Leszno (), deutsch Lissa, ist eine kreisfreie Stadt in der Woiwodschaft Großpolen in Polen. Sie ist Verwaltungssitz des Powiat Leszczyński, dem sie selbst nicht angehört.

Geographie Die Stadt liegt rund 70 Kilometer südwestlich von Posen und etwa 90 Kilometer nordwestlich von Breslau. mini|Lissa, südwestlich der Stadt Posen und nordöstlich der Stadt Glogau, auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

Geschichte mini|320px|Blick auf Leszno mini|Rathaus mini|Marktplatz mini|Heilig-Kreuz-Kirche mini|St.-Nikolaus-Kirche mini|St.-Johannes-Kirche mini|Ehemalige Synagoge mini|Evangelische Kapelle mini|Postamt alternativtext=Comenius-Str. in Leszno|mini|Comenius-Str. in der polnischen Schreibweise dieses Namens mini|Panzerzug während des Grenzschutzes 1919 im Bahnhof.

Mittelalter und Frühe Neuzeit Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1393 als Lesczno, entstanden ist die Siedlung vermutlich bereits im 13. Jahrhundert. Im 14. Jahrhundert war der Ort Sitz einer Pfarrei, und es bestand eine dem Heiligen Nikolaus geweihte Ziegelsteinkirche. Die Bevölkerung des Ortes kam, neben Einwohnern Großpolens, aus der Lausitz und Schlesien. 1516 zogen die ersten Böhmischen Brüder in den Ort. 1547 erhielt Leszno von König Sigismund I. dem Alten das Stadtrecht nach Magdeburger Recht verliehen. Ab 1565 begann die Dominanz der Böhmischen Brüder in der Stadt. Anfang des 16. Jahrhunderts hatte Leszno etwa 1500 Einwohner. Der Dreißigjährige Krieg brachte einen enormen Bevölkerungszuwachs. 1628 flüchtete ein weiterer Teil der in Böhmen und Mähren religiös verfolgten Böhmischen Brüder in die tolerantere Stadt, die fast nur von Evangelischen bewohnt war,Valentin Krasinski: Geschichte des Ursprungs, Fortschritt und Verfalls der Reformation in Polen und ihres Einflusses auf den politischen, sittlichen und literarischen Zustand des Landes. Leipzig 1841, S. 280. darunter auch Johann Amos Comenius, zuvor Prediger in Fulnek (Mähren). In Leszno arbeitete er an der schon seit 1555 bestehenden Lissaer Schule zunächst als Hilfslehrer und übernahm etwa 1636 das Rektorat des Gymnasiums (später Königliches Comenius-Gymnasium zu Lissa). Durch ein Privileg König Sigismunds III. Wasa wurde Leszno 1631 den größten Städten des Landes rechtlich gleichgestellt., abgerufen am 13. Februar 2013. alternativtext=Comenius-Denkmal|mini|Denkmal für Jan Amos Comenius in Leszno Leszno war in dieser Zeit eine der bedeutendsten Städte Großpolens. Wirtschaftlich waren unter anderem der Handel, die Tuchproduktion und das Müllereiwesen von Bedeutung. Auch intellektuell war Leszno von Bedeutung. So wirkten hier neben Amos Comenius auch der Kirchenlied-Dichter Johann Heermann, die Dichterin Anna Memorata und der Mathematiker Maciej Głoskowski.

1639 wurden die Befestigungsanlagen der Stadt erneuert. Unterbrochen wurde der wirtschaftliche Aufschwung der Stadt während des Zweiten Nordischen Kriegs, als sie vorübergehend von drei Schwadronen schwedischer Reiter besetzt war. Am 28. April 1656 wurde die fast nur von Protestanten und Böhmischen Brüdern bewohnte Stadt von einem von polnischen Edelleuten angeführten polnischen Heer belagert. Die schwedischen Besatzer wollten sich ergeben, doch Comenius forderte sie und die Bürgerschaft auf, sich mit allen Kräften gegen die Angreifer zur Wehr zu setzen. Zwar konnten die Angreifer zunächst zurückgeschlagen werden, doch am darauffolgenden Tag verließ die Verteidiger der Mut, und sie flohen, soweit möglich mit Hab und Gut, über die schützenden Grenze ins benachbarte Schlesien; auch die Schweden verließen die Stadt. Der nun weitgehend menschenleere Ort wurde zur Plünderung freigegeben und dann niedergebrannt. Viele Flüchtlinge wurden eingeholt und entweder ermordet oder grausam behandelt und ihrer Habe beraubt. Comenius’ Werk und Besitz gingen verloren. Nach dem Krieg wurde die Stadt wieder aufgebaut. Im Jahre 1707, während des Großen Nordischen Kriegs, wurde die Stadt von den Russen erneut niedergebrannt.Meyers Konversationslexikon, Lissa, Vierte Auflage, 1885–1892, 10. Band: Königshofen–Luzon, S. 828

Eigentümer der Stadt war jahrhundertelang das Adelsgeschlecht der Leszczyński, bevor Stanislaus I. Leszczyński sie 1738 an den polnischen Magnaten Aleksander Józef Sułkowski veräußerte. Dieser gestaltete das erworbene Renaissance-Schloss in seinem Sinne um, doch 1767 brannte das Schloss nieder. Wieder wurde es restauriert, bevor es 1842 als Gymnasium diente.

1793 kam Leszno infolge der Zweiten Teilung Polens unter preußische Herrschaft und wurde fortan als Lissa bezeichnet.

19., 20. und 21. Jahrhundert Nach dem Wiener Kongress gehörte Lissa zum preußischen Kreis Fraustadt in der Provinz Posen, Regierungsbezirk Posen. 1834 wurde die Ortschaft Pilzvorwerk (Grzybowo) in die Stadt Lissa eingegliedert. Während der polnischen Erhebung in der preußischen Provinz Posen im Frühjahr 1848 verlangte die Stadt, die Aufnahme in den Deutschen Bund durch Beiordnung zur angrenzenden Provinz Schlesien sicherzustellen.L. v. J.: Die polnische Insurrektion in Posen im Frühjahr 1848. Glogau 1849, S. 41.

1887 trat die Stadt dem neuen Kreis Lissa bei und wurde Kreissitz. Sie war auch Sitz des Distriktkommissars für den Polizeidistrikt Lissa. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Lissa drei evangelische Kirchen, eine katholische Kirche, eine Synagoge, ein Schloss mit Park, ein Gymnasium, ein katholisches Lehrerinnenseminar, eine Präparandenanstalt und war Sitz des Landgerichtes Lissa.

Einer der beiden deutschen Panzerzüge stand während des sogenannten Grenzschutzes nach dem Ersten Weltkrieg stets unter Dampf kampfbereit im heimischen Bahnhof. Am 17. Januar 1920 wurde die überwiegend deutsch besiedelte Stadt den Bestimmungen des Versailler Vertrags folgend an Polen abgetreten.

Nach dem Überfall auf Polen 1939 wurde die bis dahin polnische Stadt Leszno am 26. Oktober 1939 völkerrechtswidrig dem Deutschen Reich einverleibt und dem Reichsgau Wartheland zugeordnet; es erfolgte die vorläufige Umbenennung der Stadt Leszno in Lissa.Stadt Lissa (Wartheland), abgerufen am 4. Juni 2026. Am 21. Mai 1941 wurde die Stadt Lissa in Lissa (Wartheland) umbenannt. Die Stadt wurde Sitz des Landkreises Lissa (Wartheland). Am 26. Oktober 1941 wurde die Stadt der im Altreich gültigen Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 unterstellt. Am 1. April 1942 wurden in Lissa (Wartheland) die Nachbarorte Zaborowo, Gronowo (Grune) und Strzyżewice (Striesewitz) eingemeindet.

Ende Februar 1945 besetzte die Rote Armee die Region. In der Folgezeit wurde die deutsche Bevölkerung aus Lissa vertrieben. Viele Einwohner wurden von den Sowjets zur Zwangsarbeit unter anderem in den Uranbergbau verschleppt. Daran erinnert heute ein Denkmal. alternativtext=Erinnerung an Opfer des Stalinismus|mini|Denkmal für die mit Zwangsarbeit bestraften Soldaten der polnischen Heimatarmee

1975 wurde Leszno Sitz der Woiwodschaft Leszno. 1999 wurde ihr dieser Status aufgrund der polnischen Gebietsreform wieder genommen. Im Jahr 2000 erhielt Leszno den Preis The Golden Star of Town Twinning der Europäischen Kommission.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner Anmerkungen 1800 7200 davon 3082 JudenHeinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 354–360.1816 7985 1837 8667 1840 8719 davon 3415 Juden1843 8775 1858 10.026 1861 10.192 davon 960 der Militärbevölkerung angehörig1875 11.096 1880 11.785 1890 13.116 davon 7089 Evangelische, 4675 Katholiken und 1347 Juden (500 Polen) 1900 14.263 mit der Garnison (Feldartillerie-Regiment Nr. 56 und ein Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 50), davon 5535 Katholiken und 1163 JudenMeyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, 12. Band, Leipzig und Wien 1908, 5. 604–607. 1910 17.156 davon 9186 Evangelische, 7152 Katholiken und 804 Juden; 15 % Polen sowie 1280 MilitärpersonenLissa, Kreisstadt, Regierungsbezirk Posen, Provinz Posen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Lissa (meyersgaz.org). 2011 64.630 Główny Urząd Statystyczny, Ludność - struktura według ekonomicznych grup wieku Stand vom 31. März 2011, abgerufen am 11. Dezember 2025 2024 60.051 Główny Urząd Statystyczny, Powierzchnia i ludność w przekroju terytorialnym w 2024 roku, abgerufen am 27. März 2026

Stadtteile Name deutscher Name(1815–1919 und 1939–1945)Centrum StadtmitteGronowo GruneGrzybowo PilzvorwerkLeszczynko WolfsruhmNowe Miasto Antonshof1939–1945 AntonienhofPodwale ?Przylesie SchießwerderZaborowo Zaborowo1939–1945 DornfeldZatorze Feuersche Ziegelei

Politik Stadtpräsident An der Spitze der Stadtverwaltung steht der Stadtpräsident. Bis 2024 war dies Łukasz Borowiak, der für das Wahlkomitee „PL 18“ antritt und deshalb aus der PO ausgeschlossen wurde. auf www.szczot.info, abgerufen am 28. August 2020. Die turnusmäßige Wahl im April 2024 führte zu folgenden Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 27. Juni 2024. Grzegorz Rusiecki (Koalicja Obywatelska) 53,7 % der Stimmen Łukasz Borowiak (Wahlkomitee „PL 18 – Łukasz Borowiak“) 29,7 % der Stimmen Mariusz Nowacki (Prawo i Sprawiedliwość) 7,1 % der Stimmen Jarosław Zielonka (Wahlkomitee „Jarosław Zielonka Leszno 2050, Lewica Koalition für Leszno“) 6,5 % der Stimmen Übrige 3,0 % der Stimmen

Damit wurde Rusiecki bereits im ersten Wahlgang zum Nachfolger von Amtsinhaber Borowiak, der Platz zwei belegte, gewählt.

Die turnusmäßige Wahl im Oktober 2018 führte zu folgenden Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. August 2020. Łukasz Borowiak (Wahlkomitee „PL 18 – Łukasz Borowiak“) 53,5 % der Stimmen Grzegorz Rusiecki (Koalicja Obywatelska) 33,1 % der Stimmen Adam Kośmider (Prawo i Sprawiedliwość) 10,5 % der Stimmen Grażyna Banasik (Sojusz Lewicy Demokratycznej / Lewica Razem) 2,2 % der Stimmen Übrige 0,9 % der Stimmen

Damit wurde Borowiak bereits im ersten Wahlgang für eine weitere Amtszeit wiedergewählt.

Stadtrat Der Stadtrat umfasst 23 Mitglieder, die direkt gewählt werden. Die Wahl im April 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 27. Juni 2024. Koalicja Obywatelska (KO) 50,3 % der Stimmen, 14 Sitze Wahlkomitee „PL 18 – Łukasz Borowiak“ 19,3 % der Stimmen, 4 Sitze Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 16,7 % der Stimmen, 4 Sitze Wahlkomitee „Jarosław Zielonka Leszno 2050, Lewica Koalition für Leszno“ 10,5 % der Stimmen, 1 Sitz Übrige 3,2 % der Stimmen, kein Sitz

Die Wahl im Oktober 2018 führte zu folgendem Ergebnis:Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 28. August 2020. Koalicja Obywatelska (KO) 35,1 % der Stimmen, 9 Sitze Wahlkomitee „PL 18 – Łukasz Borowiak“ 34,5 % der Stimmen, 9 Sitze Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 19,5 % der Stimmen, 4 Sitze Sojusz Lewicy Demokratycznej (SLD) / Lewica Razem (Razem) 10,5 % der Stimmen, 1 Sitz Übrige 0,3 % der Stimmen, kein Sitz

Partnerstädte Lissa pflegt mit folgenden Städten Freund- und Partnerschaften:, Miasta-partnerskie (PL), abgerufen am 4. Juni 2026 mini|Die Partnerstädte Dunaújváros (Ungarn) Deurne (Niederlande) St. Pölten (Österreich) Suhl (Deutschland) Montluçon (Frankreich)

Verkehr Die Stadt bildet auf der Strecke Posen–Breslau einen bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt. Im Fernverkehrs- und Keilbahnhof Leszno kreuzt die Bahnstrecke Wrocław–Poznań die Bahnstrecke Łódź–Forst (Lausitz). Ebenso beginnt hier die Bahnstrecke Leszno–Zbąszyn und bis zur deutsch-polnischen Grenzziehung nach dem Ersten Weltkrieg endete die Guhrauer Kreisbahn in Lissa.

Der Stadt gehört der Flugplatz Leszno-Strzyżewice im Westen der Stadt.

Sehenswürdigkeiten Das barocke Rathaus wurde von 1707 bis 1708 von dem italienischen Architekten Pompeo Ferrari errichtet