mini|250px|Jesuitenkirche St. Ignatius (im Vordergrund) mit dem ehemaligen Jesuitenkolleg (rechts), aufgenommen vom Hofberg

Die ehemalige Jesuiten-Klosterkirche St. Ignatius (auch Jesuitenkirche) befindet sich am oberen Ende des Landshuter Straßenzuges Neustadt. Sie bildet förmlich den Abschluss der Neustadt zum Hofberg hin. Ihr angeschlossen liegt das ehemalige Jesuitenkolleg Landshut. Die turmlose Kirche ist eine Nebenkirche der Pfarrei St. Martin und zählt sowohl als Baudenkmal des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (Nummer D-2-61-000-392) wie auch als geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention. Kirchenpatron ist der heilige Ignatius von Loyola (Gedenktag: 31. Juli), Ordensgründer der Jesuiten.

Geschichte mini|St. Ignatuis-Kirche und Jesuitenkolleg, Kupferstich aus der Historico-Topographica Descriptio von Michael Wening, 1723

Das Jesuitenkolleg Landshut geht auf eine fromme Stiftung der Gräfin Magdalena von Haunsperg aus dem Jahr 1627/28 zurück. Sie vermachte der oberdeutschen Provinz des Jesuitenordens 56.000 Gulden mit der Auflage, die Geldmittel für die Gründung eines Jesuitenkollegs in Bayern zu verwenden. Die Entscheidung durch Herzog Maximilian I. fiel auf Landshut. Ab 1628 wurden mehrere Häuser am südlichen Ende der Landshuter Neustadt aufgekauft, sodass am 31. Juli 1631 durch den Freisinger Fürstbischof Veit Adam von Gepeckh die Grundsteinlegung für den Kirchenbau erfolgen konnte. Als Baumeister gilt der Jesuitenfrater Johannes Holl (1595–1648) aus der Mark Brandenburg. Die Landshuter Jesuitenkirche gilt als sein Hauptwerk.Liedke, S. 199f.Stahleder, S. 2–6.

Zu den anfänglichen Schwierigkeiten mit den Grundfesten gesellten sich 1632 und 1634 Repressalien durch die Schweden, sodass der Bau zunächst nur langsam vorangetrieben werden konnte. Erst nachdem man 1637 einen Rost aus Erlenstämmen als Gründung gefertigt hatte, nahmen die Bauarbeiten wieder Fahrt auf. In den Jahren 1638 bis 1640 erfolgten die Einwölbung des Chores und die Errichtung eines provisorischen Dachstuhls. Am 25. November 1640 wurde die Kirchweihe vorgenommen, obwohl sich die Einwölbung des Langhauses noch bis zum Sommer 1641 hinzog. In den Folgejahren wurde der Innenausbau vorgenommen. Bereits 1640/41 stuckierte der Wessobrunner Meister Matthias Schmuzer das Langhaus und die vorderen Seitenkapellen. Einige Altäre, darunter der Hochaltar, wurden erst in den 1660er Jahren angeschafft. Aus dieser Zeit datieren auch die Stuckaturen im Chorraum und in den übrigen Seitenkapellen. Ein geplanter Turm konnte wegen Geldmangels nicht mehr realisiert werden, einzig die Grundmauern sind Relikte dieses Unterfangens. Im Stich von 1723 durch Michael Wening ist ein Dachreiter mit Spitzhaube zu erkennen, welcher aber heute nicht mehr existiert. In der Zeit zwischen 1690 und 1695 dürfte der Aufbau eines Attika-Geschosses mit Glockenstuhl und Uhr in Richtung Neustadt erfolgt sein. Mit dem Einziehen des zweiten Geschosses der Doppelempore im Jahr 1697 waren die Baumaßnahmen endgültig abgeschlossen.Archiv Universitätsbibliothek Marburg: . Online auf archiv.ub.uni-marburg.de. Abgerufen am 22. August 2016.

Der Dachstuhl der Jesuitenkirche blieb lange ein Provisorium. Erst 1970 wurde er durch umfangreiche Verstärkungen fertiggestellt. Außerdem wurde die Kirche 1968 außen und 1977/78 innen unter der Leitung des Bezirksheimatpflegers Hans Bleibrunner renoviert.

Im Sommer 2007 wurde festgestellt, dass sich die bereits 2004 festgestellte Setzung des Kirchenfundaments weiter verschlimmert hat und eine Nutzung daher derzeit nicht verantwortbar wäre. Die Setzungsbewegungen resultierten nach Meinung von Bauexperten aus dem Absinken des Grundwasserspiegels im 20. Jahrhundert infolge der zunehmenden Kanalisierung der Isar. Dadurch seien die Erlenholzpfähle, die zur Verdichtung des Bodens und somit als Gründung des Kirchenbaus dienten, verfault. Ein ähnliches Problem war bereits bei mehreren historischen Kirchen in Landshut aufgetreten, unter anderem auch in der Basilika St. Martin. Im Frühjahr 2009 genehmigte das erzbischöfliche Ordinariat München-Freising eine Investitionssumme über neun Millionen Euro zur Erhaltung des Bauwerks. Mit dem Abschluss der konstruktiven Sanierungsmaßnahmen im Jahr 2015 wurde der Bestand der Kirche gesichert.Erzbistum München und Freising: . Online auf www.erzbistum-muenchen.de. Abgerufen am 22. August 2016. Die darauf erfolgte Innenraumrenovierung kostete weitere 4,6 Millionen Euro; im Juni 2026 wurde St. Ignatius nach 18 Jahren Renovierung wiedereröffnet.

Architektur mini|200px|Schauseite der Jesuitenkirche mit Attika-Geschoss, von der Neustadt aus aufgenommen mini|200px|Portal mit Sprenggiebel und Emblem des Jesuitenordens

Bei der Landshuter Jesuitenkirche, deren Gestaltung in den Grundzügen an die Jesuitenkirche St. Michael in München erinnert, handelt es sich um eine Wandpfeilerkirche mit den dafür charakteristischen Seitenkapellen, die ungewöhnlicherweise nach Westen ausgerichtet ist. Die stilistische Einordnung muss dementsprechend am Übergang von der Renaissance zum Barock erfolgen, eventuell als eine Spielart des Manierismus.

Das Langhaus der einschiffigen Saalkirche umfasst vier Joche und rückwärts ein halbes Joch, der westlich anschließende Chor drei Joche und den Chorschluss in Form einer halbrunden Apsis. Der Chor setzt sich im Außenbau durch den herumgeführten zweigeschossigen Sakristeikranz deutlich vom Langhaus ab. Er wird durch drei Rundbogenfenster je Seite beleuchtet. Das Kirchenschiff besitzt in den vorderen vier Ganzjochen je ein kleines Ovalfenster unten zur Belichtung der Seitenkapellen und oben ein hohes Rundbogenfenster für das Emporengeschoss.Stahleder, S. 6–8.

Der Außenbau ist überwiegend sehr schlicht gehalten; nur die Nordfassade als Schauseite zur Neustadt hin zeigt architektonische Ordnung und Schmuck. Die viereinhalb Langhausjoche werden hier durch flache Pilaster abgetrennt, die das Kranzgesims tragen, das sich um die ganze Kirche zieht, und den Wandpfeilern im Innenraum entsprechen. Sämtliche Fensteröffnungen sind abwechselnd mit Dreiecks- und Segmentgiebeln überdacht. Durch ein Attika-Geschoss besonders hervorgehoben sind die zweieinhalb östlichen Joche – die einzigen, die von der Neustadt direkt einsehbar sind. Dass hierbei das östliche Joch nur etwa halb so breit ist wie die beiden anderen überhöhten Joche, fällt erst auf den zweiten Blick auf. Besonders deutlich wird dies an den auffallend schmäleren Schallöffnungen und an der Tatsache, dass anstelle der große Fensterflächen nur die kleinen, schmalen Ovalfenster des Emporenaufgangs vorhanden sind. In dem mittleren der drei überhöhten Joche, direkt unter der Uhr, befindet sich das einzige Kirchenportal. Es wird von einem gesprengten Segmentgiebel bekrönt, den das Emblem des Jesuitenordens schmückt.

Da das Pflaster im Innenraum rund 1,5 Meter über dem Erdboden liegt, betritt man die Kirche über eine Treppe. Diese befindet sich auf der Nordseite in der vierten Seitenkapelle, von Westen gezählt. Der weite, lichte Kirchenraum bestehend aus Langhaus und Chor wird von einem einfachen Tonnengewölbe mit breiten Gurtbögen überspannt. Die Seitenkapellen zwischen den Wandpfeilern und die darüber liegenden Oratorien im Emporengeschoss sind von kurzen Quertonnen überwölbt. Die Wandpfeiler sind mit dezenten Pilastern besetzt; diese tragen ein Gebälk, das sich unterhalb der Oratorien entlangzieht und von der Emporenbrüstung aufgenommen wird. Der leicht eingezogene Chor ist nur wenig schmäler als das Langhaus ohne Seitenkapellen. Das Halbrund der Apsis wird von dem wuchtigen Hochaltaraufbau, der die gesamte Breite des Chorraums einnimmt, abgetrennt. Im rückwärtigen Halbjoch ist eine Doppelempore eingezogen. Die Oratorien befinden sich dabei auf der Höhe des oberen der beiden Emporengeschosse, das auch die Orgel trägt.

Maße Der Innenraum der Jesuitenkirche St. Ignatius besitzt in etwa folgende Abmessungen:Stahleder, S. 4 (Grundrisszeichnung). Innenlänge: 56,10 Meter davon Langhaus: 33,80 Meter davon Chor: 22,30 Meter Innenbreite des Langhauses: 23,50 Meter ohne Seitenkapellen: 15,10 Meter Innenbreite des Chores: 12,55 Meter

Ausstattung Stuck Die Stuckierung des Langhauses und der vorderen Seitenkapellen wurde in den Jahren 1640 und 1641 von Matthias Schmuzer aus Wessobrunn vorgenommen. Die Arbeiten im Chor und in den übrigen Seitenkapellen entstanden erst 1662 durch einen unbekannten Meister. Darin sind feine stilistische Unterschiede begründet, die jedoch nicht den einheitlichen Gesamteindruck des Innenraumes stören. Die breiten Gurtbögen im Langhausgewölbe sind abwechselnd mit Rechteckfeldern und Rosetten besetzt. Dazwischen sind quadratische und runde Felder zu sehen, welche durch Bändchen mit Engelsköpfchen verbunden sind. Zwischen den Oratorien besitzen die Wandpfeiler flache umrahmte Nischen, die von Dreiecksgiebeln bekrönt sind. Den Hintergrund bildet jeweils eine stuckierte Muschelschale. Die Nischen enthalten Holzfiguren verschiedener Ordensgründer. Die Sichtseite des Chorbogens ist besonders reich geschmückt. Hier sind Ovale zu sehen, die allesamt mit Engelsköpfen geschmückt sind. Am Chorbogenscheitel befindet sich eine Kartusche mit dem Christusmonogramm IHS – einem jesuitischen Symbol, wie es auch am Portal, am Hochaltar und an der Kanzel zu sehen ist.Stahleder, S. 8f.

Auf der Rückseite des Chorbogens ist ein Marienmonogramm stuckiert, welches natürlich mit dem Christusmonogramm auf der Vorderseite korrespondiert. Die Stuckaturen im Chorgewölbe sind grundsätzlich gleich aufgebaut wie die im Langhausgewölbe, allerdings treten sie dichter, formenreicher und plastischer in Erscheinung. Wiederum wird das Gewölbe von breiten Gurtbögen gegliedert, zwischen denen eine Einteilung in längliche und quadratische mit Rosetten besetzte Felder erfolgt. Durch die Verwendung heller Farben (Rosa, Hellblau, Gelb) an Wänden und Gewölben entsteht in Zusammenhang mit der guten Ausleuchtung ein hell und freundlich erscheinender Kirchenraum.

Hochaltar Der Hochaltar von 1663 ist im Sinne des Jesuitenstils bereits sehr barock ausgeprägt und erlaubt daher durchaus einen Vergleich mit seinem Pendant im Freisinger Dom. Er entstand dank eines großzügigen Zuschusses des bayerischen Kurfürsten Ferdinand Maria. Der Aufbau besteht aus zwei dreifachen Säulengruppen, die sich über ausladenden Konsolen aus einem hohen Sockel erheben und einen Aufsatz in Form eines Dreiecksgiebels tragen. Die jeweils mittleren Säulen sind gewunden und mit Weinreben verziert. Im Aufsatz sind zwei Putti, die eine Kartusche mit der Inschrift Jesu Propitio (lat. „mit Jesu Gnade“) tragen. Darüber ist das bereits erwähnte Christusmonogramm zu sehen. Das monumentale Altarblatt wurde im Jahre 1662 von dem Maler Johann Christoph Storer aus Konstanz gestaltet. Als Stifterin gilt die Kurfürsten-Witwe Maria Anna, was am bayerisch-österreichischen Allianzwappen und den Buchstaben MAEBNAA am unteren Bildrand erkennbar ist. Das Gemälde zeigt eine Darstellung des heiligen Ignatius, wie ihm auf dem Weg nach Rom der Heiland erscheint. Zentral vor dem Hochaltar steht eine separate Einheit aus Mensa und Tabernakel, die auf das Jahr 1665 datiert wird. Diese übernimmt also die eigentlichen liturgischen Funktionen des Hochaltares.Stahleder, S. 9–12.

Seitenaltäre