alternativtext=Porträt Klaus van Eickels (2025)|mini|hochkant|Klaus van Eickels (2025) Klaus van Eickels (* 5. Mai 1963 in Kevelaer) ist ein deutscher Historiker.

Nach einer Professur für Geschichte des Spätmittelalters an der Universität des Saarlandes lehrt er seit 2005 als Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg. Er forscht vor allem epochenübergreifend zu personalen Bindungen und den Sexualitäten von der Antike bis zum 20. Jahrhundert.

Leben Der Sohn eines Studiendirektors legte 1982 das Abitur in Kleve ab. Als Schüler gewann er mit einer schulhistorischen Arbeit zur Alltagsgeschichte im Nationalsozialismus einen ersten Preis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten. Die Arbeit über das katholische Internatsgymnasium Collegium Augustinianum Gaesdonck im Nationalsozialismus wurde 1982 in der Schriftenreihe des Kreises Kleve veröffentlicht.

Er studierte Geschichte und Latein an den Universitäten Düsseldorf (1983–1985 und 1986–1989), München (1985) und Aix-en-Provence (1985/1986). Das Erste Staatsexamen legte er 1989 in Düsseldorf ab. Die Staatsarbeit untersuchte die Besitzentwicklung der Kommende Koblenz und die Entwicklung ihrer Zollprivilegien im 13. Jahrhundert. Im Jahr 1993 wurde er an der Universität Düsseldorf promoviert mit einer von Rudolf Hiestand betreuten Arbeit über die Deutschordensballei Koblenz und ihre wirtschaftliche Entwicklung im Spätmittelalter.Klaus van Eickels: Die Deutschordensballei Koblenz und ihre wirtschaftliche Entwicklung im Spätmittelalter. Marburg 1995. Von 1994 bis 2001 war er als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bamberg tätig.

Auf Anregung Hiestands wandte er sich nach seiner Promotion den englisch-französischen Verträgen zu. Im Jahr 2001 erfolgte die Habilitation in Bamberg mit einer von Bernd Schneidmüller begutachteten Arbeit zu den englisch-französischen Beziehungen und ihre Wahrnehmung an der Wende vom Hoch- zum SpätmittelalterVgl. dazu die Besprechungen von Elisabeth van Houts in: Speculum 81, 2006, S. 624–625; Jean-Marie Moeglin in: Francia 33/1, 2006, S. 279–280 (online); Julian Führer in: H-Soz-Kult, 9. Dezember 2003 (online); Anja Rathmann-Lutz in: Das Mittelalter 9, 2004, S. 191–192; John Gillingham in: The English Historical Review 120, 2005, S. 117–119; Frank Rexroth in: Zeitschrift für Historische Forschung 31, 2004, S. 267–269; Rudolf Schieffer in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 59, 2003, S. 746–747 (online); Albrecht Diem in: Invertito. Jahrbuch für die Geschichte der Homosexualitäten 5, 2003, S. 129–131 (online)., wofür er den Habilitationspreis der Universität Bamberg 2001 erhielt. Von 2001 bis 2003 war er dort Oberassistent. Es folgten 2003/04 Lehrstuhlvertretungen in Bielefeld und Bamberg. Von 2004 bis 2005 lehrte van Eickels als Professor für Geschichte des Spätmittelalters an der Universität des Saarlandes.

Seit 2005 lehrt er als Professor mittelalterliche Geschichte an der Universität Bamberg. Im März 2012 war er Gastprofessor an der École pratique des hautes études. In Bamberg ist er seit 2013 Vertrauensdozent der Studienstiftung des Deutschen Volkes. Im Rahmen von Universitätskooperationen unterrichtet er seit 2007 ein bis zweimal jährlich an verschiedenen französischsprachigen Universitäten Westafrikas (Elfenbeinküste, Benin, Togo). In der akademischen Selbstverwaltung übernahm er zahlreiche Aufgaben. Er war unter anderem Geschäftsführender Direktor des Instituts für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie, Geschäftsführender Direktor des Zentrums für Mittelalterstudien (2006–2008) und Dekan der Fakultät Geistes- und Kulturwissenschaften (2009–2011). Er begründete die interdisziplinäre online-Zeitschrift Regards croisés Afrique-Europe/Afrika-Europa/Africa-Europe, die er seit 2021 zusammen mit afrikanischen und europäischen Wissenschaftlern herausgibt. Mit ihren thematischen Schwerpunkten Geschichte, Literatur- und Sprachwissenschaften, Pädagogik, Philosophie und Theologie will die Zeitschrift eine Plattform für den wissenschaftlichen Austausch zwischen Afrika und Europa sein.Klaus van Eickels: „Regards croisés Afrika Europa“. Eine neue online-Zeitschrift der Human- und Kulturwissenschaften für die Zusammenarbeit zwischen Afrika und Europa. In: Regards croisés Afrika-Europa 1, 2021, S. 9–12 (online). Seit 2024 gibt er zusammen mit Christine van Eickels die Schriftenreihe Editionen und Studien zur Geschichte der Sexualitäten heraus.Editionen und Studien zur Geschichte der Sexualitäten auf der Website der Universität Bamberg (abgerufen am 7. März 2026).

Er ist Mitglied des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte und der Gesellschaft für fränkische Geschichte.

Klaus van Eickels ist verheiratet mit der promoviertenChristine van Eickels: Schlesien im böhmischen Ständestaat: Voraussetzungen und Verlauf der böhmischen Revolution von 1618 in Schlesien. Köln u. a. 1994. Historikerin Christine van Eickels (geborene Partes). Er hat vier Kinder. Mit seiner Frau zusammen legte er zahlreiche Veröffentlichungen vor.

Forschungsschwerpunkte Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen die Wirtschafts- und Sozialgeschichte des späten Mittelalters, die Geschichte Westeuropas (England, Frankreich, Niederlande), die Kulturgeschichte des Politischen im Hoch- und Spätmittelalter, die Geschichte der Sexualitäten, die Geschichte personaler Bindungen im Mittelalter (Freundschaft/Liebe, Lehnswesen, Ehe) und die fränkische und rheinische Landesgeschichte im Mittelalter.

In einem 2003 veröffentlichten Beitrag befasste er sich mit den Gesten die Freundschaft, Liebe und Eintracht signalisieren.Klaus van Eickels: Kuß und Kinngriff, Umarmung und verschränkte Hände. Zeichen personaler Bindung und ihre Funktion in der symbolischen Kommunikation des Mittelalters. In: Jürgen Martschukat, Steffen Patzold (Hrsg.): Geschichtswissenschaft und „performative turn“. Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Köln 2003, S. 133–159. Er untersuchte in einem anderen Beitrag „tradierte Konzepte in neuen Ordnungen“ in den personalen Bindungen (Verwandtschaft, Freundschaft, Mannschaft und Ehe) im 12. und 13. Jahrhundert. Er zeigte dabei auf, dass durch das systematisierende Rechtsdenken im 12. und 13. Jahrhundert die Ehe in anderer Weise erfasst wurde als die Lehnsbeziehungen. Die Ehe wurde im theologisch-kanonistischen Diskurs durch ihre Eingliederung „in das System der scholastischen Theologie in das Begriffsfeld der personalen Bindungen hineingeholt“, während die Lehensbeziehung durch die Systematisierung von Herrschaft aus dem Kontext der Freundschaft herausgelöst wurde.Klaus van Eickels: Tradierte Konzepte in neuen Ordnungen. Personale Bindungen im 12. und 13. Jahrhundert. In: Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Ordnungskonfigurationen im hohen Mittelalter. Ostfildern 2006, S. 93–125, hier: S. 115 (online). Nach van Eickels seien dies Beispiele dafür, wie die „Durchsetzung des vom Einzelfall abstrahierenden Denkens in juristischen Begriffen und die damit einhergehende Systematisierung der Ordnungsvorstellungen“ im Verlauf des 12. und 13. Jahrhunderts „Wahrnehmungs- und Deutungsmuster“ verändere.Klaus van Eickels: Tradierte Konzepte in neuen Ordnungen. Personale Bindungen im 12. und 13. Jahrhundert. In: Bernd Schneidmüller, Stefan Weinfurter (Hrsg.): Ordnungskonfigurationen im hohen Mittelalter. Ostfildern 2006, S. 93–125, hier: S. 123 (online). Für den Konstanzer Arbeitskreis organisierte er 2013 eine Frühjahrstagung zum in der Geschichtswissenschaft bislang vernachlässigten Begriff der Intimität. Im Mittelpunkt der Tagung standen Intimität und Ehe, Nähe und Vertrauen innerhalb der Adelsgesellschaft und am Königshof sowie Intimität im Bezug zu Gott.Claudia Esch, Heiko Hiltmann: Tagungsbericht Intimität und die Grenzen des Erlaubten im Mittelalter. Frühjahrstagung des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte e. V. 19.03.2013 – 22.03.2013, Reichenau. In: H-Soz-Kult. 20. Juni 2013 (online).

Hans Limburg hatte 1969 eine allgemeine Geschichte des Koblenzer Deutschordenhauses („Die Hochmeister des Deutschen Ordens und die Ballei Koblenz“, 1969) verfasst. In seiner 1995 veröffentlichten Dissertation konzentrierte van Eickels sich hingegen verstärkt auf die bislang vernachlässigten wirtschaftlichen Aspekte der Ballei von ihren Anfängen im frühen 13. Jahrhundert bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Grundlage der Arbeit bilden rund 1740 teils ungedruckte oder nur in Regestenform zugängliche Urkunden aus der Ballei. Auf Grundlage des urkundlichen Materials wurden von ihm die verschiedenen Formen des Besitzerwerbs, durch Schenkung, Erbschaft ausführlich behandelt. Er konnte in dieser Arbeit die weit verbreitete Ansicht revidieren, dass sich die Balleien des Deutschen Ordens im Gegensatz zum Ordensstatt Preußen nicht am Fernhandel beteiligt hätten.Vgl. dazu die Besprechungen von Arno Mentzel-Reuters in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 53, 1997, S. 342 (online); Katharina Schaal in: Rheinische Vierteljahrsblätter 61, 1997, S. 354–355 (online); Jürgen Sarnowsky in: Zeitschrift für Historische Forschung 25, 1998, S. 288–289; Christian Reinicke in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 87, 2000, S. 342–343. Er arbeitete heraus, dass das über den Wasserweg erreichbare Mecheln neben Antwerpen einen wichtigen Absatzmarkt für den eigenen Wein war. In einem Aufsatz konnte er nachweisen, dass die im Mittelalter auf dem Rhein verkehrenden Transportschiffe eine deutlich größere Ladekapazität hatten als in der Forschung oft angenommen.Klaus van Eickels: Große Schiffe, kleine Fässer. Der Niederrhein als Schiffahrtsweg im Spätmittelalter. In: Dieter Geuenich (Hrsg.): Der Kulturraum Niederrhein von der Antike bis zum 18. Jahrhundert. Bottrop/Essen 1996, S. 43–66.

Mit Tania Büsch gab er eine umfangreiche kommentierte Ausgabe von Quellen zur Kaiser Friedrich II. in deutscher Übersetzung heraus.Vgl. dazu die Besprechung von Pierre Racine in Francia 29, 2002, S. 384–386 (online); Hans Martin Schaller in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 58, 2002, S. 600–601 (online); Matthias Thumser in: Historische Zeitschrift 277, 2003, S. 723–724. In 35 Kapiteln wird Friedrichs Leben dargestellt. Jedes Kapitelt beinhaltet kommentierte Quellentexte.