mini|Das Klostergebäude mini|Die Stiftskirche am Kloster Das Kloster Gräfrath (lat. Monasterium S. Mariae in Greuerode) war ein im Jahr 1187 gegründetes Frauenkloster des Benediktinerordens im Solinger Stadtteil Gräfrath. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde es zu einem Stift der Augustiner-Chorfrauen umgewandelt. Das Stift wurde 1803 aufgehoben. Das Kloster war eine Tochtergründung des benediktinischen Stiftes Vilich bei Bonn.Dietrich Höroldt (Hrsg.): 1000 Jahre Stift Vilich 978–1978. Bonn 1978, S. 50 In dem Gebäudeensemble ist seit 1991 das Deutsche Klingenmuseum untergebracht. Die ehemalige Klosterkirche ist zur katholischen Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt geworden.
Geschichte Gründung links|mini|hochkant=0.6|Erzbischof Engelbert von Berg Im Quellgebiet der Itter im Dorf Greverode gehörte der Abtei Vilich ein Hof mit einer Kapelle. 1185 ereignete sich dort eine Marienerscheinung. Die Äbtissin Elisabeth leitete daraufhin eine Klostergründung ein, die am 31. Juli 1187 vom Kölner Erzbischof Philipp I. von Heinsberg beurkundet wurde. Der Frauenüberschuss im Adel, verursacht durch den Tod vieler Adliger auf Kreuzzügen und in Fehden, ließ auch im Kloster Gräfrath die Anzahl der Nonnen rasch wachsen, so dass sich Erzbischof Engelbert von Berg genötigt sah, ihre Zahl auf vierzig zu begrenzen. Über diese Anzahl hinaus mussten neue Nonnen wesentliches Vermögen in das Kloster mitbringen.Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt, Band 1, Walter Braun Verlag, Duisburg, 2. Aufl. 1973, DNB 457973358 Das Mutterkloster in Vilich baute viel in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, was für es finanziell so bedrohlich wurde, dass der Kölner Erzbischof Wigbold von Holte eingriff und die Zahl der Vilicher Stiftsdamen auf zwölf beschränkte.Helmut Meya: Gräfrath. Chronik des Heimatverein Solingen-Gräfrath e. V. 1950-2000, Hrsg.: Heimatverein Solingen-Gräfrath e. V., 2000 Er setzte auch, über den Kopf der Vilicher Äbtissin hinweg, den Propst Winrich als Sanierer des Klosters Gräfrath ein. Winrich war in wenigen Jahren erfolgreich, in dem er z. B. ein Brauhaus einrichtete und Tongruben erwarb sowie Ziegel brennen ließ.
Die Grafen von Berg unterstützten das Kloster durch Schenkungen und Vergabe von Privilegien. Graf Adolf IV. von Berg bestätigte 1257 dem Kloster die Zollfreiheit im Hafen von Monheim am Rhein. Der Hafen war nicht nur wichtig wegen des Materialtransports für den Bau und die Erweiterung der Kirche. Das Mutterkloster lag rheinaufwärts in Vilich. Dort in der Nähe in Mondorf und weiter flussaufwärts in Erpel hatte das Kloster Gräfrath eigene Besitzungen. Außerdem hatte Erzbischof Engelbert von Berg dem Kloster zum Gedächtnis an seinen Bruder Graf Adolf III., der 1218 auf dem Kreuzzug in Ägypten fiel, rheinabwärts den Ehinger Hof in Mündelheim geschenkt. Graf Adolf V., Sieger in der Schlacht von Worringen, wurde 1296 in der Klosterkirche beigesetzt. Seine Frau Elisabeth von Geldern wurde Nonne in Gräfrath und nach ihrem Tod 1313 an der Seite ihres Gatten beigesetzt. Zum Gedenken an Graf Adolf V. erteilte sein Bruder und Nachfolger Wilhelm I. dem Kloster 1298 das einträgliche Privileg, dass in Gräfrath nur im Weinhaus des Klosters Wein verkauft werden durfte. Außerdem gab er dem Kloster 1301 eine weitgehende Steuerbefreiung, durch die das Kloster für allen Gutsbesitz in der Grafschaft Berg keine Herbstbede mehr zahlen musste. Die Größe des Klosterbesitzes in Gräfrath lässt sich allein aus der Strecke des Prozessionsweges ermessen. Er führte vom Kloster über die Station an der Itterquelle Heiliger Born zur Grenze der Klosterflur bei Kluse im heutigen Wuppertal-Vohwinkel und zurück über den Ort des später von den Preußen im Klosterbusch angelegten Exerzierplatzes zum Kloster. Im 15. Jahrhundert war das Kloster mit fast 1.000 Morgen der größte Grundbesitzer im Stadtgebiet Solingen.
Reliquie der Heiligen Katharina mini|hochkant=0.5|Caravaggio: Heilige Katharina von Alexandrien (1595–1596) Der Legende nach gelangte 1309 als Reliquie ein Knochensplitter der Heiligen Katharina in das Kloster. Ein Ordensritter, ein Graf von Hückeswagen, hatte ihn als Geschenk für seine Schwester, die Nonne in Gräfrath war, vom Berg Sinai geholt. Bei der Rückreise über das Mittelmeer geriet sein Schiff in einen schweren Sturm. Das Kästchen mit der Reliquie ging über Bord. Dieses Kästchen hätte dann ein Engel seiner Schwester in Gräfrath übergeben. Belegt ist, dass die Mutter des Grafen Adolf V. und Regentin der ehemaligen Grafschaft Hückeswagen, Margarete von Hochstaden, dem Kloster 1312 ein Glasgefäß mit Öl von der Gebeinen der Heiligen Katharina schenkte. Da zum Kloster wallfahrende Pilger bezeugten, dass aus dem Knochenteil Öl, Milch, Honig, Wasser und Blut geflossen seien, kamen immer mehr Pilger nach Gräfrath, um das Wunder zu sehen. Nachdem die Nonne Katharina von Hückeswagen 1323 gestorben war, gab es keine Wunder mehr, allerdings wurde die Katharinenreliquie noch bis ins 15. Jahrhundert verehrt.Kirchenschatz bei Deutsches Klingenmuseum Solingen, abgerufen am 19. Januar 2024 Spätestens 1346 hatte sich eine Katharinen-Bruderschaft gebildet. Ihr gehörten u. a. an: König Johann von Böhmen, ein Graf von Sayn, Graf Wilhelm von Jülich und sein jüngerer Bruder Walram, Erzbischof von Köln. 1354 wurde der Katharinenaltar erstmals erwähnt. Wahrscheinlich auch im 14. Jahrhundert wurde die St. Katharinen-Kapelle in der Klosterkirche errichtet. Kapelle und Altar überstanden den Brand von 1686, wurden aber dann beim zweiten Brand 1717 vernichtet. Die Grenzsteine, mit denen das Kloster seinen Grundbesitz markierte, trugen als Zeichen das Katharinenrad. 1817 wurde der Kirchenchor St. Katharina der katholischen Pfarrgemeinde in Gräfrath gegründet. Er ist inzwischen der älteste Kirchenchor in Solingen.Kirchenchor St. Katharina bei Katholische Pfarrgemeinde St. Mariä Himmelfahrt, Solingen-Gräfrath, abgerufen am 6. September 2015
Reformation Trotz ihrer Verbundenheit zur katholischen Kirche strebten die bergischen Herzöge das landesherrliche Kirchenregiment an. So wurde 1471 beim Kölner Erzbischof eine Visitation des Gräfrather Klosters veranlasst. Als Ergebnis wurden die Nonnen den strengen Regeln der Bursfelder Reform der Benediktinerklöster unterworfen. Die Reformation brachte dann weitere Veränderungen für das Kloster. Es wurde Anfang des 17. Jahrhunderts in ein adliges Frauenstift (Augustiner-Chorfrauen) umgewandelt. Die Verwaltung des Stifts übernahm ein Laie. Am 10. Juli 1610 wurde das Siegel der Äbtissin erneuert. 1614 erwarb die Äbtissin Maria Magdalena von Hochstaden in Köln ein Grundstück unweit der Kirche St. Kunibert. Der Grieffrader Hoff war das Zwischenlager der landwirtschaftlichen Produkte der Klostergüter für den Kölner Markt sowie auch die Unterkunft für Gräfrather Stiftsdamen auf Besuch in Köln. Der Klosterbezirk in Gräfrath wurde derweil zu einer katholischen Enklave.Lutz Peters: Gräfrath - wie es früher war, Wartberg Verlag, Gudensberg-Gleichen, 1. Aufl. 2001, ISBN 3-8313-1162-5 Pastor Harspelt, Vikar des St. Georgs-Altar in der Klosterkirche sorgte für Belebung in der kleinen katholischen Gemeinde, als er in Erinnerung an die mittelalterliche Katharinen-Bruderschaft die Bruderschaft zu Ehren der hl. Jungfrau und Märtyrin Catharina gründete und dafür 1725 die Zustimmung von Papst Benedikt XIII. erhielt. Die Äbtissin Wilhelma Katharina von Landsberg gründete am 11. März 1734 eine katholische Schule im Kloster, Eine evangelische Schule in Gräfrath wird allerdings bereits 1612 erwähnt.
Brände und Kriegslasten links|mini|Klostergebäude und Stiftskirche liegen oberhalb des Ortes Als am 27. Dezember 1686 Gräfrath abbrannte, blieb vom Kloster nur der Turm der Klosterkirche mit der Katharinen-Kapelle erhalten. Als Hilfe für den Wiederaufbau erließ Herzog Johann Wilhelm II. dem Kloster für fünf Jahre alle Real- und Personallasten. Aufgrund seiner Einkünfte außerhalb Gräfraths konnte das Kloster den Bürgern mit Geldausleihen beim Wiederaufbau ihrer Häuser helfen. 1717 stand nach Blitzschlag das 1704 im Barockstil wiederaufgebaute Kloster wieder in Flammen. Diesmal wurde auch die Katharinen-Kapelle zerstört, während der Ort Gräfrath vom Funkenflug verschont blieb. Noch einmal musste das Kloster aufgebaut werden. Der Bau der Kirche war 1727 abgeschlossen, 1748 folgte ihre barocke Innenausstattung.Informationstafel an der Kirche Im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) musste sich das Kloster an den Kontributionen für die durchziehenden französischen und preußischen Truppen beteiligen.Heinz Rosenthal: Solingen. Geschichte einer Stadt, Band 2, Walter Braun Verlag. Duisburg 1972, ISBN 3-87096-103-1. 1796 im Ersten Koalitionskrieg, als französische Truppen sich einquartiert hatten, musste das Kloster wieder zur Kontribution beitragen. Schon 1794 hatte es als Gäste die Äbtissin und die Nonnen des Klosters Milen nahe dem belgischen St. Trond aufgenommen, als diese durch französische Truppen vertrieben worden waren. Nach der Säkularisation 1803 Die letzte Äbtissin Sophia von Poseck ließ kurz vor der Auflösung des Klosters noch die Klosterkirche verputzen. Der Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 mit der Säkularisation kirchlichen Eigentums verhinderte dann, dass das Klostergebäude instand gesetzt wurde. Aus den jährlichen Gesamteinkünften des Klosters von 8.000 Reichstalern wurden u. a. die Ruhegehälter der letzten zehn Stiftsdamen und einer Laienschwester bezahlt. Der daraus ebenfalls bezahlte katholische Pfarrer musste in das Klostergebäude ziehen. Die Bandesmühle als größte der Klostermühlen wurde bereits versteigert unter dem Kurfürsten von Pfalz-Bayern Maximilian I. Joseph, der bis 1806 auch Herzog von Berg war. Die Bandesmühle existierte nachweisbar schon 1492 Bandesmühle (Itter) auf zeitspurensuche.de, abgerufen am 6. September 2015, während das Alter der beiden anderen Klostermühlen nur vage bestimmt ist.Klostermühlen in Gräfrath auf zeitspurensuche.de, abgerufen am 6. September 2015 Während des Intermezzos des napoleonischen Großherzogtum Berg von 1806 bis 1813 wurden für die Rechtsnachfolge-Organisationen alle ehemaligen Klosterprivilegien, wie z. B. das ausschließliche Weinzapfrecht in Gräfrath, gestrichen. Im Juli 1818 nahm sich die Domänenverwaltung der preußischen Provinz Jülich-Kleve-Berg des Verkaufs des Klosterhofs und anderer ehemals klösterlicher Güter an. Mangels Erfolg der Verkaufaktion wurden im Sommer 1822 nach Bildung der preußischen Rheinprovinz die Güter von der Domänenverwaltung neu eingeteilt und wieder zum Verkauf angeboten. links|mini|hochkant=0.5|Kirchtreppe zur Klosterkirche