Etchells ist der Name einer offenen 3-Mann-Segelbootsklasse, die 1974 von der damaligen International Sailing Federation (ISAF) als Internationale Kielbootklasse und Einheitsklasse anerkannt wurde.

Die Etchells wurde 1966 von dem US-amerikanischen Yachtkonstrukteur Skip Etchells aus Greenwich (Connecticut) entworfen. Die Bootsklasse war bis 1990 bekannt unter dem Namen „Etchells 22“ oder „E22“, wobei sich die 22 auf die Wasserlinienlänge (LWL) von 22 Fuß bezog. Die Etchells-Bootsklasse wurde schnell bei den Seglern sehr populär und die internationale Klassenvereinigung ist weltweit organisiert in über 50 Flotten.

Geschichte der Etchells

Im Jahr 1965 trat die Yachtpublikation „Yachting Magazin“ bei der Suche nach einem neuen 3-Mann-Kielboot für die olympischen Segelwettbewerbe als Sponsor für einen Designwettbewerb auf, basierend auf den Vorgaben der International Yacht Racing Union (IYRU – heute: World Sailing). Skip Etchells hatte den Designwettbewerb mit Interesse verfolgt, aber erst als reale Wettfahrten im Herbst 1966 auf der Ostsee vor Kiel angesetzt waren, entschloss er sich eine Yacht zu entwerfen und mit einem Prototyp namens Shillalah in Kiel anzutreten, gesegelt von ihm selbst. An dem Wettbewerb nahmen verschiedene Bootsklassen wie Soling, Conqueror, Trias, Thrice, Ander und Kobold teil. Von den zehn gesegelten Wettfahrten gewann Shillalah acht. mini|links|Etchells hoch am Wind Weil man sich nicht auf einen Sieger einigen konnte, entschied die Jury, eine neue Sichtungsregatta im Jahr 1967 vor Travemünde zu veranstalten und dazu die 5,5-Meter-Klasse und die Drachen mit einzuladen. Skip Etchells baute nach seinem Holzboot Shillalah eine Yacht aus Kunststoff. Von den 13 durchgeführten Wettfahrten gewann Shillalah II zehn Wettfahrten. Einen elften Sieg verpasste Skip Etchells nur um eine Sekunde Differenz und wurde so zum unangefochtenen Gesamtsieger der Auswahlregatta. Die Entscheidung für die Soling als 3-Mann-Kielboot der olympischen Segelwettbewerbe blieb nach den Regattaergebnissen unerklärlich. Ein möglicher Grund lag im relativ hohen Preis von Etchells Konstruktion mit 6800 US-Dollar. Das Fazit der Sichtungsregatta war die enorme Überlegenheit der Mehrheit der neuen Konstruktionen gegenüber den etablierten Kielbootklassen. Die brandneue 5,5-Meter-Klasse wurde deutlich von Etchells Design geschlagen und die Drachen wurden deutlich Letzte in der Punktwertung.

Nach der Rückkehr der Shillalah II in die USA im Jahr 1967 überzeugten die Segler George Cane, James Fulton und David Larr, die auf dem Long Island Sound segelten, weitere Segler davon bei Skip Etchells Werft, der „Old Greenwich Boat Company“ in Old Greenwich (Connecticut), insgesamt 21 Boote zur Lieferung im Sommer 1968 zu bestellen. Die Bootswerft hatte sich seit den 1950er Jahren einen Ruf für den Bau besonders schneller Starboote erworben.

Es formierte sich eine Klassenvereinigung und das neue Kielboot wurde „E22“ nach der Wasserlinienlänge von 22 Fuß getauft. Man verabredete strikte Einheitsklassen-Vorschriften und verabredet einen Regattakalender für 1968. Bis 1969 baute die Werft insgesamt 36 Boote. Später produzierte die Firma „Tillotson-Pearson“ Rümpfe für Etchells.

1972 erhielt die „E22“ den internationalen Status von der IYRU und wurde mit den Klassenvorschriften, Messvorschriften und Einheitsklassen-Vorgaben am 1. Juli 1974 als Internationale Klasse anerkannt.

Im Jahr 1990 änderte die Klasse offiziell ihren Namen in „International Etchells“ und „International Etchells Class Association“. Damit war eine Änderung des Segelzeichens verbunden. Das neue Logo wurde 1996 bestätigt.A Brief History of the Etchells Class (englisch) Abgerufen am 10. März 2009

Heute wird das offene 3-Mann-Kielboot mit mehr als 1.200 Einheiten in über 50 Ländern gesegelt. Große Flotten starten in den USA, Großbritannien, Neuseeland und Australien – aus diesen Ländern kommen bis auf wenige Ausnahmen auch die Weltmeister. Zurzeit ist besonders die australische Flotte aktiv.

Zitate

Konstruktion

Die Etchells ist ein sehr schnelles, offenes Kielboot, das als steif (aufrecht) segelndes slup-getakeltes Boot sehr gut auf Regatten mit einer Mannschaft von drei bis vier Mann sicher beherrscht werden kann. Die Yacht kreuzt in einem Winkel von 70 Grad gegen den Wind und reagiert sehr feinfühlig auf Trimmveränderungen an Takelage und Segeln.

Sie hat eine schnittige Rumpfform mit einer geringen benetzten Oberfläche, was ihr sehr gute Leichtwindeigenschaften verleiht. Bei stärkeren Winden gleitet sie sehr schnell. Die Segelgarderobe besteht aus Großsegel, Fock und Spinnaker. Die Etchells-Yachten sind leicht auf einem Bootsanhänger zwischen den Regatten zu transportieren.

Die strikten Einheitsklassenvorschriften werden von einer gut organisierten Klassenvereinigung überwacht. Der hohe Baustandard und die unbedingte Gleichheit der Boote werden genauestens kontrolliert. Die Klassenvereinigung lizenziert gemeinsam mit der International Sailing Federation nur drei Bootbauer weltweit:ISAF licensed builders (englisch) Abgerufen am 10. März 2009

Ontario Yachts in Burlington, in Ontario, Kanada: baut Etchells seit 1975 Pacesetter Etchells P/L in New South Wales, Australien: lizenziert seit 1996 David Heritage Racing Yachts, in Cowes, Isle of Wight, England: lizenziert seit 2005

Regatten Die sehr guten Segeleigenschaften der Etchells ziehen viele prominente Regattasegler an, wie zum Beispiel: Dirk Kneulman John Bertrand Dennis Conner Gary Jobson Russell Coutts Dave Curtis Poul Høj Jensen

Weltmeisterschaften

Jahr und Ort Gold Silber Bronze1975 MarbleheadRandy Bartholomew1976 NewportDave CurtisBob Danforth1977 NewportFrank Tolhurst1978 BalboaDave Curtis1979 TorontoJohn Savage1980 BrightonPeter O’Donnell1981 MarbleheadDave Curtis1982 San FranciscoDave Curtis1983 RyeDave Curtis1984 SydneyIain Murray1985 BalboaDave Curtis1986 TorontoBruce Burton1987 MarbleheadBruce Burton1988 NewportJohn Savage1989 San DiegoLarry Klein1990 FremantleChris Law1991 San FranciscoDennis Conner1992 LarchmontDave Curtis1993 BrisbaneColin Beashel1994 BalboaDennis Conner1995 BrightonColin Beashel1996 CowesAdam Gosling1997 HongkongPoul Høj Jensen1998 MarbleheadDirk Kneulman1999 PittwaterCameron Miles2000 San DiegoVince Brun2001 LymingtonStuart ChilderleySimon RusselNick PearsonCameron MilesPhil SmidmoreJames Mayjor2002 Gulf HarbourStuart ChilderleySimon RusselRoger MarinoMark BradfordMike O’BrienGary AdsheadCameron MilesPhil SmidmoreJames Mayjor2003 GreenwichKen ReadScott NorrisKarl AndersonJud SmithHenry FrazerAndrew WillsCameron MilesPhil SmidmoreJames Mayjor2004 MooloolabaPeter McNeillPaul TurnerGreg TorpyCameron MilesChris LinksDavid SampsonGlenn CollingsSteve YoungJake Gunther2005 RichmondTito GonzalesBill MaukJeff LintonDiego GonzalesSamuel KahnBrian LeeJeff MadngaliAdrian FinglasIain MurrayGeorge SzaboAndrew Palfrey 2006 FremantleJud SmithDirk KneulmanAndrew WillsThomas SaundersAlastair GairDavid RidleyCarl PetersDerek ScottAnte RazmilovicJez FanstoneStuart Flinn 2007 CowesAndy BeadsworthOscar StrugstadSimon FryJud SmithDavid McClintockSteve GirlingAnte RazmilovicJez FanstoneStuart Flinn2008 ChicagoBill HardestyErik ShampainSteve HuntJennifer WilsonChris BuschChad HoughChuck SinksPeter BurtonJudson SmithHenry FrazerJames Porter 2009 Melbourne (englisch)Jason MuirMatthew ChewPaul WyattBucky SmithDamien KingSimon CunningtonJames WareAndrew ButlerJohn BertrandAndrew PalfreyBen AinslieChris Busch

Weblinks SailboatData: Etchells Class, (englisch) Tim Etchells: Geschichte der Etchells, Sailing World, 05/2000 (englisch) Official Etchells website Etchells ISAF 2009 Class Report (PDF; 16 kB) Etchells Segelriss (PDF) (98 kB) International Sailing Federation Harken: Trimmtipps

Einzelnachweise

Kategorie:Kielboot Kategorie:Einheitsklasse