Rudolf Mehmke (* 28. August 1857 in Bad Lauterberg im Harz; † 16. November 1944 in Stuttgart) war ein deutscher Mathematiker.

Leben und Wirken

Rudolf Mehmke war der Sohn eines Bildhauers und Geschäftsführers einer Möbelfabrik. Er absolvierte 1873 die Abiturprüfung an der Oberrealschule in Stuttgart, dem heutigen Friedrich-Eugens-Gymnasium. Von 1873 bis 1875 besuchte er die mathematische Vorbereitungsklasse an der Polytechnischen Schule in Stuttgart, ab 1875 studierte er dort Architektur. 1877 wechselte er zum Mathematikstudium an die Universität Tübingen und 1879/1880 nach Berlin, wo er bei Karl Weierstraß, Ernst Eduard Kummer und Leopold Kronecker studierte.Bertram Maurer: Rudolf Mehmke (1857–1944). Leben. Werk. Familie. Briefwechsel. Stuttgart 2024, S. 49f, 59–64 1880 wurde er bei Paul Du Bois-Reymond in Tübingen promoviert (Anwendung der Grassmann’schen Ausdehnungslehre auf die Geometrie der Kreise in der Ebene). Ab 1880 war er Dozent am Polytechnikum in Stuttgart (Repetent für höhere Analysis und Mechanik bei Carl Wilhelm Baur) und ab 1884 Professor an der TH Darmstadt. Ab 1894 war er Professor für Darstellende und Projektive Geometrie an der Technischen Hochschule in Stuttgart. Im Jahr 1895 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt. 1922 emeritierte er. Er war als Pazifist bei den Sozialdemokraten und in der Paneuropa-Union aktiv und blieb wohl nur wegen seines Alters während der Zeit des Nationalsozialismus von Internierung verschont.

Mehmke war in erster Linie angewandter Mathematiker (damals mit Carl Runge an führender Stelle in Deutschland), der vor allem Darstellende Geometrie lehrte (Buch „Leitfaden zum Graphischen Rechnen“ 1917, 1924) und auch mathematische Geräte entwickelte (Perspektivlineal, Rechenschieber für Chemiker, Apparate zum numerischen Bestimmen der Wurzeln von Gleichungen). Er verfasste den Artikel über numerisches Rechnen in der Enzyklopädie der mathematischen Wissenschaften und war auch wesentlich an der Durchsetzung der Vektorrechnung (über den entsprechenden Kalkül von Hermann Graßmann hatte er promoviert) beteiligt, insbesondere auch im Rahmen der Enzyklopädie, angeregt von Felix Klein und unter Beteiligung von Arnold Sommerfeld.Dargestellt von Karin Reich: Er war auch in zahlreichen Aufsätzen an der Verbreitung der Vektorrechnung aktiv, teilweise verfasst in der Kunstsprache Volapük. An den Schulen setzte sie sich aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg durch. Von seinem Buch Vorlesungen über Punkt- und Vektorrechnung erschien 1913 bei Teubner nur der erste Band.

1924 wurde ihm von der Technischen Hochschule Dresden die Ehrendoktorwürde verliehen.

Schriften

Anwendung der Grassmann’schen Ausdehnungslehre auf die Geometrie der Kreise in der Ebene, Greiner & Pfeiffer, Stuttgart 1880 (im Internet-Archiv: ) Vorlesungen über Punkt- und Vektorenrechnung. Erster Band: Punktrechnung. Erster Teilband, B. G. Teubner, Leipzig Berlin 1913

Literatur

Bertram Maurer: Rudolf Mehmke (1857-1944). Leben. Werk. Familie. Briefwechsel, (Veröffentlichungen des Universitätsarchivs Stuttgart; 3), Stuttgart 2024 (Open-Access ).

Weblinks

Karin Reich: Der Mathematiker Rudolf Mehmke: Bausteine zu Leben und Werk. In: Helmuth Albrecht (Hrsg.): Naturwissenschaft und Technik in der Geschichte. 25 Jahre Lehrstuhl für Geschichte der Naturwissenschaft und Technik am Historischen Institut der Universität Stuttgart. Stuttgart 1993, S. 263–285 Rudolf Fritsch: Mehmke, Rudolf (PDF-Datei, 185 kB) Rudolf Mehmke in der Datenbank zbMATH

Einzelnachweise

Kategorie:Mathematiker (19. Jahrhundert) Kategorie:Mathematiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Darmstadt) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Stuttgart) Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Dresden Kategorie:Mitglied der Leopoldina (19. Jahrhundert) Kategorie:Volapükist Kategorie:Deutscher Kategorie:Korporierter im SV Kategorie:Geboren 1857 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann