mini|300px|Kellerwald: Blick vom Ringelsberg (ca. ) beim Dorf Asel-Süd über einen Teil des Edersees in Richtung Ostsüdosten zum Dicken Kopf ()
Der Kellerwald ist ein bis hohes und 514,5 km²Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands, Herausgegeben im Auftrage der Bundesanstalt für Landeskunde und des Zentralausschusses für deutsche Landeskunde von E. Meynen und J. Schmithüsen, Remagen 1953, Verlag der Bundesanstalt für Landeskunde, Haupteinheiten 34–35: Hessisches Bergland, S. 536. großes Mittelgebirge in Hessen, Deutschland. Er liegt im westlichen Zentrum des Westhessischen Berg- und Senkenlands an dessen Nahtstelle zu den Ausläufern des Rothaargebirges und ist Teil des Rheinischen Schiefergebirges.
Der Kellerwald verfügt über eines der größten unzerteilten Buchenwaldgebiete Deutschlands und enthält mit dem Nationalpark Kellerwald-Edersee den einzigen Nationalpark Hessens, der teilweise zugleich zum UNESCO-Weltnaturerbe Buchenurwälder und Alte Buchenwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas gehört. Der Naturpark Kellerwald-Edersee umfasst nahezu den gesamten Kellerwald.
Geographie Lage Der Kellerwald erstreckt sich in Nordhessen im Landkreis Waldeck-Frankenberg und im Schwalm-Eder-Kreis. Im Norden liegen der Edersee und der Affolderner See, nach deren Passieren die Eder den Kellerwald nach Osten verlässt. Südlich des Ederaustritts fällt das Gelände nach Osten zur Wildunger Senke ab, nach Südosten zum Tal der Schwalm. Im Süden schließt sich die zum Vogelsberg überleitende Oberhessische Schwelle mit dem Höhenzug Hemberg an. Nach Südwesten geht der Kellerwald über das Tal der Wohra in den Burgwald über, im Westen befindet sich jenseits der Eder die Breite Struth.
Am Nordrand des Kellerwaldes bzw. am Südufer des Edersees liegt der Wildpark Edersee mit der Greifenwarte Wildpark Edersee und dem Kellerwald-Informationszentrum Fagutop.
Naturräumliche Gliederung Übersicht Der Kellerwald wird im Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands zum Westhessischen Bergland (naturräumliche Haupteinheitengruppe 34) gezählt. Ungeachtet dessen zählt ihn der Autor der feiner gliedernden Folgepublikation Blatt 111 Arolsen, der Zugehörigkeit zum Rheinischen Schiefergebirge wegen, eher zum Süderbergland (33), setzt indes die Nummerierung des Handbuchs fort.
Er gliedert sich wie folgtMartin Bürgener: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 111 Arolsen. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1963. → Online-Karte (PDF; 4,1 MB) (Flächen in Klammern per Umweltatlas Hessen):
344 Kellerwald (345,91 km²) 344.0 Hoher Kellerwald (53,07 km²) 344.00 Jeust und Keller (40,87 km²) 344.01 Löwensteiner Berge (12,20 km²) 344.1 Mittelkellerwald (70,26 km²) 344.2 Wildunger Bergland (64,51 km²) 344.3 Große Hardt (40,78 km²) 344.4 Ederseetrog (Herzhausen-Hemfurther Edertal) (62,91 km²) 344.5 Niederkellerwald (54,38 km²) 344.50 Frankenauer Flur (21,46 km²) 344.51 Lotheimer Täler (22,90 km²) 344.52 Höhnscheid (10,02 km²)
Mit Ederhöhen werden, in eher vagem Sprachgebrauch, die Einheit 344.3 und der südlich des Edersees gelegene Teil von 344.4 bezeichnet, die dem Gebiet des Nationalparks Kellerwald-Edersee entsprechen.
Kurzbeschreibung der Naturräume mini|Umfang und Gliederung des Kellerwaldes Sich aneinanderreihende Kernstücke und Höhenschwerpunkte des Kellerwaldes sind der Jeust und Keller im Süden, der Mittelkellerwald und die Große Hardt im Norden.
Der im Süden des Kellerwaldes gelegene Naturraum Jeust und Keller, auch Hoher Kellerwald genannt, besteht aus dem hohen Jeust und dem hohen Wüstegarten (Keller), dem höchsten Berg des Kellerwaldes, und dessen Nebengipfeln Hunsrück () und Sauklippe (). Der Hohe Kellerwald ist nahezu vollständig bewaldet. Als ostnordöstlicher Sporn des Kellers, jenseits des Tals der Urff, leiten die in Höhenlagen nur knapp erreichenden Löwensteiner Berge im südlichen Osten zum dem Kellerwald benachbarten Hessenwald (s. u.) über.
Dem schließt sich nördlich der Mittelkellerwald mit dem Hohen Lohr (), der Großen Aschkoppe (), dem Auenberg () an. Ein Ostausläufer ist der Pferdsberg (). Der Mittelkellerwald ist geprägt durch starke Verwerfungen und unterschiedlich harte Gesteinsschichten. Hier wechseln sich Bergkuppen und Talsenken ab. In den Tälern liegen die Rodungsinseln kleinerer Dörfer.
Das Wildunger Bergland bildet einen sich nach Osten öffnenden Trog um die Wilde und den Wesebach, der nach Südwesten vom Mittelkellerwald und nach Nordwesten von der Großen Hardt umschlossen ist. An der Nahtstelle zu beiden Naturräumen werden um Höhe erreicht, bekanntester und markantester Berg ist indes der hohe Homberg bei Bad Wildungen im Osten.
Der Niederkellerwald im mittleren und nördlichen Westen bildet die Westabdachung des Kellerwaldes. Nordnordwestlich des Pferdsbergs folgen die Frankenauer Flur (bis ) um Frankenau und schließlich die Lotheimer Täler (Höhenlagen bis knapp über ) dem Tal der Lorfe bis zu ihrer Mündung in die Eder und übersteigen deren Ufer knapp. Im äußersten Nordwesten des Kellerwaldes schließt sich der Naturraum Höhnscheid mit der hohen Höhnscheid an.
mini|Blick auf den nördlichen Kellerwald Die stark gebirgige, fast völlig bewaldete Große Hardt, das Gebiet des Nationalparks Kellerwald-Edersee, wird auch Ederberge, Ederhöhen oder – im Mittelalter – Hochgewälde genannt. Sie ist ein zum Ederseetrog geneigter und stark zerschnittener Kulmgrauwackenrumpf aus über 50 einzelnen Erhebungen. Die Täler sind schmal und tief eingeschnitten. Sie sind damit zur Besiedlung wenig geeignet, weshalb die Große Hardt vollkommen unbesiedelt ist. Im Süden liegt ein 550 bis hoher Bergrücken, die Wasser- und Klimascheide des nördlichen Kellerwaldes. Hier befinden sich die drei höchsten Berge der Großen Hardt: Traddelkopf (), Ahornkopf () und Dicker Kopf (). Diese Berge fallen mit einer steilen Südflanke bis zu 300 m tief in die Täler der Lorfe und nach Südosten des Wesebachs ab, das Gelände wirkt hier stellenweise subalpin. Im Westen trennt das überwiegend landwirtschaftlich genutzte Lorfetal die Ederberge von der Frankenauer Flur und bildet eine deutliche Lücke in der sonst weitgehend geschlossenen Waldlandschaft. Nach Norden hin dacht sich der Rücken – mehrfach abgetreppt – langsam ab, bis er dann von gut Höhe zum Edersee abfällt, dessen Wasseroberfläche bei Stauziel auf Höhe liegt. Dabei wird das Klima spürbar trockener und milder. Östlich des Banfebaches kam es zu einer dichten Zertalung, weshalb sich die Abdachungsfläche in kleinere Rücken, Buckel und Sporne auflöst. Besonders deutlich ist dies an den folgenden Bergen im Inneren der Großen Hardt zu erkennen: Geismarsberg, Himbeerkopf, Bleiberg, Wolfsberg, Hoher Stoßkopf, Lingenkopf, Nordgipfel der Locheiche und Ochsenwurzelskopf. Westlich der Banfe sind die Täler spärlicher. Hier haben sich größere Plateaus auf 420 bis Höhe erhalten. Diese liegen beispielsweise auf dem Arensberg, der Bracht und dem Gebrannten.Martin Bürgener: Natururräumliche Gliederung Deutschlands – Blatt 111: Arolsen, Bad Godesberg 1963, S. 11
Ganz im Norden des Kellerwaldes schließt sich der Ederseetrog beiderseits des Edersees, dessen Randhöhen kaum übersteigen, an die Große Hardt an.
Ausläufer des Kellerwaldes Nicht zum eigentlichen Kellerwald gezählt wird der Buntsandsteinrücken des Hessenwaldes (zur Haupteinheit Ostwaldecker Randsenken), in den die Löwensteiner Berge nach Nordosten nahezu fließend übergehen.
Auch die Waldstruth, die den Niederkellerwald nach Westen mit dem Rothaargebirge verbindet, zählt nicht mehr zum Kellerwald. Zwar war sie von der Bundesanstalt für Landeskunde unter der Leitung von Emil Meynen und Josef Schmithüsen Mitte der 1950er Jahre noch als Teil der Haupteinheit Kellerwald aufgefasst worden, jedoch wurde sie vom gleichen Institut bei Umstrukturierungen in den folgenden Jahren der neugeschaffenen Haupteinheit Ostsauerländer Gebirgsrand zugeschlagen.Emil Meynen, Josef Schmithüsen: Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands. 4./5. Lieferung – Bundesanstalt für Landeskunde, Remagen 1957; Karte der Haupteinheiten, 1:1.000.000, 1954 (vorläufig) und 1960 (endgültig)
Nicht naturräumlich zum Kellerwald gehörig, jedoch geologisch noch Teil des Rheinischen Schiefergebirges und überdies Teil des Naturparks Kellerwald-Edersee ist der kleine Höhenzug Hemberg, der sich südlich an Jeust und Keller anschließt. Da er gegenüber dem benachbarten Wüstegarten bereits um eine Höhenstufe von 200 Metern abfällt, wurde er den Gilserberger Höhen (Haupteinheit Oberhessische Schwelle) zugerechnet, deren nördlichsten Teil er darstellt. Geologisch reichen die Schiefergesteine noch weiter nach Süden, bis unmittelbar vor Gilserberg. In einer ostnordöstlichen Linie von Gilserberg nach Strang, dann nach Norden bis Jesberg und, nach Unterbrechung, bis Bad Zwesten gehend, werden sie von einem Zechsteingürtel eingeschlossen.
Berge und Höhenlage Der niedrigste Punkt des Kellerwaldes befindet sich am Rand des Edertals beim Ortsrand von Affoldern etwas unterhalb der Staustufe des Affolderner Sees auf Höhe; dem entgegen liegt die höchste Stelle mit Höhe auf dem Wüstegarten:
Zu den bekanntesten, nicht aber unbedingt zu den höchsten Bergen des Kellerwaldes gehören (inkl. aller „Sechshunderter“) – nach Höhe in Meter über Normalhöhennull (NHN) sortiert; für diese und weitere Berge des Kellerwaldes siehe Liste von Bergen des Kellerwalds: Wüstegarten (675,3 m) – mit Kellerwaldturm; Jeust und Keller Hunsrück (635,9 m) – Nordostgipfel Sauklippe (584,47 m) – äußerster Nordostgipfel Hohes Lohr (656,7 m) – mit Fernmeldeturm Hohes Lohr; Mittelkellerwald Große Aschkoppe (639,8 m); Mittelkellerwald Winterberg (616,6 m) – Südausläufer Kleine Aschkoppe (606,8 m) – Ostausläufer Traddelkopf (626,4 m) – höchster Berg im Nationalpark Kellerwald-Edersee; Große Hardt Ahornkopf (604,1 m) – Südwestgipfel Auenberg (610,7 m) – Osten des Mittelkellerwaldes Dicker Kopf (603,7 m); Große Hardt (Dominanz zum Traddelkopf: 3,58 km, Scharte zu diesem auf etwa 435 m am Tannendriesch, Schartenhöhe um 169 m) ehemaliger Nord-Gipfel Ermerod (einst 541,3 m) – heute Oberbecken II der Pumpspeicherwerke Waldeck (Stauziel auf 534,0 m) Jeust (585,0 m); Jeust und Keller Bilsenkopf (581,3 m) – Dominanz zu nordwestlichen Vorhöhen der Aschkoppen 1,00 km; Scharte zu diesen auf 535 m (Schartenhöhe um 46 m); nordöstlicher Randberg des Mittelkellerwaldes Talgang (566,1 m) – Süden der Großen Hardt Quernst – Nordausläufer mit Ruine Quernstkirche (bei 534,9 m), Quernstkapelle Wingelsberg (560,9 m) – südwestlich von Frebershausen; Dominanz zum Talgang im NW: 1,91 km, Scharte zum Bilsenkopf auf 513 m (Schartenhöhe um 48 m); nördlicher Randberg des Mittelkellerwaldes Pferdsberg (551,3 m) – südsüdöstlich von Frankenau, äußerster Nordwesten des Mittelkellerwaldes; Dominanz 3,06 km zum Schellberg im NO, Scharte auf etwa 486 m in Löhlbach (Schartenhöhe um 65 m) Dürrenberg (549,7 m) – südöstlich von Frebershausen; Dominanz zu Südausläufern des Traddelkopfes: 1,57 km, Scharte zu südwestlich benachbarten Wingelsberg auf 438 m an der K38 östlich von Frebershausen (Schartenhöhe 112 m); nordwestlicher Pfeiler des Wildunger Berglands Homberg (518,5 m) – mit Aussichtsturm; Osten des Wildunger Berglandes Silberberg (523,0 m) – östlich von Hundsdorf; Dominanz zur Nordostflanke der Aschkoppe im SW: 1,36 km; Scharte zum Auenberg im SO auf 471 m (Schartenhöhe: um 52 m); Nördlicher Randberg des Auenbergmassivs im östlichen Mittelkellerwald (bzw. südwestlicher Randberg des Wildunger Berglands)Blatt Arolsen zeichnet ihn zum Wildunger Bergland ein, weist die Grenze zum Auenberg jedoch als „nicht linienhaft festlegbar“ aus; „natürliche“ Nordgrenze des Mittelkellerwaldes ist hier heute eher die B 453.