Die Straßenbahn Rostock ist neben der Straßenbahn in Schwerin einer der beiden Straßenbahnbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern. Das Rostocker Straßenbahnnetz umfasst eine Streckenlänge von 35,6 Kilometer und 64 Haltestellen. Die erste Pferdebahn ging 1881 in der Innenstadt in Betrieb, die weiterhin das Zentrum des Netzes darstellt. Bis 2006 wurde das Netz nach und nach erweitert, sodass der Busverkehr nur noch die Hälfte des Verkehrsbedarfes abdecken muss.
1994 kamen in Rostock erstmals Niederflur-Gelenkwagen zum Einsatz, seit etwa 2003 können die Fahrgäste bei allen Fahrten barrierefrei einsteigen.
Liniennetz Derzeit verkehren sechs reguläre Straßenbahnlinien auf dem Rostocker Streckennetz.
Linien bzw. Linienabschnitte mit 10-Minuten-Takt sind fett dargestellt Linien bzw. Linienabschnitte mit 20-Minuten-Takt sind mit unveränderter Schrift dargestellt Linien bzw. Linienabschnitte mit 30-Minuten-Takt sind kursiv dargestellt (gültig jeweils mo–fr ca. 6:30 bis 18:00 Uhr)
Linie Linienweg Fahrzeugeinsatz Bemerkung Lichtenhagen, Mecklenburger Allee – Lütten Klein, Rügener Straße – Lütten Klein Zentrum – Evershagen, Thomas-Morus-Straße – Marienehe class=noviewer|13px – Reutershagen – Holbeinplatz class=noviewer|13px – Doberaner Platz – Lange Str. – Steintor – Dierkower Kreuz – Toitenwinkel, Hafenallee 6N1, 6N2, 8N3 Reutershagen – Holbeinplatz class=noviewer|13px – Doberaner Platz – Goetheplatz – Hauptbahnhof class=noviewer|13px – Steintor – Dierkower Kreuz – Kurt-Schumacher-Ring 6N1, (6N2) nur mo–fr von 5–21 Uhr und sa von 9–21 Uhr (Neuer Friedhof – Zoo –) Platz der Jugend – Parkstraße class=noviewer|13px – Doberaner Platz – Goetheplatz – Hauptbahnhof class=noviewer|13px – Steintor – Dierkower Kreuz – Dierkower Allee 6N1 ab/bis Neuer Friedhof nur mo–fr von 5–9 Uhr und 12–18 Uhr sowie sa+so im Tagesverkehr Campus Südstadt – Südstadt-Center – Goetheplatz – Lange Str. – Steintor – Dierkower Kreuz – Dierkower Allee 6N1 nur mo–sa bis 20 Uhr Lichtenhagen, Mecklenburger Allee – Lütten Klein Zentrum – Thomas-Morus-Straße – Marienehe class=noviewer|13px – Reutershagen – Holbeinplatz class=noviewer|13px – Doberaner Platz – Lange Str. – Steintor – Hauptbahnhof class=noviewer|13px – Südstadt-Center – Südblick 6N1, 6N2, 8N3 Neuer Friedhof – Zoo – Platz der Jugend – Parkstraße class=noviewer|13px – Doberaner Platz – Lange Str. – Steintor – Hauptbahnhof class=noviewer|13px – Südstadt-Center – Campus Südstadt 6N1
mini|links|hochkant=2.5|Linienplan seit 2025
Geschichte Von der Gründung bis zum Ersten Weltkrieg 1881 wurde aufgrund des wachsenden Verkehrsbedarfs die Mecklenburgische Straßen-Eisenbahn Aktien-Gesellschaft (MSEAG) gegründet, die in Rostock am 16. August 1881 mit dem Aufbau eines Pferdebahnbetriebes begann. Zwei Tage nach der Eröffnungsfahrt am 14. Oktober 1881 begann auf drei Linien der Regelbetrieb: 1881 Linie Linienweg Weißes Kreuz – Neuer Markt – Hopfenmarkt – Kröpeliner Straße – Schröderplatz – Alter Friedhof Strand (Stadthafen) – Neuer Markt – Hopfenmarkt Schröderplatz – Augustenstraße – Neuer Markt – Hopfenmarkt
Die Wagenführer hielten auch zwischen den Haltestellen, sobald jemand Fahrtinteresse anzeigte.
In den folgenden Jahren wurden die Strecken den Gegebenheiten angepasst, dabei entfielen unter anderem die Fahrten zum Stadthafen. Als 1886 der Lloyd-Bahnhof eröffnete, wurde die Straßenbahn auf der Strecke Hopfenmarkt – Neuer Markt – Alexandrinenstraße bis zum Bahnhof erweitert. Richard Siegmann war ab 1898 Vorstand der MSEAG, was er – mit einer kurzen Unterbrechung von 1919 bis 1921 – bis zu seiner vorzeitigen Entlassung am 31. Dezember 1935 blieb. Unter seiner Leitung wurde sowohl die Elektrifizierung als auch der weitere Ausbau des Straßenbahnnetzes vorangetrieben.Jan-Peter Schulze: Richard Siegmann: … aber wir waren Deutsche. Max-Samuel-Haus / Stiftung Begegnungsstätte für Jüdische Geschichte und Kultur in Rostock (Hrsg.), Redieck & Schade, Rostock 2011, ISBN 978-3-942673-08-2, S. 35.
Am 21. Mai 1904 fuhr der erste elektrisch betriebene Straßenbahntriebwagen durch Rostock. Im Zuge dessen änderte die MSEAG ihren Firmennamen zum Juli 1903 in Rostocker Straßenbahn AG (RSAG). Die Strecken wurden schrittweise auf elektrischen Betrieb umgestellt und bis zum Doberaner Platz und weiter zum neuen Depot in der Fahnenstraße (damals Satower Chaussee) ausgebaut. In der 26 Meter breiten Wagenhalle lagen sechs Gleise mit 60 Metern Länge, z.T. mit 1½ Meter tiefen Revisionsgruben. Daneben gab es eine Werkstatt mit etwa 15 Metern Länge. Bis zum 18. Juni 1904 waren alle Linien mit der Oberleitung abgedeckt. Die Linien trugen bis 1911 Farbbezeichnungen. Triebwagen der ersten Serie waren teilweise bis 1961 im Einsatz.
1904 Linie Linienweg Zentralbahnhof – Steintor – Neuer Markt – Schröderplatz – Doberaner Platz – Alter Friedhof – Trotzenburg Zentralbahnhof – Augustenstraße – Schröderstraße – Doberaner Platz – Kasernenstraße Augustenstraße – Stadttheater – Mühlendamm – Weißes Kreuz
mini|hochkant=2.5|links|Straßenbahnnetz 1904
Zwischen Hohe Düne und Markgrafenheide wurde am 1. Juli 1910 die 4½ Kilometer lange Strecke der Strandbahn Warnemünde–Markgrafenheide eröffnet. Diese Bäderbahn gehörte jedoch nicht zur RSAG, sondern wurde von den Städtischen Gas- und Wasserwerken Rostock betrieben.
Vom Ersten bis zum Zweiten Weltkrieg Wegen der schwierigen Versorgungslage konnte zum Ende des Krieges nur ein eingeschränkter Dienst angeboten werden, der zwischenzeitlich sogar für mehrere Wochen ganz zum Erliegen kam. Nach Kriegsende kamen erste Forderungen für eine Streckenanbindung nach Dierkow auf, doch diese mussten wegen der angespannten finanziellen Lage zurückgestellt werden. Außerdem konnte die Bevölkerung in den Jahren der Inflation die öffentlichen Verkehrsmitteln kaum nutzen, daher wurde das Streckennetz auf die Hauptlinien beschränkt. Erst Mitte der 1920er Jahre stiegen die Fahrgastzahlen wieder.
In dieser Zeit wurden einige Veränderungen am Streckennetz vorgenommen. Nachdem es an der Kreuzung Satower Straße mit der Eisenbahn nach Warnemünde immer wieder zu Unfällen gekommen war, wurde in der Parkstraße eine Brücke für die Eisenbahn gebaut. Im Juni 1924 führte dann die Linie 1 auf einer veränderten Streckenführung erstmals unter dieser Brücke in Richtung Zoo. Ab September 1925 nahm Linie 2 den Linienweg wie Linie 1 durch die Innenstadt. Der entfallene Streckenabschnitt von Linie 2 (Hauptbahnhof – Schröderplatz) wurde bis 1928 durch die neue Linie 4 übernommen. Die Barnstorfer Strecke der Linie 1 wurde mit einer Brücke über die Bahnstrecke Wismar–Rostock zum Neuen Friedhof verlängert. Als 1930 die Weltwirtschaftskrise für hohe Arbeitslosigkeit sorgte, wurden bei den Fahrzeiten die Takte gedehnt und keine Beiwagen mehr eingesetzt. Der notwendige Ausbau zur Zweigleisigkeit musste unterbrochen werden. Als 1933 die Mühlendammbrücke neu gebaut und die Fernverkehrsstrecke nach Stralsund ausgebaut wurde, musste der Straßenbahnbetrieb auf der Linie 3 zum Weißen Kreuz am 1. August 1933 auf Busbetrieb umgestellt werden. So blieben nur noch zwei Straßenbahnlinien, während das Busnetz weiter ausgebaut wurde.
In Warnemünde und Marienehe entstanden Flugzeugwerke, die unter den Nationalsozialisten kontinuierlich ausgebaut wurden. In den folgenden Jahren wuchs die Rostocker Bevölkerung auf über 100.000 Einwohner. Die Strandbahn in Markgrafenheide fuhr ab 1936 ganzjährig, da der Bedarf durch den Ausbau des Fliegerhorstes stieg. Rostock vergrößerte sich in Reutershagen, im Hansa- und Komponistenviertel sowie in Dierkow. Zur Anbindung des Heinkel-Flugzeugwerks in Marienehe begannen am 6. Juli 1936 die Bauarbeiten an der 3,8 km langen Straßenbahnstrecke von der bisherigen Endstelle Werft über Reutershagen nach Marienehe, am 16. November 1936 wurde diese Strecke in Betrieb genommen. Der Ausbau zur Zweigleisigkeit der Linie 2 in der Doberaner Straße wurde fortgesetzt, 1939 wurde auch in der Lübecker und der Hamburger Straße das zweite Gleis verlegt. Ab dem 15. Mai 1938 bezeichnete man Fahrten, die über die Hamburger Straße weiter bis Reutershagen und Marienehe hinausgingen, als Linie 12. Vom 1. Februar 1943 bis Oktober 1943 gab es zusätzliche Pendelfahrten zwischen Schröderplatz und Sportpalast mit der Liniennummer 11 zur Verstärkung der Linie 1. Die Linie 2 wurde im Frühjahr 1943 aufgegeben, alle Fahrten bis Marienehe wurden jetzt als Linie 12 durchgeführt.
1939 Linie Linienweg Hauptbahnhof – Steintor – Doberaner Platz – Parkstraße – Sportpalast – Zoo – Neuer Friedhof Hauptbahnhof – Steintor – Doberaner Platz – Lübecker Platz Hauptbahnhof – Steintor – Doberaner Platz – Lübecker Platz – Reutershagen – Marienehe
Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Wende mini|Juni 1947: Straßenbahn-Gleisbau mit primitiven Mitteln mini|hochkant|1957 führte die Straßenbahn noch durch das Kröpeliner Tor Im April 1942 war Rostock Ziel britischer Luftangriffe, in deren Folge der historische Stadtkern zur Hälfte zerstört wurde. Durch das Abstellen der Tieb- und Beiwagen auf Gleisen im Bereich zwischen dem Tannenweg und der Endhaltestelle am Neuen Friedhof konnten die Zerstörungen von Wagenmaterial minimiert werden. Der Straßenbahnverkehr wurde, mit Einschränkungen, aufrechterhalten. Am 30. April 1945 wurde der Verkehr, unmittelbar vor Besetzung der Stadt durch die Rote Armee am 1. Mai 1945, eingestellt. Zuvor war die RSAG an die Stadt verkauft worden und firmierte danach als Städtische Straßenbahn Rostock.
Der Betrieb der Strandbahn wurde am 1. Mai 1945 nach einer letzten Fahrt für immer eingestellt.
Nach dem Kriegsende wollte die sowjetische Besatzungsmacht die Straßenbahn zunächst als Reparationsleistung demontieren lassen. Nachdem die Entscheidung für den Erhalt der Straßenbahn gefallen war, konnte der Verkehr der Rostocker Straßenbahn nach Beseitigung von Schäden und Wiedereinschaltung des Fahrstroms am 13. August 1945 auf Streckenabschnitten zunächst nur stundenweise wieder aufgenommen werden. Nach und nach kamen weitere Abschnitte hinzu, die Betriebszeiten konnten verlängert werden. Die Fahrgastzahlen auf den wenigen Fahrten waren sehr hoch, die Wagen meist überfüllt.
Ende 1945 Linie Linienweg Hauptbahnhof – Steintor – Doberaner Platz – Parkstraße – Sportpalast (– Neuer Friedhof) Hauptbahnhof – Steintor – Doberaner Platz – Reutershagen (– Marienehe) In Reutershagen und am Sportpalast (Platz der Jugend) wurden 1946 Wendeschleifen angelegt, um das Kehren zu erleichtern und im innerstädtischen Bereich im 7½-Minuten-Takt zu fahren. Im Juli 1946 begannen auch erste Bauarbeiten für eine Strecke nach Dierkow. Sie verlief durch die Altstadt über die Petribrücke und weiter über den Dierkower Damm nach Gehlsdorf. Die Arbeiten wurden jedoch unterbrochen. Zuerst wurde die Strecke über den Mühlendamm zum Weißen Kreuz wieder aufgebaut, sie wurde ab 1949 über die Tessiner Straße Richtung Brinckmansdorf bis zum Verbindungsweg verlängert. Ab April 1950 pendelten zwischen Steintor und Tessiner Straße Wagen der Linie 3. 1956 übernahmen aber erneut Busse die Bedienung. Die Bauarbeiten für die Linie nach Gehlsdorf wurden weitergeführt, am 1. Mai 1951 wurde der erste Streckenteil bis zur Fährstraße feierlich in Betrieb genommen. Das restliche Stück bis zum Kirchenplatz folgte im Juni 1951. Für diese Strecken wurde Gleismaterial der im November 1940 eingestellten Straßenbahn Eberswalde sowie der abgebauten Strandbahn Hohe Düne – Markgrafenheide (1910–1945) verwendet. Auch die beiden ursprünglich von der Flensburger Straßenbahn stammenden, bei der HAWA gebauten, vierachsigen Triebwagen sowie die fünf zweiachsigen Beiwagen wurden von der Strandbahn übernommen und nach Umspurung bei der Rostocker Straßenbahn eingesetzt.Die ehemaligen Strandbahnwagen In: Rüdiger Grabowski, Norbert Enekel: Straßenbahn und Busse in Rostock, Verlag Kenning, Nordhorn 2006, ISBN 3-933613-81-7, S. 226–228