mini|hochkant|Anton Fahne, gezeichnet von Ernst Fröhlich mini|hochkant|Anton Fahne, Stahlstich von Tamme Weyert Theodor Janssen Johann Anton Georg Fahne (* 28. Februar 1805 in Münster; † 12. Januar 1883 auf der Fahnenburg in Rath, Landkreis Düsseldorf) war ein deutscher Jurist, der sich auch als Historiker, Genealoge, Schriftsteller, Kunstkritiker und Kunstsammler betätigte. Seine Werke zeugen von lokalpatriotischer Gesinnung und positivistischer Geschichtsauffassung und trugen ihm neben Kritik auch Ehrenmitgliedschaften in Vereinen und gelehrten Gesellschaften ein. Heinrich von Treitschke nannte ihn einen „verdienten Geschichtsforscher“. Nach heutigen Erkenntnissen muss sich Fahne den Vorwurf teilweise verfälschter Darstellungen gefallen lassen. Trotzdem wurden auch solche seiner genealogisch-historischen Ausarbeitungen, die im Ruf stehen, mit Fälschungen und Fehlern behaftet zu sein, noch in jüngerer Zeit kritiklos zitiert.

Biografie mini|hochkant|Porträt eines Herrn in Landschaft (im Hintergrund ist Haus Roland dargestellt, im Vordergrund wahrscheinlich Anton Fahne), Gemälde von Josef Winkelirer, 1836

Anton Fahne, Sohn des Schuhmachers Wilhelm Fahne und dessen Ehefrau Karoline Schreiber,Heiratsurkunde 26/1835 im Heiratsregister der Samtgemeinde Eckamp bei Düsseldorf wurde am 1. März 1805 in St. Ludgeri in Münster katholisch getauft. Er besuchte dort das Gymnasium Paulinum. Anschließend begann er zunächst eine kaufmännische Ausbildung, wechselte aber bald zum Medizinstudium an die Universität Bonn. Dort wechselte er nach zwei Jahren erneut, zur philosophischen Fakultät, und hörte philosophische, kirchengeschichtliche und dogmatische Vorträge, letztere bei Georg Hermes. Bis Ende 1828 studierte er in Bonn und an der Universität zu Berlin Jura und Geschichte und hörte bei Ferdinand Walter, Ferdinand Mackeldey und Barthold Georg Niebuhr. Auch Heinrich Wilhelm Grauert war in dieser Zeit sein Lehrer. Seine Vorliebe für Geschichte, die er schon in seiner Jugend entwickelt hatte, bestärkte Karl Dietrich Hüllmann. Fahnes Interesse für Kunst und Antike soll durch den Philosophie-Professor Christian Kapp gefördert worden sein, den er bei einem Aufenthalt im Haardter Schloss kennengelernt hatte. Nach Aufenthalten in Würzburg, Bamberg, Prag und Dresden ging er zur Universität in Berlin, um sich weiterhin dem Jurastudium zu widmen. Dabei waren Friedrich Carl von Savigny, Carl Ernst Jarcke und vor allem Eduard Gans seine wichtigsten Lehrer. Im Herbst 1829 kehrte Fahne nach Münster zurück und machte sein Examen als Auscultator. Während einer Reise nach Südfrankreich 1831, bei der er auch das Seebad Cette besuchte, entstand sein erstes literarisches Werk Bilder aus Südfrankreich. Nach erfolgreich absolviertem Referendarexamen und einer Reise in die Schweiz wurde er in Ehrenbreitstein beim Justizsenat beschäftigt.

1834 wurde Fahne auf eigenen Wunsch nach Düsseldorf versetzt. Dort heiratete er am 18. September 1835 Julie Stommel (* 18. März 1813 in Düsseldorf), einzige Tochter und zweites von drei Kindern des Aachener Friedensrichters Johann Peter Stommel (1771–1849) und dessen Ehefrau Friederike, geborene Bleicher (1780–1838Grabsteine Nordfriedhof Düsseldorf, Webseite im Portal genealogy.net, abgerufen am 17. Dezember 2025). Durch den Grundbesitz von Haus Roland, der ihm als Ehegatte 1843 von seinem Schwiegervater überschrieben wurde, erlangte Fahne eine besondere gesellschaftliche Stellung, die er durch einen bildungs- und großbürgerlichen Habitus zu unterstreichen suchte. Am 27. März 1836 wurde die Tochter Emma Fahne († 1905) zu Roland geboren.Stommel, Stammtafel 2

Im Januar 1836 begann er eine Tätigkeit als Richter des Friedensgerichts in Jülich. 1838 wechselte er in gleicher Stellung nach Bensberg. 1842 nahm Fahne auf unbestimmte Zeit Urlaub, „um verwickelte Familienverhältnisse zu regeln und die begonnenen literarischen Unternehmungen besser fördern zu können.“ Seitdem widmete er sich in der Hauptsache nur noch seinen genealogischen, historischen und lokalen Interessen. Zusammen mit dem Dichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben und dem Unternehmer Friedrich Ludwig Tenge reiste er 1844 nach Italien,Erika Poettgens: Hoffmann von Fallersleben und die Lande niederländischer Zunge. Briefwechsel, Beziehungsgeflechte, Bildlichkeit (= Studien zur Geschichte und Kultur Nordwesteuropas, Band 25). Waxmann, Münster 2014, ISBN 978-3-8309-3095-2, S. 238 (Google Books) wo er im Frühherbst einige Tage in Rom weilte.Friedrich Noack: Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1927, Band 2, S. 168

Neben Kritik und Anfeindung, die ihm für seine Arbeit schon zu Lebzeiten widerfuhren, zollten ihm zahlreiche gelehrte Gesellschaften große Anerkennung. So nahm ihn der von Paul Wigand angeführte Wetzlarische Verein für Geschichte und Altertumskunde am 4. Mai 1845 zum Ehrenmitglied auf. Weitere Ehrenmitgliedschaften verliehen ihm die Akademie Gent am 4. Januar 1847, der Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens am 30. März 1853, die Societé historique et archaeologique in Maastricht am 1. Dezember 1853, ferner die Maatschappij der Nederlandse Letterkunde zu Leiden, der Bergische Geschichtsverein in Elberfeld am 22. November 1866, im gleichen Jahr außerdem die Societé pour la récherche et la conservation des monuments historiques dans le grand Duché de Luxembourg, schließlich am 13. November 1871 auch der heraldische Verein Herold in Berlin.

Die mitunter anzutreffende Behauptung, Anton Fahne sei mit Friedrich von Uechtritz identisch, geht auf eine Verwechslung eines Korrespondenten der Zeitung für die elegante Welt zurück, der Uechtritz irrtümlich die Verfasserschaft für Fahnes erste Veröffentlichung über die Düsseldorfer Malerschule und Carl Friedrich Lessing zuschrieb.Notizen. Lessing, der Maler. In: Zeitung für die elegante Welt Nr. 197, 8. Oktober 1838, S. 788 (Web-Ressource).

Fahne und die Düsseldorfer Künstlerszene mini|Haus Roland, auch Schloss Roland (Am Backesberg 2, Düsseldorf-Rath) mini|Fahnenburg, Bauzustand von 1846/49 mini|Fahnenburg in ihrer späteren Bauausführung mini|Fahnenburg von Südwest gesehen, um 1873

1835 bis 1841 lebte Fahne zeitweise, ab 1842 bis 1858 ständig auf Haus Roland, das bis 1843 Eigentum seines Schwiegervaters war. Wohl durch Großzügigkeit und Kunstsinn seiner Bewohner und nicht zuletzt aufgrund seiner reizvollen Lage in der Nähe der „Grafenberge“, die einer der bevorzugten Ausflugsziele der Düsseldorfer Künstlerschaft waren, entwickelte sich Haus Roland zu einem beliebten Künstlertreff. Von den mit der Familie befreundeten Düsseldorfer Malern Josef Winkelirer und Johann Wilhelm Preyer erhielt Julie Stommel Malunterricht, dessen Ergebnisse in einem Kabinett von Haus Roland ausgestellt waren.Anton Fahne: Schloss Roland, seine Bilder-Gallerie und Kunstschätze. J. M. Heberle, Köln/Bonn 1853, S. 29, Nr. 141–143 (Digitalisat) Durch seine Künstlerfreundschaften wurde Fahne Mitglied des 1848 gegründeten Künstlervereins Malkasten, dem er bis zu seinem Tode angehörte.

Der Malerei war er auch durch eine umfangreiche Kunstsammlung verbunden, die sich auf die ererbte Gemäldegalerie von Haus Roland gründete. Er katalogisierte und erweiterte sie um zeitgenössische Kunst. Sie stellte die wohl umfangreichste und bedeutendste Privatsammlung im Raum Düsseldorf dar. Bereits im Jahr 1853 listete der Sammlungskatalog rund 250 Gemälde auf. Nach Übersiedlung von Haus Roland auf die Fahnenburg umfasste die neue Katalogisierung im Jahr 1873 395 Objekte von alten und neuen Meistern, insbesondere auch von Düsseldorfer Malern des 19. Jahrhunderts. Zu Lebzeiten hatte Fahne die Absicht, seine Sammlung einem städtischen Museum Düsseldorfs zukommen zu lassen, jedoch wurde dieser Wunsch aus verschiedenen Gründen nicht verwirklicht.Max Stern: Vorwort. In: Julius-Stern-Kunst-Auktionshaus (Hrsg.): Gemälde alter und neuer Meister: Sammlung des Historikers A. Fahne, Jagdschloss Fahnenburg und deutscher Museums- und Privatbesitz. 3. Dezember 1932 (Katalog Nr. 7). Düsseldorf 1932 (Digitalisat)

1837 veröffentlichte Fahne seine Schrift Die Düsseldorfer Maler-Schule in den Jahren 1834, 1835 und 1836. Damit knüpfte er an die zeitgenössische Kunstkritik an, die nach Veröffentlichungen von Romeo Maurenbrecher, August Hagen, Atanazy Raczyński, Friedrich von Uechtritz und Carl Gustav Carus damit begonnen hatte, die Kunst, die unter der Ägide des aus Berlin nach Düsseldorf berufenen Wilhelm Schadow an der Kunstakademie Düsseldorf entstand, als „Düsseldorfer Schule“ zu würdigen. Fahne selbst verwendete in seiner Abhandlung wohl als erster den Begriff „Düsseldorfer Maler-Schule“. Ihren Erfolg setzte er ausdrücklich zu der Gründung des Kunstvereins für die Rheinlande und Westfalen in Beziehung. Eine besondere wirtschaftliche Bedeutung hatte dieser Kunstverein für die aufstrebenden Künstler durch seine Kunstankäufe. Fahnes Schrift geriet zum Eklat, weil er – für sich selbst in Anspruch nehmend, die öffentliche Meinung zu vertreten – in ihr kritisiert hatte, dass Kunstakademie und Kunstverein in neuerer Zeit die „Ostländer Maler“ – damit meinte Fahne die Maler, die aus den ostelbischen Teilen Preußens gekommen waren – sowie die ausländischen (d. h. nicht-preußischen Maler) bevorzugt behandele, beziehungsweise die aus dem Rheinland und aus Westfalen benachteilige. Dieser Vorwurf bezog sich primär auf die Ankaufentscheidungen und die dabei gewählten Ankaufsummen des Kunstvereins und fiel in eine Situation wachsender Spannungen innerhalb der Düsseldorfer Akademie, in der Kritik an Schadows Leitung und Lehre deutlicher wurde und einige rheinische und westfälische Schüler abwanderten, darunter Andreas Achenbach, Heinrich Funk, Johann Peter Hasenclever, Eduard Wilhelm Pose und Heinrich Rustige sowie Gustav und Johann Wilhelm Preyer. Zu den Spannungen zählte auch der Fall des von Schadow gemaßregelten und beurlaubten Akademie-Lehrers Heinrich Christoph Kolbe. Außerdem spielte die Bevorzugung der Historienmalerei im Verhältnis zu den als profan angesehenen anderen Gattungen der Malerei nach der von Schadow und seinem Kreis vertretenen Genrehierarchie eine gewisse Rolle. Die rheinisch-westfälische Unzufriedenheit aufs Korn nehmend hatte damals ein Witzbold im Düsseldorfer Fremdenblatt unter Nennung der Postanschrift der Kunstakademie eine Anzeige geschaltet, die lautete: „Es sind wieder neue Berliner Pinsel angekommen, Vertreiber genannt, welche in allen Sorten vorrätig sind, Burgplatz 283.“Wolfgang Hütt: Die Düsseldorfer Malerschule. 1819–1869. VEB E. A. Seemann Buch- und Kunstverlag, Leipzig 1984, S. 58

Eine Gegendarstellung des Düsseldorfer Regierungssekretärs und Schriftstellers Johann Josef Scottis, der in Fahnes Schrift angegriffen worden war, ließ nicht lange auf sich warten.Johann Josef Scotti: Die Düsseldorfer Maler-Schule, oder auch Kunst-Akademie. Schreiner, Düsseldorf 1837 (Digitalisat) Aber auch der Kunstverein und die Kunstakademie sahen sich genötigt, Gegendarstellungen in der lokalen Presse zu veröffentlichen und – wie Scotti – anhand von Zahlen und Fakten darzulegen, dass Fahne die Sachlage verzerre bzw. falsch darstelle. Nach Beurteilung des Kunsthistorikers Wolfgang Hütt waren Scottis Versuche, die von Fahne erhobenen Vorwürfe zu entkräften, „nicht nur schwach, sondern auch wirkungslos.“