mini|Haupteingang des Elblandklinikums Radebeul im Inneren des Geländes, davor der Brunnen der Bildhauerin Thea Richter Das Elblandklinikum Radebeul ist ein Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung in kommunaler Trägerschaft des Landkreises Meißen in Radebeul-Niederlößnitz, in der Heinrich-Zille-Straße 13/13a. Das Krankenhaus hat 315 Betten,Vorstellungsseite Elblandklinikum Radebeul. davon 15 Betten für die Intensivtherapie. Hinzu kommen 30 tagesklinische Plätze. Die Leitung des Krankenhauses setzt sich aus Verwaltungsdirektorin Ursula Russow-Böhm, dem Ärztlichen Direktor Philipp von Breitenbuch sowie Pflegedirektor Martin SchunackKrankenhausleitung Elblandklinikum Radebeul. zusammen.

Es bestehen folgende Fachabteilungen: Klinik für Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und endovaskuläre Chirurgie Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie Klinik für Augenheilkunde Klinik für Frauenheilkunde Klinik für HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie Klinik für Innere Medizin und Intensivmedizin Klinik für Unfallchirurgie, Orthopädie und Wirbelsäulenchirurgie Klinik für Plastische, Rekonstruktive und Brustchirurgie Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Physiotherapie Radiologie

In unmittelbarer Nähe des Krankenhauses befinden sich zahlreiche Arztpraxen zur ambulanten Behandlung von Patienten (Ärztehaus, Gebäude der ehemaligen Poliklinik).

Die frühere Diakonissenanstalt Bethesda wurde nach dem Zweiten Weltkrieg zum Kreiskrankenhaus Radebeul. Unter dieser Denkmalbenennung stehen zahlreiche Bauten der Krankenhausanlage unter Denkmalschutz. Zu den Kulturdenkmalen gehören u. a. das ehemalige Siechenhaus Bethesda, das Steinerne Haus sowie das in der Borstraße 28 stehende Lydiahaus, benannt nach der ehemaligen Oberin Lydia Fröhlich.

Geschichte Krankenanstalt zu Niederlößnitz mini|Steinernes Haus, 1863 vor dem Um- und Anbau

Einer der ältesten Vereine der Lößnitz war der 1822 gegründete Verein für Heilwesen und Naturkunde, der sich unter anderem der Arbeit auf dem Gebiet der sozialen Fürsorge verschrieben hatte. So versuchte er ab 1847 den Missstand abzustellen, dass mittellosen Kranken oder Dienstboten vor Ort keine Krankenstation zur Verfügung stand, wenn sie sich einen Krankenhausaufenthalt in Dresden nicht leisten konnten. Insbesondere auch Paul Theodor Noa Kadner, dessen Sohn Paul Kadner später Dr. Kadners Sanatorium auf der Borstraße 9 führte, trieb diese Idee voran. Durch zahlreiche Maßnahmen wurde das Geld zusammengebracht, um in Oberlößnitz eine Dreizimmerwohnung zu diesem Zweck anzumieten. Die Nachbarn vereitelten diesen Versuch mit dem Hinweis auf die Entwertung ihrer Wohngegend.

In dieser Situation wurde dem Verein in Niederlößnitz ein Steinernes Haus (heutige Adresse Heinrich-Zille-Straße 13a) mit Nebengebäude zum Kauf für 2000 Taler angeboten, ein seltenes Gebäude, da die meisten Häuser der Umgegend aus Fachwerk waren. Mit Hilfe einer unbekannten Mäzenin aus Dresden konnte der Erwerb getätigt werden. Eine weitere große Hilfe kam von der Gräfin Schönburg-Wechselburg, die die künftige Krankenanstalt mit Mobiliar aus dem Bestand der ehemaligen Diakonissenanstalt zu Wechselburg ausstattete unter der Voraussetzung, dass die Krankenpflege durch von dort stammende Diakonissen vorgenommen würde.

Am 8. Oktober 1849 öffnete die Krankenanstalt zu Niederlößnitz im Steinernen Haus ihre Pforten und am 2. November des Jahres wurde der erste Kranke aufgenommen. Die Krankenanstalt zu Niederlößnitz war das erste Krankenhaus in der Umgebung Dresdens. Dort sollten „kranke Männer, Frauen und Kinder der Umgegend für ein mäßiges Pflegegeld […] ärztliche Behandlung“ erhalten.

Nach Eröffnung eines großen Krankenhauses in Dresden, welches auch Kranke aus der Lößnitz aufnahm, ging die Belegung zurück und damit auch die Einnahmen. Gleichzeitig schrumpfte die Zahl der zahlenden Vereinsmitglieder. So wurde 1860 beschlossen, künftig auch chronisch Kranke sowie Siechende aufzunehmen. Am 10. Juni 1862 musste aufgrund der finanziellen Lage der Beschluss gefasst werden, die Krankenanstalt aufzugeben und als Siechenhaus an die Dresdner Diakonissenanstalt zu verkaufen.

Diakonissenanstalt Bethesda mini|Siechenhaus Bethesda von der Nordseite, um 1890 mini|Links unten (1930): Diakonissenanstalt Bethesda, rechts daneben das Mädchen-Erziehungsheim Bethesda und die Siedlung der Baugenossenschaft Kötzschenbroda. Oberhalb des Turms der Kirche zu Kötzschenbroda überspannen die Elbebrücken Niederwartha die Elbe. Auf dem Bergkamm der Turm von Schloss Weistropp

Nachdem 1863 die Diakonissenanstalt Dresden die Krankenanstalt für 1000 Taler als älteste Tochteranstalt Siechenhaus Bethesda (Haus der Barmherzigkeit nach dem Teich Bethesda, wo Jesus nach biblischer Überlieferung einen Gelähmten geheilt haben soll) übernommen hatte und es durch Moritz Ziller aufgestockt worden war, diente die Einrichtung unter Führung einer Diakonisse zur Behandlung „solcher Kranker, die von langwierigen, unheilbaren Übeln befallen sind oder in ihren alten Tagen einer besonderen Pflege bedürfen“. Gemeint waren damit vor allem Nervenkranke, Epileptiker, Geistes- und Altersschwache und schwer Körperbehinderte. Im Folgejahr 1864 errichtete die Diakonissenanstalt im Rahmen der Inneren Mission westlich der bestehenden Anlage, heute westliches Nachbargrundstück Heinrich-Zille-Straße 15, das Magdalenenasyl „Talitha kumi“, eine „Besserungsanstalt für sittlich gefährdete junge Frauen“. Diese ist heute das diakonische Altersheim Hedwig-Fröhlich-Haus, benannt nach der Gründerin, der Ehefrau des ersten Rektors der Dresdner Diakonissenanstalt und Pfarrers Heinrich Fröhlich.

In den Jahren 1877–1879 errichteten die Baumeister Gebrüder Ziller ein neues größeres Hauptgebäude mit 120 Betten, das sogenannte „neue“ Siechenhaus Bethesda. Das Steinerne Haus wurde ab 1880 zum sogenannten „Blödenhaus“. Die Oberin Lydia Fröhlich gründete im selben Jahr die Marienschule, eine auf dem Anwesen angesiedelte Schwesternschule. 1896 folgte ein Kinderheim, für das die Gebrüder Ziller ein eigenes Gebäude erbauten. Die Kinderheimschule, eine anstaltseigene Volks- und Hilfsschule, erhielt 1910 die staatliche Anerkennung. Außerhalb des Geländes gab es mit dem Haus Salem in der Winzerstraße ab 1920 auch noch ein Schwestern-Erholungsheim der Diakonissenanstalt Dresden.

In diesen Jahren entwickelte sich die Pflegeanstalt zu einem zehn Hektar großen Gelände mit über 100 Beschäftigten. Im Jahre 1914 befanden sich auf diesem Gelände 11 Gebäude nebst einem großen Gartenbaubetrieb sowie mehreren Behindertenwerkstätten. Der von der Diakonissenanstalt genutzte Friedhof war der Diakonissen-Friedhof, auch Alter Friedhof, in Kötzschenbroda.

Marienschule Die Oberin der Diakonissenanstalt „Bethesda“, Lydia Fröhlich, gründete 1880 eine Schülerinnenabteilung des Siechenhauses, in der angehende Diakonissen die Grundlagen ihrer Arbeit als Krankenpflegerinnen erlernen konnten. Im Jahr 1892 wurde die Marienstiftung der Dresdner Diakonissenanstalt nach Niederlößnitz übertragen und damit aus der Lehrabteilung die Marienschule geschaffen. Als erstes Schulhaus wurde, ebenfalls in der heutigen Heinrich-Zille-Straße 13, ein kleines, eingeschossiges Gebäude zur Verfügung gestellt, welches als erstes Gebäude den Namen Lydiahaus nach seiner Gründerin erhielt.Geschichte des Krankenhauses Radebeul auf den Seiten der Elblandkliniken In diesem erhielten neben den Diakonissenschülerinnen auch Dienstmädchen eine Ausbildung.

Ein neues, größeres Gebäude, die „neue“ Marienschule, entstand 1912 nach Plänen der Baufirma „Gebrüder Ziller“ auf dem weiter südlich gelegenen Gelände hinter dem Haus Borstraße 28. Als Schülerinnen wurden Mädchen evangelisch-lutherischen Glaubens bis zu 16 Jahren aufgenommen, die dort eine zweijährige Ausbildung erhielten. Die Anzahl dieser sogenannten Marienschwestern lag durchschnittlich bei 50. Zusätzlich war in der „neuen“ Marienschule auch die Kinderheimschule für das nahegelegene Bethesda-Kinderheim untergebracht.

Die Marienschule wurde 1926 offiziell als Gewerbliche Fachschule für Hausangestellte und Krankenpflegerinnen anerkannt und 1940 geschlossen.

Öffentliches Krankenhaus mini|Gedenktafel am Haus 1 an Opfer des Euthanasieprogramms

Im Jahr 1940 wurde das Krankenhaus an die Stadt Radebeul verpachtet, jedoch 1941 geräumt und in den Folgejahren als Wehrmachts- und Seuchen-Lazarett genutzt. Die zuletzt etwa 250 Patienten allen Alters wurden in unterschiedliche Einrichtungen verlegt. Von diesen wurden mindestens 25 im Zuge des nationalsozialistischen „Euthanasieprogramms“ nach Arnsdorf beziehungsweise Pirna-Sonnenstein verbracht und dort getötet. Neben dem Eingang zu Haus I befindet sich eine Gedenktafel mit der Inschrift

Ab 1945 erfolgte wieder die Nutzung als lokales Krankenhaus in städtischer Pacht. Zwischen 1946 und Ende 1948 wurde das Anwesen durch die sowjetischen Streitkräfte beschlagnahmt. In der Folge wurde das Krankenhaus übergangsweise in das Genesungsheim Altwettinshöhe auf die Zitzschewiger Wettinhöhe verlegt. Die Verwaltung wurde im benachbarten Haus Wettinhöhe untergebracht.

Die Diakonissen zogen 1965 aus ihrem Anwesen aus und übergaben es 1974 durch Grundstückstausch in öffentliches Eigentum. Zwischen 1974 und 1981 erfolgte der Neubau der Inneren Klinik und 1985 öffnete eine Poliklinik mit neun Spezialpraxen. Ende der 1980er Jahre wurde das chirurgische Bettenhaus eröffnet, in dem sich seit 1997 die stationäre Psychiatrie befindet.

Nach der Wende mini|Rückseite des Elblandklinikums Radebeul mit der interdisziplinären Notaufnahme, im Hintergrund der östliche Flügel des ehemaligen „neuen“ Siechenhauses Bethesda

Nach der politischen Wende wurden der stationäre Krankenhausbetrieb und die Poliklinik getrennt. Dies hatte zur Folge, dass die Poliklinik aufgelöst und in ein Ärztehaus umgewandelt wurde. Von 1991 bis 1994 entstand der neue dreigeschossige Zentralbau für drei Fachabteilungen, auf dem sich der Hubschrauberlandeplatz befindet. Zwischen 1998 und 2003 erfolgte die denkmalgerechte Restaurierung des historischen Hauptgebäudes (Haus I) einschließlich dessen Kapelle. Diese wurde aufwendig wiederhergerichtet und als Raum der Stille ausgestattet.

2002 erfolgte die Fusion der Kreiskrankenhäuser Meißen und Radebeul zu den Elblandkliniken in der Trägerschaft des damaligen Landkreises Meißen. Die Einrichtungen in Riesa und Großenhain wurden 2007 innerhalb des Landkreises Riesa-Großenhain zu einem Plankrankenhaus zusammengefasst und 2008 in die Elblandkliniken in die Trägerschaft des heutigen Landkreises Meißen überführt.

Mit der Fertigstellung des Umbaus der ehemaligen Poliklinik/Ärztehaus zog die Bethesda-Apotheke aus dem ihretwegen lange Zeit auch Bethesda-Apotheke genannten Gebäude, dem Steinernen Haus, aus und siedelte sich im Erdgeschoss des jetzt modernisierten Ärztehauses in der Borstraße 30 an. Das Steinerne Haus wird weiterhin auch als Ärztehaus genutzt.

Im Jahr 2009 erhielt das Elblandklinikum Radebeul als erste sächsische geburtshilfliche Einrichtung das von der Weltgesundheitsorganisation WHO und dem Kinderhilfswerk UNICEF ausgelobte, internationale Gütesiegel Babyfreundliches Krankenhaus. Nach Beschluss des Kreistags 2013 wurde die ausgezeichnete Geburtsklinik in Radebeul trotz erheblicher Proteste der Bevölkerung geschlossen.

Das Elblandklinikum Radebeul ist seit 2012 zertifiziertes Regionales TraumazentrumZertifizierungen der Elblandkliniken und damit Teil des Trauma-Netzwerkes Ostsachsen. Zudem ist es unter anderem Mitglied des zertifizierten Regionalen Brustzentrums Dresden und kooperiert unter anderem mit der Universitätsfrauenklinik der TU Dresden, dem St. Joseph-Stift Dresden und dem Diakonissenkrankenhaus Dresden in den Bereichen Strahlentherapie und Nuklearmedizin.

Das Elblandklinikum Radebeul ist heute Akademisches Lehrkrankenhaus des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden und als Krankenhaus der Regelversorgung einziges Krankenhaus von Radebeul.

Kulturdenkmale