Das Kornett (frühere deutsche Schreibweise Cornet, abgeleitet von lateinisch cornu, „Horn, Gehörn“) oder Piston (ital. pistone „Kolben, Stempel; Ventil“ [ital. corno a pistoni „Ventilhorn“], von lat. pistare, Frequentativum zu lat. pinsere, pisere „stampfen, stoßen“) ist ein Blechblasinstrument. Es besitzt ein konisches Messingrohr und drei Pumpventile, und wird, trotz der trompetenähnlichen Form und Stimmlage, aufgrund seiner Mensur zu den Horninstrumenten gezählt. Es sollte nicht mit dem „Cornetto“ (deutsch Zink) verwechselt werden. Das Kornett ist ein transponierendes Instrument und zumeist in B gestimmt, manchmal auch in Es oder C.

Herkunft Der Name des Instruments leitet sich von französisch cornet à pistons („kleines Ventilhorn“) ab. Erstmals konstruiert wurde es um 1828 von Louis Antoine Halary, dem Erfinder der Ophikleide. Halary soll die Idee gehabt haben, das deutsche Posthorn mit Ventilen zu versehen, um so eine chromatische Tonreihe erzeugen zu können. Tatsächlich ist das cornet à pistons lediglich eine Weiterentwicklung einer früheren ventillosen Variante (cornet), die in den französischen chasseur-Regimentern die Funktion eines Signalhorns übernahm.

Nach einer Weiterentwicklung durch den Franzosen Gustave Auguste Besson gewann das Kornett eine enorme Beliebtheit. Besson erhielt 1837 mit nur 18 Jahren das Patent auf ein Instrument, das alle bestimmenden Merkmale des modernen Kornetts aufwies und sämtlichen zeitgenössischen Modellen überlegen war. Die Marke Besson existiert bis heute als Bestandteil von Buffet Crampon.

Um 1850 wurde eine kurze, tiefe Form des Kornetts in England unter dem Namen cornopean bekannt. Die englische Form war mit drei Pumpventilen und einer Trillerklappe für Ganztontriller ausgestattet. Darüber hinaus war es ein modulares Instrument mit auswechselbaren Umstimmbögen für As, G und F sowie Mundstück-Stimmzügen für B und A. Bis zum Ersten Weltkrieg wurde es als billige Ausführung, ohne den tiefen F-Aufsteckbogen, in Frankreich nachgebaut. (Die Stimmung des Altkornetts in F und Es hat sich nicht durchgesetzt.Erich Valentin: Handbuch der Musikinstrumentenkunde. Mit Zeichnungen von Franz Mazura. Gustav Bosse, Regensburg 1954, S. 322.)

Eine „Duplex-Variante“ des Kornetts ist das Echokornett (auch Echohorn genannt), welches einen eingebauten Dämpfer besitzt. Ein Spezialventil ermöglicht dem Instrumentalisten den sofortigen Wechsel zwischen normalem und gedämpften Klang.

Verwendung mini|Kornettist der Metropolitan Opera (1917) mini|Kornett Das Kornett findet man heute fast ausschließlich in Blasorchestern, Brass Bands und Militärkapellen. Das Instrument ist gelegentlich aber auch in sinfonischen Werken, insbesondere in romanischen Ländern anzutreffen und spielte auch in der frühen Jazzmusik eine wichtige Rolle (Louis Armstrong, Nat Adderley, Bix Beiderbecke, Buddy Bolden, King Oliver, Rex Stewart, Red Nichols, Ruby Braff).

In der klassischen Orchesterliteratur findet man das Kornett insgesamt selten, da sich als hohes Blechblasinstrument im Orchester bereits die Trompete etabliert hatte. Das Kornett wird hier üblicherweise eingesetzt, wenn ein etwas weicherer Klang gewünscht ist, und weil es sich (vor allem bei kleiner Streicherbesetzung) besser als die Trompete mit den übrigen Instrumenten mischt, sodass der Klang der Tuttistellen nicht so spröde wirkt. Einige Verbreitung genoss es gerade in französischen Orchestern des 19. Jahrhunderts.

Die Kornette können anstelle von Trompeten besetzt werden, wie etwa in den Operetten von Jacques Offenbach, in vielen prominenten Fällen aber ergänzend: so in Berlioz’ Symphonie fantastique, César Francks Symphonie d-Moll, Debussys La Mer und Tschaikowskis „Dornröschen“-Partitur; ebenso beispielsweise in Danny Elfmans Filmsoundtrack zu Edward mit den Scherenhänden.

Populär ist das Kornett ferner als Schulinstrument für Trompetenschüler, da der Ton leichter anspricht als bei der Trompete und es aufgrund seiner kompakteren Konstruktion für Kinder leichter zu halten ist.

Unterschiede zur Trompete Die Ähnlichkeit in Bau- und Spielweise macht einen Wechsel zwischen Kornett und Trompete für fortgeschrittene Spieler leicht, dennoch gibt es neben den bereits erwähnten Merkmalen einige wichtige weitere Unterschiede: Durch mehrere leicht konische Abschnitte des Rohrs vor dessen Übergang in den SchalltrichterThomas R. Moore: The Acoustics of Brass Musical Instruments. In: Acoustic Today, Band 12, Nr. 4, Acoustical Society of America, 2016, S. 30–37, hier S. 33 und ein Mundstück, das einen im Vergleich zur Trompete tieferen Kessel hat,Anthony Baines: Lexikon der Musikinstrumente. J.B. Metzler, Stuttgart 2005, S. 174, s. v. „Kornett“ bekommt das Kornett einen weicheren, runderen Ton, der umgekehrt aber auch nicht die dynamischen Möglichkeiten der Trompete bietet, was besonders bei schnelleren hohen Tönen deutlich wird.Thomas R. Moore, 2016, S. 34; vgl. Trumpet & Cornet Demo. Acoustic Today (Hörprobe) Die zahlreicheren Windungen der Röhre haben klanglich keinen Einfluss.

Bekannte Kornettsolisten

Von der International Trumpet Guild (ITG) wurde 2005 eine Doppel-CD mit historischen Tondokumenten (1899 bis 1950) vorwiegend von Kornettsolisten herausgegeben: European Cornet And Trumpet Soloists. Diese Dokumentation basiert auf der Sammlung von Ernst W. Buser, dem Begründer des Trompetenmuseums in Bad Säckingen.

Siehe auch Flügelhorn

Literatur Anthony Baines: Brass Instruments: Their History and Development. (1976) Dover Publications, New York 1993, S. 226–230 Donald Murray Campbell, Joel Gilbert, Arnold Myers: Brassiness and the Understanding of Brass Instruments. In: Forum Acusticum, Lyon, Dezember 2020, S. 3169–3175 Erich Valentin: Handbuch der Musikinstrumentenkunde. Mit Zeichnungen von Franz Mazura. Gustav Bosse, Regensburg 1954, S. 322 f.

Weblinks

Hans-Jürgen Schaal: Das Kornett – Vom Signalhorn zur Jazzstimme. In: hjs-jazz.de, 2012.

Einzelnachweise

Kategorie:Blechblasinstrument