mini|hochkant=1.4|Kastanien mini|hochkant=1.4|Verbreitungsgebiet:✖ Ursprüngliches Verbreitungsgebiet:✖ Angebaut und isoliert vorkommend mini|hochkant=1.4|Blätter mini|Auf dem Boden liegende Kastanien Die Edelkastanie (Castanea sativa), auch Esskastanie und Echte Kastanie (abgeleitet von lateinisch castanea) genannt, ist der einzige europäische Vertreter der Gattung Kastanien (Castanea) aus der Familie der Buchengewächse (Fagaceae). Die Edelkastanie ist ein sommergrüner Baum und bildet stärkereiche Nussfrüchte. In Süd- und Westeuropa wird sie wegen dieser essbaren Früchte und als Holzlieferant angebaut. Im 20. Jahrhundert gingen die Bestände durch den Befall mit dem Kastanienrindenkrebs stark zurück, erholten sich jedoch Ende des 20. Jahrhunderts wieder. Die Esskastanie wurde zum Baum des Jahres 2018 gewählt. Weil sie sehr anpassungsfähig ist und gut mit Wärme und trockenen Böden zurechtkommt, gilt sie mit Blick auf den Klimawandel seit einiger Zeit als Baum der Zukunft.

Die Früchte werden zum einen mit dem Überbegriff Kastanien bezeichnet, mit dialektalen Varianten wie Keschde in der PfalzPfälzer Kastanienweg und Keschtn in Südtirol.Südtiroler Kastanienweg In weiten Teilen Österreichs ist sie im Dialekt unter dem Begriff Kestn oder KästenMichael Machatschek: Techniken des traditionellen Anröstens und Dörrens der Kästen in verschiedenen Regionen. In: Zeitfenster: unsere Heimat neu entdeckt! Hrsg. vom historischen Verein Viana Styria, Stainz, Ausgabe 2, Jahrgang 2025, , S. 28. bekannt. Zum anderen sind sie als Maronen bekannt, mit den Varianten Maroni in Österreich und Marroni in der Schweiz. Vom Mittelalter bis gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Edelkastanie in den Bergregionen Südeuropas das Hauptnahrungsmittel der Landbevölkerung, da sie anspruchsloser als z. B. Weizen ist. Die in Europa weit verbreitet gepflanzten Rosskastanien sind trotz vieler Ähnlichkeiten weder mit der Edelkastanie verwandt noch sind die Früchte der Rosskastanie zum menschlichen Verzehr geeignet.

Merkmale Habitus und Alter Selten wachsen Edelkastanien strauchförmig. Sie werden durchschnittlich 15 bis über 25 Meter, selten bis über 35 Meter hoch.Anton Entleutner: Die sommergrünen Ziergehölze von Süd-Tirol. Verlag der Handels- und Gewerbekammer, Ellmenreich, 1892, S. 23 f. Der Stammumfang liegt meist bei 1 bis 5 Metern,Das Gebiet des Schwechatflusses in Nieder-Oesterreich. Vernay, 1878, S. 367. kann bei sehr alten Bäumen aber durchaus über 10 Meter erreichen.Conrad Amber: Baumwelten. Franckh-Kosmos, 2017, ISBN 978-3-440-15403-8, S. 66–87 (Bilder und Maße großer Exemplare). Der Stamm ist meistens gerade und kräftig, die Verzweigung beginnt oft in geringer Höhe, wobei wenige starke Äste gebildet werden. Die Krone ist weit ausladend und hat eine rundliche Form. Über 100 Jahre alte Bäume werden oft hohl.

Edelkastanien erreichen in der Regel ein Alter von 500 bis 600 Jahren. In Mitteleuropa werden sie kaum über 200 Jahre alt, in Westeuropa können sie bis 1000 Jahre alt werden. Der größte bekannte Baum ist der sehr dicke Castagno dei Cento Cavalli (Kastanienbaum der hundert Pferde) bei Sant’ Alfio auf Sizilien, der auf ein Alter von mindestens 2000 Jahren geschätzt wird. Sein Stammumfang wird mit rund 50 Metern angegeben. Er macht damit beinahe dem stärksten Baum der Welt, der Sumpfzypresse Árbol del Tule (Taxodium mucronatum) in Mexiko Konkurrenz, dessen Umfang zwischen 46 und 58 Metern liegen soll.

Wurzeln Das Wurzelsystem der Edelkastanien ist sehr kräftig ausgeprägt. Sie bilden eine Pfahlwurzel, die allerdings nicht sehr tief in den Boden eindringt. Es gibt relativ wenige Seitenwurzeln, die aber intensiv verzweigt sind und den Boden vertikal und horizontal gut erschließen. Sämlinge bilden in ihrem ersten Jahr eine bis 40 Zentimeter lange Pfahlwurzel, der im zweiten und dritten Jahr die Seitenwurzeln folgen.

Holz und Borke Die jungen Zweige sind hell-rotbraun gefärbt. Sie tragen etliche runde bis elliptische, weißliche Lentizellen. Die Rinde junger Triebe ist von einem Reifbelag bedeckt, der später meist verschwindet. Die Blattnarben zeichnen sich auf den Zweigen als leicht erhabene Dreiecke mit drei Gruppen von Leitbündelspuren ab. Im Zentrum der Zweige befindet sich ein Mark, das im Querschnitt fünfeckig, seltener dreieckig ist.

Junge Äste haben eine glatte, rötlichbraune Rinde mit länglichen, quer verlaufenden Lentizellen. Bei jungen Stämmen ist sie noch glatt, jedoch silbrig-grau. Im Alter wird sie graubraun und reißt auf. Es bildet sich eine dicke Borke mit breiten Streifen, die meist spiralig um den drehwüchsigen Stamm laufen. Fast immer ist es eine linksdrehende Spirale. Die Borke ist mit einem Tanningehalt von 4 bis 12 % des Trockengewichts sehr reich an Gerbstoffen.

Das Holz der Edelkastanie ist ringporig und mittelschwer. Es hat eine Rohdichte (bei 15 % Feuchte) von 0,63 Gramm je Kubikzentimeter. Das Splintholz ist schmal und weißlich gelb. Es ist deutlich vom braunen Kernholz abgegrenzt. Die Jahresringe sind deutlich zu erkennen. Holzstrahlen sind zahlreich vertreten, gleichmäßig aufgebaut, ein- oder zweireihig und werden 15 bis 30 Zellreihen hoch. Das Holz weist einen hohen Tanningehalt von bis zu 13 % des Trockengewichts auf. Der hohe Tanningehalt bewirkt eine hohe Beständigkeit gegen Fäulnis, darum werden Pfosten aus diesem Holz im Weinbau eingesetzt, sie sind außerdem leichter als entsprechende Pfosten aus Eichenholz.

mini|Männlicher Blütenstand in Anthese auf einem Blatt liegend

Knospen und Blätter mini|Illustration von Castanea sativa Die Winterknospen sind 8 bis 10 Millimeter lang, leicht gestaucht und rötlich. Sie haben zwei bis drei Knospenschuppen. Die Knospen stehen einzeln an den Triebspitzen oder als Seitenknospen in spiraliger Anordnung (wie später auch die Blätter). Die Verzweigung der Edelkastanie erfolgt sympodial: die Endknospen sterben im Herbst ab, die nächsttiefere Seitenknospe übernimmt im Frühjahr das Längenwachstum des Triebes.

Die kurz gestielten Laubblätter erscheinen aufgrund der Drehung ihrer Blattstiele zweizeilig angeordnet. Der Blattaustrieb erfolgt Ende April bis Anfang Mai. Die zunächst leicht behaarten, unterseits helleren Blätter verkahlen rasch. Die Länge der Blätter beträgt 12 bis 20 Zentimeter, die Breite 3 bis 6 Zentimeter, der Blattstiel misst 1,5 bis 2,5 Zentimeter. Die Blattform ist eiförmig bis verkehrt-eiförmig oder elliptisch, lanzettlich, die Blattspitze ist spitz bis zugespitzt, die Basis ist spitz bis abgerundet oder leicht herzförmig. Der Blattrand ist spitzig, teils buchtig, gesägt, die Zähne enden in einer kleinen, nach vorne gerichteten Granne oder Stachelspitze. Die Blätter sind leicht ledrig, die Oberseite ist glänzend tiefgrün und kahl, die Unterseite ist heller, hier treten die 12 bis 20 Aderpaare klar hervor. Die Herbstfärbung ist gelbbraun, direkt vor dem Abfallen braun. Die beiden linearen, 1,5 bis 2 Zentimeter langen Nebenblätter fallen früh ab.

Blütenstände und Blüten Mit 20 bis 30 Jahren beginnen die Edelkastanien zu blühen.Schauer/Caspari: Der große BLV Pflanzenführer. München, Wien Zürich 1984, S. 324. Die Blüten erscheinen im Juni/Juli. Sie sind einhäusig getrenntgeschlechtig (monözisch), ihre männlichen und weiblichen Organe befinden sich in getrennten Blüten, aber auf einer Pflanze.

Die funktionell männlichen Blüten stehen in achselständigen, schlanken, 20 bis 25 Zentimeter langen Blütenständen, Kätzchen. Die männlichen Blüten besitzen eine sechszählige Blütenhülle (Perigon) und acht bis zwölf Staubblätter sowie oft einen Pistillode. Der reichlich produzierte Pollen riecht intensiv durch die Bildung von Trimethylamin.

Die weiblichen Blüten stehen meist zu dritt in einem schuppigen Fruchtbecher zu wenigen am Grund der oberen männlichen Blütenstände (zwittriger Blütenstand). Sie besitzen ebenfalls ein sechszähliges, behaartes Perigon. Der Fruchtknoten ist unterständig und besteht aus sechs (bis acht) Fruchtblättern, die ebenso viele Fächer bilden, wobei im Zentrum eine kräftige Säule (Columella) steht. Er trägt ebenso sechs (selten vier bis neun) starre, an der Basis behaarte Griffel. Jeder Fächer besitzt zwei zentralwinkelständige Samenanlagen. Nur eine Samenanlage pro Fruchtknoten entwickelt sich zum Samen.

Chromosomenzahl Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 24.

Früchte mini|Fruchtstand der Edelkastanie im Sommer mini|Geöffnete Cupula mit Früchten mini|Behaarte Spitze der Nuss mit den Griffelästen und Perianthresten

Die Früchte sind glänzende, dunkelbraune Nüsse. Sie sind von einem stacheligen Fruchtbecher (Cupula) umgeben. Die Stacheln sind anfangs grün und zur Reife gelbbraun. Bei der Wildform hat der Fruchtbecher einen Durchmesser von 5 bis 6 Zentimetern, bei Kulturformen kann er bis 10 Zentimeter erreichen. Bei Vollreife öffnet sich der Fruchtbecher mit vier Klappen und entlässt die ein bis drei Früchte. Bei manchen Sorten fällt der Fruchtbecher mitsamt den darin enthaltenen Nüssen ab.

Das Perikarp der Nüsse ist ledrig, glatt sowie gleichmäßig braun und gestreift. An der Basis der Frucht befindet sich ein großer, weißlicher Nabelfleck (Hilum), die Trennstelle, an der sich die Frucht von der Cupula löst. Sie entspricht einem Querschnitt durch den stark verdickten, stark verkürzten Blütenstiel. Mit freiem Auge zu erkennen ist hier der Leitbündelring. Die Leitbündel sind am Perikarp häufig als Längsrippen zu erkennen. Das meist behaarte Ende der Frucht ist bespitzt und besteht aus den Perianthresten und den Griffelästen. Im Inneren liegt dem Perikarp ein behaartes Endokarp an. Die Scheidewände des Fruchtknotens haben sich aufgelöst, die Columella ist durch den Samen zur Seite gedrängt. Der Samen hat eine häutige, gerbstoffreiche Schale. Das Innere des Samens wird vollständig von den Kotyledonen eingenommen, die aus zwei großen Keimblättern bestehen. Die Keimwurzel (Radicula) befindet sich nahe der Fruchtspitze. Die Kotyledonen sind mehr oder weniger gefurcht. Dadurch haftet die Samenschale gut an und lässt sich so schlecht entfernen.

Die Ausbreitung der „Plumpsfrüchte“ erfolgt durch Eichhörnchen, Siebenschläfer, Krähen und Häher. Die Tiere verstecken Nahrungsvorräte im Boden, vergessene Früchte keimen dann im Frühjahr aus.Doris Laudert: Mythos Baum. Geschichte, Brauchtum. 40 Porträts. blv, München 2004, ISBN 3-405-16640-3, S. 87. Aus Samen gekeimte Bäume tragen erstmals mit etwa 25 bis 35 Jahren Früchte.

+ Inhaltsstoffe Früchte, je 100 g essbarer TeilInhaltsstoffEinheitfrischMarco Conedera, Mauro Jermini, Alberto Sassella, Thomas N. Sieber: Ernte, Behandlung und Konservieren von Kastanienfrüchten. Merkblatt für die Praxis 38, 2004. WSL Birmensdorf, (PDF; 570 kB).getrocknetWasserg50–6311Stärkeg23–2741,7Zucker (v. a. Suc)g3,6–5,816,1Nahrungsfaserng8,2–8,413,8Proteineg2,5–5,76,0Fettg1,0–2,23,4Vitamin Amg12k. A.Vitamin B1mg0,1–0,20,2Vitamin B2mg0,2–0,30,4Vitamin Cmg6–23k. A.Niacinmg1,12,1Kaliummg395–707738Phosphormg70131Magnesiummg31–65k. A.Schwefelmg48126Calciummg18–3856