mini|Nassauisches 2. Infanterie-Regiment. 1810 in Spanien Das 2. Nassauische Infanterie-Regiment Nr. 88 war ein Infanterieverband der Preußischen Armee.

Geschichte Nassauische Armee (bis 1866) In der Nassauischen Armee führte der Verband die Bezeichnung 2. Infanterie-Regiment. Der Wunsch Napoleons nach mehr Soldaten hatte am 13. August 1808 zur Bildung des Regimentes aus dem 2. nassauischen Bataillon (Jägerbataillon) und dem 3. nassauischen Bataillon (leichtes Jägerbataillon) geführt. Jedes Bataillon bestand danach aus je einer Grenadier-, vier Füsilier- und einer Voltigeurkompanie. Grundlage der Dienstgradabzeichen und Ausbildung war das österreichische Reglement. 1809 führte man französische Vorschriften und Dienstgradabzeichen ein.

Kommandeure

1808 Oberst August von Kruse2. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 88. 33 Bilder nach Original-Aufnahmen anläßlich des hundertjährigen Jubiläums 1808–1908. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg 1908, S. 1. 1814 Wilhelm von Goedecke 1817 Ferdinand von Hagen 1830 Adolf von Nauendorff 1840 Nikolaus Alefeld1848 Georg Gerau 1848 Friedrich von Reichenau 1855 Friedrich Weiz 1861 bis 1864 Bruno Neidhardt von Gneisenau 1865 Friedrich von Arnoldi

Einsätze 1808/13: Aufstellung durch August von Kruse, Napoleonische Kriege auf der Iberischen Halbinsel. Hervorzuheben sind die Erstürmung der Hochebene bei Mesas de Ibor am 13. August 1808, die Teilnahme an der Schlacht von Medellín am 28. März 1809, sowie die Teilnahme an der Schlacht von Talavera am 27. und 28. Juli 1809. Nach dem Austritt Nassaus aus dem Rheinbund ging das Regiment am 10. Dezember 1813 zu den Briten über. Beim anschließenden Transport des Regiments nach Holland sanken zwei der Schiffe auf der Haaksbank vor der Insel Texel.Peter Wacker: Das herzoglich-nassauische Militär 1813–1866. Schellenberg’sche Verlagsbuchhandlung, S. 32ff. 1815: 18. Juni Befreiungskriege: In holländischen Diensten – Verteidigung von Schloss Hougoumont bei Belle Alliance 1848/49: In Oberbaden an der Niederwerfung der badischen Revolution beteiligt. 1849: Im Schleswig-Holsteinischer Krieg (1848–1851) gegen die Dänen eingesetzt. 1866: Im Deutschen Krieg kämpfte das Regiment im Mainfeldzug auf der Seite der süddeutschen Armeen und Österreichs gegen Preußen.

Preußische Armee (ab 1866) Nach der Annexion Nassaus durch Preußen wurde die Nassauische Armee aufgelöst und das verbliebene Personal am 30. Oktober 1866 als Infanterie-Regiment Nr. 88 in die Preußische Armee übernommen. mini|alternativtext=Preussische Hauptwache Mainz: Wachablösung 2. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 88 (Aufnahme 1908) |Preussische Hauptwache Mainz: Wachablösung 2. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 88 (Aufnahme 1908)

Standorte mini|Das Reduit in Mainz-Kastel, in der das Regiment lag. 1866 Luxemburg 1867 Fulda, Hersfeld 1871 Festung Mainz 1894–97 Diez 1914 Mainz-Oberstadt in der Elisabethen-Kaserne „An der Goldgrube“, Hanau (II. Bataillon) in der Infanterie-Kaserne am Paradeplatz

Verbandszugehörigkeit 1914 XVIII. Armee-Korps in Frankfurt am Main 21. Division 41. Infanterie-Brigade in Mainz

1915–1918 56. Infanterie-Division 112. Infanterie-Brigade

Deutsch-Französischer Krieg Im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 nahm das Regiment an den Kämpfen bei Weißenburg (4. August), Wörth - Eroberung der ersten Mitrailleuse (6. August), Sedan (1. September), Mont Valerien (19. Januar 1871), sowie an der Belagerung von Paris (22. September 1870 bis 28. Januar 1871) teil.

Erster Weltkrieg Im Ersten Weltkrieg wurde das Regiment 1914 bei der Marneschlacht eingesetzt. 1915 verlegte es die galizischen Ostfront, kehrte 1916 wieder an die Westfront zurück und nahm hier bis Kriegsende u. a. an den Schlachten um Verdun und an der Somme teil.

Verbleib Das Regiment marschierte nach dem Waffenstillstand von Compiègne in die Heimat zurück, wo es vom 26. bis 31. Dezember 1918 in Bad Orb demobilisiert und schließlich am 30. April 1919 aufgelöst wurde.Jürgen Kraus: Handbuch der Verbände und Truppen des deutschen Heeres 1914–1918. Teil VI: Infanterie. Band 1: Infanterie-Regimenter. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-14-4, S. 158.

Die Tradition übernahm in der Reichswehr durch Erlass des Chefs der Heeresleitung General der Infanterie Hans von Seeckt vom 24. August 1921 die 15. Kompanie des 15. Infanterie-Regiments in Kassel.

Regimentschef mini|Konstantin I. von Griechenland in der Uniform eines preußischen Generalfeldmarschalls (1913) Erster und einziger Regimentschef war seit 6. September 1913 der griechische König Konstantin I.

Kommandeure Dienstgrad Name DatumGünter Wegmann (Hrsg.), Günter Wegner: Formationsgeschichte und Stellenbesetzung der deutschen Streitkräfte 1815–1990. Teil 1: Stellenbesetzung der deutschen Heere 1815–1939. Band 2: Die Stellenbesetzung der aktiven Infanterie-Regimenter sowie Jäger- und MG-Bataillone, Wehrbezirkskommandos und Ausbildungsleiter von der Stiftung bzw. Aufstellung bis 1939. Biblio Verlag, Osnabrück 1992, ISBN 3-7648-1782-8, S. 225–226.Oberstleutnant/OberstOskar Beyer von Karger30. Oktober 1866 bis 9. März 1870OberstRichard Köhn von Jaski10. März bis 6. August 1870OberstleutnantLeopold Preuß10. August 1870 bis 11. Juli 1873Oberstleutnant/OberstHugo von Below12. Juli 1873 bis 13. Februar 1874 (mit der Führung beauftragt)OberstHugo von Below14. Februar 1874 bis 30. September 1876OberstKarl von Bötticher1. Oktober 1876 bis 1. November 1882OberstAlexander von Hornhardt2. November 1882 bis 3. Februar 1888OberstAlbert von Zingler4. Februar 1887 bis 12. November 1888OberstleutnantGeorg von Bosse13. November bis 12. Dezember 1888 (mit der Führung beauftragt)OberstGeorg von Bosse13. Dezember 1888 bis 23. März 1890OberstJacob Meckel24. März 1890 bis 16. Mai 1892OberstAnton Volk17. Mai 1892 bis 17. Juni 1895OberstHans von Bonin18. Juni 1895 bis 26. Januar 1899OberstAlfred von François27. Januar 1899 bis 21. April 1902OberstAugust Mathy22. April 1902 bis 9. April 1906OberstRoderich von Dewitz10. April 1906 bis 21. März 1910OberstKarl Brosius22. März 1910 bis 4. März 1913OberstHermann von Bassewitz5. März 1913 bis 1. August 1914OberstleutnantHarry Puder2. August bis 19. Oktober 1914OberstleutnantKarl Brentano20. Oktober 1914 bis 17. Februar 1915OberstWalter Rogge18. Februar 1915 bis 7. Oktober 1918OberstleutnantGuischard8. Oktober 1918 bis 1919

Abtretungen Durch das Gesetz zur Heeresvermehrung vom 28. Januar 1896 wurden 33 neue Infanterie-Regimenter aufgestellt. Diese sollten aus den IV. Bataillonen der alten Regimenter gebildet werden. Die neuen Regimenter wurden zunächst zu zwei Bataillonen aufgestellt. Ein Bataillon des Infanterie-Regiments Nr. 166 wurde u. a. aus dem IV. Bataillon des 1. Nassauischen Infanterie-Regiments Nr. 88 zusammengestellt.

Zur Aufstellung anderer Verbände mussten abgegeben werden: G. Voigt: Deutschlands Heere bis 1918. Band 3, Biblio Verlag, Osnabrück 1982, S. 347. am 1. April 1881 - die 3. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 97 am 1. Oktober 1887 - die 10. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 145 am 1. Oktober 1912 - die 9. Kompanie an das Infanterie-Regiment Nr. 172

Denkmäler mini|hochkant|Kriegerdenkmal Nerotalanlagen Wiesbaden In der Mainzer Denkmalzone „Grüngürtel-Promenade Römerwall/Drususwall“ wurde für die „88er“ ein Denkmal in Form eines einfachen Blocks aus Buntsandstein errichtet.Rechtsverordnung (PDF; 711 kB) zur Unterschutzstellung der Denkmalzone „Grüngürtel-Promenade Römerwall/Drususwall“ in Mainz Über der Inschrift verweist ein „K“ mit Krone zwischen den Jahreszahlen 1808 und 1919 auf die Regimentsgeschichte und den Regimentschef König Konstantin I. von Griechenland.Wolfgang Balzer: Königlich Preußisches 2. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 88. auf: festung-mainz.de.

In den Wiesbadener Nerotalanlagen erinnert ein Kriegerdenkmal an die im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 gefallenen Soldaten der Infanterie-Regimenter Nr. 87 und Nr. 88 und mahnt zum Frieden. Es starben während dieses Krieges 24 Offiziere, 35 Unteroffiziere und 364 Soldaten aus Hessen-Nassau. Das nach den Entwürfen des Berliner Architekten Karl Krause und des Bildhauers Franz Prietel erbaute Denkmal wurde im Mai 1909 eingeweiht.Schautafel vor dem Kriegerdenkmal der Wiesbadener Nerotalanlagen„Wiesbadener Tagblatt vom 8. Mai 1909“, abgerufen am 13. April 2021

Literatur Wilhelm von Isenbart: Geschichte des Herzoglich Nassauischen 2. Regiments. Stamm des Königlich Preussischen 2. Nassauischen Infanterie-Regiments Nr. 88 (1808–1866). E.S. Mittler & Sohn, Berlin, 1891, . Guntram Müller-Schellenberg: Das nassauische Militär in napoleonischer Zeit. Schellenberg’sche Verlagsbuchhandlung, Taunusstein, 2007, ISBN 978-3-922027-79-9. Walter Rogge: Das Königl. Preuß. 2. Nassauische Infanterie-Regiment Nr. 88. Deutsche Tat im Weltkrieg, Band 7, Verlag Bernard & Graefe, Berlin 1936. Walter Rosenwald: Die Herzoglich-Nassauische Brigade im Feldzug 1866. Unter Berücksichtigung von Feldtruppen aus Kurhessen, Hessen-Darmstadt, Baden, Württemberg und Österreich (= Guntram Müller-Schellenberg, Peter Wacker (Hrsg.): Das herzoglich-nassauische Militär 1806–1866. Band 3). Schellenberg, Taunusstein 1983, ISBN 978-3-922027-98-0.

Digby George Smith (unter dem Pseudonym Otto von Pivka): Armeen und Waffen. Band 2: Napoleons Verbündete in Deutschland. Bonn 1979, ISBN 3-8033-0285-4. Peter Wacker: Das herzoglich-nassauische Militär 1813–1866. Schellenberg’sche Verlagsbuchhandlung, Taunusstein, 1998, ISBN 3-922027-85-7. 2. Nassauisches Infanterie-Regiment Nr. 88. 33 Bilder nach Original-Aufnahmen anläßlich des hundertjährigen Jubiläums 1808–1908. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg 1908.

Weblinks www.festung-mainz.de www.preussenweb.de

Einzelnachweise

Infanterie-Regiment 088 Infanterie-Regiment 088 Infanterie-Regiment 088 Kategorie:Militärischer Verband in den Koalitionskriegen Kategorie:Militärischer Verband im Deutsch-Französischen Krieg Preussen Infanterieregiment #::88 Kategorie:Gegründet 1808