Günther Rechn (* 14. März 1944 in Litzmannstadt; † 3. Januar 2026 in Berlin) war ein deutscher Maler und Grafiker. mini|Selbstporträt
Leben und Werk Günther Rechn studierte von 1966 bis 1971 Gobelinwirkerei und Malerei an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle an der Saale. Seine akademischen Lehrer waren unter anderem Lothar Zitzmann, Hannes H. Wagner und Willi Sitte. Nach einer einjährigen Aspirantur war er von 1972 bis 1977 als Assistent für Naturstudium und Aktzeichnen an der Kunsthochschule Burg Giebichenstein tätig. Einer seiner Schüler war Klaus-Joachim Albert. Ab 1977 arbeitete er freischaffend in der Niederlausitz als Maler und Grafiker. In den 1980er Jahren war Günther Rechn als Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler (VBK) des Bezirkes Cottbus tätig. 1980 reiste er als Abgesandter des VBK mit Falko Behrendt, Edmund Bechtle, Uwe Bullmann und Christian Heinze durch palästinensische Gebiete, wobei sie auch Yasser Arafat trafen.Christian Saehrendt: Kunst als Botschafter einer künstlichen Nation. Studien zur Rolle der bildenden Kunst in der Auswärtigen Kulturpolitik der DDR. Steiner Franz Verlag, Stuttgart, 2009, S. 79 Rechn hatte in der DDR und im Ausland eine bedeutende Zahl von Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen, u. a. von 1977 bis 1988 an der VIII. bis X. Kunstausstellung der DDR in Dresden.
Nach der Wende und dem Zusammenbruch der Strukturen des östlichen Kunstbetriebes arbeitete Rechn zunächst als Bühnenmaler am Staatstheater Cottbus und als Restaurator in Niederbayern. Von 1993 bis 1994 gab er als erster Stadtzeichner einen künstlerischen Blick auf die Nachwendestadt Cottbus. Seit 1994 lebte und arbeitete Günther Rechn in Limberg und im italienischen Grosseto. Seit 1989 war er mit Ausstellungen in Deutschland, Frankreich, Italien, Polen und Tschechien mit seinen Werken zu sehen.
Günther Rechn war verheiratet, hatte zwei Kinder (Zwillinge), und lebte zuletzt in Cottbus.Thomas Klatt: Trauer um Maler aus Cottbus. Lausitzer Rundschau, 4. Januar 2026, abgerufen am 5. Januar 2026. Der Schauspieler und Regisseur Urs Rechn ist sein Sohn. Am 17. Dezember 2025 wurde Rechn im Cottbuser Stadtteil Ströbitz von einem Auto angefahren; er starb am 3. Januar 2026 im Unfallkrankenhaus Berlin an den bei dem Unfall erlittenen Verletzungen.
Rezeption Holger Schwiewager, der Leiter der Galerie Bilder im Hof in Flensburg, bemerkt zum Künstler:
In den von stürmischer Emotionalität beherrschten Bildern von Günther Rechn ist alles in Bewegung. Auf engsten Raum spiegeln sich gesellschaftliche Bezüge, die als dramatische, humanistische oder literarische Inhaltlichkeit gleichnishaft zum Bild werden. In kurzen dramatischen Pinselschwüngen, die zu offensiv vorgetragener Körperlichkeit zu vibrierenden Zeichen existentieller Daseinsbekundungen auf der Leinwand werden, artikuliert sich eine malerische Präsenz, die sich ganz aus der Farbe, aus ihrem pastosen oder lasierenden Auftrag entwickeln. In dieser spontan wirkenden, farbkräftigen Malerei scheinen barocke Wucht und Fülle ebenso auf wie feinsinnige, aus der Zeichnung kommende lineare Gespinste.
Herbert Schirmer, schreibt in einem Kommentar zum Katalog der Einzelausstellung Günther Rechn „Malerei“:
In einem ganz andere Beziehungssystem posieren, domestiziert in einer dramatischen Figurativität, in der die Grenzen zwischen Nähe und Distanz, zwischen Individuum und Image aufgehoben scheinen, stürzende Engel in bizarren Kostümen. Als Symbole schöpferischer Unruhe und spontaner Verheißung fallen sie trotz Flügel kopfüber aus der geschützten Sphäre des Himmels. Transformieren die schillernden Wesen nun aus dem Zustand Glück spendender Jenseitigkeit zurück in den Zustand diesseitiger Leiblichkeit oder werden hier Zweifel an der Aufgehobenheit des Menschen in seiner körperlichen Hülle, Zweifel an der physischen und psychischen Integrität angemeldet?Herbert Schirmer (Kommentar Im Katalog der Einzelausstellung: Günther Rechn „Malerei“, Forst, 05–06/2006)
Auszeichnungen (Auswahl) 1978: Preis der Ausstellung „Junge Künstler der DDR“ 1983: Kunstpreis des DTSB 1985: Preis der Ausstellung „Kunst und Sport“ 1986: Theodor-Körner-Preis 1987: Carl-Blechen-Preis
Werke (Auswahl)
Windhundrennen (1973, Dispersionsfarben, 98 × 140 cm) Porträt: Manfred Stolpe (1994) Porträt: Regine Hildebrandt (1994)
Einzelausstellungen (unvollständig) Deutsche Demokratische Republik 1970: Erfurt 1974: Merseburg, Schlossmuseum 1977: Halle (Saale), Staatliche Galerie Moritzburg 1977–1978: Cottbus, Brandenburgische Kunstsammlungen 1979: Hoyerswerda, Kunstsammlung / Leipzig, Leibnitzklub 1980: Rostock, Kunsthalle / Halle, Burggalerie 1981: Leipzig, Museum der bildenden Künste 1983: Cottbus, Galerie Carl Blechen 1986: Frankfurt (Oder), Galerie Junge Kunst 1988: Leipzig, Fachschule für Bühnentanz
Bundesrepublik Deutschland 1990: Brühl, Villa Meixner Jugendstilmuseum / Lich, Kloster Arnsburg 1994: Cottbus, Rathaus / Staatstheater / Merseburg, Museum / Plauen, Vogtlandtheater 1995: Hoyerswerda, Landratsamt / Potsdam, Galerie am See 1996: Cottbus, Stadt- und Messehallen / Hoyerswerda, Landratsamt 1997: Cottbus, Galerie Wohndesign / Plauen, Vogtlandtheater 1998: Worpswede, Altes Rathaus / Cottbus, “110 Tage Maremma” Ausstellung bei der ESSAG 1999: Bad Steben, Grafikmuseum Stiftung Dr. Schreiner / Cottbus, Staatstheater / Senftenberg, Galerie am Schloss 2001: Hoyerswerda, Foyer des Amtsgerichtes Hoyerswerda 2002: Branitz, Hotel Bestwestern / Glashütte, Galerie Packschuppen / Halle (Saale), Galerie Zeitkunst / Waldenburg, Galerie Tauscher 2003: Rheda Wiedenbrück, Galerie Unter den Linden bei Fürstin Sissi zu Tecklenburg-Bentheim / Lübben, Rathaus / Leipzig, Café Protzendorf 2004: Berlin, Galerie Meißen / Cottbus, Stadtmuseum Cottbus / Feldberg, Kunstverein Feldberger Land e.V. / Ahrenshoop, Galerie Peters-Barenbrock 2005: Berlin, Ausstellung „Zwischenraum“ 2006: Ahrenshoop, Galerie Peters-Barenbrock 2007: Berlin, Galerie Meißen 2008: Darmstadt, Galerie Maximilian / Merseburg, Willi Sitte-Galerie / Berlin, Galerie Peters-Barenbrock 2009: Cottbus, Sparkasse Cottbus 2009: Luckenwalde, Galerie im Kreishaus 2012: Halle (Saale), Zeitkunstgalerie (mit Gerd Lucke) 2024: Merseburg, Willi-Sitte-Galerie 2024: Senftenberg, Rathausgalerie
Italien 1991: Grosseto, Fortezza Medici 1992: Rom, Galleria Fidia, arte moderna / Siena, Palazzo Patrizii / Rieti, Theater 1993: Abatone, Galleria d’arte, La Sferna 1995: Jesi, Palazzo Convegni 1996: Rom, Galleria Fidia / Sulmona, Palazzo dell’ Annunziata 1997: Grosseto, Fortezza Medici 2000: Grosseto, Galleria Modigliani 2001: Grosseto, Galleria d’arte moderna il Tridente 2002: Grosseto, Galleria d’arte moderna il Tridente 2004: Grosseto, Galleria “Colori del Pensiero” / Banca Nationale del Lavoro
Frankreich 1990: Vichy, Casino
Polen 2002: Świdnica, Muzeum Archeologiczne Srodkowego Narodrza
Tschechien 1998: Brünn, Galerie Starobrnensko
Öffentliche Sammlungen und Museen mit Werken Rechns Brühl: Sammlung Villa Meixner Jugendstilmuseum Cottbus: Brandenburgische Kunstsammlungen Erfurt: Angermuseum Frankfurt/Oder: Brandenburgisches Landesmuseum für moderne Kunst Halle: Staatliche Galerie Moritzburg, Universitätsklinikum Halle Leipzig: Museum der bildenden Künste Rostock: Kunsthalle Rostock Senftenberg: Kunstsammlung Lausitz; Schlossmuseum
Veröffentlichungen Günther Rechn: Malerei und Grafik. Arbeiten aus den Jahren 1976–1977. Halle (Saale) 1977. Ullrich Wallenburg (Hrsg.): Engagement Palästina, Malerei und Grafik von Edmund Bechtle, Falko Behrendt, Uwe Bullmann, Christian Heinze, Günther Rechn. Cottbus 1981. Günther Rechn: Grafik, Zeichnungen, Malerei, Aquarelle. Frankfurt (Oder) 1986. Günther Rechn (Ill.), Alessandro Amendola, Guido Garufi: Günther Rechn, Siena, "Appunti di viaggio", disegni, acquarelli, olii; 2A EDITRICE S.R.L. – ROMA. Siena 1992, ISBN 88-85257-06-2. Günther Rechn (Ill.), Renzo Vespignani: Günther Rechn, opera grafica 1986–1992, testo di Renzo Vespignani. Editione 2A, Roma 1992, ISBN 88-85257-04-6. Günther Rechn (Ill.), Alessandro Amendola: Tänzer, Danzatori. Roma 1992, ISBN 88-85257-05-4. Günther Rechn (Ill.), Guido Garufi, Renzo Vespignani: Per Federico II di Svevia „STUPOR MUNDI“, Olii, temere, acquarelli e chine. Roma 1995. Günther Rechn (Ill.), Claudia Zaccagnini: Alla corte di Federico 2. Studi a china per la mostra “Stupor Mundi”. Editione 2A, Roma 1996. . Günther Rechn (Ill.), Steffen Krestin (Hrsg.): Stadtzeichner in Cottbus. Das Fenster. Regia-Verlag, Cottbus 2004, ISBN 978-3-937899-30-5. Annarosa del Corona, Günther Rechn (Ill.): Umano, segno e canto. Dianum, Grosseto 2002. Günther Rechn (Ill.), Alessandro Amendola: Il sogno dell'Imperatore. Amministrazione Provinciale, L’Aquila 1996.
Literatur
Rechn, Günther. In: Dietmar Eisold (Hrsg.): Lexikon Künstler in der DDR. Verlag Neues Leben, Berlin 2010, ISBN 978-3-355-01761-9, S. 746/747
Weblinks Offizielle Website von Günther Rechn Felix Krömer: Unser Italiener, Lausitzer Rundschau, 14. März 2009. Kleines Welttheater in der Oper Halle, Halleforum.de:, 8. Februar 2009. Astrid Ludwig: Das Tierportrait über der Wohnzimmer-Couch, Frankfurter Rundschau, 11. November 2008. , Der Märkische Bote – online, 27. Oktober 2007. Felix Krömer: Der hundenärrische Malerfürst - Zu Gast bei Günther Rechn in Cottbus-Branitz, Lausitzer Rundschau – online, 13. Oktober 2007. Günther Rechn bei Bildindex der Kunst & Architektur
Einzelnachweise
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