Die Kultur Argentiniens ist so variantenreich wie die Geographie des Landes und die Mischung der verschiedenen ethnischen Gruppen. Die moderne argentinische Kultur wurde hauptsächlich beeinflusst durch die europäische Immigration, auch wenn im Bereich von Musik und Kunst die Einflüsse der Ureinwohner Südamerikas sowie afrikanische Wurzeln nicht zu leugnen sind.

Buenos Aires und andere Städte sind gekennzeichnet durch eine Mischung aus europäischen Architekturstilen der letzten 200 Jahre. In älteren Siedlungen und einzelnen älteren Stadtvierteln finden sich jedoch auch solche aus der Kolonialzeit, Überbleibsel aus der spanischen Vergangenheit des Landes. Neben zahlreichen Museen, Kinos und Galerien in den urbanen Zentren bestehen weiterhin traditionelle Etablissements wie Literaten-Bars oder Bars mit Live-Musik verschiedener Genres.

Literatur Hauptartikel: Argentinische Literatur

Eines der ersten bekannten Werke argentinischer Literatur und prägend für die Identität des südamerikanischen Landes ist das zweiteilige Gedicht El Gaucho Martín Fierro (Teil 1: 1872) und La vuelta de Martín Fierro (Teil 2: 1879) von José Hernández.

Argentiniens erfolgreichste Autoren des 20. und frühen 21. Jahrhunderts sind die vier Cervantespreisträger Jorge Luis Borges, Adolfo Bioy Casares, Ernesto Sabato, Juan Gelman sowie Julio Cortázar und Schwestern Victoria und Silvina Ocampo. Bioy Casares schrieb einige Werke in Zusammenarbeit mit Borges. Cortázar lebte während der Regierung von Juan Domingo Perón zeitweilig in Europa im Exil. Borges hatte ebenfalls Schwierigkeiten mit dem Peronismus und feierte dessen Fall 1955, später war er enttäuscht von der Militärdiktatur. Sowohl Borges als auch Cortázar starben im Ausland: Borges in Genf 1986 und Cortázar 1984 in Paris.

Der Argentinische Comic wird am besten durch „Mafalda“ von Quino (Joaquín Lavado) repräsentiert. Bald nach der ersten Veröffentlichung wurde der Comic eine argentinische Ikone und ist auch in anderen Ländern bekannt. Die Comic-Reihe zeigt die Probleme der Welt durch die Augen eines kleinen Mädchens, Mafalda, und ihrer Freunde und Verwandten.

In einer Umfrage zu den Kulturgewohnheiten der Argentinier haben 2004 mehr als die Hälfte (52 %) angegeben, im vergangenen Jahr kein Buch gelesen zu haben. Unter denjenigen, die ein Buch zur Hand genommen haben, standen 2006 international bekannte Romane wie Sakrileg, Harry Potter und Der Alchimist mit an der Spitze der Hitliste. Das Nationalepos Martín Fierro schaffte es immerhin auf Platz 5, auf dem ersten Platz stand die Bibel.

Siehe auch: Liste argentinischer Schriftsteller

Theater Die Geschichte des argentinischen Theaters führt zurück bis zum Komödien-Theater „La Ranchería“, das 1783 vom Vizekönig Juan José de Vértiz y Salcedo gegründet wurde. 1804 wurde das Teatro Coliseo in Buenos Aires eröffnet. Es besteht noch heute und ist damit die älteste noch existierende Bühne des Landes. Unter der Präsidentschaft von Juan Manuel de Rosas litt auch die Theaterszene, gewann jedoch wieder Auftrieb während des wirtschaftlichen Aufschwungs gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Eröffnung des Teatro Colón 1857 war eine Art Initialzündung für das argentinische Theater. Außer für Operninszenierungen wird es auch für Sprechtheater und Konzerte genutzt. Als Antonio Petalardo 1871 das Teatro Ópera eröffnete, wurden dadurch auch andere inspiriert, ähnliches zu tun.

mini|120px|rechts|Gaucho Ende des 19. Jahrhunderts Die Ermordung des „fahrenden Sängers“ Juan Moreira 1874 machte diesen zu einem Helden der Dramatiker. Das Verbrechen, das alle Elemente einer Tragödie besaß, inspirierte Eduardo Gutiérrez 1884 zu seinem Stück Juan Moreira. In den Folgejahren wurden Gauchos daraufhin zur Inspirationsquelle des argentinischen Theaters. Die spanische Literatur übernahm die Figur des Gauchos, als die spanische Theaterproduzentin María Guerrero mit ihrer Kompanie 1897 nach Argentinien übersiedelte. Durch sie wurde das Teatro Odeón zur wichtigsten Bühne in Argentinien und 1921 bekam das Land mit dem Teatro Cervantes ein Nationaltheater.

Die europäische Einwanderungswelle löste einen kulturellen Wandel im argentinischen Theater aus. Florencio Sánchez, einer der Pioniere des professionellen Theaters in Argentinien und Uruguay, war auch Hauptvertreter dieser neuen Richtung. Das Lokalkolorit wurde zur Hauptinspiration für Dramatiker wie Roberto Arlt, Gregorio de Laferrère, Armando Discépolo und Roberto Payró in den 1920er und 1930er Jahren. Gleichzeitig kam es zur Wiederbelebung des Amateurtheaters. Die Teatro Independiente-Bewegung schuf ein Gegengewicht zum professionellen Theater und inspirierte eine neue Generation von jungen Theaterautoren wie Copi, Agustín Cuzzani, Osvaldo Dragún und Carlos Gorostiza.

Gorostiza und andere Dramatiker machten ab 1950 auch das „Realistische Theater“ populär, ein Genre, das u. a. von Ricardo Halac und Roberto Cossa entwickelt wurde.

Nach 1960 entwickelte sich das „Absurde Theater“, eine Richtung, für die u. a. Griselda Gambaro und Eduardo Pavlovsky stehen. Hieraus entstanden auch die grotesken Stücke von Julio Mauricio und Roberto Cossa, deren Stück La Nona, das später auch verfilmt wurde, 1977 Kultcharakter hatte.

Die letzte Diktatur in Argentinien ab 1976 stellte die größte Herausforderung für die argentinische Theaterszene dar seit der Ära von de Rosas in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Zahlreiche Schauspieler, Dramatiker und Techniker emigrierten nach der Machtübernahme von Videla. Um 1980 herum ließ die Unterdrückung von Künstlern etwas nach und der Autor Osvaldo Dragún mobilisierte Kollegen, um 1981 eine verlassene Fabrik für das Improvisationstheater Teatro Abierto herzurichten. Dieser Erfolg wurde allerdings von dem Bombenanschlag auf das „Teatro Picadero“ gedämpft.

1983 kehrte das Land mit allgemeinen Wahlen zur Demokratie zurück. Etablierte Autoren und Regisseure wie Roberto Cossa, Lito Cruz, Carlos Gorostiza und Pepe Soriano sowie jüngere Dramatiker wie Luis Agostoni, Carlos María Alsina, Eduardo Rovner und Rafael Spregelburd kamen zurück und nahmen ihre Arbeit wieder auf.

Allein in Buenos Aires werden jedes Wochenende über 80 Produktionen gezeigt, darunter Werke der oben genannten Autoren oder auch lokale Inszenierungen internationaler Werke. Beliebt sind auch Musicals und komödiantische Werke, z. B. solche des Satirikers Enrique Pinti, des Geschichtenerzählers Luis Landriscina und das musikalische Kabarett Les Luthiers.

International bekannt war Anfang der 2000er Jahre auch die Performance-Show von De La Guarda, die eine Mischung aus Tanz, Akrobatik, Theater und Musik zeigte.

Film Hauptartikel: Film in Argentinien

mini|180px|rechts|Fernando Pino Solanas, 2008 Das argentinische Kino hat eine lange Tradition und ist wichtiger Bestandteil der argentinischen Kultur sowie eine der wichtigsten Filmindustrien in der spanischsprachigen Welt. Seit den Anfängen des argentinischen Films wurden mehr als 2.500 Werke produziert.

Die erste Filmvorführung in Buenos Aires fand 1896 statt, nur ein Jahr nach dem „Debüt“ in Paris. Noch im gleichen Jahr wurden drei Kurzfilme gedreht, die Sehenswürdigkeiten in der Stadt zeigen; ein paar Monate später entstand der Kurzfilm La bandera argentina. Die argentinischen Künstler nahmen das neue Medium begeistert auf, Themen kamen aus der argentinischen Geschichte und Literatur, z. B. aus dem Nationalhelden-Epos Martín Fierro. Gegen Ende der 1920er Jahre wurde oft auch der Tango eingebunden. Mit der Erfindung des Tonfilms nahmen solche Filme noch zu.

1930 entstand der erste Tonfilm. Mit seiner durchschnittlichen Produktion von 42 Filmen pro Jahr war Argentinien eine der führenden Filmindustrien; auch damals wurden nicht nur durchweg Unterhaltungsfilme gedreht, sondern der Schwerpunkt lag auf politischen und sozialkritischen Themen. Mit dem Amtsantritt von Perón nahmen die Zensur und der Druck durch die katholische Kirche zu, gleichzeitig gewannen US-amerikanische Filme an Beliebtheit. Auch das Fernsehen, das 1951 Einzug in Argentinien hatte, verringerte das Interesse am Kino. 1957 wurde daher das „Instituto Nacional de Cinematografía“ gegründet, dessen Aufgabe es u. a. war, Filme zu finanzieren.

Ab den späten 1950er Jahren nahm die Qualität und internationale Beachtung des argentinischen Kinos zu. Fernando „Pino“ Solanas ist ein Regisseur dieser Zeit, der bis zu seinem Tod 2020 tätig war. Auch das „Ciné Vérité“ aus Frankreich beeinflusste argentinische Filmemacher. Der Waffenstillstand (La tregua) von Sergio Renán wurde für einen Oscar nominiert. Ab ca. 1965 bis Anfang der 1970er Jahre wurden aber auch viele Sex-Komödien produziert und schockierten das Publikum mit einer bisher nicht gezeigten Menge nackter Haut. Die Militärdiktatur ab 1976 führte erneut zu Zensur, weshalb argentinische Filmemacher sich auf unbeschwerte, fröhliche Themen verlegten. Eines der bekanntesten Werke dieser Zeit ist „La nona“ (Die Großmutter).

Mit dem Rückgang der Zensur und schließlich der Rückkehr der Demokratie wurden Themen wie Korruption und Straflosigkeit angeprangert und die jüngste Vergangenheit aufgearbeitet. Zu den bekanntesten Werken gehören Die offizielle Geschichte von Luis Puenzo und Süden – Sur von Solanas.

In den 1990er Jahren entstand das „Neue Kino“, Filme wie Ein Ort auf dieser Welt (Un lugar en el mundo) wurden für den Oscar nominiert. Ein weiterer Klassiker ist Pizza, birra, faso. Weitere Oscar-nominierte Filme der letzten Zeit waren Der Sohn der Braut und El Aura. Einen Preis beim Filmfestival in Cannes erhielt XXY von Lucía Puenzo.

2010 gewann der argentinische Film In ihren Augen (El secreto de sus ojos) neben anderen Auszeichnungen den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film. Drehbuch und Regie stammen von Juan José Campanella (und 1985 La Historia Oficial (Luis Puenzo)).

Musik Hauptartikel: Argentinische Musik, Argentinische Rock- und Popmusik

mini|120px|rechts|Tango tanzendes Paar Der Tango Argentino prägt häufig das Image Argentiniens im Ausland. Während außerhalb Argentiniens mit Tango für gewöhnlich die Musik und der Tanz verbunden werden, sind für Argentinier die Texte genauso wichtig. Tangolieder sind eine spezielle Form der Poesie in Argentinien und enthalten oft Wörter oder Redewendungen in Lunfardo, einem lokalen Jargon. Der Tango erhielt mit den Kompositionen von Astor Piazzolla, der die Musik von Carlos Gardel neu definierte, neuen Aufschwung.

Folkmusik und Folkloretanz sind beliebt im ländlichen Argentinien und sind eine Mischung aus verschiedenen einheimischen und europäischen Stilen. Beispiele sind der Chamamé aus Mesopotamia und der Chacarera aus Santiago del Estero.

Seit den 1970er Jahren wird Rockmusik weithin geschätzt. Zuerst in den 1970er und dann wieder ab 1985 und in den frühen 1990er Jahren ist einheimische Rock- und Popmusik sehr populär und neue Bands wie Soda Stereo und Sumo sowie Komponisten wie Charly García und Fito Páez sind bedeutende Vertreter nationaler Kultur. Argentinischer Rock und Pop machten den Weg frei für andere Stilrichtungen, z. B. Ska, Techno, Eurodance, Electronica und die verschiedenen Richtungen der Cumbia.

Jazz ist nach wie vor beliebt in Argentinien und kann auf verschiedenen Jazz-Festivals gehört werden, die mehr oder weniger regelmäßig seit den 1990er Jahren an verschiedenen Orten stattfinden. Eines der bekannteren Festivals ist das Buenos Aires Jazz Festival, das seit 2002 auf Initiative der Stadtregierung jährlich veranstaltet wird.

Eine Reihe argentinischer Rock- und Jazzmusiker wurden bekannte Filmmusikkomponisten. Der Big-Band-Leader Lalo Schifrin wurde international bekannt, nachdem er 1966 das Thema für „Mission:Impossible“ komponierte. Emilio Kauderer schreibt Filmmusik für das argentinische Kino seit den 1970er Jahren und schuf u. a. auch die Musik für den US-amerikanischen Film „Friends & Lovers“. Als erfolgreichster Filmkomponist wird jedoch Gustavo Santaolalla angesehen, der 2006 und 2007 jeweils einen Oscar erhielt.