mini|hochkant|Brennende Kerze

Eine Kerze ist eine Lichtquelle aus Wachs, Stearin, Paraffin oder Talg mit einem Docht in der Mitte, die mit offener Flamme brennend Licht und Wärme abgibt, romantisierend als Kerzenschein bezeichnet. Als Halterung werden meist Kerzenständer genutzt.

Etymologie Die Wortherkunft für Kerze in der Bedeutung „Talg-, Wachslicht“ (von [8. Jahrhundert] bzw. [9. Jahrhundert], oder für „Werg, Zunder, Docht, Licht, Kerze“; oder ) ist ungeklärt. Seitens der etymologischen Forschung wird einerseits eine historische Entlehnung über charza aus für „Papyrusblatt, Schreibmaterial, Schriftstück“ erwogen.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 21., unveränderte Auflage. De Gruyter, Berlin / New York 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 365. Diese Hypothese wird dadurch gestützt, dass Kerzen lange aus gewickelter, mit Öl getränkter Birkenrinde hergestellt wurden. Da Birkenrinde auch als Schreibmaterial diente, scheint eine Verbindung zwischen Papyrus und Kerze für lateinisch charta möglich. Andererseits ist aber auch eine Entlehnung aus lateinisch „Wachslicht“ (zu latein. „mit Wachs überziehen“) anzunehmen.Kerze, in: Wolfgang Pfeifer et al., Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), digitalisierte und von Wolfgang Pfeifer überarbeitete Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (abgerufen am 8. Juli 2024).

Geschichte mini|hochkant|Bienenwachskerzen aus dem Gräberfeld von Oberflacht (6./7. Jahrhundert). Die ältesten erhaltenen Wachskerzen nördlich der Alpen

Vorgeschichte Mit steinernen Lampenschalen, in denen ein Docht in flüssigem Talg oder Tran brannte, trotzten wahrscheinlich schon die Cro-Magnon-Menschen vor zirka 40.000 Jahren der Dunkelheit.Sophie A. de Beaune, Randall White: Eiszeitliche Lampen. In: Spektrum der Wissenschaft. 11/1993, S. 82. (spektrum.de am 1. November 1993: Eiszeitliche Lampen, abgerufen am 15. Dezember 2015)

Vorderer Orient Die Erfindung der Kerze selbst liegt Schätzungen zufolge mindestens 5000 Jahre zurück. Bekannt ist, dass im Vorderen Orient zu dieser Zeit bereits Kerzen verwendet wurden. Sie entstanden, indem ein Funale (Docht) aus Binse, Stroh, Hanf, Papyrus oder Schilfrohr in Talg eingetaucht und mit ihm getränkt wurde.Kerzengeschichte auf einer privaten Website mit Quellenverweis auf: Kerzen. Wachswaren. Aus der Praxis. Für die Praxis. Deggendorf, ohne weitere Angaben. (fall-kerzendesign.de, abgerufen am 15. Dezember 2015)

Historiker fanden Nachweise dafür, dass viele weitere frühere Zivilisationen Kerzen mit Dochten entwickelten, indem sie Wachse von verfügbaren Pflanzen und Insekten benutzten.

Altes China, Japan und Indien Frühe chinesische Kerzen wurden anscheinend durch Eingießen in Papierrohre hergestellt, wobei Dochte aus gerolltem Reispapier und eine Kombination aus Wachsen von einheimischen Insekten und Samen verwendet wurden. In Japan wurden Kerzen aus dem Wachs von Baumnüssen hergestellt, während in Indien Kerzenwachs durch Kochen der Früchte des Zimtbaumes gewonnen wurde. Als Sonderform kamen ab dem Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. Wachsfackeln auf.

Antikes Griechenland und Ägypten Im Griechenland des 6. Jahrhunderts v. Chr. wurden Holz und Kien in Schalen mit Öl und Fett getränkt, in Ägypten verwendete man zu dieser Zeit dafür Rizinusöl.

Antikes Rom Im Allgemeinen wird die Weiterentwicklung der zuvor einfachen Kerzen den antiken Römern zugeschrieben, die gerollten Papyrus wiederholt in flüssigen Talg oder, ab dem 2. Jahrhundert, flüssiges Bienenwachs getaucht haben. Im 1./2. Jahrhundert n. Chr. wird die Kerze als kurzlebiges Licht beschrieben, das einen Faden (Docht) hat und ständig gewartet werden muss. Diese kleinen Talg- oder Wachsfackeln wurden als Beleuchtungskörper an den Spitzen eines Kandelabers aufgesteckt. Wohl seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. verwendeten die Römer niedrige Talg-, Pech- und Wachskerzen. Sie benutzten die so hergestellten Kerzen, um Reisende bei Nacht zu begleiten, und für religiöse Zeremonien. Etwa Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. waren bei den Römern niedrige Wachskerzen so weit entwickelt, dass sie ohne lästiges, übermäßiges Rußen und üblen Geruch, was bei Fackeln unvermeidlich war, in einem geschlossenen Raum brennen konnten.

Mittelalter Vor allem der Bedarf der Kirche und die Bestimmung, dass für diese Kerzen nur Bienenwachs als Kerzenrohstoff verwendet werden durfte, führten dazu, dass Bienenwachs zu einem wichtigen Handelsgut des Mittelalters wurde. Seit dem Jahr 1061 ist aus Frankreich eine Innung der Lichtzieher bekannt, im 14. Jahrhundert eine Innung der Kerzengießer in Hamburg. Zwei Kerzenhändlergesellschaften gab es seit dem späten Mittelalter in London, die der Wachskerzenhändler (Wax Chandlers) und die der Talgkerzenhändler (Tallow Chandlers). Wie ein Seil zusammengedrehte, mehrdochtige Kerzen, die fackelartig abbrannten, wurden in der frühen Neuzeit mit dem deutschen Wort „Tortsche“ bezeichnet.Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 21, 1923, S. 898.

Außerhalb der Kirchen und Adelshäuser wurden Kienspäne bzw. Binsenlichter oder Kerzen aus dem preisgünstigeren Talg verwendet, sogenannte „Unschlittkerzen“. Das zur Herstellung der Unschlittkerzen benötigte Fett wurde aus Rinderfettgewebe oder Hammeltalg gewonnen und nicht gereinigt. Dementsprechend rochen und rußten Unschlittkerzen stark. Bei allen Kerzen aus diesen Brennstoffen musste der Docht regelmäßig „geschneuzt“ oder „geputzt“ (das heißt gekürzt) werden, um Rußen und Tropfen zu vermeiden.Noch um das Jahr 1830 klagte Johann Wolfgang von Goethe: Wüßte nicht, was sie besseres erfinden könnten, als wenn die Lichter ohne Putzen brennten. Talgkerzen wurden im 17. Jahrhundert mit Arsenik geweißt.

Neuzeit mini|Obwohl Kerzen nicht mehr für die Beleuchtung von Wohnräumen benötigt werden, sind sie nach wie vor fester Bestandteil religiöser Bräuche. Einige Kirchen haben eigene Kerzenräume, wie diese serbisch-orthodoxe Kirche in Ljubljana

Ab 1725 wurde auch Walrat als Kerzengrundstoff verwendet und insbesondere für Luxuskerzen benutzt. Trotz ihres Geruches boten Walratkerzen im Vergleich zu Bienenwachskerzen und Talglichtern deutliche Vorteile im Hinblick auf das Brennverhalten und die Rußbildung. Die Tatsache, dass Walrat nicht nur für Kerzen, sondern auch für die Straßenbeleuchtung und Leuchttürme verwendet wurde, wirkte sich direkt auf den Walfang aus und brachte die Pottwale an den Rand der Ausrottung.Walrat (Dezember). Technische Universität Braunschweig, abgerufen am 2. April 2025

Die ersten Kerzen aus Stearin wurden 1818 von Henri Braconnot und François Simonin hergestelltBulletin des lois du royaume de France, 7.e série, Paris 1819, T. 7, S. 555 – Bulletin n.º 240, Ordonnance du Roi, 7 Octobre 1818, 18° (Erteilung eines Patents an Simonin und Braconnot, französisch) und ab 1820 auch von Claude-Anthelme Manjot.Bulletin des lois du royaume de France, 7.e série, Paris 1820, T. 10, S. 572 – Bulletin n.º 364, Ordonnance du roi, 9 Avril 1820, 14° (Erteilung eines Patents an Manjot, französisch) Da Stearin, auf der Basis von pflanzlichen oder tierischen Fetten, nicht nur preisgünstiger war, sondern auch bessere Brenneigenschaften hatte als Walrat, setzten sich diese Kerzen bald durch.

Im Jahr 1823 meldete Eugène Chevreul, der Begründer der Fettchemie, ein Patent für nichttropfende Stearinkerzen an und gründete zusammen mit Joseph Louis Gay-Lussac im Jahr 1824 eine Kerzenmanufaktur. De Milly führte ab 1831 eine Reihe von Verbesserungen ein wie das Tränken der Dochte mit Salzlösungen, die Vermeidung der Kristallisation der Stearinsäure sowie das Pressen und Gießen der Kerzen. Daraus entstand der Markenname „Millykerzen“In München und Wien entstehen Fabrikationen für Millykerzen. Kurz nach der Erfindung des Paraffins wurden nach ersten Versuchen 1839 von Seligue in Paris und von Young in Manchester (England) Kerzen hergestellt (Belmontinkerzen).

Paraffin, das als Nebenprodukt bei der Raffination von Erdöl entsteht, ist nicht biologisch abbaubar, preislich jedoch (noch) günstiger als Stearin, welches meist aus Palmöl gewonnen wird, jedoch härter ist und bessere Brenneigenschaften aufweist, sodass es dem Paraffin oft beigemischt wird.12/2020 Kleine Kerzenkunde. Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, abgerufen am 2. April 2025

Heutige Kerzen bestehen in der Regel überwiegend aus Paraffin (typischerweise 80 Prozent) und weisen einen Stearinanteil auf, der zwischen 15 und 30 Prozent liegt, sowie hochschmelzende Härtungszusätze in kleinen Mengen, Trübungsmitteln (Alkohole, Aceton) und ggf. Farbpigmenten.

Der Kerzendocht besteht hauptsächlich aus zusammengeflochtenem Baumwollgarn und kann im Kern zusätzlich Papier oder andere Fasern enthalten. Da die Baumwollstränge oft gewachst werden, bleibt der Docht meist aufrecht.

Während Kerzen bis zum 19. Jahrhundert gezogen wurden, werden sie heute zumeist in Kerzengießmaschinen gegossen oder auch durch Pressung hergestellt. Nur für hochwertige Bienenwachskerzen wird noch das Wickeln angewandt, ggf. noch das Kneten des Bienenwachses. Um die Kerzen und ihre Formen und Farben hat sich Ende des 20. Jahrhunderts ein eigener Zweig des Kunsthandwerks entwickelt.

Aufbau und Funktionsweise mini|Halbierte Kerze mit offengelegtem Docht

Ein saugfähiger Docht, meist aus geflochtenen Baumwollfäden, ist umgeben von Wachs oder einem ähnlichen Brennstoff, der bei niedriger Temperatur schmilzt (typisch sind etwa 60 °C). Nach Anzünden des Dochts schmilzt das Wachs. Durch die Kapillarwirkung des Dochts wird Wachs in die Flamme transportiert, wo es verdampft, um dann in Gegenwart von Sauerstoff zu verbrennen. Die Konvektion, das heißt das Aufsteigen der warmen Verbrennungsgase, versorgt die Flamme mit unverbrauchter Luft und gibt der Kerzenflamme die charakteristische langgestreckte Form. Die Kerze erlischt, wenn der Sauerstoffgehalt auf etwa 10–14 % sinkt.uni-bayreuth.de:

Wird der Docht zu lang, beginnt die Kerze zu rußen. Ein Grund ist die unvollständige Verbrennung des Wachsdampfes und der Erhalt des Dochtes durch schwerflüchtige Bestandteile im Wachs. Moderne Kerzen enthalten deshalb entsprechend angepasste Wachsmischungen (beispielsweise im Verhältnis von 80 % Paraffin mit 20 % Stearin) und einen asymmetrisch geflochtenen Docht mit Spannfäden. Dadurch neigt er sich beim Brennen zur Seite und tritt aus der Flamme aus. Hier kommt er mit Sauerstoff in Berührung und kann verglühen (siehe glühende Dochtspitze im Bild). Früher musste zur Vermeidung des Rußens der Docht regelmäßig gekürzt („geschneuzt“) werden. Zum Abtrennen der sogenannten Schnuppe gibt es spezielle Dochtscheren.

Kerzen werden in der Regel durch eine offene Flamme (Streichholz, Feuerzeug, andere brennende Kerze) entzündet. Das Verlöschen der Kerze kann mit einem Kerzenlöscher, der Dochtschere, einer breiten Kupferpinzette oder einfach durch Ausblasen erreicht werden. Nach dem Ausblasen entstehen durch nachverdampfenden Brennstoff Aerosole.

Je niedriger der Schmelzpunkt des Wachses ist, desto schneller brennt die Kerze ab. In einer Stunde verbrennt eine Kerze etwa 3 bis 8 g Wachs. Sie erzeugt eine Heizleistung von 38 bis 100 W. Die Lichtausbeute beträgt 0,1 bis 0,2 lm/W.

Der nachlässige Umgang mit Kerzen führt immer wieder zu Zimmer- und Wohnungsbränden. Die häufigste Brandursache ist dabei das fehlende Beaufsichtigen der brennenden Kerzen.

Entstehung der Flamme mini|Brennende Kerze, rechts schematisch mit Verbrennungszonen (siehe Text) mini|Kerzenflamme in der Schwerelosigkeit

Die Verbrennungszonen einer Kerzenflamme werden in der rechten Abbildung gezeigt. Die heißesten Bereiche liegen außerhalb der gelbleuchtenden Flamme und tragen nicht zur Lichterzeugung bei. Eine Erklärung dafür liefert das Kirchhoffsche Strahlungsgesetz, das einen Zusammenhang zwischen Strahlungsemission und Absorption eines Körpers herstellt: Sauerstoff und andere beteiligte Gase sind transparent, weshalb sie auch bei Temperaturen von 1400 °C kein Licht aussenden.