Als Bewaffnete Organe der DDR bezeichnete man die Gesamtheit der Streit- und Sicherheitskräfte der Deutschen Demokratischen Republik.

Bestandteile

Die Bewaffneten Organe unterstanden verschiedenen Ministerien:

Dem Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV) unterstanden: Nationale Volksarmee (NVA) mit: Landstreitkräften (LaSK) Luftstreitkräfte der Nationalen Volksarmee (LSK) Volksmarine (VM) Grenztruppen der DDR (GT) Zivilverteidigung der DDR (ZV der DDR)

Dem Ministerium des Inneren waren unterstellt: Deutsche Volkspolizei (DVP) Volkspolizei-Bereitschaften (BePo) Transportpolizei (Trapo) Kampfgruppen der Arbeiterklasse – dem Zentralkomitee der SED unterstellt, ausgebildet durch DVP Kasernierte Volkspolizei (KVP) – ging 1956 in der NVA auf

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zählte insgesamt zu den bewaffneten Organen.

Dem Ministerium für Außenhandel unterstanden: die bewaffneten und entsprechend ausgebildeten Kräfte der Zollverwaltung.

Dienstverhältnisse der Angehörigen

Der Dienst in den Bewaffneten Organen galt als Wehrdienst, außer in den Dienstzweigen der Volkspolizei, musste jedoch auch mindestens in Dauer des Grundwehrdienstes abgeleistet werden.

Den Angehörigen der Bewaffneten Organe stand eine überdurchschnittlich gute Bezahlung und Rentenversorgung zu. Ihnen wurden zudem auch Sondervergünstigungen gewährt.Birgit Wolf: Sprache in der DDR - Ein Wörterbuch. Walter de Gruyter, 2000, ISBN 3-11-016427-2, S. 26. In der Regel enthielten die Dienstbezüge der Angehörigen der bewaffneten Organe Vergütungen je nach Dienstgrad, Dienststellung und Dienstalter.

Der deutsche Steuerzahler finanziert die Zusatzrenten der ehemaligen Mitglieder der „Bewaffneten Organe“ der DDR mit jährlich 1,5 Milliarden Euro (Stand 2007, ansteigend). Im Bundeshaushalt 2016 sind fast 2 Milliarden Euro für die Sonderversorgungssysteme vorgesehen.Kap. 6067 Titelgruppe 04. Abgerufen am 24. Februar 2016.

Herkunft und Verwendung des Begriffs Der Begriff war wie die darin abgebildete organisatorische Verflechtung von Nachrichtendiensten, Polizei und Militär dem sowjetischen Vorbild nachempfunden. Dort war die Bezeichnung für die Bewaffnenten Organe Вооружённые силы СССР, Wooruschjonnyje sily SSSR und umfasste die Sowjetarmee mit den fünf Teilstreitkräften Landstreitkräfte, Strategische Raketentruppen, Luftstreitkräfte, Luftverteidigung und Zivilverteidigung sowie die Seekriegsflotte, die Rückwärtigen Dienste, die Grenztruppen und die Inneren Truppen, bedingt auch die Miliz und die DOSAAF. Auch wenn der Begriff somit offiziell die Gesamtheit der für die Landesverteidigung und die innere Ordnung eingesetzten und mit Waffen ausgerüsteten Kräfte umfasste,Birgit Wolf: Sprache in der DDR - Ein Wörterbuch. Walter de Gruyter, 2000, ISBN 3-11-016427-2, S. 26. wurde er umgangssprachlich zumeist nur auf die NVA bezogen angewandt.

Trivia

Die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) war eine paramilitärische Massenorganisation der DDR, gebildet 1952 zur vormilitärischen Ausbildung für den „Schutz der Heimat“. Sie war nicht für Kampfeinsätze vorgesehen und ist daher nur bedingt zu den Bewaffneten Organen der DDR zu zählen.Paul Heider: Die Gesellschaft für Sport und Technik (1952–1990). In: Torsten Diedrich, Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.): Im Dienste der Partei. Handbuch der bewaffneten Organe der DDR. Ch. Links, Berlin 1998, ISBN 3-86153-160-7, S. 169; dort auch das Zitat aus der Gründungsbesprechung des Chefs der Sowjetischen Kontrollkommission mit der SED-Führung im April 1952 S. 170.

Literatur Torsten Diedrich (Hrsg.): Im Dienste der Partei, Handbuch der bewaffneten Organe der DDR (= Forschungen zur DDR-Gesellschaft). Im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes, 2. durchgesehene Auflage, Links, Berlin 1998, ISBN 3-86153-160-7.

Einzelnachweise

Kategorie:Sprache (DDR)