Eine Besatzungszone ist ein von ausländischen Truppen besetztes Gebiet oder Bereich eines Staates, in dem eine fremde Staatsmacht als Besatzungsmacht die Hoheitsgewalt ausübt. Der Begriff bezieht sich in deutscher Sprache vor allem auf die Nachkriegszeit in Deutschland und in Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg.

Bereits nach dem Ersten Weltkrieg war das linksrheinische Rheinland einer anfangs kriegerischen, ab 1920 friedlichen Besetzung, die auf dem Versailler Vertrag und dem Rheinlandabkommen von 1919 (RGBl. 1919 S. 1336) beruhte, unterworfen und in vier Zonen aufgeteilt worden. Belgische, britische, US-amerikanische und französische Truppen hatten es zum Teil bis 1930 besetzt gehalten; zu einem Übergang der Gebietshoheit auf die Alliierten und Assoziierten Mächte kam es aber nicht und auch ihre Ausübung (Staatsgewalt) in den besetzten Rheinlanden lag grundsätzlich in deutschen Händen. In besetzten Teilen des Osmanischen Reichs bestanden arabische, britische und französische Occupied Enemy Territory Administrations zwischen 1918 und 1920.

mini|hochkant=2|Die drei Westmächte und die Sowjetunion teilten Deutschland und Österreich 1945 in Besatzungszonen auf. Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa (VE-Day). Nun übernahmen die vier Hauptsiegermächte Sowjetunion, USA und Großbritannien sowie Frankreich die Hoheitsgewalt über das Deutsche Reich, teilten sein Gebiet untereinander in Besatzungszonen auf oder gliederten es aus. Dazu wurden die deutschen Gebiete östlich der Oder-Neiße-Linie, abgesehen vom sowjetisch verwalteten Norden Ostpreußens, unter polnische Verwaltung gestellt. Es entstanden neue deutsche Staaten und die Zeit, in der die vier Mächte die wiedererrichtete Republik Österreich und Deutschland besetzt hielten, nennt man daher auch Besatzungszeit. Sie dauerte in Österreich von 1945 bis 1955. In Deutschland bezeichnet der Begriff meist nur die Zeit von 1945 bis 1949, also bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Gründung der DDR, obwohl die Besatzung auch in Westdeutschland erst 1955 mit dem Deutschlandvertrag beendet wurde.

Vorgeschichte mini|Deutschland nach dem zweiten Zonenabkommen 1944

Am 15. Januar 1944 hatte die Europäische Beratende Kommission (EAC) vorgeschlagen, nach Beendigung des Krieges das Deutsche Reich in seinen Grenzen vom 31. Dezember 1937 in Besatzungszonen aufzuteilen. Im sogenannten 1. Zonenprotokoll der EAC vom 12. September 1944 wurden für das Nachkriegsdeutschland die Grenzen zwischen der nordwestlichen, der südwestlichen sowie der östlichen Besatzungszone mit dem zu ihr gehörenden besonderen Gebiet Groß-Berlin in den Grenzen von 1920 geplant. Ostdeutschland und der nordöstliche Teil Berlins waren für die Besetzung durch die Sowjetunion vorgesehen.

Im ergänzenden, dem sogenannten 2. Zonenprotokoll für das Nachkriegsdeutschland vom 14. November 1944, ordnete die Kommission nun auch die beiden noch offenen Zonen zu: die nordwestliche für Großbritannien und die südwestliche für die Vereinigten Staaten. Außerdem plante die Kommission die britischen und amerikanischen Teile Groß-Berlins innerhalb des dafür vorgesehenen Sondergebietes der östlichen Zone. Es folgten erste Pläne für eine mögliche Regelung der gemeinsamen Nutzung der Häfen Bremens und Bremerhavens. Die Einrichtung einer französischen Zone war zu diesem Zeitpunkt noch nicht vorgesehen.

Noch anlässlich der Konferenz von Jalta im Februar 1945 weigerte sich Josef Stalin zunächst, den Franzosen eine eigene Besatzungszone zuzugestehen und sie an der Verwaltung über Deutschland mitwirken zu lassen, da Frankreich „wenig zu diesem Kriege beigetragen und dem Feind die Tore geöffnet [habe]“. Doch Winston Churchill wollte nach Abzug der USA – beabsichtigt war dies nach zwei Jahren – der kommunistischen Sowjetunion nicht allein gegenüberstehen. Schließlich lenkte Stalin ein und erklärte, „dass [er] keinen Einwand [mehr] dagegen [habe], dass ihm [Frankreich] eine Zone innerhalb der britischen und amerikanischen Zone gegeben [werde]“. Inzwischen hatten die französischen Streitkräfte vollendete Tatsachen geschaffen. Trotz der Weigerung des alliierten Oberbefehlshabers Dwight D. Eisenhower, Übersetzmittel zur Verfügung zu stellen, hatten die Franzosen am 1. April 1945 bei Philippsburg den Rhein überschritten, Stuttgart und Friedrichshafen am Bodensee besetzt und waren dann bis nach Vorarlberg in Österreich vorgedrungen. Am 26. Juli 1945 wurde das Zonenprotokoll für Deutschland von der EAC letztmals ergänzt, in dem die Einzelheiten für Frankreichs eigene Besatzungszone ausgearbeitet wurden. Der noch ausstehende formelle Beschluss für das Zugeständnis einer eigenen Zone für Frankreich und der Umsetzung der Empfehlungen der EAC zur französischen Zone fand sich dann im Wortlaut des Potsdamer Abkommens unter Abschnitt III A.1.

Besatzungszonen in Deutschland

Überblick mini|Deutschland 1947: die vier Besatzungszonen der Hauptsiegermächte, das freie Saarland und die gemäß dem Potsdamer Abkommen unter polnische und sowjetische Verwaltung gestellten Ostgebiete

Die Besatzungszonen umfassten das Staatsgebiet des Deutschen Reiches in den Grenzen von 1937 ohne die zunächst okkupierten Gebiete ostwärts der Oder-Neiße-Linie – diese standen unter sowjetischer, später hauptsächlich polnischer Verwaltung – und waren durch Zonengrenzen voneinander getrennt. Diese waren in der Regel identisch mit den Verwaltungsgrenzen ehemaliger Länder, vereinzelt auch mit Kreisgrenzen. Dadurch wurde erreicht, dass eine ordnungsgemäße Verwaltung auch weiterhin sichergestellt werden konnte.

Durch die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen war der preußische Staat zerrissen worden und hatte faktisch aufgehört zu bestehen. Am 25. Juli 1947 wurde er durch den Alliierten Kontrollrat per Kontrollratsgesetz Nr. 46 auch staatsrechtlich aufgelöst.

Britische Besatzungszone

Zur britischen Besatzungszone zählten die ehemaligen preußischen Provinzen Schleswig-Holstein, Hannover (später Niedersachsen) ohne das zum Landkreis Lüneburg gehörende Amt Neuhaus, dafür jedoch mit dem mecklenburgischen Kaltenhof, Westfalen und die nördlichen Bezirke Aachen, Düsseldorf und Köln der Rheinprovinz (später Nordrhein-Westfalen), die Freie und Hansestadt Hamburg, die Freistaaten Lippe (1947 zu Nordrhein-Westfalen), Braunschweig ohne den Ostteil des Landkreises Blankenburg und die Exklave Calvörde, Oldenburg und Schaumburg-Lippe (alle 1946 zu Niedersachsen). Das Gebiet des heutigen Bundeslandes Freie Hansestadt Bremen war ein Sonderfall, da es sowohl zur britischen als auch zur amerikanischen Zone gehörte. Das Hauptquartier der Briten befand sich in Bad Oeynhausen. Weitere Stützpunkte waren in Münster, Düsseldorf, Kiel und Hannover.

mini|links|Belgische Streitkräfte in Deutschland

Die Briten bedienten sich in ihrer Zone nicht ausschließlich eigener Besatzungstruppen, sondern u. a. auch belgischer und kanadischer Truppen, polnischer Exiltruppen und eines dänisch-norwegischen Kontingents.

Bei den räumlich abgegrenzten Sondergebieten, die durch Truppen anderer Nationen besetzt waren (also nicht in Gebieten gemischter Truppen), entstanden Begriffe wie „belgischer Korridor oder belgische Besatzungszone“ und „polnische Besatzungszone“; diese standen aber nicht auf gleicher politischer Stufe wie die Besatzungszonen der Siegermächte und die Verwaltungshoheit blieb auch grundsätzlich bei den Briten. Die so genannte polnische Besatzungszone bestand von Mai 1945 bis Mai 1947 im Emsland.Andreas Mix: Jan Rydel über die polnische Besatzungszone in Westdeutschland 1945–1947: Maczków, Emsland, in: Berliner Zeitung vom 8. Dezember 2003. Ab 1946 zogen sich die britischen Besatzungstruppen aus dem Rheinland und dem Süden ihrer Zone zurück; sie wurden dort von Einheiten der belgischen Armee abgelöst (so genannte belgische Besatzungszone).

Auf dem Gebiet der britischen Besatzungszone wurden erst 1946 folgende Länder gebildet: Braunschweig Hamburg Hannover Lippe Nordrhein-Westfalen am 17. Juli 1946 Oldenburg Schaumburg-Lippe Schleswig-Holstein

Aus den Ländern Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe entstand am 8. November 1946 rückwirkend zum 1. November das Land Niedersachsen.Verordnung Nr. 55 der britischen Militärregierung. Das Land Lippe wurde im Januar 1947 aufgelöst und Nordrhein-Westfalen zugeschlagen.

Amerikanische Besatzungszone

Die amerikanische Besatzungszone umfasste die ehemalige preußische Provinz Hessen-Nassau ohne den Landkreis Herrschaft Schmalkalden (mit dem Volksstaat Hessen zu „Groß-Hessen“ fusioniert), die nördlichen Teile des früheren Freistaates Baden und Württembergs (zu Württemberg-Baden fusioniert) und den Freistaat Bayern ohne die Rheinpfalz und den Landkreis Lindau (Bodensee). Hauptquartier war das I. G.-Farben-Haus in Frankfurt am Main.

Auf dem Gebiet der US-Zone wurden am 19. September 1945 folgende Länder gebildet: Bayern (ohne Landkreis Lindau und ohne Bodenseeterritorium) Bremen erst am 23. Januar 1947 Hessen Württemberg-Baden

Französische Besatzungszone

Zur französischen Besatzungszone gehörten die südlichen Bezirke Koblenz und Trier der ehemaligen preußischen Rheinprovinz, die preußische Provinz Hohenzollern, mit dem Südteil Württembergs (der französische Teil lag südlich der Autobahn Karlsruhe-Stuttgart-Ulm) zu Württemberg-Hohenzollern fusioniert, der Südteil des Freistaates Baden (ebenfalls die ausschließlich südlich der Autobahn Karlsruhe-Stuttgart liegenden Kreise), die bayerische Pfalz, der linksrheinische Teil Rheinhessens, die Landkreise Oberwesterwaldkreis, St. Goarshausen, Unterlahnkreis und Unterwesterwaldkreis der ehemaligen preußischen Provinz Nassau und der Landkreis Lindau des Freistaats Bayern. Sitz der französischen Militärregierung war Baden-Baden. Analog zur „polnischen Besatzungszone“ innerhalb der britischen gab es innerhalb der französischen Zone vorübergehend eine „luxemburgische Besatzungszone“.

Auf dem Gebiet der französischen Besatzungszone wurden folgende Länder gebildet: Südbaden Rheinland-Pfalz am 30. August 1946 Württemberg-Hohenzollern Ein besonderer Fall der Bildung von Ländern ist das Saargebiet, das 1945 Teil der französischen Besatzungszone wurde. Im Oktober 1946 wurde es, erweitert um zwei Kreise des späteren Landes Rheinland-Pfalz, aus der französischen Zone ausgegliedert und einer eigenen Behörde unterstellt, die dem französischen Militärgouverneur Gilbert Grandval mit Sitz in Saarbrücken unterstand. Nach ersten Landtagswahlen am 3. Oktober 1947 und der Verabschiedung der Verfassung des Saarlandes am 15. Dezember 1947 übte Grandval die Kontrolle über die Landesregierung des Saarlandes im Amt eines französischen Hohen Kommissars aus.Amtsblatt der Verwaltungskommission des Saarlandes Nr. 58 a – 1947 (PDF; 59 kB), in uni-saarland.de, abgerufen am 21. August 2013.

Das Saarland wurde zu einer autonomen Region mit ab 1947 eigener Staatsbürgerschaft und wirtschaftlichem Verbund mit Frankreich. Nach einer Volksbefragung im Jahre 1955 wurde das Saarland am 1. Januar 1957 ein Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland; der wirtschaftliche Anschluss erfolgte am 6. Juli 1959, dem sogenannten „Tag X“.

Sowjetische Besatzungszone

Zur sowjetischen Besatzungszone wurden die preußische Provinz Brandenburg, das Land Mecklenburg ohne Randgebiete bei Ratzeburg unter Einschluss Vorpommerns, das aus der Provinz Sachsen und dem Freistaat Anhalt gebildete Land Sachsen-Anhalt, der Freistaat Sachsen (einschließlich des westlich der Neiße gelegenen Teils Niederschlesiens), das Land Thüringen sowie das hannoversche Amt Neuhaus, der hessische Landkreis Herrschaft Schmalkalden und der Ostteil des Landkreises Blankenburg zusammengefasst. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) hatte ihren Sitz in der ehemaligen Heerespionierschule der Wehrmacht (heute: Museum Berlin-Karlshorst) in Berlin-Karlshorst.