mini|Das Altstädtische Gymnasium

Das Altstädtische Gymnasium oder Palaeopolitanum Regiomonti Gymnasium war das zweitälteste Gymnasium im ostpreußischen Königsberg, gelegen im Stadtteil Altstadt.

Geschichte Gegründet wurde das Gymnasium als gelehrte Lateinschule 1525, die auf die 1376 erstmals urkundlich erwähnte altstädtische Pfarrschule zurückgeht.Karl Faber: Die Haupt- und Residenz-Stadt Königsberg in Preußen. Das Merkwürdigste aus der Geschichte. Beschreibung und Chronik der Stadt. Gräfe und Unzer, Königsberg 1840, S. 45. Möglicherweise erfolgte die Gründung schon im 13. Jahrhundert. Ab 1811 wurde es nach den neuhumanistischen Reformideen Wilhelm von Humboldts als ein Gymnasium seines Königsberger Schulplans neu eröffnet.

Es galt daher wegen seiner humanistischen Bildungsideale, neben dem Collegium Fridericianum und dem Kneiphöfischen Gymnasium, als eine Eliteinstitution der Provinz Ostpreussen und Deutschlands. Am 6. Januar 1923 wurde es mit dem Kneiphöfischen Gymnasium zum Stadtgymnasium Altstadt-Kneiphof vereinigt. Das gemeinsame Schulgebäude war das vom Kneiphöfischen Gymnasium. Das freigewordene Gebäude wurde ab 1925 durch das Körte-Oberlyzeum weitergenutzt.

Im Laufe der Luftangriffe auf Königsberg in der Nacht vom 29./30. August 1944 wurde das Schulgebäude durch britische Bomben stark zerstört und brannte völlig aus. Der Schulbetrieb wurde im Oktober 1944 in einem Ersatzgebäude für die beiden humanistischen Gymnasien (Stadtgymnasium und Friedrichskollegium) wieder aufgenommen und bis Januar 1945 aufrechterhalten. Am 23. Januar 1945 wurden auf behördliche Anordnung alle Schulen der Stadt geschlossen und damit hörte auch das Altstädtische Gymnasium auf zu bestehen.

Persönlichkeiten

Lehrer Johann Michael Hamann (1769–1813), Sohn des Philosophen Hamann, Freund Kants, Lyriker und Pädagoge, 1794 Konrektor durch Kants und Hamanns Freund von Hippel, 1796–1813 Rektor mit innovativen Ideen Christoph Wilhelm Busolt (1771–1831), Reform-Pädagoge, 1788–1798 Lehrer Friedrich Ellendt (1796–1855), Klassischer Philologe, 1819–1821 Hilfslehrer, 1821–1835 Oberlehrer Ernst Ellendt (1803–1863), Klassischer Philologe, 1838–1863 Direktor Carl Ludwig Bender (1811–1893), Oberlehrer, Rittergutsbesitzer auf Catharinenhof bei Tharau, Kr. Königsberg Julius Rupp (1809–1884), Theologe, Publizist und Privatdozent an der Albertina Karl Ludwig Bender (1811–1893), Oberlehrer bis 1851, später Landtagsabgeordneter Rudolf Möller (1815–1885), Philologe; Direktor und Chronist der Schule Georg Bujack (1835–1891), Oberlehrer, Prähistoriker O. Retzlaff, Professor, Oberlehrer um 1885 Heinrich Babucke (1841–1902), Klassischer Philologe, Gymnasialdirektor, Nachfolger von MöllerWilt Aden Schröder: Karl Heinrich Julius Babucke. (PDF) Ostfriesische Landschaft, BLO II Aurich 1997, S. 20–22; abgerufen am 14. Oktober 2015. Richard Armstedt (1851–1931), Oberlehrer, Historiker Georg Lejeune Dirichlet (1858–1920), Direktor, Stadtverordnetenvorsteher in Königsberg Emil Doerstling (1859–1940), Maler (Kant und seine Tischgenossen, 1892) Eduard Loch (1868–1945), Altphilologe, Oberlehrer (1900) und Gymnasialprofessor (1908) Arthur Mentz (1882–1957), Pädagoge, Theologe und Historiker, D. Dr., 1921–1945 Leiter der Schule, widerstand bis zuletzt dem Beitritt zur NSDAP, leidenschaftlicher Stenograph und Stenographiehistoriker, Lehrer Johannes Bobrowskis,Johannes Bobrowski: Briefe 1937–1965. Hrsg.: Jochen Meyer. Band III. Göttingen 2017, S. 384 Oberstudiendirektor seit 1932; Herausgeber der Mitteilungen „Stadtgymnasium Altstadt-Kneiphof“, speziell auch das Sonderheft zur 600-Jahr-Feier (8. Dezember 1933, Bobrowski-Chronik von Eberhard Haufe) als Schuljubiläum (6. Jg., Nr. 4, November 1933) Georg Christoph Pisanski (1725–1790) Max Sellnick (1884–1971), Milbenforscher Reinhard Adam, Klassenlehrer Bobrowkis, vorher in Tilsit LehrerJohannes Bobrowski: Briefe 1937–1965. Hrsg.: Jochen Meyer. Band III. Göttingen 2017, S. 434

Schüler In alphabetischer Reihenfolge Siegfried Heinrich Aronhold (1819–1884), Mathematiker und Physiker Heinrich Dietrich Otto Ferdinand von Behr († 1880), Superintendent der Diözese Mohrungen, Vater von Anton von Behr Georg Bender (1848–1924), langjähriger Oberbürgermeister der Stadt Breslau Johannes Bobrowski (1917–1965), Lyriker und Erzähler Alexander August von Buchholtz (1802–1856), Pandektenwissenschaftler in Königsberg Carl Bulcke (1875–1936), Schriftsteller und Staatsanwalt Heinrich Eduard Dirksen (1790–1868), Rechtshistoriker Heinrich Dembowski (1812–1901), Philologe, Direktor des Kgl. Waisenhauses und Progymnasiums in Königsberg Johann Wilhelm Ebel (1784–1861), Theologe Hermann Eilsberger (1837–1908), Pfarrer in Königsberg Julius Ellinger (1817–1881), Mathematiklehrer in Königsberg und Tilsit Johann Funk (1792–1867), Pastor an St. Marien zu Lübeck Otto Gisevius (1821–1871), Landrat in Allenstein Erich Granaß (1877–1958), Rechtsanwalt und Stadtverordneter in Berlin Ernst Gutzeit (1863–1927), Hochschullehrer Konrad Friedländer (1831–1896), Pädagoge, Direktor des Realgymnasiums des Johanneums in Hamburg Max Hagedorn (1852–1914), Arzt und Entomologe, Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft August Hagen (1797–1880), Kunstschriftsteller, Novellist, erster Lehrstuhlinhaber für Kunstgeschichte und Ästhetik in Preußen Johann Hecker (1625–1675), Astronom in Danzig Max Hein (1885–1949), Historiker und Archivar Otto Hesse (1811–1874), Mathematiker in Heidelberg Karl Friedrich Horn (1779–1831), Verwaltungsjurist, Oberbürgermeister von Königsberg Reinhold Bernhard Jachmann (1767–1843), Theologe Robert Jaensch (1817–1892), Mathematiklehrer Victor Laudien (1866–1945), Pfarrer und Superintendent in Königsberg Karl Ludwig Kahlbaum (1828–1899), Psychiater Hans Kiewning (1864–1939), Archiv- und Bibliotheksdirektor in Detmold Matthias Knutzen (1646–nach 1676), Religionskritiker Theodor Levin (1836–1922), Kunsthistoriker, Hochschullehrer an der Kunstakademie Düsseldorf Friedrich Lewald (1794–1858), Finanzpolitiker, Eisenbahndirektor Harry Liedtke (1882–1945), Schauspieler Johann Eduard Loch (1840–1905), Altphilologe Hermann Minkowski (1864–1909), Mathematiker Alexander Oppenheim (1819–1898), Jurist und Fotograf Otto Georg Oppenheim (1817–1909), Jurist und Obertribunalrat Rudolph Oppenheim (1811–1871), Bankier Georg Rauschning (1876–1956), Verwaltungsjurist und Landrat Friedrich Julius Richelot (1808–1875), Mathematiker Julius Rupp (1809–1884), Theologe Isidor Scheftelowitz (1875–1934), Indologe, Iranist, Volkskundler und Rabbiner Heinz Schimmelpfennig (1905–1983), Verwaltungsjurist Franz Schlegelberger (1876–1970), Staatssekretär im Reichsjustizministerium, kommissarischer Justizminister in der NS-Zeit Ernst Reinhold Schmidt (1819–1901), Führer der deutschen Einwanderer in Pennsylvania Heinrich Schröter (1829–1892), Mathematiker Otto Schumann (1805–1869), Landgerichtsdirektor, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Arnold Sommerfeld (1868–1951), Mathematiker und Theoretischer Physiker Walter Telemann (1882–1941), Internist und Radiologe George Wichert (1811–1876), klassischer Philologe, Latinist der Neuzeit und Gymnasialdirektor Hans Widera (1887–1972), Wirtschaftsjurist Carl Witt (1815–1891), liberaler Politiker

Siehe auch Liste der Gymnasien in Ostpreußen Liste der ältesten Schulen im deutschen Sprachraum

Literatur In der Reihenfolge des Erscheinens Karl Friedrich Merleker: Historisch-statistische Nachrichten über das Altstädtische Gymnasium in Königsberg in Pr. In: Preußische Provinzial-Blätter, Königsberg, 1838, Band 20, S. 182–188 und S. 338–353; books.google.de Rudolf Ludwig Theodor Möller: Geschichte des Altstädtischen Gymnasiums zu Königsberg in Pr. Möller, Königsberg. In dieser Reihe erschienen unter anderem die Bände: Finanzverhältnisse der altstädtischen lateinischen Kirchenschule bis zu ihrer Verwandlung in ein städtisches Gymnasium im Jahre 1811. 1848. Die Schulcomödien im Allgemeinen. 1874. Die rhetorischen Schulactus. 1878. Die poëtischen Übungen. 1882. Das Abiturientenexamen in älterer und späterer Zeit. 1885. Georg Christoph Pisanski: Von den Schulen in Königsberg im siebzehnten Jahrhundert. In: Preußische Provinzial-Blätter, Königsberg, 1850, Band 9, S. 458–467, insbesondere S. 459–462; . Königsberg. In: Ludwig Adolf Wiese (Hrsg.): Das höhere Schulwesen in Preußen – Historisch-statistische Darstellung. Berlin 1864, S. 52–56; . Heinrich Babucke: Zur Erinnerung an die Übersiedelung des Altstädtischen Gymnasiums zu Königsberg Pr. Hartungsche Buchdruck, 9. April 1889, Festschrift; darin die Beiträge Die Gebäude des Altstädtisches Gymnasium und Verzeichnis der Abiturienten 1814 bis 1889; . Richard Armstedt: Geschichte der königl. Haupt- und Residenzstadt Königsberg in Preußen. Hobbing & Büchle, Stuttgart 1899 (= Deutsches Land und Leben in Einzelschilderungen, 2: Städtegeschichten). Nachdruck: Melchior-Verlag, Wolfenbüttel 2006, ISBN 3-939102-70-9 (in der Reihe „Historische Bibliothek“).

Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen. Band 2: Von der Königskrönung bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 2., ergänzte Auflage. Böhlau, Köln 1996, ISBN 3-412-09096-4, S. 354.

Weblinks Abiturienten 1814–1889. ahnenforschung-bildet.de

Einzelnachweise

Kategorie:Architektur (Königsberg, Preußen) Kategorie:Gymnasium in Königsberg (Preußen) Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1525 Kategorie:Aufgelöst 1945