mini|hochkant|Die Bundesstraße als Durchfahrtsstraße mini|hochkant|Teilansicht des Ortes mini|hochkant|Denkmalgeschütztes Gebäude in der Wünnenberger Straße 6 mini|hochkant|Die Alme mini|hochkant|Die Gemeinschaftshalle, gesellschaftlicher Mittelpunkt des Ortes Alme ist ein dörflicher Ortsteil der Stadt Brilon im nordrhein-westfälischen Hochsauerlandkreis in Deutschland. Die bis Ende 1974 selbständige Gemeinde liegt an der Grenze zu Bad Wünnenberg und damit im Übergangsbereich von Sauerland und Paderborner Land beziehungsweise Bürener Land. Mit 1709 Einwohnern (Stand Dezember 2021) und einer Gemarkungsfläche von rund 35 km² ist Alme nach der Kernstadt der größte Ortsteil von Brilon.

Geographie Das Dorf liegt am Rande der Briloner Hochfläche in einem welligen Hügelland. Die im südlichen Bereich der Ortschaft aus 104 Karstquellen entspringende Alme durchfließt das Dorf in nordnordwestlicher Richtung und verlässt Richtung Büren die Gemarkung. Hier findet sich bei der Mündung der Nette mit Topografische Karte 1:25.000 der niedrigste Punkt der Gemarkung. Im Süden steigt das Gelände bis auf an. Dieser Punkt liegt östlich der Straße von Alme nach Wülfte. Im Westen liegen die bewaldeten östlichen Ausläufer des Arnsberger Waldes. Weitere ausgedehnte Waldgebiete finden sich im Norden und Osten der Gemarkung.

Benachbarte Ortschaften sind die Briloner Ortsteile Nehden im Süden und Wülfte im Südwesten. Im Nordwesten liegen die zu Büren gehörenden Ortschaften Harth und Weiberg. Im Norden liegt die Stadt Bad Wünnenberg und im Osten deren Ortsteil Bleiwäsche. Von der rund 35 km² großen Gemarkungsfläche sind 20,91 km² Wald.

Ortsgliederung Bis ins 20. Jahrhundert hinein gab es im Gebiet der heutigen Gemarkung Alme drei selbständige Gemeinden. Dies waren Ober- und Niederalme sowie die adelige Gutsgemeinde Alme. Im Jahr 1928 wurde daraus die Gemeinde Alme gebildet. Im Zuge der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen wurde die Gemeinde Alme auf der Basis des Sauerland/Paderborn-Gesetzes zum 1. Januar 1975 ein Ortsteil der Stadt Brilon. Heute hat der Ort etwa 1870 Einwohner und ist mit einer Gemarkungsfläche von rund 35 km², davon bestehen 20,91 km² aus Wald, der geographisch größte Ortsteil von Brilon.

Geschichte Die Besiedlung der Gegend um Alme erfolgte etwa ab 2000 v. Chr., wie Funde von Spinnwirteln und Schalensteinen beim heutigen Hallinghausen, zwischen Alme und Bad Wünnenberg gelegen, belegen.

Mittelalter mini|hochkant|St. Ludgerus mit Friedhofsansicht Die erste urkundliche Erwähnung datiert vermutlich aus dem Jahr 952. In einer Urkunde des späteren Kaisers Otto I. wird ein Ort namens „Almundoraf“ erwähnt. Die damalige sächsische Siedlung befand sich im Bereich der heutigen Pfarrkirche St. Ludgerus. Diese schenkte Wichburg von Geseke dem Damenstift Geseke, das sie gemeinsam mit ihren Geschwistern Graf Hahold, Brun und Friedrich 946 gegründet hatte. Eine erste Kapelle entstand 1003 im Bereich der heutigen Pfarrkirche als Eigenkirche. Mit Pfarrer Beilen wurde 1383 erstmals ein Pfarrer in Alme erwähnt. Vermutlich wurde die Pfarrei Hallinghausen nach Alme verlegt, nachdem der Ort zuvor bei einer Fehde zerstört wurde. In Hallinghausen wurde mit Conrad Dollenberg 1377 zum letzten Mal ein Pfarrer erwähnt. Im Bereich des heutigen Guts Haus Tinne wurde 1325 eine Burg gebaut. Burg und Ortschaft wurden 1374 an die Edelherren von Büren der Wewelsburger Linie verpfändet. Diese verpfändeten beides 1380 an Johann von Schorlemer den Jüngeren und 1394 zur Hälfte an Hermann vom Alten Haus Padberg.StA Münster Fstm. Paderborn, Urk. 900, Nr. 10 / Anton Fahne: Urkundenbuch Meschede Nr. 78 und 95.

Nach dem Aussterben der Wewelsburger übernahm 1411 Erzbischof Friedrich von Köln die Burg Alme.Reinhard Oberschelp: Die Edelherren von Büren. Münster 1963, S. 54. Sein Nachfolger Erzbischof Dietrich von Köln schloss 1415 einen Vertrag mit den Brüdern Gottschalk und Friedrich vom Neuen Haus Padberg, worauf Gottschalk seinen Wohnsitz nach Alme verlegte.StA Münster, Msc. II, 71, fol. 119 / Georg Landau: Beiträge zur Geschichte der Schlösser und des niederadelichen Geschlechts von Padberg. In: Allgemeines Archiv für die Geschichtskunde des Preußischen Staates, Band 17. Berlin 1835, S. 84f. 1428 kaufte Godert von Meschede von den Herren von Thülen das Haus und Steinwerk mit allen dazugehörigen Gütern.Anton Fahne: Urkundenbuch Meschede, Nr. 109 Diesem überließ Erzbischof Dietrich II. von Köln 1430 die Burg Alme als inzwischen „wüste Hofstätte“.Anton Fahne: Urkundenbuch Meschede, Nr. 110 Für das Jahr 1493 unterscheidet man erstmals zwischen den Häusern Ober- und Niederalme. Die Besitzungen gehörten den Vettern Gerd und Heinrich von Meschede gemeinsam. Gerhard von Meschede baute schließlich 1505 das Haus Niederalme. Reste dieses Baus sind noch heute im westlichen Teil des Herrenhauses von Schloss Alme zu erkennen.

Neuzeit mini|hochkant|Schloss Alme mini|hochkant|Haus Tinne In einem Grenzvertrag mit der Stadt Brilon einigten sich am 4. Mai 1525 die Herren von Meschede mit der Stadt über den Grenzverlauf:

„Dat zieh nembtlich aenseit nedden an der Harlebecke, so vern als zieh de Almer marcke strect, darselvest eyn stein gesath up de eine zyet ein cruce, up de ander ziet eyn spaer, de Harlebecke heen an up den Burer wegh, dar de aver de Harlebecke geit, den Burer wegh up beß an den lutken Rumberen an de snehecruce, de dar up de westziden van wegen der van Brylen gehouwen, der vors(creven) van Messchede wapen, als nembtlich [sparen] an de oetziet, dergelicben denselven snehen beß up den neisten sypen, sich schnebet an de westziet an den Burer wegh, denselvigen sypen up de eggen des sypens, so dar de snehecruce unde spätren darlieh utwyset, am ende der snehe de besorgnisse und vorganck der boeme darselvest eyn stein gesät, up de eine syet eyn cruce, up ander ziet eyn spätre …“

Diese Vereinbarung lässt die Abhängigkeit von der jeweiligen Ortsherrschaft erkennen, denn anwesend waren Brüder und Vettern derer von Meschede, die Stadt Brilon sowie adlige und bürgerliche Schiedsmänner. Von einer Beteiligung der Dorfbewohner ist nicht die Rede.Bruns: Inventar Brilon A Urk. 152

Das Haus Oberalme teilte sich 1553 mit dem Tod des Goddert von Meschede zu Oberalme in ein Haus Oberalme und ein Haus Bruch.Grafe: Die ehemalige Solstätte Brookhof, S. 32. Haus Oberalme übernahm Hermann II. von Wolmeringhausen, der 1527 eine der beiden Erbtöchter geheiratet hatte; Haus Bruch kam an Wilke von Bodenhausen, den Ehemann der anderen Erbtochter.August Heldmann: Ueber den Stammsitz des Geschlechts von Wolmeringhausen. In: Adolph Tibus, Conrad Mertens (Hrsg.): Zeitschrift für vaterländische Geschichte und Alterthumskunde. 46. Band, Münster 1888, S. 96–106, hier S. 101. Unter Josias von Wolmeringhausen wurden beide Häuser wieder vereinigt. Über die Familien von Twiste und von Hanxleden kam Friedrich Wilhelm von Gaugreben durch Heirat in den Besitz von Haus Bruch und durch Kauf in den von Haus Oberalme.Hömberg: Rittersitze IV, S. 7f.

Im Zuge einer Erbauseinandersetzung erfolgte 1589 die Teilung des Hauses Niederalme in ein altes und ein neues Haus Niederalme. Während das alte Haus im Besitz derer von Meschede verblieb, gelangte das neue Haus durch Heirat an die Familie von Holdinghausen. Unter Einbeziehung älterer Teile der Burg Niederalme baute Dietrich Adam von Meschede 1744 das barocke Wasserschloss Alme. Mit dem Tod von Diedrich Adam von Meschede erlosch 1768 das Geschlecht derer zu Meschede. Dieser hatte seine zweite Frau Franziska Dorothea von Bruch als Universalerbin eingesetzt. Daran knüpfte er die Bedingung, dass nach deren Ableben der älteste Sohn seiner Tochter das Erbe übernehmen sollte.Anton Fahne: Urkundenbuch Meschede Nr. 620 So kam 1769 Theodor Werner von Bocholtz in den Besitz.

Im Jahre 1717 ließ Maria Magdalene von Gaugreben an der Stelle der einstigen Burg Oberalme das Haus Tinne erbauen. „Das Haus Oberalme genannt die Tinne“Die Bezeichnung „Tinne“ ist erst 1701 belegt / Grafe, S. 23 wurde 1775 von Friedrich Christian von Gaugreben an den Freiherrn Ferdinand von Bocholtz verkauft.Anton Fahne: Bocholtz II, Urk. Nr. 641 / Hömberg: Rittersitze IV, S. 16.

Am 1. März 1733 wurde das politisch zu Kurköln gehörende Alme auch kirchlich dem Erzbistum Köln unterstellt. In der Bulle „de salute animarum“ wurde 1823 das Erzbistum Paderborn für das ehemalige Herzogtum Westfalen zuständig, nachdem 1816 dieses als Teil der Provinz Westfalen im Königreich Preußen aufging.

Im 19. Jahrhundert entstanden die drei Gemeinden Niederalme, Oberalme und Gutsgemeinde Alme. Nachdem 1861 in Alme eine Postexpedition II. Klasse eingerichtet worden war, bekam Alme mit der Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Büren–Brilon 1901 auch einen Eisenbahnanschluss. 1912 wechselte erneut die Herrschaft in Alme. Franz Reichsgraf von Spee erwarb von den Grafen von Bocholtz deren Almer Besitzungen. Noch 1922 existierte in Alme ein Armenhaus. Am 30. September 1928 wurde aus den Gemeinden Nieder Alme, Ober Alme und dem Gutsbezirk Alme die Gemeinde Alme gebildet.

Zweiter Weltkrieg Im Schloss Alme wurde im November 1944 kurzzeitig der Stab der Waffen-SS-Division Das Reich untergebracht.Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939–1945. 1955, Abschnitt Alme, S. 59–61. Ab Anfang 1945 tauchten immer häufiger Tiefflieger der Alliierten über Alme und dem Almetal auf. Die Almetalbahn bei Alme war immer wieder Angriffsziel von Tieffliegern. Am 13. Februar wurde der Bahnhof Alme von Tieffliegern mit Bordwaffen beschossen. Zwei Lokomotiven blieben unbrauchbar liegen. Zwei Gebäude fingen Feuer und mehrere Gebäude bekamen Treffer ab. Im Dorf hielten sich kurz vor der Besetzung ungefähr 6000 Gefangene auf, die vor den anrückenden alliierten Truppen nicht mehr abtransportiert werden konnten, da die Almetalbahn unbrauchbar war. Der Volkssturm wurde aufgerufen und Straßensperren wurden vorbereitet. Rückwärtige Dienststellen der Wehrmacht, darunter der Stab eines Transportregiments, kamen ins Dorf, wenig später auch Polizeieinheiten. Einzelne Trupps der Wehrmacht sollten sich nun zur Verteidigung von Alme vorbereiten, zogen aber auf Zureden einiger Dorfbewohner ab. Am 29. März wurde Nehden besetzt. Am folgenden Tag passierten große Fahrzeugkolonnen mit Panzern der US-Army das Dorf aus Richtung Nehden. Die in Richtung Wünnenberg fahrenden Fahrzeuge wurden hinter Alme angegriffen. Dabei wurde ein US-Panzer getroffen und mehrere US-Soldaten wurden verwundet. Am 1. April besetzten US-Soldaten das Dorf. Im Dorf kam es in der folgenden Zeit zu kleineren Plünderungen durch ehemalige Gefangene. Größere Probleme hatten einzeln stehende Bauernhöfe um Alme. Im Zweiten Weltkrieg fielen 58 Almer als Soldaten, davon die meisten an der Ostfront, bzw. starben im Lazarett und in Gefangenschaft.Hugo Cramer: Der Landkreis Brilon im zweiten Weltkriege 1939–1945. 1955, Ehrentafel Abschnitt Alme, S. 238–239.

Nach dem Zweiten Weltkrieg Die Gemeinde Alme wurde am 1. Januar 1975 im Zuge der kommunalen Neugliederung in Nordrhein-Westfalen auf der Basis des Sauerland-/Paderborn-Gesetzes ein Ortsteil der Stadt Brilon.

Jüdisches Leben