Erik Lesser (* 17. Mai 1988 in Suhl, DDR) ist ein ehemaliger deutscher Biathlet und heutiger Biathlontrainer. Von 2012 bis 2022 lief er im Weltcup. Seine größten Erfolge waren der Weltmeistertitel in der Verfolgung 2015 und der Gewinn der Silbermedaille im Einzel bei den Olympischen Winterspielen 2014. Mit der deutschen Staffel wurde er 2014 Olympiasieger und 2015 Weltmeister.
Leben und Karriere Anfänge mini|links|Erik Lesser (Startnummer 1) beim Start zum Verfolgungsrennen im IBU-Cup 2009 in Ridnaun, das er ebenso wie Einzel und Sprint gewann Erik Lesser, Enkel des Skilangläufers Axel Lesser, trainierte überwiegend in Oberhof. Sein Trainer war Mark Kirchner, zuvor Peter Sendel. Lesser begann im Alter von sechs Jahren mit dem Skilanglauf und wechselte 1999 im Alter von elf Jahren zum Biathlon. Er war Absolvent des Sportgymnasiums Oberhof und startete für den SV Eintracht Frankenhain. Er wurde Sportsoldat. Seine ersten internationalen Rennen 2006 bestritt er im Rahmen des Junioren-Europacups in Obertilliach. In seinem zweiten Rennen, einem Verfolger, lief er als Sechstplatzierter unter die ersten zehn. Ein Jahr später wurde er an selber Stelle in einem Einzel Zweiter und erreichte damit erstmals eine Podiumsplatzierung. Zwei weitere Podiumsplatzierungen folgten bis 2008. Gewinnen konnte Lesser kein Junioren-Europacup-Rennen.
2008 startete er in Ruhpolding bei seinen ersten Juniorenweltmeisterschaften und wurde Siebter im Einzel, 16. im Sprint und Achter in der Verfolgung. Ein Jahr später gewann er in Canmore die Bronzemedaille im Einzelwettbewerb, wurde Elfter in Sprint und Verfolgung und gewann als Startläufer gemeinsam mit Simon Schempp, Benedikt Doll und Florian Graf Staffelgold. Nach den Juniorenweltmeisterschaften konnte Lesser erstmals im IBU-Cup 2008/09 der Senioren antreten und gewann beim Saisonfinale auf Anhieb seine ersten drei Rennen in Ridnaun. Im Sommer gewann er bei den Junioren-Sommer-Weltmeisterschaften in Oberhof auf Skirollern die Titel im Sprint und in der Verfolgung.
Erste Weltcupeinsätze (Saison 2009/10 bis 2011/12) In der Saison 2009/10 startete Lesser durchgehend im IBU-Cup. Dort konnte er ein Rennen gewinnen und kam in fast allen Rennen unter die besten zwanzig Athleten. Bei den Europameisterschaften in Otepää gewann Lesser zusammen mit Simon Schempp, Daniel Böhm und Christoph Knie Gold in der Herrenstaffel und Silber in der Verfolgung. Im Sprint erreichte er Rang sechs und im Einzel den vierten Platz.
Nach den Europameisterschaften durfte Lesser erstmals im Weltcup starten. Bei seiner Weltcup-Premiere in Kontiolahti am 12. März 2010 belegte Lesser in der deutschen Mixed-Staffel mit Kati Wilhelm, Magdalena Neuner und Simon Schempp den zweiten Platz. Sein Debüt in einem Einzelrennen beendete er als 44. im Sprint, womit er sich für die Verfolgung qualifizierte, die Lesser auf dem 51. Rang beendete.
Die folgende Saison begann Lesser wieder im IBU-Cup. Er stieg erst zum Jahresbeginn 2011 in die Wettkämpfe ein und gewann sein erstes Rennen, den Einzelwettbewerb in Nové Město. Auch die letzten beiden Rennen vor den Europameisterschaften beendete Lesser jeweils als Erster. Mit diesen Ergebnissen ging es dann zu den Europameisterschaften nach Ridnaun. An die Ergebnisse im Vorjahr konnte er aber nicht anknüpfen. Der Herrenstaffel mit Robin Kiel, Benedikt Doll und Florian Graf gelang die Titelverteidigung. In den Einzelwettkämpfen erreichte er keine Medaille. Im Einzel wurde er Achter, im Sprint Sechster und in der Verfolgung fiel er nach sechs Strafrunden auf den 13. Platz zurück. Danach durfte er beim Weltcupfinale am Holmenkollen in Oslo starteten. Als 40. im Sprint gewann er seinen ersten Weltcuppunkt. Im Verfolgungsrennen kam er auf den 24. Platz.
Wie auch in den vorhergehenden Saisons startete Lesser in der Saison 2011/12 überwiegend im IBU-Cup. Die Leistungen waren ähnlich denen des Vorjahres und er erreichte das Ziel meistens innerhalb der Top Zwanzig. Nach zwei Siegen in Forni Avoltri durfte Lesser wieder am Weltcup teilnehmen. Mit einem 83. Platz im Einzel war er zunächst deutlich abgeschlagen. Mit einem 51. Platz im Sprint konnte er sich für sein zweites Verfolgungsrennen qualifizieren, welches er als 29. beendete. Bei den folgenden Europameisterschaften in Osrblie gewann Lesser als Schlussläufer mit Daniel Böhm, Matthias Bischl und Johannes Kühn den Titel im Staffelrennen sowie Bronze im Einzel. Im Sprint wurde er Elfter, im Verfolgungsrennen Siebter. Wenig später kam er in Kontiolahti erneut zu Weltcupeinsätzen und lief im Sprint auf Rang 23 und im darauffolgenden Verfolger auf Platz 22. Nach diesem Weltcupeinsatz kam er im IBU-Cup an den Start. Er konnte nach einem elften Platz im Sprint mit der Verfolgung das letzte Rennen der Saison gewinnen. Anschließend erhielt er beim Weltcupfinale erneut eine Startmöglichkeit. Als 61. im Sprint konnte er sich nicht für die Verfolgung qualifizieren.
Erste Weltcupsaison (Saison 2012/13) Die Saison 2012/13 war Lessers erste vollständige Weltcupsaison. Beim Weltcupauftakt in Östersund stand Lesser im ersten Rennen der Saison zum ersten Mal auf dem Weltcup-Siegerpodest. Er belegte dank eines Rennens ohne Schießfehler im Einzel den dritten Platz. Mit einem 14. und einem 13. Platz in Sprint und Verfolgung konnte er in Östersund zwei weitere gute Ergebnisse erzielen. Bis zu den Weltmeisterschaften konnte er dann aber nicht mehr die Top Ten erreichen, blieb aber, bis auf ein Rennen, immer innerhalb der Punkteränge.
Die Weltmeisterschaften in Nové Město waren die ersten für Erik Lesser. In Sprint und Verfolgung verfehlte er mit einem 12. und einem 14. Platz die Top Ten zunächst nur knapp. Mit drei Strafminuten reichte es im Einzel dann aber nur zum 34. Platz. Im Staffelrennen schoss er dann im letzten Schießen noch zwei Strafrunden, so dass Deutschland hinter Norwegen und Frankreich als Dritter ins Ziel kam und somit Bronze gewann. Im abschließenden Massenstart kam er mit nur einer Strafrunde durch und wurde Fünfter.
Bei den Rennen in Oslo erreichte er seine zweite Podestplatzierung. Er wurde Dritter im Massenstart. Mit einem sechsten Platz im Sprint in Sotschi konnte er eine weitere Top-Ten-Platzierung in dieser Saison erreichen. Lesser beendete die Saison als 16. Welt und erreichte in der Sprintwertung den zehnten Platz.
Erste Olympische Spiele (Saison 2013/14) Die olympische Saison begann für Lesser mit einem zehnten Platz im Einzel und einem siebten Platz im Sprint. In Hochfilzen reichte es nach fünf Strafrunden im Sprint nur zu einem 72. Platz und er verpasste damit die Verfolgung. In Annecy lief es dann wesentlich besser. Zunächst wurde Lesser mit Andreas Birnbacher, Arnd Peiffer und Simon Schempp hinter Russland Zweiter in der Staffel. Da der Russe Alexander Loginow allerdings nachträglich für zwei Jahre wegen Dopings gesperrt wurde, wurde die russische Staffel disqualifiziert und der deutschen Staffel der Sieg nachträglich zuerkannt. Den Sprint beendete Lesser fehlerfrei als Neunter, nachdem er auch in der Verfolgung fehlerfrei blieb, kam er als Zweiter ins Ziel. Dies war sein bisher bestes Ergebnis im Weltcup. Zu Beginn des Jahrs 2014 musste er zunächst den Start in Oberhof im Sprint und somit auch die Verfolgung absagen, im Massenstart wurde er dann aber noch 19. Auch in Ruhpolding und Antholz kam er nicht unter die besten Zehn.
Bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi wurde Erik Lesser Olympiasieger mit der Staffel und Silbermedaillengewinner des Einzelrennens. Der Staffelsieg wurde dem deutschen Quartett mit Erik Lesser, Simon Schempp, Arnd Peiffer und Daniel Böhm erst im September 2025 nachträglich vom Internationalen Olympischen Komitee zugesprochen. Anlass war die Disqualifikation der ursprünglich siegreichen russischen Mannschaft, der der Titel aufgrund des nachgewiesenen Dopings von Jewgeni Ustjugow aberkannt wurde. Am Schlusstag nahm er am 50-km-Langlauf teil und belegte hier den 42. Platz unter 64 Startern. Im Sprint wurde er 21., in der Verfolgung 16. und im Massenstart 26. Für seine Medaillengewinne erhielt er von Bundespräsident Joachim Gauck am 8. Mai 2014 das Silberne Lorbeerblatt.
Auch nach den Olympischen Spielen reichte es für Lesser nicht mehr für Topergebnisse. Bis zum Ende der Saison kam er nur noch einmal unter die besten Zwanzig und blieb sogar zwei Mal außerhalb der Punkteränge. Nachdem er in der Gesamtwertung des Weltcups zwischenzeitlich auf dem vierten Platz gelegen hatte, beendete er die Saison als 27. Auch in den Einzeldisziplinen konnte er nicht an die guten Ergebnisse des Vorjahres anknüpfen. Dies lag auch daran, dass er an den Wettkämpfen auf der Pokljuka gar nicht teilgenommen hatte.
Verfolgungsweltmeister (Saison 2014/15) mini|Erik Lesser (Sprintstart in Nové Město, 2015) Der nacholympischen Saison (2014/15) verfehlte er das Podest im Einzel um drei Sekunden und wurde Vierter. In den restlichen Rennen des Jahres 2014 kam er noch zwei Mal unter die besten zwanzig Athleten. 2015 wurde er in Oberhof im Massenstart Zwölfter. In Antholz konnte er sich nach einem 19. Rang im Sprint in einer fehlerfreien Verfolgung auf den sechsten Platz verbessern.
In Nové Město wurde zum ersten Mal eine Single-Mixed-Staffel ausgetragen. Zusammen mit Luise Kummer erreicht er den vierten Platz. In den folgenden Jahren lief Lesser die meisten Single-Mixed-Staffeln mit Franziska Preuß. Mit einem achten Platz in der Verfolgung und einen neunten Platz im Einzel erreichte er vor den Weltmeisterschaften noch zwei Top-Ten-Ergebnisse.
Bei den Weltmeisterschaften 2015 in Kontiolahti belegte Erik Lesser im Sprintrennen den fünften Platz. In der anschließenden Verfolgung gewann er die Goldmedaille. Es war seinen ersten Weltcupsieg. Mit dem Staffelsieg bei den Weltmeisterschaften wurde Lesser Doppelweltmeister. Im Einzel reichte es mit einer Strafminute für den 18. und im Massenstart für den 17. Platz. Beim Saisonfinale in Chanty-Mansijsk kam er auf den dreizehnten Platz im Massenstart. Er beendete die Saison mit seiner besten Weltcupsaison als Zehnter der Welt. In der Einzelwertung wurde er Siebter und in der Massenstartwertung Fünfter. Auch diese Platzierungen waren seine bisher besten.
Zweiter Weltcupsieg (Saison 2015/16) Mit nur zwei Weltcuppunkten startete Lesser in die Saison 2015/16. Beim Auftakt in Östersund war er im Einzel 39. geworden. Auch die beiden folgenden Rennen waren nur unwesentlich besser. In Hochfilzen lag er mit einem 42. Platz im Sprint zunächst außerhalb der Punkte, konnte sich dann aber in der Verfolgung auf den 25. Platz verbessern. Mit einem 12. Platz in der Verfolgung auf der Pokljuka kam er dann zum ersten Mal in die Nähe der Top Ten. Dies reichte aber dafür, um sich als 27. für den Massenstart zu qualifizieren, welchen er als 16. beendete. Das neue Jahr begann ohne Weltcuppunkte mit einem 41. Platz im Sprint in Ruhpolding. Für den letzten Wettkampf in Ruhpolding, dem Massenstart, schaffte Lesser die Qualifizierung gerade und ging als 30. an den Start. Er blieb fehlerfrei und gewann das Rennen mit 9,8 Sekunden Vorsprung auf Martin Fourcade. Dies war sein zweiter Weltcupsieg. Nach diesem Ausreißer nach oben ging es für Lesser mit Ergebnissen jenseits der Top Ten weiter. In Presque Isle konnte er vor den Weltmeisterschaften noch einen vierten Platz im Sprint erreichen.