mini|hochkant=1.1|Stadtbild mit der Abteikirche
Otterberg ist eine Stadt im Landkreis Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz und Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg, der sie auch angehört. Otterberg ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.
Geographie Lage Otterberg liegt etwa fünf Kilometer nördlich von Kaiserslautern am Fuß des Otterberger Waldes, einem Teilbereich des Pfälzerwaldes. Nördlich und östlich der Stadt befindet sich der Staatsforst Otterberg. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Höringen, Winnweiler, Lohnsfeld, Wartenberg-Rohrbach, Sembach, Mehlingen, Kaiserslautern, Otterbach, Katzweiler, Mehlbach, Schneckenhausen und Heiligenmoschel.
Stadtgliederung Neben dem Zentrum von Otterberg gehören zur Stadt Otterberg zusätzlich die Wohnplätze und Weiler: Althütterhof, Appental, Badweiher, Beutlermühle, Birotshof, Drehenthalerhof, Dreibrunnen, Dudenbacherhof, Geisenmühle, Heiligenmoschelerberg, Lanzenbrunnerhof, Lauerhof, Messerschwanderhof, Münchschwanderhof, Neumühle, Ölmühle, Reichenbacherhof, Schloßberg und Weinbrunnerhof.
Das Dorf Drehenthalerhof ist als Ortsbezirk ausgewiesen.
Erhebungen Nördlich von Drehenthalerhof erhebt sich der 399,6 Meter hohe Eulenkopf. Weitere Berge in diesem Bereich sind der 389,2 Meter hohe Backofen und der 370 Meter hohe Einsiedlerberg. Südlich der Kernstadt erstreckt sich außerdem der 271,8 Meter hohe Schafkopf und östlich von ihr der 377 Meter hohe Große Ohligkopf, der 324 Meter hohe Schlossberg sowie nördlich von ihr der 388,6 Meter hohe Bruchberg und der Heiligenmoscheler Berg.
Gewässer Die Stadt liegt im Talkessel des Otterbachs durchschnittlich . Letzterer nimmt unter anderem von rechts den Schellenbach und von links den Aggenbach auf. Der Aggenbach durchfließt außerdem den Sixmeisterwoog. Auf Höhe des Reichenbacherhofs entspringt der Reichenbach, der jenseits der Gemarkungsgrenze ebenfalls in den Otterbach mündet. Im äußersten Norden entspringen der Höringerbach, und dessen linker Zufluss Krebsbach, die zum Flusssystem Alsenz gehören.
Geschichte mini|Darstellung von Matthäus Merian: Otterberg mit der ehemaligen Abteikirche, Mitte des 17. Jahrhunderts
1145 gründeten Zisterzienser die Abtei Otterberg. Da die Zisterzienser Klöster in Bachtälern oder Moorgebieten bevorzugten, begannen sie mit dem Bau einer Klosteranlage am Otterbach, von der die Abteikirche erhalten ist. Nach der Reformation wurde das Kloster aufgehoben. In den Gebäuden wurde 1579 eine Exulantengemeinde angesiedelt, die schon zwei Jahre später, am 26. März 1581, Stadtrecht nach dem Vorbild von Kaiserslautern erhielt.
Von 1559 bis 1592 gehörte Otterberg zu Pfalz-Lautern sowie anschließend bis zum Ende des 18. Jahrhunderts zur Kurpfalz. Dort unterstand der Ort dem Oberamt Lautern und war zudem Sitz eines eigenen Unteramtes. Von 1798 bis 1814, als die Pfalz Teil der Französischen Republik (bis 1804) und anschließend Teil des Napoleonischen Kaiserreichs war, war Otterberg Sitz des gleichnamigen Kantons. 1815 gehörte die Stadt zunächst zu Österreich. Ein Jahr später wechselte sie in das Königreich Bayern. Von 1818 bis 1862 gehörte sie dem Landkommissariat Kaiserslautern an, aus dem das Bezirksamt Kaiserslautern hervorging.
Ab 1939 war die Stadt Bestandteil des Landkreises Kaiserslautern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Otterberg innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wurde die Stadt Sitz der neu gebildeten gleichnamigen Verbandsgemeinde, der zusätzlich Heiligenmoschel, Niederkirchen, Schallodenbach und Schneckenhausen angehörten. Seit 1. Juli 2014 ist Otterberg Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg, die durch Fusion der Verbandsgemeinden Otterberg und Otterbach entstand.
Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl der Stadt Otterberg, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:
Christentum Im Jahr 1579 kamen reformierte Glaubensflüchtlinge aus den Spanischen Niederlanden – sogenannte Wallonen –, da das pfälzische Otterberg Religionsfreiheit versprach. Nachfahren derselben leben bis in die Gegenwart in der Stadt. Stand: 1. April 2008.Armin Kohnle: . Vortrag vom 19. Juni 2004, „Otterberger Begegnungen, 425 Jahre Wallonen in Otterberg“. Mit der Ansiedlung der Glaubensflüchtlinge einher ging ein starkes Wachstum des Ortes, so dass bereits im Jahre 1581 die Stadtrechte vergeben wurden.
Im 18. Jahrhundert und später kamen einige mennonitische Familien nach Otterberg, die sich der Mennonitengemeinde in Sembach anschlossen. Beispielsweise wurde der nach dem Dreißigjährigen Krieg zerstörte Messerschwanderhof im 17. Jahrhundert von aus der Schweiz geflohenen Mennoniten besiedelt. Noch 1948 besaßen die Mennoniten einen eigenen Friedhof in der Stadt.
Judentum
mini|hochkant|Ehemalige Synagoge
In Otterberg bestand im 18. und 19. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde, der zeitweise – um 1848 – über 20 Familien mit etwa 100 Personen angehörten. 1817 wird ein jüdischer Betsaal genannt. 1838 wurde eine Synagoge eingeweiht. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wanderten die jüdischen Familien teilweise aus, manche verzogen in andere Städte, sodass 1897 die Gemeinde aufgelöst und die Synagoge verkauft wurde. Das Gebäude ist umgebaut als Wohnhaus erhalten. Prominenteste jüdische Familie war die 1854 in die USA ausgewanderte Familie Straus.Informationen zur jüdischen Geschichte und zur ehemaligen Synagoge in OtterbergHans Steinebrei: Geschichte der Juden in Otterberg: ein Beispiel aus der pfälzischen Geschichte des 19. Jahrhunderts. Arbogast, Otterbach/Pfalz 2005, 120 S., ISBN 3-87022-173-9. Die in Otterberg lebenden Juden wurden in Mehlingen und Winnweiler begraben.
Buddhismus Im Stadtgebiet befindet sich der buddhistische Shaolin Temple Europe.
Konfessionsstatistik Am 31. Oktober 2014 waren 49,1 % der Einwohner evangelisch und 23,4 % katholisch. Die übrigen 27,5 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos. Der Anteil der Protestanten und Katholiken an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Oktober 2025 hatten 38,7 % der Einwohner die evangelische Konfession und 18,5 % die katholische. 42,8 % gehörten entweder einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Gemeindestatistik Stadt Otterberg, abgerufen am 29. November 2025
Politik Stadtrat Der Stadtrat in Otterberg besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Stadtbürgermeister als Vorsitzendem.
Die Sitzverteilung im Stadtrat: Wahl SPD CDU FDP Grüne Linke FWG Gesamt 2024 7 4 – 2 – 9 22 Sitze 2019 9 6 1 3 1 2 22 Sitze 2014 12 5 1 2 – 2 22 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2009 11 8 1 – – 2 22 Sitze
Bürgermeister Jan Hock (FWG) wurde am 27. August 2024 Stadtbürgermeister von Otterberg. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 hatte er sich mit einem Stimmenanteil von 57,4 % gegen die Amtsinhaberin durchgesetzt.
Hocks Vorgängerin Martina Stein (SPD) hatte das Amt seit 2019 inne, als sie es von Martin Müller (SPD) übernahm, der nach zehn Jahren im Amt nicht mehr für diese Aufgabe kandidiert hatte.
Ehemaliger Ortsbezirk Drehenthalerhof
Das Dorf Drehenthalerhof war bis zum 30. Juni 2024 der einzige ausgewiesene Ortsbezirk der Stadt Otterberg. Als absehbar wurde, dass mangels Bewerbern bei der Kommunalwahl 2024 kein neuer Ortsbeirat gebildet werden würde, entschied der Stadtrat im März 2024, für mindestens eine Legislaturperiode keinen Ortsvorsteher und keinen Beirat wählen zu lassen, und änderte die Hauptsatzung entsprechend ab.
Zuletzt bei der Kommunalwahl 2019 wurde der Ortsbeirat in einer Mehrheitswahl gewählt. Dem Ortsbeirat gehörten sieben Beiratsmitglieder an, den Vorsitz im Ortsbeirat führte der direkt gewählte Ortsvorsteher.
Erwin Carra (SPD) wurde am 18. Juli 2023 der (vorerst) letzte Ortsvorsteher des Ortsbezirks Drehenthalerhof. Bei der Direktwahl am 2. Juli 2023 war er mit einem Stimmenanteil von 84,7 % gewählt worden. Seine Amtszeit endete am 30. Juni 2024.
Carras Vorgänger Martin Klußmeier (SPD) hatte das Amt 2014 übernommen. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 93,43 % für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Nach vorangegangenen Vorfällen nahm er einen gegen ihn gerichteten Drohbrief zum Anlass, im Februar 2023 vorzeitig sein Ehrenamt niederzulegen, wodurch eine Neuwahl erforderlich wurde.
Wappen
Städtepartnerschaft Die Partnerstadt der Stadt Otterberg ist Gueugnon, eine Stadt mit etwa gleich vielen Einwohnern wie Otterberg. Die Stadt liegt im französischen Département Saône-et-Loire.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Kulturdenkmäler
Die Abteikirche Otterberg ist Teil einer ehemaligen Klosteranlage, gegründet um 1145 durch eine Schenkung der ehemaligen Herren von Otterburg mit dem umliegenden Gebiet an den Zisterzienserorden. Mönche aus dem Kloster Eberbach wurden mit einem Abt ausgesandt, um die Klosteranlage zu errichten. Die Kirche wurde zwischen 1168 und 1254 gebaut. Das Kloster erreichte um das Jahr 1340 seine wirtschaftliche Blüte, der Niedergang erfolgte bereits vor der Reformationszeit, sodass um 1561 lediglich drei Mönche mit ihrem Abt im Otterberger Kloster lebten. Die Abteikirche ist die größte Klosterkirche der Pfalz und ihres Baustils wegen – gegen Ende der Romanik mit ersten gotischen Elementen – von überregionaler Bedeutung.
Die historische Altstadt weist außerdem eine Vielzahl an Fachwerkhäusern auf, darunter das Gasthaus zur Krone, das 1772 erbaut wurde, und die Alte Apotheke; letztere ließ 1608 der Gerber David Gille Anthoine auf den Grundmauern des Zisterzienserklosters errichten.
Ebenfalls in der Altstadt in der Kirchstraße befindet sich eine funktionsfähige Schmiede von 1612 in Familienbesitz. An jedem ersten Samstag im Monat finden Führungen statt.
Das alte Stadthaus war das erste Rathaus von Otterberg und wurde etwa 1578 gebaut, da die Räume, die sie vom Kurfürsten erhielten, nötig gebraucht wurden. Später wurde aus den Steinen dieses Gebäudes am gleichen Platz ein neues Rathaus beziehungsweise Stadthaus errichtet, das etwas kürzer als das vorherige war. Das zweite Rathaus wurde 1752 erbaut mit einem spätbarocken Mansardwalmdach. Erst 1968 wurde es erneut renoviert und neu angestrichen. Mittlerweile enthält es ein Heimatmuseum.
mini|hochkant|Menhir, ebenso „Hünenstein“ genannt
An der Gemarkungsgrenze zu Höringen und Heiligenmoschel befindet sich der Menhir von Otterberg.
Stadtbrunnen Mitten in Otterberg, gegenüber dem Rathaus, steht der Stadtbrunnen mit vier Röhren. Davor stand ein älterer Brunnen, der weichen musste, weil er den Verkehr behinderte.
Natur Auf Gemarkung der Stadt befinden sich vier Naturdenkmale. Zudem existiert die sogenannte Grabstele von Otterberg.
Feste/Veranstaltungen Es gibt zahlreiche regelmäßige Veranstaltungen in Otterberg. Die wichtigsten sind:
Otterberger Frühlingsfest – Das Frühlingsfest in Otterberg ist eine Tradition, die Mitte des 18. Jahrhunderts entstand und im zweijährigen Turnus (ungerade Jahre) gefeiert wird. Otterberg leuchtet – Für diesen Abend erstrahlen die verschiedenen historischen Gebäude im Ortskern von Otterberg. Altstadtfest – Ein dreitägiges Fest auf dem Kirchplatz vor der Abteikirche mit kulinarischem Angebot. Transzendent – die inszenierte Abtei.
Wirtschaft und Infrastruktur Institutionen Die Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg hat ihren Sitz in der Stadt. Das Forstamt Otterberg ist zuständig für die Verbandsgemeinde Otterbach-Otterberg sowie für Teile der Verbandsgemeinden Bruchmühlbach-Miesau, Enkenbach-Alsenborn, Ramstein-Miesenbach und Weilerbach.