hochkant|mini|Ali Chamenei (2017) rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image notpageimage|Signatur Chameneis

Ali Chamenei (auch Ali Khamenei; [], ,; * 19. April 1939 in Maschhad; † 28. Februar 2026 in Teheran) war ein iranischer schiitischer Geistlicher und Politiker und von 1989 bis zu seinem Tod als Oberster Führer oder „Revolutionsführer“ () das politische und religiöse Oberhaupt der mehrheitlich schiitischen Islamischen Republik Iran. Zugleich war er die höchste geistliche Instanz im Rang eines Ajatollah und Oberbefehlshaber der Streitkräfte.

Chamenei regierte diktatorisch und hielt während seiner jahrzehntelangen Herrschaft gewaltsam ein islamistisches totalitäres System aufrecht, in dem es zu einer Vielzahl schwerwiegender Verletzungen der Menschenrechte kam. Er wurde gleich zu Beginn der israelisch-US-amerikanischen Angriffe auf den Iran im Jahr 2026 getötet. Ihm folgte sein Sohn Modschtaba nach.

Leben Herkunft und Familie Ali Chamenei wurde als zweites von acht Kindern des Klerikers Dschawad Hosseini Chamenei am 19. April 1939https://farsi.khamenei.ir/memory-content?id=26142. in der Stadt Maschhad geboren. Er gilt wie mehr als eine Million Iraner als Sayyid, also Nachfahre des Propheten Mohammed, und trägt daher den Namen Seyyed ’Ali Chamene’i (). Ali Chameneis Vater war ein Aserbaidschaner aus Täbris, seine Mutter stammte aus Yazd. Die Familie lebte laut Chamenei in wirtschaftlich sehr schwierigen Verhältnissen.

Chameneis jüngerer Bruder ist der iranische Reformpolitiker und regimekritische Publizist Hadi Chamenei. Ali Chameneis Schwester Badri Hussein Chamenei war verheiratet mit dem oppositionellen Ajatollah und Chomeini-Schüler Ali Tehrani. Dieser wurde 1995 im Iran zu 20 Jahren Haft verurteiltSister of Iran’s President Flees to Husband in Iraq. In: The New York Times. 3. Mai 1985, abgerufen am 2. März 2026., saß zehn Jahre im Gefängnis und starb 2022.

Chamenei hatte vier Söhne und zwei Töchter: Mostafa (geboren 1965) ist mit der Tochter von Mohammad-Hossein Choschwaght, Minister unter Mohammad Chatami, verheiratet. Modschtaba (geboren 1969), der Ali Chamenei als „Oberster Führer“ nachfolgte. Massud Chamenei (geboren 1974) Meysam Chamenei (geboren 1978) Boschra Chamenei (geboren 1980) Hoda Chamenei

Ausbildung Bereits mit fünf Jahren besuchte Chamenei die Grundschule, später das religiöse Seminar in Maschhad. Seine Vorbilder waren der Attentäter Navvab Safavi und Ruhollah Chomeini, dessen Protegé er wurde. 1957 pilgerte er nach Nadschaf im Irak, um als Student seine religiösen Studien bei den bekanntesten Lehrern der damaligen Zeit zu beginnen. 1958 unterbrach er sein Studium auf Bitten seines Vaters und kehrte aus dem Irak zurück. Bis 1964 war er in Ghom, Hauptstadt der gleichnamigen iranischen Provinz, als Student eingeschrieben, ohne einen Abschluss zu machen.Chamenei selbst führt die Krankheit seines Vaters an, deretwegen er sein Studium abgebrochen habe; seine politische Betätigung begann jedoch schon 1963. 1962 trat er Chomeinis Oppositionsbewegung bei. Er war am stärksten durch die Schriften von Sayyid Qutb, dem führenden Kopf der ägyptischen Muslimbruderschaft, beeinflusst, die er zum Teil selbst in das Persische übersetzte, so 1967 das Buch Die Zukunft dieser Religion. Er las als junger Mann aber auch zahlreiche Romane und führte später Die Elenden von Victor Hugo als das Werk an, das ihn am meisten beeindruckt habe. Chamenei stand in enger Beziehung zu den einflussreichen Intellektuellen Ali Schariati und Dschalāl Āl-e Ahmad und generell mit säkularen Kreisen, die nach dem Sturz von Mohammad Mossadegh im Jahr 1953 durch die Operation Ajax zunehmend antiimperialistisch und antiamerikanisch geprägt wurden.Akbar Ganji: Who Is Ali Khamenei? The Worldview of Iran’s Supreme Leader. In Foreign Affairs, September/Oktober 2013. Mit der Ausweisung seines Mentors Chomeini im Jahr 1964 radikalisierte sich sein politisches Vorgehen. Chamenei wurde wegen seiner politischen Aktivitäten in der Zeit von 1963 bis 1978 sechsmal inhaftiert.

Spekulationen, denen zufolge die Wurzeln seiner Feindschaft gegenüber Israel und den Vereinigten Staaten von Amerika auf diese Zeit zurückgehen, werden mit der Folter und Einzelhaft begründet, die Chamenei erlitt, da der SAVAK von der CIA und dem Mossad geschult wurde. Bei seiner letzten Festnahme im Jahr 1977 wurde er für drei Jahre nach Iranschahr verbannt, im Zuge der Vorrevolution jedoch Mitte 1978 freigelassen.Karim Sadjadpour: (PDF; 2,2 MB) Carnegie Endowment for International Peace, 2008. Chamenei war 1977 Gründungsmitglied der Vereinigung der kämpfenden GeistlichkeitAb diesem Zeitraum wird Chamenei mit dem religiösen Titel Hodschatoleslam bedacht. sowie Gründungsmitglied des Revolutionsrates und der Islamisch-Republikanischen Partei. Er hielt während der Islamischen Revolution Kontakt zur Tudeh-Partei.

Politischer Aufstieg mini|Ali Chamenei als Staatspräsident Irans (1984)

Nach der Revolution war Ruhollah Chomeini als Revolutionsführer der Herrscher Irans. Chamenei gehörte anfangs nicht zur Führungsriege. Chomeini wurde auf den „brillanten Redner mit durchdringender Stimme“ aufmerksam und ernannte ihn Anfang 1980 zum Freitagsvorbeter in Teheran.Kasra Naji: Ahmadinejad. The secret history of Iran’s radical Leader. University of California Press, Berkeley 2008, ISBN 978-0-520-25663-7, S. 260. Nachdem Chomeini am 3. Juli 1980 die Anweisung erlassen hatte, alle Ministerien hätten auf die Durchsetzung islamischer Kleidung bei Frauen zu achten, gab es landesweite Proteste gegen den Tschador. Chamenei, damals ein relativ unbekannter Mullah, äußerte sich öffentlich dazu:

Bis 1981 fielen einige Führungskräfte um Chomeini Attentaten zum Opfer (z. B. Morteza Motahhari, Mohammad Beheschti, Mohammad Dschawad Bahonar) oder beim Revolutionsführer in Ungnade (z. B. Abolhassan Banisadr, Mohammad Kazem Schariatmadari). Chamenei gelang es nun, innerhalb der Mullah-Regierung aufzusteigen. Am 2. Oktober 1981 wurde er zum Staatspräsidenten gewählt. Seine Wahl stellte keine Überraschung dar, nachdem sich Chomeini auf ihn festgelegt hatte. Er erhielt 95 % aller abgegebenen Stimmen. Daneben übernahm er nach dem 30. August 1981 auch die Führung der Islamisch-Republikanischen Partei.

Am 23. Juni 1981 wurde ein Attentat auf Chamenei verübt. Eine Bombe, die in einem Tonbandgerät versteckt war, detonierte in der Moschee, in der Chamenei betete. Er konnte seit diesem Anschlag seinen rechten Arm nicht mehr bewegen.

Oberster Führer des Iran Am 4. Juni 1989, einen Tag nach dem Tod Chomeinis, wählte der Expertenrat Chamenei überraschend zum neuen „Revolutionsführer“. Er wurde damit höchste geistliche und politische Instanz,, abgerufen am 24. Mai 2016.Verfassung der Iranischen Republik Iran (1989), Artikel 108. Vgl. www.servat.unibe.ch. Oberbefehlshaber der Streitkräfte und Staatsoberhaupt Irans.Iran. In: CIA World Fact Book. 2013, abgerufen am 1. Juni 2013. Um nicht Verfassungsbestimmungen hinsichtlich des obersten religiösen Führers zu verletzen, wurde die Verfassung im Nachhinein geändert und durch ein Verfassungsreferendum am 28. Juli 1989 vom Volk bestätigt. Die explizit in der Verfassung genannte Bedingung, dass der religiöse und politische Führer Irans auch der oberste Rechtsgelehrte sein muss, wurde entfernt und durch die Erklärung ersetzt, dass für das Amt geeignet sei, wer neben islamischer Gelehrsamkeit über angemessene politische, administrative und soziale Fähigkeiten verfüge. Da das Amt aber noch immer mit der geistigen und formal-religiösen Führung verbunden war, musste Chamenei eine „religiöse Aufwertung“ erfahren, also den religiösen Titel Ajatollah erhalten. Zuvor bekleidete er lediglich den Rang eines Hodschatoleslam. Die Berufung wurde damals von der übrigen schiitischen Geistlichkeit nur widerwillig hingenommen.Wilfried Buchta: Ein Vierteljahrhundert Islamische Republik Iran. (PDF; 649 kB) In: Aus Politik und Zeitgeschehen, 23. Februar 2004, Bundeszentrale für politische Bildung; abgerufen am 11. März 2012.

Wie zuvor Chomeini stand Chamenei als Oberster Führer mit unumschränkten Machtbefugnissen über allen Institutionen. Er vertrat eine konservative Politik des Islamismus, die nur selten Reformen zuließ. Dabei stützte er sich auf den am 20. Februar 1980 gegründeten Wächterrat, der über alle politischen Vorgänge, Parlamentsbeschlüsse, Gesetze und die Zensur der Medien wacht und dessen Besetzung er zur Hälfte selber bestimmte, zur anderen Hälfte entscheidend beeinflusste. Chamenei ernannte und beaufsichtigte die Freitagsprediger und bestimmte die Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrates.

Rang im schiitischen Klerus Nach dem Tod von Mohammad Ali Araki im Jahr 1994 versuchte Chamenei, dessen vakanten Posten als Großajatollah zu übernehmen. Damit hätte Chamenei langfristig die Möglichkeit gehabt, wie Chomeini der oberste (politische) Rechtsgelehrte und zugleich oberster religiöser Führer zu sein. Die Geistlichen in Ghom standen dieser Bewerbung ablehnend gegenüber, auch aufgrund seiner mangelnden Studienzeit, bis Chamenei letztlich mit den Worten „der Titel ist für mich nicht wichtig“Katajun Amirpur: Die Entpolitisierung des Islam, Ergon-Verlag, 2003. Seite 54. darauf verzichtete.

Positionen Im Ersten Golfkrieg Chameneis Haltung im Ersten Golfkrieg war unnachgiebig, die Losung unter ihm als Staatspräsidenten lautete: „Krieg, Krieg, bis zum Sieg.“Iran-Irak. Kriegspropaganda und Kriegsalltag im Iran. Hamburg 1987, S. 90.

Zitate Chameneis zum Krieg:Hans-Peter Drögemüller: Iranisches Tagebuch.

„Iraker, erschießt eure Offiziere und Beamten.“ (4. Juni 1982) „Der Segen des Krieges ist für uns unvorstellbar groß.“ (20. September 1982) „Ich, Sprecher der Nation, der das Vertrauen des Volkes hat, sage euch: der Krieg wird bis zum letzten Blutstropfen weitergeführt.“ (28. September 1982)

Ali Akbar Haschemi Rafsandschani löste 1988 auf Anweisung Chomeinis Chamenei als Oberbefehlshaber der Streitkräfte ab und machte damit die Annahme der UN-Resolution 598 zum Irak-Iran-Krieg möglich.

Jassir Arafat Im Dezember 2004 würdigte Chamenei den verstorbenen Jassir Arafat für Arafats Nachfolger dürften nicht vergessen, dass die Fortführung von Intifada und Widerstand eine strategische Entscheidung des Volkes seien.

Karikaturenstreit Zum Karikaturenstreit 2005 bemerkte Chamenei im iranischen Fernsehen, .Afghanen überfallen Norweger. abendblatt.de, 8. Februar 2006.

Papstzitat von Regensburg Chamenei behauptete 2006, das Papstzitat von Regensburg (ein im September 2006 publiziertes Diktum Benedikts XVI.) sei Islam-Äußerungen. Chamenei sieht im Papst einen Kreuzzügler. Spiegel Online, 18. September 2006

Antisemitismus und Israel In der Islamischen Republik Iran sind nach Walter Posch drei Kategorien antijüdischer Vorurteile auszumachen: islamischer Antijudaismus, der in sehr traditionellen und konservativen Schichten vorhanden ist, sich aber im Wesentlichen auf Fragen der rituellen Reinheit beschränkt und eher in der Landbevölkerung und in Kleinstädten eine Rolle spielt; adaptierter europäischer Antisemitismus, wie er im 19. und 20. Jahrhundert verbreitet war, dessen Kernstück der Revisionismus ist; und die Ablehnung der Staatsgründung Israels. Heft 84, 4/2010.

Die erste Kategorie war für Chamenei durch eine Fatwa obsolet – er erklärte in einem seiner Rechtsgutachten Juden, Christen, Zarathustrier und die Sabäer für kultisch rein. Die zweite Kategorie wurde im Wesentlichen von Chamenei teils in stiller Duldung, teils in aktiver Förderung eingesetzt. Für die dritte Kategorie waren bei Chamenei im Laufe der Jahre teilweise widersprüchliche Positionen auszumachen; die Rhetorik reichte von der radikalen Vernichtung des Staates Israel bis zur „Auflösung von Israel durch eine Volksabstimmung“. Im Folgenden Aussagen Chameneis:

Antizionistische Äußerungen