mini|hochkant|Nationalparkschild bei Hemfurth-Edersee Der Nationalpark Kellerwald-Edersee (CDDA-Nr. 318077) im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg ist ein um den Edersee gelegener Nationalpark im Nordteil des Mittelgebirges Kellerwald. Seit dem 25. Juni 2011 ist das Buchenwald-Gebiet des Nationalparks Teil der UNESCO-Weltnaturerbestätte Buchenurwälder und Alte Buchenwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas.

Nach einer Erweiterung im Jahr 2020 um Gebiete nördlich und östlich des Sees umfasst der Nationalpark, gegliedert in 3 Teilflächen, inzwischen insgesamt 76,88 km².Neue Fläche 2020 nach Hessisches Naturschutzinformationssystem, Natureg, online abgerufen 2020-12-22, Datenstand dort 2020-12-15

Die Nationalparkverwaltung befindet sich im östlich des Parks gelegenen Bad Wildungen.

Geographie Lage Der Nationalpark Kellerwald-Edersee, der im westlichen Teil Nordhessens etwa 40 km (Luftlinie) südwestlich von Kassel liegt, umfasst den nördlichen Teil des Kellerwaldes. Sein Gebiet ist ungefähr deckungsgleich mit der Bergregion der Ederhöhen, die sich unter anderem südlich des Edersees ausbreitet. Der Park, der in seinen Grenzen unbesiedelt ist, befindet sich innerhalb der Grenzen des Naturparks Kellerwald-Edersee.

Der größere Teil des Nationalparks liegt südlich des Edersees von der Lorfe im Westen bis zum Tal des Wesebach im Südosten, er umfasst aber auch die Nordhänge des Sees zwischen Itter und Affolderner See. Der Edersee selbst sowie die an ihn angrenzenden Orte Hemfurth-Edersee, Rehbach, Bringhausen sowie Scheid und Asel-Süd sind ausgenommen, wie auch der Wildpark Edersee mit der Greifenwarte Wildpark Edersee und dem Kellerwald-Informationszentrum Fagutop.

Das Gebiet des Nationalparks wird umgeben von den Städten und Gemeinden Waldeck (Nordosten), Edertal (Osten), Bad Wildungen (Ostsüdosten), Frankenau (Südsüdwesten) und Vöhl (Nordwesten), deren Gebiete in den Park reichen. Der Park bildet damit ein Gebiet zwischen den folgenden Ortschaften (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Nieder-Werbe, Waldeck (beide Waldeck), Hemfurth-Edersee, Affoldern, Mehlen, Giflitz, Kleinern, Gellershausen (alle zu Edertal), Frebershausen (zu Bad Wildungen), Frankenau, Altenlotheim (zu Frankenau), Schmittlotheim und Kirchlotheim, Herzhausen, Marienhagen, Asel und Basdorf (alle zu Vöhl). Etwas entfernt befinden sich die Städte Korbach (Nordwesten), Naumburg (Nordosten), Fritzlar (Osten) und Frankenberg (Südwesten).

Naturräumliche Zuordnung Der Nationalpark Kellerwald-Edersee gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Westhessisches Bergland (Nr. 34) und in der Haupteinheit Kellerwald (344) zur Untereinheit Große Hardt (344.3), wobei Ausläufer im Norden in die Untereinheit Ederseetrog (344.4), im Osten in die Untereinheit Wildunger Bergland (344.2), im Süden in die Untereinheit Mittelkellerwald (344.1) und im Westen in der Untereinheit Niederkellerwald (344.5) in den Naturraum Lotheimer Täler (344.51) reichen.

Die Große Hardt, das Gebiet des Nationalparks, wird auch als Hohe Hardt, Hardt, Ederhöhen, Ederberge (nicht zu verwechseln mit dem Ederbergland bei Battenberg) oder – im Mittelalter – als Hochgewälde bezeichnet.

Die stark hügeligen, fast vollständig mit Wald bedeckten Ederberge bestehen aus über 50 einzelnen, mehr oder weniger großen und bis hohen Bergen.

Berge und Höhenlage Der niedrigste Punkt des Nationalparks Kellerwald-Edersee liegt am Rand des Eder­tals beim Ortsrand von Affoldern unweit bzw. unterhalb der Staustufe des Affolderner Sees auf , seine höchste Stelle mit auf dem Traddelkopf.

→ siehe dazu: Liste von Bergen im Nationalpark Kellerwald-Edersee

→ siehe auch: Liste von Bergen des Kellerwalds

Die höchsten Berge des Nationalparks und der Ederhöhen sind – sortiert nach Höhe in Meter (m) über Normalhöhennull (NHN):

Traddelkopf (626,4 m) Ahornkopf (604,1 m) – Südwestausläufer des Traddelkopfs mit im Nationalpark aufgegangenem Naturschutzgebiet Ruhlauber Dicker Kopf (603,7 m) Talgang (566,1 m) Locheiche (557,3 m) – Nordostausläufer des Traddelkopfs Quernst (ca. 545 m) – Nordausläufer des Talgangs mit Ruine der Quernstkirche (bei 535 m), der Quernstkapelle und einem Aussichtspunkt mit Blick auf das Rothaargebirge und Winterberg Ochsenwurzelskopf (542,2 m) Ermerod / Peterskopf (539,2 m / 506,6 m), mit Oberbecken der Pumpspeicherwerke Waldeck Friedrichskopf (528,5 m) – Südausläufer des Talgangs

Gewässer Fließgewässer, die den Nationalpark Kellerwald-Edersee bzw. die Ederhöhen einrahmen bzw. darin entspringen, sind (im Uhrzeigersinn, beginnend im Norden): Eder (Zufluss der Fulda) Banfebach (Zufluss des/der Edersees/Eder) Keßbach (Zufluss des Banfebachs) Große Küche (Zufluss des Keßbachs) Kleine Küche (Zufluss der Großen Küche) Bleibach (Zufluss des Banfebachs) Mellbach, Rehbach (Zuflüsse des/der Edersees/Eder) Wesebach (Zufluss der Eder) Wesebach-Zuflüsse: Haarbach, Schrummbach, Haimbach, Heimbach, Bartenbach, Kesselbach, Eschelbach, Klingesebach, Dreisbach, Ebach, Quernstgrund, Sasselbach Lorfe (Lorfebach; Zufluss der Eder) Elsbach (Zufluss der Lorfe) Hundsbach (Zufluss des/der Edersees/Eder) Bärenbach (Zufluss des/der Edersees/Eder)

Stillgewässer im Nationalpark Kellerwald-Edersee bzw. in den Ederhöhen sind: Edersee (nicht einbezogen) Affolderner See (im Osten) die Hochspeicherbecken der Pumpspeicherwerke Waldeck

Waldgeschichte Frühe Waldgeschichte mini|NationalparkZentrum Kellerwald zwischen Herzhausen und Kirchlotheim, im Hintergrund der Edersee mini|NationalparkZentrum Kellerwald

Durch die Eiszeiten wurden alle vorher bestehenden Wälder vernichtet. Zu einer Wiederbewaldung der Kellerwaldregion kam es erst nach Ende der letzten Eiszeit. Entsprechend der langsamen Klimaerwärmung wanderten nach und nach neue Baumarten ein.

Im Alleröd-Interstadial ab 11.400 v. Chr. entstand eine Tundra mit Wacholdern (Juniperus communis) und Weidenbüschen (Salix), die sich zu einem lichten Kiefern- (Pinus sylvestris), Birken- (Betula pendula), Wacholderwald weiterentwickelte.

In der Periode des Präboreals (9610 bis 8690 v. Chr.) entstand ein haselnussreicher Kiefern- und Birkenwald.

Im Boreal (8690 bis 7270 v. Chr.) dominierte Eichenmischwald (Quercus petraea, Quercus robur) mit vielen Ulmen (Ulmus glabra), Linden (Tilia platyphyllos, Tilia cordata) und Haseln (Corylus avellana).

Das feucht-warme Atlantikum (7270–3710 v. Chr.) bildete das nacheiszeitliche Klimaoptimum. In dieser Periode wanderte die Buche (Fagus sylvatica) nach Mitteleuropa ein, die sich auf Kosten der Ulme und der Linde ausbreitete. Es entstand dichter Buchenurwald mit Eichen.

In den folgenden Perioden des Holozäns, dem Subboreal (3710–450 v. Chr.) und dem Subatlantikum (450 v. Chr. bis heute) wurde das Klima kälter und kontinentaler. Seit dieser Zeit dominierte die Rotbuche fast vollständig das Waldbild.

Bis zum Mittelalter war der Kellerwald und insbesondere die Ederhöhen eine weitgehend menschenleere Waldwildnis. Menschen lebten nur am Rande des Gebietes. Insbesondere die sehr fruchtbare Fritzlarer Börde am Unterlauf der Eder ist seit dem Neolithikum kontinuierlich besiedelt. Im heutigen Nationalparkgebiet liegen südöstlich vom Berg Hardt () und nordöstlich von dessen Südsüdwestnachbar Bettelkopf (ca. ) je ein Hügelgrab aus der Bronzezeit. Sie werden der Kultur der Streitaxtleute zugerechnet.

Mittelalter und frühe Neuzeit Eine dichtere Besiedlung der Kellerwaldregion ist erst für die Jahre ab 700 nachgewiesen. In drei großen Siedlungswellen drangen die Menschen bis 1200 in den bis dahin unberührten Urwald vor. Die letzte dieser Wellen erreichte auch die Ederberge, also das heutige Nationalparkgebiet. Dort entstanden die Dörfer Eselsbach, am Hundsbach im Gebrannten gelegen, Eschenbruch etwas östlich des Fahrentriesches, Wellenhausen im oberen Banfebachtal bei der Quernst, Denninghausen im Bleibachtal östlich des Himbeerkopfes, Bodenscheid und Banfe im unteren Banfebachtal sowie Ermerode am Elmsberg. Aufgrund der schlechten Böden konnten sich diese Dörfer nicht lange halten und fielen bis spätestens 1470 wüst. Ihre Rodungsinseln wurden von den Bauern der umliegenden Dörfer als Wiesen und Weiden genutzt. Es entstanden sogenannte Triescher.

In den Ederhöhen liegen auf dem Berg Talgang mitten im Wald die Ruinen der Quernstkirche, die um 800 auf einem alten germanischen Heiligtum, einem heiligen Hain, errichtet wurde. Sie war fast bis zur Reformation, die hier 1526 eingeführt wurde, die einzige Kirche der zahlreichen Kellerwalddörfer. Neben den oben genannten Dörfern der Dritten Siedlungsperiode gehörten ursprünglich zu ihrem Gemeindegebiet die Stadt Frankenau sowie die Dörfer Altenlotheim, Frebershausen, Gellershausen, Bringhausen und Asel. Die Quernstkirche wurde ab 1528 nicht mehr genutzt und verfiel. Heute sind nur noch bewachsene Schutthaufen zu erkennen.

Eine weitere frühchristliche Höhenkirche ist die Siegelskirche, die wohl ebenfalls an der Stelle eines vorchristlichen heiligen Hains gegründet wurde. Im Unterschied zur Quernstkirche erlangte sie allerdings keine Bedeutung, sondern sie war vermutlich eher eine kleine Kapelle, die vor allem bei Prozessionen aufgesucht wurde. Der Name der Kirche leitet sich wohl vom altdeutschen Personennamen Siegold ab. Die Siegelskirche stand auf dem Berg Bracht im sogenannten Mariental, also dem oberen Bärenbachtal am Rande einer Wiese. Noch 1864 sah der Kirchlotheimer Pfarrer Bingmann Mauerreste im Mariental, die er der Siegelskirche zuordnete. Gut 100 Jahre später konnte der Heimatforscher Walter Zarges den Standort der Kirche jedoch nicht mehr sicher lokalisieren.

mini|Dehnerts Grab Auf dem Berg Himmelreich im Süden des heutigen Nationalparks fand am 20. Juli 1760 als Teil des Siebenjährigen Krieges ein Gefecht zwischen hessischen und französischen Truppen statt. In diesem Gefecht starb Johann Justus Dehnert aus Röddenau, ein Unteroffizier des Hessischen Jägercorps. Er wurde von seinen Angehörigen direkt auf dem Himmelreich beigesetzt. Bis heute wird das Grab von den Nachkommen der Familie Dehnert gepflegt und kann besichtigt werden. Die Stelle heißt Dehnerts Grab.

Seit diesem Gefecht soll es auf dem Himmelreich spuken. Berichtet wird, dass Leute häufig Schlachtengeschrei, Hörnerklang, Feldmusik und großes Wehklagen der Verwundeten gehört haben. Ein Schreiner, der von Frebershausen nach Frankenau unterwegs war, will auf dem Himmelreich des Nachts sogar „2 Glieder Soldaten in bunten Uniformen mit aschfahlen Gesichtern, wie in Fels gehauen“ gesehen haben.

Der Wald selbst wurde im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit intensiv und ungeregelt genutzt. Insbesondere wurden Hausschweine in den Wald getrieben, um sie mit Bucheckern und Eicheln zu mästen. An diese Praxis erinnert noch der Name Sauhütte auf dem Hegeberg bei Schmittlotheim. Aber auch Streuabfuhr, die ungeregelte Entnahme von Brenn- und Bauholz, die Köhlerei, Jagd und Nutzung der Eichenrinde als Gerberlohe bewirkten, dass der Wald im 18. Jahrhundert als verwüstet („devastiert“) bezeichnet wurde.

Neuzeit ab 1800: Der Kellerwald als Jagdgebiet