miniatur|hochkant=1.3|Herrenhaus mit Torhaus des Ritterguts Besenhausen, 2009 Das Rittergut Besenhausen ist ein landwirtschaftlicher Gebäudekomplex in der Gemeinde Friedland im Landkreis Göttingen in Südniedersachsen. Die ältesten Gebäudestrukturen des ehemaligen Ritterguts mit barockem Wohnhof und Park sowie im 18. Jahrhundert entstandenen Gutshof stammen aus dem Mittelalter. Das gesamte Ensemble steht unter Denkmalschutz. Das Gut mit seinem umliegenden Landbesitz befindet sich seit 700 Jahren ununterbrochen in Familienbesitz. Heute ist Besenhausen ein beliebtes Ausflugsziel.
Geographische Lage Besenhausen ist eines von drei Teilenneben Besenhausen sind das der vermutlich ältere Ort Niedergandern selbst, sowie das wüst gefallene Hottenrode. Das dreiteilige Niedergandern hat rund 160 Einwohner und eine Größe von 3,2 Quadratkilometern der Ortschaft Niedergandern, die zur Gemeinde Friedland in Niedersachsen gehört. Es liegt etwa 2,1 Kilometer nordöstlich des Dreiländerecks Hessen–Niedersachsen–Thüringen direkt nordwestlich der Grenze zu Thüringen, der früheren innerdeutschen Grenze, an der Leine. Benachbarte Orte sind neben Niedergandern (1,5 km nordwestlich) die Ortschaften Reckershausen (2,5 km nördlich) und Kirchgandern (1,1 km südöstlich; in Thüringen).
Nordöstlich vorbei an Besenhausen verläuft die Landesstraße 566, die über die thüringische L 1001 etwa in Richtung Süden Anschluss an die Bundesstraße 80 hat und die nach Nordwesten über an sie anschließende Straßen zur in Hessen bei Marzhausen gelegenen Anschlussstelle Neu-Eichenberg–Friedland der Bundesautobahn 38 hat; diese führt durch den nahen Heidkopftunnel. Die nächste Bahnstation befindet sich in Neu-Eichenberg.
Der Grundbesitz Besenhausens erstreckt sich vom Pferdeberg (etwa ) im Nordosten bis nach Hottenrode im Südwesten. Er wird von der Leine durchschnitten, die teilweise in die Parkanlage des Herrenhauses integriert ist und die Ortsteile Besenhausen und Niedergandern trennt. Durch Besenhausen führt der Leine-Heide-Radweg.
Geschichte In Besenhausen hatten sich vermutlich bereits im ausgehenden ersten Jahrtausend Menschen angesiedelt. Besenhausen, dessen Name als „Haus des Bezo“ oder „Haus des Biso“ (ein damals üblicher, altsächsischer Vorname; siehe etwa Bischof Biso von Paderborn) gedeutet wird, war schon immer Grenzort der heutigen Länder Thüringen, Niedersachsen und Hessen. Damit war es der wechselvollen und oft kriegerischen Geschichte im Mittelalter und der Neuzeit bis zu den Verwerfungen des 20. Jahrhunderts unterworfen.
Die Geschichte des rund 700 Jahre alten Rittergutes war ein ständiger Existenzkampf zwischen den Ansprüchen verschiedener Mächte: der Mainzer Fürstbischöfe, der Braunschweiger Welfen und der Landgrafen von Hessen. Das Gut war von den Auseinandersetzungen zwischen Katholiken und Lutheranern, zwischen Preußen, dem napoleonischen Königreich Westphalen und dem Hannoverschen Königreich, sowie schließlich zwischen den Siegermächten des Zweiten Weltkriegs betroffen. Prägend waren die Jahrhunderte erzbischöflicher Herrschaft im Eichsfeld, das zum Machtbereich von Kurmainz gehörte. Besenhausen gehört zum „historischen Eichsfeld“ auch wenn es zum 1946 gegründeten Niedersachsen kam.
Ehemaliges Dorf miniatur|Doppel-Wappen des Dietrich von Hanstein (drei Halbmonde) und seiner Frau Elisabeth, geb. von dem Busche (drei Pflugscharen) aus dem Jahr 1695 über der Durchfahrt des „Torhauses“ in Besenhausen Eine erste urkundliche Erwähnung des Dorfes Besenhausen findet sich zwar erst zu Beginn des 14. Jahrhunderts; wegen der spezifischen Namenskonstruktion kann aber davon ausgegangen werden, dass es das Dorf bereits 300 oder 400 Jahre früher gab.Peter Aufgebauer: Diesseits und jenseits der Grenze – Betrachtungen anlässlich der 700-Jahr-Feier von Besenhausen. In: Eichsfelder Heimatzeitschrift, Heft 7/8, Juli/August 2007, , Mecke Druck und Verlag für den Heimat- und Verkehrsverband Eichsfeld e. V., Duderstadt 2007. Das heute nicht mehr vorhandene Dorf lag vermutlich direkt nördlich des heutigen Guts zwischen Hottenrode, Niedergandern und Kirchgandern.
Im Jahr 1307 wird Besenhausen erstmals als Besitzung der Familie von Hanstein urkundlich erwähnt. Gemäß diesem Dokument hielten zu dem Zeitpunkt die Brüder und Ritter Heinrich und Lippold von Hanstein das Dorf als Teil eines Lehens der Mainzer Erzbischöfe, die zu der Zeit im Eichsfeld regierten. Die beiden Brüder verpflichteten sich in der erhaltenen Urkunde zur Übertragung des großen und des kleinen Zehnts an den Altar des Heiligen Stephan im Martinsstift in Heiligenstadt, der damals bedeutendsten kirchlichen Einrichtung des Eichsfeldes. Die Hansteiner waren zu der Zeit Vicedome, also Statthalter der Mainzer Herren. Im Rahmen der Schenkung wurde auch das Vorhandensein eines Eigengutes (Allod) der Hansteiner in Besenhausen bestätigt. In einem weiteren Vertrag vom 4. Oktober 1308 wurde den Hansteiner Brüdern auferlegt, dem Mainzer Erzstift in Besenhausen eine Burg zu bauen. In Folge muss in der Nähe der heutigen Gutsanlage eine befestigte Anlage errichtet worden sein. Zu diesem Zeitpunkt lebten die Besenhauser Hansteins allerdings noch auf ihrer Stammburg, dem Hanstein.
Etwa im Jahr 1360 wurde das Dorf Besenhausen von seinen Einwohnern ein erstes Mal – zumindest großteils – aufgegeben, es fiel „wüst“. Die Gründe dafür sind nicht bekannt, Seuchen (Pest), Missernten oder kriegerische Einwirkungen könnten ursächlich gewesen sein. 1362 trugen die von Hanstein ihr Gut den Hessischen Landgrafen auf, die es bis ins 19. Jahrhundert behielten.
Sicher ist, dass die Familie von Hanstein für ihr eigenes Anwesen in Besenhausen das Wüstfallen verhindern konnte. Im Jahr 1522 wurde Johann von Hanstein der erste Besenhauser Gutsherr, der hier auch lebte. Ab dem beginnenden 16. Jahrhundert hielten sich die Hansteins nämlich nicht mehr auf ihrer zunehmend verfallenden Stammburg auf, sondern hatten sich auf ihren Ritterhöfen – neben Besenhausen waren das auch Bornhagen, Werleshausen, Wahlhausen, Ershausen, Oberelle und Henfstädt – niedergelassen.gem. Webseite Burgruine-Hanstein.de Zu dem Zeitpunkt hatten die Hansteins jedoch das Recht an ihrem Eigenhof in Besenhausen bereits verloren, da dieser durch erzwungene Lehnsauftragung nun den Landgrafen von Hessen gehörte. Mit jedem Generationswechsel musste also das Lehensverhältnis zwischen den Besenhausener Hansteins und dem Lehnsherrn erneuert werden.
In einem Lehnsbrief vom Jahr 1362 wurde der Besitz als „unser Gut zu Beßenhußen“ benannt, in Lehnsbriefen ab 1546 als „Beßenhausen“. Im statistischen Handbuch des Landgrafen Wilhelm IV. wurde das Gut dann bereits als „Besenhausen“ bezeichnet.gem. Carl Philipp von Hanstein: Urkundliche Geschichte des Geschlechts der von Hanstein in dem Eichsfeld in Preußen (Provinz Sachsen) nebst Urkundenbuch und Geschlechts-Tafeln. Erster Teil, J. J. Bohne’sche Buchhandlung, Kassel 1856, S. 173 ff.
Landsitz der Hansteins 1540 ließ Johann von Hanstein († 1558) ein repräsentatives Gebäude im Renaissancestil bauen. Dazu hatte er zusätzliches Land in Besenhausen von einem Matz Conradt aus Kirchgandern durch Tausch erworben. Heute zeugen nur noch wenige Relikte von diesem Bau, der mit einem Wall und Graben umgeben war.gem. Carl Philipp von Hanstein: Urkundliche Geschichte des Geschlechts der von Hanstein in dem Eichsfeld in Preußen (Provinz Sachsen) nebst Urkundenbuch und Geschlechts-Tafeln. Zweiter Teil, J. J. Bohne’sche Buchhandlung, Kassel 1857, S. 816 f.
Seit dem frühen 16. Jahrhundert wurde das Gut Besenhausen immer wieder zu einem Streitfall zwischen dem welfischen Amt Friedland und dem mainzischen Oberamtmann in Heiligenstadt. Mehrfach versuchten Mainz, Hessen und Hannover den stattlichen Komplex aus Gut und Ländereien unter ihren jeweiligen Einfluss zu bekommen.
Wie der größere Teil des eichsfeldischen Adels waren auch die Hansteins früh zur Reformation übergetreten. In den folgenden Religionskriegen spielte Hottenrode, die Patronatskirche der Besenhauser, eine wichtige Rolle. In der zum Herzogtum Braunschweig gehörenden Kirche sammelten sich evangelische Eichsfelder zum lutherischen Gottesdienst und entzogen sich so der Mainzer Religionsaufsicht. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges wurden Rittergut und Dorf Besenhausen zerstört.
Wiederaufbau nach dem Dreißigjährigen Krieg Der Wiederaufbau der Wohngebäude des Gutes wurde unter Hans Hermann von Hanstein (1610–1686) am Ende des 17. Jahrhunderts begonnen. Sein Sohn Dietrich von Hanstein (1644–1716), ein Generalmajor und Kommandant der Festung Rinteln in hessischen Diensten, vollendete das Werk des Vaters. Das Herrenhaus erhielt erneut eine – heute nicht mehr bestehende – rechteckige Graben- und Wallanlage.den Wassergraben ließ Anfang des 19. Jahrhunderts Friedrich Ludwig Christian von Hanstein mit dem Baumaterial des Walls ausfüllen, wodurch die Möglichkeit zur Anlage des heutigen Parks entstand. Ebenso ließ Friedrich Ludwig Christian die bis dahin im Nordteil des Herrenhauses bestehende Familiengruft der Besenhauser Hansteins auf ein entsprechend gewidmetes Grundstück außerhalb des Parks verlegen. Im Rahmen einer Umbettung wurden die Reste dieser Grabstätte zum Ende des 20. Jahrhunderts auf den Kirchhof von Hottenrode verbracht Dietrich von Hansteins Sohn Carl Friedrich von Hanstein errichtete ab 1740 den Wirtschaftshof. Ein wohl ebenfalls vor dem Krieg (wieder) bestehendes Dorf wurde nicht wieder besiedelt und fiel (erneut) wüst.
Da Carl Friedrich von Hanstein († 1724) kinderlos starb, fiel Besenhausen an seinen Vetter Liborius Friedrich von Hanstein (* 1678) aus der Werleshauser Linie. Diesen Erbgang nahm der protestantische Friedländer Amtmann zum Anlass, 1724 rund dreihundert Bewaffnete das Gut besetzen zu lassen. Ein Teil dieser Truppe blieb dort und hielt das Gut so 20 Jahre lang gegen die Mainzer. Erst 1743 einigten sich die Kurfürstliche Regierung in Hannover mit der Mainzer Regierung des Eichsfeldes über den künftigen Grenzverlauf, welches das Gut Besenhausen dem Eichsfeld zuschlug, einen Großteil der landwirtschaftlichen Flächen des Gutes jedoch dem hannoverschen Gebiet, und damit dem Amt Friedland.diese Regelung sollte bei der innerdeutschen Teilung 1945 Anlass zu Problemen geben Ein Grenzstein mit hannoverscher Wolfsangel auf der einen, und dem Mainzer Rad auf der anderen Seite zeugt noch heute davon. Auch wenn die Besenhauser samt Gutshaus wieder an Mainz fielen, durften sie das Recht auf den evangelischen Glauben aber behalten.
Der „Zedler“, das größte Lexikon des 18. Jahrhunderts, beschrieb Besenhausen im Jahr 1751 als: … ein Schloß, Rittergut und Dorf in Nieder-Hessen, an denen Eichsfeldischen Grenzen, an der Leine, eine Stunde von Witzenhausen.
Friedrich Ernst von Hanstein (1723–1807) war 1737 der Erbe von Liborius Friedrich von Hanstein geworden. 1802 fiel das Eichsfeld unter Friedrich Wilhelm III. an Preußen. Zu dem Zeitpunkt war der damals 79-jährige Friedrich-Ernst von Hanstein Herr auf Besenhausen, daneben gehörten ihm noch die Güter Rommerode, Wiesenfeld sowie die vormals Grone’schen Besitzungen in Friedland und Reiffenhausen. Hanstein war außerdem der Vertreter der Eichsfelder Ritterschaft („Ritterschaftlicher Deputirter der Stände des Fürstenthums Eichsfeld“)
miniatur|Das Wappen des Wilhelm Freiherrn von Wintzingerode-Knorr über einem Stalltor von 1904