Das Infanterie-Regiment „Landgraf Friedrich I. von Hessen-Cassel“ (1. Kurhessisches) Nr. 81 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.

Vorgeschichte mini|Regimentsangehörige (linke und rechte Figur) um 1840 Als Traditionsverband des Regiments gilt das 1. Infanterie-Regiment „Kurfürst“ der Hessen-Kasselschen Armee, das 1789 aus dem Leib-Regiment-Infanterie und dem Regiment „Landgraf“ unter der Bezeichnung „Leibregiment-Infanterie“ zusammengelegt wurde. Die Garnison befand sich in Kassel. Das Leib-Regiment-Infanterie bildete dabei das I. Bataillon, das Regiment „Landgraf“ das II. Bataillon. Das Leib-Regiment führte 1803 den Namen „Kurfürst“ und wurde 1806 bei der französischen Besetzung Hessen-Kassels durch den Kurfürsten beurlaubt. Erst 1813 wurde das Regiment als Regiment „Kurfürst“ wieder aktiviert. Im Deutschen Bund führte das Regiment die Namen 1. Linien-Infanterieregiment (1821), 1. Linienregiment „Kurprinz von Hessen“ (1824), Leib-Regiment (1831), 1. Infanterieregiment, Leib-Regiment (1835), 1. Infanterieregiment „Kurfürst“ (1856).

Im Deutschen Krieg sah sich der sehr preußenfreundliche und kriegsunwillige Kurfürst 1866 genötigt, nach der Ausrufung der Bundesexekution gegen Preußen mobilzumachen. Allerdings war nahezu die gesamte kurhessische Armee als Besatzung der Bundesfestung Mainz bestimmt worden. Es gab nahezu keine Feindseligkeiten zwischen den beiderseitigen Streitkräften.

Da jedoch Kurhessen den Erweiterungsbestrebungen Preußens im Wege stand, wurde das Land zusammen mit dem im Juli 1866 von Preußen besetzten Herzogtum Nassau und der Freien Stadt Frankfurt als Provinz Hessen-Nassau von Preußen annektiert. Die kurhessischen Truppen wurden in die preußische Armee eingegliedert.

Geschichte Am 27. September 1866 wurde der Verband mit Wirkung zum 30. Oktober 1866 als „Infanterie-Regiment Nr. 81“ durch Abgaben aufgestellt:

das Königs-Grenadier-Regiment Nr. 7 die 8., 13., 14. Kompanie die Infanterie-Regimenter Nr. 47, 58 und 59 jeweils die 13.–15. Kompanie

Dazu kamen 21 Offiziere und 520 Mannschaften ehemaliger kurhessischer Soldaten. Ab dem 27. November 1867 führte der Verband die Bezeichnung „1. Hessisches Infanterie-Regiment Nr. 81“.

Im Laufe der Jahre gab das Regiment Teile zur Verstärkung anderer Einheiten ab:

am 1. April 1881 die 11. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 97 am 1. April 1887 die 8. Kompanie an das Füsilier-Regiment Nr. 80 am 1. Oktober 1890 die 6. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 145

Durch Kabinettsorder vom 27. Januar 1902 verfügte Wilhelm II., dass die bislang noch ohne landmannschaftliche Bezeichnung geführten Verbände zur besseren Unterscheidung und zur Traditionsbildung eine Namenserweiterung erhielten. Das Regiment führte daher ab diesem Zeitpunkt die Bezeichnung „1. Kurhessisches Infanterie-Regiment Nr. 81“. Durch eine weitere Kabinettsorder vom 25. Juli 1913 folgte die Umbenennung in „Infanterie-Regiment Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel (1. Kurhessisches) Nr. 81“.Kriegsministerium (Hrsg.): Armee-Verordnungsblatt. Nr. 18 vom 25. Juli 1913, S. 302.

Das Regiment gehörte zur 42. Infanterie-Brigade der 21. Division im XVIII. Armee-Korps und wurde zunächst in Mainz stationiert. Nach dem Krieg von 1870/71 kam es nach Frankfurt am Main, wo es bis 1879 in den Räumen des ehemaligen Karmeliterklosters untergebracht war. Aufgrund der mittelalterlich beengten Räumlichkeiten waren Teile der Truppe noch bis 1879 in Privathäusern einquartiert. Das III. Bataillon war bis 1870 nach Kassel, 1870/72 nach Kastel und 1872/80 nach Fulda detachiert. mini|Die Kaserne des Regiments im Jahre 1950. Der im Hintergrund stehende Block ist heute Polizeirevier, alle anderen Gebäude wurden abgebrochen, auf dem Gelände befindet sich heute das Behördenzentrum. mini|Die Frankfurter Gutleutkaserne war 1880 bis 1918 Standort des Regiments – jetzt Polizeirevier 1880 bezog das Regiment die 1877 bis 1879 nach Plänen von Bruhns und Zacharias errichtete Gutleutkaserne in Frankfurt am Main.

Deutsch-Französischer Krieg Das Regiment war Teil der 14. Division und nahm in der Zeit vom 19. August bis zum 27. Oktober 1870 an der Belagerung von Metz teil. Das I. Bataillon führte am 26. August ein Gefecht bei La Grange aux bois. 31. August bis 1. September: Schlacht von Noisseville 23. September: Gefecht des Füsilier-Bataillons bei Chieulles 27. September: Kämpfe des II. Bataillons und des Füsilier-Bataillons bei Mercy-le-Haut 7. Oktober: Schlacht bei Bellevue 2. bis 10. November: bei der Belagerung von Diedenhofen 22. November bis 18. Dezember 1870: Beobachtung von Mezières 1. Dezember: Kämpfe des Füsilier-Bataillons bei Harcy 9. bis 11. Dezember: Die 8. Kompanie führt ein Scharmützel bei Ham 27. Dezember 1870 bis 9. Januar 1871: Teilnahme an der Belagerung von Péronne 19. Januar 1871: Schlacht bei Saint-Quentin

Deutsches Reich Da es in der Bürgerschaft der 1866 annektierten ehemaligen Freien Stadt Frankfurt noch verbreitet antipreußische Ressentiments gab, war das Regiment mit Polizeivollmachten ausgestattet. Am 21. April 1873 schlugen sechs Kompanien des Regiments den Frankfurter Bierkrawall gewaltsam nieder. Dabei gab es 20 Todesopfer, darunter eine Frau und einen zehnjährigen Jungen. Auf Seiten des Regimentes war eine Kopfverletzung eines Leutnants infolge eines Steinwurfs die schlimmste Verletzung.

1901 kam das Regiment zu einem Einsatz im Katastrophenschutz, nachdem am 25. April ein schweres Explosionsunglück in der Pikrinsäureherstellung der Chemischen Fabrik Griesheim-Elektron 26 Tote und 94 Verletzte gefordert hatte.

Erster Weltkrieg Am 1. August 1914 abends um 18.15 Uhr erhielt das Regiment den Befehl zur Mobilmachung, die am 2. August begann. Innerhalb von fünf Tagen erreichte es durch Einberufung von Reservisten seine vorgesehene Kriegsstärke. Am 7. August verlegten der Regimentsstab und die MG-Kompanie, am 8. August die drei Bataillone mit der Bahn nach Kahren. Verabschiedet wurden die Soldaten u. a. von Prinz Friedrich Carl von Hessen und Königin Sophie von Griechenland.Henning Roet de Rouet: Frankfurt am Main als preußische Garnison von 1866 bis 1914. Frankfurt am Main 2016, S. 300. Zusammen mit den anderen zur 4. Armee gehörigen Truppen unter Albrecht Herzog von Württemberg marschierte es gegen die luxemburgische Grenze auf.

1914 (Französisch-Belgischer Kriegsschauplatz) 22. August: Schlacht bei Bertrix 23. August: Schlacht bei Orgeo 24. August: Schlacht bei Matton 28. August: Schlacht bei Rancourt (Somme) 6. bis 11. September: Marneschlacht, Étrepy – Maurupt 22. September bis 8. Oktober: Gefechte bei Champien, Roye, Villers les Roye und Andechy ab 10. Oktober: Stellungskämpfe vor Roye (so löste es am Abend des 14. Oktober das Infanterie-Regiment „Lübeck“ (3. Hanseatisches) Nr. 162 in der Stellung bei St. Aurin-Laucourt ab) ab 14. November: Stellungskämpfe vor Andechy

1915 bis Oktober Fortsetzung der Stellungskämpfe. Danach Herausziehung des Regiments zur Vorbereitung der Schlacht um Verdun

1916 Januar bis 21. Februar: Vorbereitung der Schlacht um Verdun 22. und 23. Februar: Schlacht um Verdun, Erstürmung des Caureswaldes 24. Februar: Angriff auf Höhe 344 (Samogneux) 25. bis 28. Februar: Kämpfe um und auf dem Pfefferrücken 2. bis 11. März: Kämpfe im Chauffour- und Albainwald 5. bis 20. April: Kämpfe im Cailette-Wald ab 15. Mai: Verlegung in die Champagne, Stellungskämpfe am Chemin des Dames 13. bis 30. September: Schlacht an der Somme 9. Oktober bis 5. November: Ruhe und Ausbildung in Favril und La Groise ab 24. November: Stellungskämpfe an der Somme

1917 bis 10. Februar: Stellungskämpfe an der Somme bis 3. März: Ruhezeit ab 4. April: Doppelschlacht Aisne – Champagne 26. April bis 5. Mai: Stellungskämpfe in der Champagne Verlegung an den östlichen Kriegsschauplatz 12. Mai bis 11. Juni: Ruhe und Ausbildung in Wilejka 12. Juni bis 15 Oktober: Stellungskämpfe bei Krewo-Smorgon-Naroczsee Verlegung an den westlichen Kriegsschauplatz ab 24. Oktober: Kämpfe vor Reims

1918 1. Februar bis 20. April: Stellungskämpfe vor Reims 1. Mai bis Ende Juli: Stellungskämpfe an der Avre (Somme) August: Abwehrkämpfe zwischen Somme und Oise 1. September bis 18. Oktober: Abwehrschlacht zwischen Cambrai und St. Quentin 2. bis 11. November: Stellungskämpfe östlich der Schelde

Nach dem 11. November: Rückmarsch in die Heimat und Demobilisierung des Regiments.

Die Gesamtverluste des Regiments im Ersten Weltkrieg betrugen 113 Offiziere und 3.048 Unteroffiziere und Mannschaften.

Verbleib Nach Kriegsende stand das I. Bataillon in Wetzlar, das II. Bataillon in Siegen und das III. Bataillon in Frankfurt am Main. Das Regiment wurde bis 5. Mai 1919 über die Abwicklungsstelle Wetzlar demobilisiert und schließlich aufgelöst. Bereits im Januar 1919 hatte man mit der Bildung eines Freiwilligen-Bataillons begonnen, welches dann zum II. Bataillon des Freikorps „Hessen-Nassau“ wurde. Dieses wurde mit der Bildung der Vorläufigen Reichswehr das II. Bataillon des Reichswehr-Infanterie-Regiments 22.Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 148.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die 10. Kompanie des 15. Infanterie-Regiments in Kassel. Im Zuge der Rheinlandbesetzung stellte die Wehrmacht am 1. April 1936 das die Tradition fortführende Infanterie-Regiment 81 auf. Es war ebenfalls in Frankfurt am Main stationiert und der 15. Infanterie-Division unterstellt.

Regimentschef DienstgradNameDatumGünter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 210.Wilhelm I.5. Dezember 1813 bis 27. Februar 1821Friedrich Wilhelm I.1824 bis 1866Ludwig IV.19. Juni 1871 bis 13. März 1892GeneralmajorFriedrich Karl von Hessen24. Januar 1911 bis Auflösung

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