiner Form eine Verbindung zum Dominikanerorden besitzen. Die Fresken in den Seitenschiffen stammen wahrscheinlich nicht von Zimmermann persönlich, wohl aber aus seinem Umfeld. Im Nordschiff sind Szenen aus dem Leben des heiligen Dominikus sowie Maria als Rosenkranzkönigin zu sehen, im Südschiff ist das Martyrium des Kirchenpatrons Blasius von Sebaste (Gedenktag: 3. Februar) dargestellt.

Kanzel