Mohn (Papaver) ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Mohngewächse (Papaveraceae). Die weltweit 50 bis 120 Arten gedeihen hauptsächlich in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel. Nur eine Art kommt auf der Südhalbkugel in Südafrika vor. Einige Mohnarten (insbesondere der Schlafmohn) werden vielseitig genutzt, beispielsweise wegen der enthaltenen Wirkstoffe, und zählen zu den ältesten Heilpflanzen.
Beschreibung mini|hochkant|Klatschmohn-Blüte unmittelbar nach ihrer Entfaltung noch mit den zwei behaarten Kelchblättern mini|hochkant|Die vielen Staubblätter und der Fruchtknoten des Alpen-Mohns (Papaver alpinum subsp. alpinum)
Vegetative Merkmale Mohn-Arten sind ein-, zwei-, mehrjährige (selten monokarpisch) oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die Pflanzenteile führen einen weißen oder gelben Milchsaft, der giftige Alkaloide enthält. Die aufsteigenden bis aufrechten Stängel sind meist borstig behaart, selten kahl. Sie können verzweigt oder unverzweigt beblättert oder unbeblättert sein.
Die wechselständig, spiralig am Stängel verteilt oder in einer basalen Rosette angeordneten Laubblätter sind gestielt bis ungestielt. Die Blattspreite kann geteilt oder einfach sein. Die Blattränder sind selten kahl, meist gebuchtet oder gesägt. Nebenblätter fehlen.
Generative Merkmale Die Blüten stehen meist einzeln oder selten in traubigen zymösen Blütenständen. Wenn Blütenstandschäfte vorhanden sind, dann sind sie meist borstig behaart. Meist sind die eiförmigen bis kugeligen Blütenknospen vor dem Aufblühen herabhängend und die Kronblätter in „geknitterter“ Knospenlage. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch mit einer doppelten Blütenhülle. Die zwei (selten drei) freien meist borstig behaarten Kelchblätter fallen beim Öffnen der Blüte ab. Die Farbe der vier (selten fünf oder sechs) Kronblätter variiert je nach Art von meist rot, orangerot bis gelb, selten weiß oder lavendelfarben. Die vielen (50 bis 100) freien, fertilen Staubblätter werden zentripetal gebildet. Die Staubfäden sind weiß, gelb, grün, purpurfarben bis rot oder manchmal schwärzlich. Die Staubbeutel sind länglich bis kugelförmig. Vier bis 24 Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, einkammerigen Fruchtknoten verwachsen, der borstig behaart oder kahl und meist eiförmig ist. Es sind viele Samenanlagen vorhanden. Es sind gleich viele Narben wie Fruchtblätter vorhanden. Diese sitzen direkt auf dem Fruchtknoten und bilden eine „Narbenscheibe“; Griffel fehlen. Die Ränder des Diskus sind gebuchtet oder geteilt.
mini|hochkant|Kapsel des Schlafmohns (Papaver somniferum) mit Milchsaft mini|hochkant|Mohnkapseln im Wappen von Wahlheim mini|hochkant|Morphin – ein Opiat mini|hochkant|Samen vom Schlafmohn (Papaver somniferum) unter dem Stereomikroskop (Skala in mm)
Die borstig behaarten oder kahlen, selten stacheligen, harten, offenen oder geschlossenen Kapselfrüchte enthalten viele Samenkörner. Dabei handelt es sich um so genannte Porenkapseln, eine in nur wenigen Pflanzengattungen verbreiteten Form der Kapselfrüchte. Diese dienen einer semachoren Verbreitung: Neigt sich der Stängel – manche Arten unterstützen das, indem der Stängel mit einem Knick abtrocknet – durch Wind oder Berührung, fallen die Samen aus den Poren wie aus einem Salzstreuer. Die ölhaltigen Samen (früher – bereits im MittelalterOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 211 (Papauver bzw. Papaver – magsamen, animone, miconium, […] man: Papaver somniferum in verschiedenen Varietäten). – Magsamen genanntWilliam Turner, James Britten: The names of herbes (A D 1548). London 1881. (Neudruck: Vaduz 1965, S. 59)) sind schwarz, braun, dunkelgrau oder weiß, klein und nierenförmig.
Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 7.
Ökologie Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie).
Etymologie, Systematik, botanische Geschichte und Verbreitung In der Antike unterschieden die Römer und Gallier verschiedene „Arten“ von Mohn (von spätmittelhochdeutsch mān, älter māhen, verwandt mit althochdeutsch mago und mittelhochdeutsch mage; benannt nach der beutelartigen Auftreibung des Mohnkopfes und somit ableitbar von *mak für ‚Hautbeutel‘ und ‚Lederbeutel‘ etwas in lettisch maks ‚Beutel‘Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 484.) bzw. papaver. „Weißer Mohn“ und „Schwarzer Mohn“ wurden kultiviert, „Roter Mohn“ wuchs in bepflanzten Gegenden wild, ebenso Klatschmohn (Papaver rhoeas). Zudem wurden, ebenfalls wildwachsend, „Gehörnter Mohn“ (genannt auch Glaukion und Paralion, welcher heute zu den Glaucium-Arten gezählt wird) und zwei weitere wilde Mohnarten (Heraclion oder Aphron, woraus diacode und arteriaque zubereitet wurde, und Tithymale, genannt auch Mêcon oder „Seemohn“) unterschieden.D. Chabard (Hrsg.): Medizin im gallisch-römischen Altertum. La médecine dans l’antiquité romaine et gauloise. Exposition par le Museum d’histoire naturelle et le Musée Rolin dans le cadre du Bimillénaire de la Ville d’Autun. Musée d’Histoire Nauturelle, Ville d’Autun 1985 / Stadt Ingelheim/Rhein 1986, S. 26 (Die verschiedenen Mohnbenennungen und seine Extrakte).
Taxonomie Die Gattung Papaver wurde durch Carl von Linné 1753 in Species Plantarum, Tomus I, S. 508 und 1754 in Genera Plantarum, 5. Auflage S. 224 aufgestellt. Als Lectotypus wurde 1913 von Nathaniel Lord Britton und Addison Brown in An illustrated flora of the northern United States, Canada and the British possessions, zweite Auflage, Band 2, S. 136 Papaver somniferum festgelegt.
Äußere Systematik Die Gattung Papaver gehört zur Tribus Papavereae in der Unterfamilie der Papaveroideae innerhalb der Familie der Papaveraceae.
Botanische Geschichte Beispielsweise bei Kiger 1973 sowie 1985 wurde die Gattung Papaver in mehrere Sektionen gegliedert.
Bei 1988 wurde die Gattung Papaver in elf Sektionen gegliedert: Sektion Argemonidium (Syn: Sektion Argemonorhoeades ) Sektion Californica Sektion Carinata Sektion Horrida Sektion Macrantha Sektion Meconella Sektion Meconidium Sektion Papaver Sektion Pilosa Sektion Pseudopilosa Sektion Rhoeadium
Bei Kadereit 1997 ist die Gliederung anders und dort wird diskutiert, ob Papaver s. l. monophyletisch ist. Bei Carolan 2006 wird herausgearbeitet, dass Papaver s. l. nicht monophyletisch ist. Diese Verwandtschaftsgruppe wird kontrovers diskutiert.
Arten und ihre Verbreitung Es gibt 50 bis 120 Papaver-Arten, hauptsächlich in den gemäßigten Gebieten Mittel- und Südeuropas und Asiens, außerdem in der Neuen Welt, in Ozeanien, Australien, im nördlichen Afrika und nur eine Art in Südafrika. Hier eine Auswahl: mini|hochkant|Papaver subpiriforme mini|hochkant|Papaver tatricum Papaver aculeatum : Es handelt sich um die einzige südafrikanische Art. Papaver alboroseum , ostasiatisch-nordamerikanische Art mit Vorkommen in Kamtschatka, Kanada und Alaska Alpenmohn (Papaver alpinum ): Mindestens fünf Unterarten kommen in Europa in den Alpenländern, Polen, Bulgarien und Rumänien vor. Apulischer Mohn (Papaver apulum ), Heimat: Apenninen- und Balkan-Halbinsel, dazu Kreta Papaver arenarium , asiatische Art mit Vorkommen in Iran, Irak, Türkei und im Kaukasus Sand-Mohn (Papaver argemone ), eurasische Art mit Verbreitung in Europa, im Mittelmeerraum und Westasien. Papaver armeniacum , mit Vorkommen in Iran, der Türkei und in Armenien Atlas-Mohn (Papaver atlanticum , Syn: Papaver rupifragum subsp. atlanticum ), mit Heimat in Marokko, in Österreich und Dänemark eingebürgert. Arznei-Mohn (Papaver bracteatum ), verbreitet im Kaukasus, Kleinasien, Iran (Nordwesten) und Armenien, enthält reichlich Thebain (Ausgangsstoff für die pharmazeutische Synthese des starken Schmerzmittels Oxycodon oder des Opioid-Antagonisten Naloxon) Papaver californicum : Sie kommt in Kalifornien vor. Wald-Scheinmohn (Papaver cambricum ): Diese Art gehörte lange Zeit als Meconopsis cambrica zur Gattung Scheinmohn (Meconopsis). Molekulargenetische Daten zeigten, dass diese Art doch nicht zur Gattung Meconopsis, sondern zur Gattung Papaver gehört. Formal wurde Papaver cambricum wieder der akzeptierte Namen. Grau-Mohn (Papaver canescens ): Er gedeiht in Hochgebirgen Südsibiriens, Mittel- und Zentralasiens. Marienkäfer-Mohn (Papaver commutatum ): Er kommt im Iran, in der Türkei, in Armenien und Aserbaidschan vor. Papaver dahlianum , arktische Art mit nördlich zirkumpolarer Verbreitung, kommt z. B. auf Spitzbergen verbreitet vor. Saat-Mohn (Papaver dubium ): Es ist eine eurasische Art mit Verbreitung in ganz Europa, im Mittelmeerraum und im Westen von Asien, sie kommt in mindestens drei Unterarten vor Japan-Mohn (Papaver fauriei ), Heimat: alpine Schotterhänge in Nordjapan und auf den Kurilen Papaver fugax (inkl. Papaver caucasium , Papaver floribundum ), Heimat: Ost-Türkei, Kaukasus, nördlicher Irak und Iran Tulpen-Mohn (Papaver glaucum ), eine vorderasiatische Art Papaver gorodkovii : Sie gedeiht in Höhenlagen von 0 bis 100 Metern in Alaska und Sibirien. Papaver humile , mit Vorkommen in Ägypten, Israel und Jordanien Bastard-Mohn (Papaver hybridum ): Er ist in Europa, im Mittelmeerraum und in Westasien verbreitet. Papaver lapeyrousianum : Dieser Endemit gedeiht nur in den Pyrenäen in Spanien und Frankreich. Papaver lapponicum : Eine arktische Art mit nördlich zirkumpolarer Verbreitung. Ziegelroter Mohn (Papaver lateritium ), mit Heimat im Kaukasus und in Armenien, ist in Großbritannien eingebürgert Papaver macounii : Sie ist auf der Nordhalbkugel in Nordamerika und Russland verbreitet. Papaver macrostomum , eine asiatische Art mit Vorkommen in Afghanistan, Iran, Irak, Armenien, Georgien, Pakistan und der Türkei. Papaver mcconnellii : Sie kommt im nördlichen Nordamerika in Höhenlagen von 1000 bis 1500 Metern vor. Kurilen-Mohn (Papaver miyabeanum ; wird auch als Synonym zu Papaver nudicaule gestellt), Heimat: Kurilen Papaver monanthum , eine asiatische Art mit Vorkommen in Armenien, Aserbaidschan und Georgien Island-Mohn (Papaver nudicaule ), findet man im Altai-Gebirge, Ost-Sibirien, Kasachstan, Mongolei, Nordwest-Kanada und Alaska Papaver oreophilum , eine asiatische Art mit Vorkommen in Russland (Kabardino-Balkarien, Nordossetien) Türkischer Mohn (Papaver orientale ): Er kommt im Iran, in der Türkei, Armenien, Aserbaidschan und Georgien vor. Beispielsweise in Nordamerika ist er ein Neophyt. Wenigblättriger Mohn (Papaver paucifoliatum ), Heimat: Türkei, Kaukasus Pfauen-Mohn (Papaver pavoninum ): Er kommt in Afghanistan, Iran, Kasachstan, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan und Pakistan vor. Papaver persicum , eine asiatische Art mit Vorkommen im Iran, Irak, Türkei, Armenien und Aserbaidschan, leicht mit Papaver fugax zu verwechseln. Behaarter Mohn (Papaver pilosum ): Dieser Endemit kommt in mehreren Unterarten in der Türkei vor. Papaver pseudocanescens : Sie kommt in den russischen Gebieten Altai sowie Tuwa und in der Mongolei vor. Falscher Orient-Mohn (Papaver pseudo-orientale ), eine asiatische Art mit Vorkommen im Iran, Türkei, Armenien und Georgien Arktischer Mohn (Papaver radicatum ), eine Art, die nördlich zirkumpolar und in den Vereinigten Staaten verbreitet ist; sie gliedert sich in mindestens acht Unterarten Papaver pygmaeum : Sie gedeiht in Höhenlagen bis 2900 Metern in Nordamerika. Polar-Mohn (Papaver radicatum ), Heimat: subarktisches Europa und subarktisches Sibirien Klatschmohn (Papaver rhoeas ): Er ist in weiten Teilen Europas, in Westasien und im Mittelmeerraum verbreitet. Papaver rubroaurantiacum : Sie kommt in den russischen Gebieten Burjatien sowie Tschita und in der Mongolei vor. Spanischer Mohn oder Fels-Mohn (Papaver rupifragum ), Heimat: Schattige Kalkfelsspalten in Südspanien und Marokko