Andreas „Andy“ Kaltenbrunner (* 25. Mai 1962) ist ein österreichischer Journalist, Politikwissenschaftler, Medienforscher und -entwickler. Er war 2005 Mitgründer des Medienhauses Wien und lehrt an mehreren europäischen Universitäten und Hochschulen. Seit 2016 leitet er das Grundlagenforschungsprojekt „Journalism in Transition“ an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Zentrale Ergebnisse wurden 2020 in der nationalen Gesamterhebung „Der österreichische Journalismus-Report“ publiziert.

Biografie Von 1981 bis 1989 war Kaltenbrunner Redakteur der Wiener Tageszeitung Arbeiter-Zeitung, die ab Mitte Oktober 1985 unter dem Titel Neue AZ im Kleinformat herausgegeben wurde. 1982 erhielt er den österreichischen Staatspreis für Journalismus des Unterrichts- und 1985 den Journalismus-Staatspreis des Familienministeriums. Er wurde 1990 Politikredakteur und -ressortleiter des Wiener Nachrichtenmagazins profil und Gründer und Leiter der neuen Onlinedienste der trend/profil/Orac-Magazingruppe. Parallel war er Chefredakteur für die profil extra-Hefte.

1996 gründete er den Redaktionslehrgang Magazinjournalismus von trend und profil gemeinsam mit Hubertus Czernin sowie Thomas A. Bauer vom Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien. Der Lehrgang wurde als dreijähriges Ausbildungsprojekt durchgeführt. Absolventen sind u. a. die Journalisten Florian Klenk, Barbara Tóth, Tanja Paar, Robert Treichler, Peter Schneeberger, Adelheid Wölfl, Gernot Bauer, Stephan Scoppetta und Mia Eidlhuber, der Politikberater Thomas Hofer, der Verhaltensökonom Gerhard Fehr und der US-Filmproduzent Joe Neurauter.

Seit 2000 betreibt Kaltenbrunner ein Medienberatungsbüro in Wien, das in Deutschland, Spanien und Österreich crossmediale Projekte und Strategien für mehrmediale Newsrooms entwickelt und Digitalisierungsprozesse von Medienhäusern begleitet. 2004 bis 2021 machte er gemeinsam mit Partnern die Ausgaben 1945–1989 der 1991 eingestellten Arbeiter-Zeitung gratis online zugänglich (siehe unten).Vormalige Archiv-Website www.arbeiter-zeitung.at. 2005 gründete er gemeinsam mit Astrid Zimmermann, Daniela Kraus, Matthias Karmasin und Alfred J. Noll die Medienhaus Wien – Forschung und Weiterbildung GmbH,Medienhaus Wien – Forschung und Weiterbildung GmbH (FN 260280s). Firmenbuchdaten im Elektronischen Verlautbarungs- und Informationsplattform des Bundes (EVI), abgerufen am 18. April 2026; hier unter Personen: . wobei er laut Firmenbuch erst seit Juli 2011 anstelle von Daniela Kraus als Gesellschafter und Geschäftsführer fungiert.FN 260280s Medienhaus Wien – Forschung und Weiterbildung GmbH. Eingetragen im Firmenbuch am Handelsgericht Wien am 30. Juli 2011. In: Elektronische Verlautbarungs- und Informationsplattform des Bundes (EVI). Ursprüngliche Veröffentlichung im Amtsblatt zur Wiener Zeitung, Ausgabe Nr. 181 vom 16. September 2011. Kaltenbrunner übernahm von Daniela Kraus eine einbezahlte Einlage in Höhe 19.250 und die Geschäftsführung; er vertritt seit 25. Juli. Das Medienhaus dient der medienwissenschaftlichen Grundlagenforschung, praxisbezogenen Journalismusforschung und Entwicklung von Aus- und Weiterbildungsangeboten im Medienbereich. In der Forschungs- und Publikationsreihe Journalisten-Report des Medienhauses Wien werden seit 2007 Eckdaten und Trends zur Entwicklung des Journalismus in Österreich durch Befragungen erhoben und analysiert.

2001 wurde mit der Präsentation des Begleitbuchs Beruf ohne (Aus-)Bildung. Anleitungen zum Journalismus eine breite Debatte über Professionalisierung der Journalistenausbildung eröffnet. Kaltenbrunner initiierte den ersten Fachhochschul-Studiengang für Journalismus und Medienmanagement in Wien und leitete das Entwicklungsteam an der FHWien bis zum Start 2003. Kaltenbrunner lehrte unter anderem auch an der Akademie für Publizistik in Hamburg, dem Poynter Institute in den USA, an der Universität Wien und der Universität Klagenfurt, er ist Honorarprofessor der Universität Miguel Hernández Elche in Valencia, Gastprofessor der Sommerhochschule der Universität Wien für European Studies und war Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der Österreichischen Zeitschrift für Politikwissenschaft.

Kaltenbrunner war Leiter des Entwicklungsteams für den FH-Studiengang Film-, TV- und Medienproduktionhttps://www.fh-vie.ac.at/Studium/Bachelor/Film-TV-und-Medienproduktion an der Fachhochschule des BFI Wien, wo er seit 2011 lehrt und 2023 zum Ehrensenator der Hochschule ernannt wurde. Er war außerdem 2011 bis 2016 Programmdirektor des Executive-Master-Studiengangs International Media Innovation Management (imim) an der Deutschen Universität für Weiterbildung (DUW) - Steinbeis Hochschule in Berlin. Seit 2016 leitet er auch den Zertifikatslehrgang Digitaljournalismus und die Masterclass Journalistische Innovation an der Wiener Journalismus-Akademie FJUM - Forum Journalismus und Medien.

Digitale Medienarchive Im Jahr 2004 entwickelte die Kaltenbrunner Medienberatung ein Archiv der Arbeiter-Zeitung im Internet als erstes kostenloses Archiv mit allen Ausgaben einer deutschsprachigen Tageszeitung nach 1945 im World Wide Web. Ein weiteres offenes Printmedienarchiv im Web wurde mit der Digitalisierung des regionalen Wochenblattes Burgenländische Freiheit (BF)Burgenländische Freiheit (BF) realisiert, mit Volltextsuche in allen Ausgaben von 1922 bis 2007.

Forschungsschwerpunkte Journalismus in Österreich 2006–2008 wurde die Studie Journalismus in Österreich – analog zur Studie Journalismus in Deutschland von Siegfried Weischenberg, Armin Scholl und Maja Malik – durchgeführt. Sie stellte zentrale Daten über Merkmale und Einstellungen österreichischer Journalisten bereit. 2013 erschien in der Reihe ein Band, der Medienmanagement in Österreich und dessen Selbstverständnis analysierte.Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Daniela Kraus, Astrid Zimmermann: Der Journalisten-Report. Österreichs Medien und ihre Macher. Facultas Verlag, Wien 2007; 2. Band: Der Journalisten Report II. Österreichs Medienmacher und ihre Motive. Wien 2008 2017 erschien der englischsprachige Journalism Report V: Innovation and Transition anlässlich des Jahrestreffens des Global Editor Networks (GEN) in Wien. Bis Ende 2019 wurde im Rahmen des Projektes „Journalism in Transition“ am Institut für vergleichende Medien- und Kommunikationsforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Alpen Adria Universität unter Leitung von Andy Kaltenbrunner und Matthias Karmasin eine neue Gesamterhebung zu Journalismus in Österreich durchgeführt. 2020 erschien „Der Österreichische Journalismus-Report“ neu auf Basis Zehntausender soziodemografischer Daten und von 501 Interviews mit österreichischen Journalisten und Journalistinnen - und stellte unter anderem einen Rückgang der journalistischen Arbeitsplätze in Österreich ab 2006 um 25 Prozent fest.

Medienkonvergenz und Digitalisierung Der Forschungsschwerpunkt Medienkonvergenz fokussiert auf die Veränderung journalistischer Berufsbilder und Arbeitsweisen im europäischen Vergleich. Kooperationspartner sind Klaus Meier (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) und José Garcia Avilés Universidad Miguel Hernández Elche. Sie gründeten gemeinsam mit Kaltenbrunner das internationale Netzwerk zur Journalismus-Innovationsforschung Innovamedia.Net. 2017 wurden vom Team von Medienhaus Wien die digitalen Integrationsstrategien aller österreichischen Tageszeitungen untersucht. Von 2021 bis 2024 waren die Universitäten in Elche, Eichstätt und Medienhaus Wien gemeinsam mit der Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften und der Universita della Svizzera Italiana die Träger des internationalen Forschungsprojektes „Journalism Innovation in Democratic Societies“. In hundert Case-Studies wurden dabei erfolgreiche journalistische Innovationsprojekte untersucht.

Medienselbstregulierung Seit 2005 werden Forschungs- und Transferprojekte zum Thema Medienselbstregulierung durchgeführt, die internationale Vergleichsdaten und Analysen zur Wiedereinrichtung eines neuen Medienselbstkontrollorgans in Österreich (nach Auflösung des Österreichischen Presserates) lieferten und wissenschaftliche Grundlage für dessen Neugründung im Jahr 2010 waren.Gottwald, Franzisca/Kaltenbrunner, Andy/Karmasin, Matthias (2006): Medienselbstregulierung zwischen Ökonomie und Ethik. Erfolgsfaktoren für ein österreichisches Modell. Lit Verlag. Wien Kaltenbrunner arbeitete im EU-Forschungsprojekt MediaAct mit, das sich mit Medienselbstkontrolle und Medientransparenz beschäftigt.

Recherche und neue Medien Durch die neuen Medien, insbesondere durch die Wikipedia, haben sich die Recherchetechniken der Journalisten stark geändert. Die Rolle der Wikipedia bei der Recherche wird von Kaltenbrunner dabei hinterfragt.OE1 (ORF):

Journalismusförderung in Österreich

Kaltenbrunner ist Leiter der Studie Journalismusförderung in Österreich, die als Grundlage und wissenschaftliche Basis für die Neuordnung der Medienförderung in Österreich gilt.

Publikationen Scheinbar transparent. Inserate und Presseförderung der österreichischen Bundesregierung. Delta X Verlag, Wien 2021. mit Renée Lugschitz, Matthias Karmasin, Sonja Luef, Daniela Kraus (Hrsg.): Der österreichische Journalismus-Report. Eine empirische Erhebung und eine repräsentative Befragung. Facultas, Wien 2020. mit Matthias Karmasin, Daniela Kraus (Hrsg.): Journalism Report V: Innovation and Transition. Facultas, Wien 2017 (englisch). Medienmanagement und Innovation. In: Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Daniela Kraus (Hrsg.): Der Journalisten-Report IV. Medienmanagement in Österreich. Facultas, Wien 2013, S. 53–75. mit Matthias Karmasin, Daniela Kraus, Klaus Bichler: Austria: A Border-Crosser. In: Tobias Eberwein, Susanne Fengler, Epp Lauk, Tanja Leppik-Bork (Hrsg.): Mapping Media Accountability – in Europe and Beyond. Halem, Köln 2011, S. 22–36 (englisch). mit José-Alberto García-Avilés, José-Luis González-Esteban, Matthias Karmasin: Self-regulation and the new challenges in journalism: Comparative study across European countries. In: Revista Latina de communication social, Nr. 66, 2011 (englisch). mit Matthias Karmasin, Daniela Kraus (Hrsg.): Der Journalisten Report III. Politikjournalismus in Österreich. Facultas, Wien 2010. Was bin ich? Leitmotive und Leitmedien im Politikjournalismus. In: Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Daniela Kraus (Hrsg.): Der Journalisten Report III. Politikjournalismus in Österreich. Facultas, Wien 2010, S. 109–134. mit Emmerich Tálos (2010): Wikipedia als Wegweiser. In: Andy Kaltenbrunner, Matthias Karmasin, Daniela Kraus (Hrsg.): Der Journalisten Report III. Politikjournalismus in Österreich. Facultas, Wien 2010, S. 87–108. mit Miguel Carvajal, José García-Avilés, Klaus Meier, Daniela Kraus: Newsroom Integration in Austria, Spain and Germany: Models of Media Convergence. In: Journalism Practice, 3/2009. mit Matthias Karmasin, Daniela Kraus, Astrid Zimmermann (Hrsg.): Der Journalisten Report II. Österreichs Medienmacher und ihre Motive. Facultas, Wien 2008. mit Matthias Karmasin, Daniela Kraus, Astrid Zimmermann (Hrsg.): Der Journalisten-Report. Österreichs Medien und ihre Macher. Facultas, Wien 2007. mit Franzisca Gottwald, Matthias Karmasin: Medienselbstregulierung zwischen Ökonomie und Ethik. Erfolgsfaktoren für ein österreichisches Modell. Lit, Wien 2006. Medienpolitik. In: Emmerich Tálos: Schwarz-Blau. Ein Bilanz des „Neu-Regierens“. Lit, Wien 2006. als Hrsg.: Beruf ohne (Aus-)Bildung. Anleitungen zum Journalismus. Czernin, Wien 2001.

Weblinks

Andy Kaltenbrunner auf der Website des Medienhaus Wien Andy Kaltenbrunner auf der Website des Delta X Verlages

Einzelnachweise

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