Die 14. Panzer-Division (14. PD) war ein Großverband des Heeres der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Ihr Vorläufer war die 4. Infanterie-Division, welche vor dem Zweiten Weltkrieg aufgestellt wurde.
4. Infanterie-Division
Aufstellung Die Division wurde unter dem Decknamen Artillerieführer IV im Oktober 1934 in Dresden-Albertstadt im Wehrkreis IV aufgestellt.
Die Gliederung mit den für den Verband durchgeführten Neuaufstellungen war:
Divisionsstab (Dresden) (aus 4. Division) Infanterie-Regiment 10 (Dresden) (aus 4. Division) Infanterie-Regiment 31 (Plauen) (aus Personalstamm IR 11 und Rekruten) Infanterie-Regiment 54 (Halberstadt) (aus Personalstamm IR 12 und Rekruten) Pionier-Bataillon 4 (Magdeburg) (aus 4. Division) Artillerie-Regiment 4 (Dresden) (aus 4. Division) Nachschubtruppen Nr. 4
Nach der Verkündung der Wehrhoheit im Jahre 1935 erhielt der Verband am 15. Oktober seine offizielle Bezeichnung 4. Infanterie-Division. Teile der Division wurden 50 km östlich von Köln stationiert und bei der Militarisierung des Rheinlands März 1936 marschierten diese über die Rheinbrücken in den westlichen Teil des Rheinlandes.
1939–1940 Polenfeldzug Die 4. Infanterie-Division nahm am Polenfeldzug teil und überquerte am 1. September 1939 die polnische Grenze östlich der Stadt Guttentag in Oberschlesien. Als Teil der 10. Armee dem IV. Armeekorps zugeordnet, wurden die polnischen Befestigungen bei Lubliniec durchbrochen. Der Vormarsch erfolgte im Raum südlich von Tschenstochau über die Warthe durch die Kleinstädte Janow und Włoszczowa auf Kielce, danach im Süden des Gebirges Łysa Góra vorbei, an deren östliche Ausläufer über Opatów zur Weichsel. Bei den Kämpfen mit zurückgehenden Einheiten der polnischen Armee besetzte die Division die Stadt Krasnik und erreichte am 18. September bei Krasnystaw den Fluss Wieprz. Nach der Siegesparade im Raum Lublin übernahm die Division am 11. Oktober bei Włodawa Stellungen am westlichen Ufer des Bug. Nach der Ablösung erfolgte der Rückmarsch über Lublin in den Raum Radom, wo sie Anfang November zum Heimaturlaub verladen und nach Köln abtransportiert wurde. Im Januar 1940 wurde die Division zwischen Olpe und Gummersbach kaserniert, wo das Personal weiter militärisch trainiert wurde.
Westfeldzug Anfang Mai 1940 kam die Division über den Rhein und ging für den Westfeldzug im Raum Prüm in der Eifel in Stellung. Die 4. Infanterie-Division diente der 4. Armee zunächst als Reserve und folgte im südlichen Belgien über St. Vith – Houffalize – Bastogne – Rochefort nach. Nach der Überquerung der Maas erfolgte der Vormarsch über Chimay – Hirson und Saint-Quentin nach Peronne an die Somme. Mobile Truppenteile drangen bis südlich von Dünkirchen vor, bis der Haltebefehl aus Berlin und die Knappheit an Kraftstoff die motorisierten Truppenteile zu einer Zwangspause nötigten. In erste schwerere Kämpfe gelangte die 4. Infanterie-Division aber erst nach dem Somme-Übergang im Bereich der 6. Armee. Am 6. Juni durchbrach die Division bei Marchélepot die Weygand-Linie, erreichte am 10. Juni die Oise südwestlich von Compiègne und überschritt die Marne im Raum Meaux. Am 17. und 18. Juni 1940 wurde die Loire-Brücke bei Orléans wiederhergestellt und der Vorstoß weiter auf Romorantin an den Cher-Abschnitt fortgeführt, wo am 21. Juni die Nachricht des Waffenstillstandes die Kriegshandlungen beendete.
Verlegung zur Umgliederung Im August 1940 lag die 4. leichte Division auf den Truppenübungsplätzen Königsbrück und Milowitz, um in die 14. Panzer-Division umgegliedert zu werden.
14. Panzer-Division Per 15. August 1940 als 14. Panzer-Division geführt. Die Gliederung mit den für den Verband durchgeführten Neuaufstellungen war:Rolf Stoves: Gepanzerte/motorisierte Großverbände 2003, S. 95–96
Divisionsstab Panzer-Regiment 36 Schützen-Brigade 14 Schützen-Regiment 103 Schützen-Regiment 108 Kradschützen-Bataillon 64 Pionier-Bataillon (mot.) 13 Artillerie-Regiment (mot.) 4 Aufklärungs-Abteilung (mot.) 40 Panzerjäger-Abteilung 4 Nachrichten-Abteilung (mot.) Flak-Artillerie-Abteilung (mot.) 276 Sonstige Versorgungstruppen mit der Nr. 4
1941–1943 mini|Panzer der 14. Division mit dem Truppenkennzeichen, der Othala-Rune, im Sommer 1942 in der Ukraine
Balkanfeldzug Ab März 1941 verlegte die Division nach Ungarn. Nach einem kurzen Einsatz bei der 2. Armee im Balkanfeldzug im Verband des XXXXVI. Armeekorps kam die Division zur Heeresgruppe Süd an die Grenze Wolhyniens.
Unternehmen Barbarossa Im Verband des III. Armeekorps der Panzergruppe 1 nahm die Division ab 22. Juni am Russlandfeldzug teil. Sie bildete bei Ustilug einen Brückenkopf über den Westlichen Bug und besetzte Wladimir Wolynsk. Nach dem Ikwa-Übergang fiel ihr im Zusammenwirken mit der 13. Panzer-Division auch Rowno in die Hände. Im Juli 1941 erfolgte der Durchbruch über Schepetowka auf Fastow. Nach dem weiteren Vorstoß zum Dnjepr bei Dnjepropetrowsk erfolgte Anfang September von Süden her über den Brückenkopf bei Krementschug das Eingreifen in der Kesselschlacht von Kiew. Im Oktober überschritt die Division den Don bei Rostow sowie im Dezember den Mius. Zu Beginn des Jahres 1942 stand sie bei Charkow, wo sie im Mai in der Schlacht bei Charkow kämpfte. Im August des Jahres wurde sie der Heeresgruppe B und der 6. Armee zugeteilt. Mit dieser wurde sie dann in der Schlacht um Stalingrad im Januar 1943 vernichtet.
Stalingrad Kampf um die Vororte mini|Panzer der 14. Division mit Othala-Runen-Emblem 1942 in Russland mini|Soldat vor Sd.Kfz 250 der Division (Truppenkennzeichen oberhalb der Schulter des Soldaten), Südrussland, 21. Juni 1942. Die 14. Panzer-Division war der 4. Panzerarmee unter Generaloberst Hermann Hoth unterstellt und marschierte aus südlicher Richtung auf Stalingrad zu. Der damalige Divisionskommandeur war Generalleutnant Ferdinand Heim.S 1, 30–32. Am 3. September 1942 setzte sich die 14. PD östlich der Bahnstation Woroponowo auf den Angriffssektor in Richtung auf die Ortschaft und gegen die Verteidigungslinien der sowjetischen 33. Gardeschützen-Division südlich der Zariza in Bewegung.S. 64–65. Die ersten Vorstöße der 14. PD und 29. Infanterie-Division (mot.) konnten von der sowjetischen 64. Armee bei Peschanka durch intensiven Beschuss aus Katjuscha-Raketenwerfern und sowjetischen Schlachtflugzeugen in der Nacht vom 4. auf den 5. September 1942 aufgehalten werden. Mörsereinschläge verursachten große Verluste unter den in Schützenlöchern in Deckung gegangenen Panzergrenadieren.S. 67, 70, 71, 73. Am 7. September 1942 mussten die Verbände des XXXXVIII. Panzerkorps (14. PD, 24. PD und 29. ID (mot.)) unter General der Panzertruppe Werner Kempf umgruppiert werden.S. 77. Am 8. September 1942 entwickelten sich zwischen der 14. PD und der sowjetischen 131. SD sowie der 33. GSD im Raum Woroponowo und Pestschanka neue heftige Gefechte. Dabei gaben die sowjetischen Truppen an, 18 deutsche Kampfpanzer vernichtet zu haben. Die sowjetischen Truppen wurden aus Pelschanke vertrieben, bildeten jedoch zwischen Elschanka und Kuperosnoe eine neue Abwehrlinie. Weiterhin zerschlug eine gemischte Kampfgruppe aus der 14. PD und der 29. ID (mot.) die 131. SD bei der Goriana-Poliana-Kolchose südlich des Vororts Minnina.S. 79–81, 89–91. Am 12. September 1942 erreichte der Kampf um die Stalingrader Vororte seinen Höhepunkt und die 14. PD konnte in die Stellungen der Roten Armee bei Elschanka und Kuporosnoe eindringen.S. 93–94, 112. Erst am 16. September 1942 konnten die Stellungen aufgebrochen werden und die Reste der sowjetischen 64. Armee mussten sich in Richtung Norden zurückziehen.S 129 Panzerschwadrone der 14. PD unterstützten die 29. ID (mot.) bei den schweren Gefechten um das Sägewerk und das Eletroles-Elektrizitätswerk in der Südstadt Stalingrads.S. 151. Am 14. September 1942 ergab sich eine Kampfstärke der 14. PD aus vier mittelstarken (500–700 Mann) Infanterie-Bataillonen und einem durchschnittlichen (300–400) Pionier-Bataillon.S. 231.
Am 27. September wurden große Teile des Kradschützenbatallion 64 um 06:00 Uhr Ortszeit durch einen russischen Feuerüberfall auf der Höhe 147,5 nahe Beketowka und Nowaja Pestschanka vernichtet.
Am 27. September verlor die Wehrmacht in weniger als 24 Stunden über 2000 Soldaten im Kampf um Stalingrad.
Einsatz im Stalingrader Seengebiet Am 29. September 1942 wurde die 14. PD aus dem Südabschnitt abgezogen, nach einer einwöchigen Ruhephase umgruppiert und sollte danach Astrachan an der unteren Wolga einnehmen, was jedoch nicht realisiert wurde. Da vom 29. auf den 30. September 1942 eine sowjetische Gegenoffensive auf die Seenregion 60 bis 75 Kilometer südlich von Stalingrad begann, wurden die 14. PD und 29. ID (mot.) aus ihren Verfügungsräumen befohlen, um dort lokal begrenzt einzugreifen. Es gelang ihnen, die Frontlinie zu stabilisieren.S. 136, 240, 256, 345–346, 348.
Traktorenwerk Am 13. Oktober 1942, dem Vorabend des Großangriffs auf das Stalingrader Traktorenwerk, musste die 14. PD mit ihren 50 verbliebenen Kampfpanzern in die Kämpfe um die Stalingrader Industriekomplexe in der Nordstadt eingreifen, zu diesem Zweck wurden sie dem LI. Armeekorps unterstellt.S. 353, 355, 372. Eingesetzt war die 14. PD (103. und 108. Panzergrenadier-Regiment) innerhalb der Gruppe Jaenicke 400 bis 800 Meter nordöstlich vom Schnellhefterblock und sollte die Eisenbahnlinien und die Schitomirsk-Balka überqueren und dann in den nördlichen und zentralen Abschnitt des Traktorenwerks einbrechen. Der Großangriff begann am 14. Oktober 1942 um 7:30 Uhr nach einem großangelegten Bombenangriff und Artillerieüberfall.S. 377–379. Mit Hilfe der Panzer gelang es der 14. PD, in den Südsektor des Traktorenwerks einzudringen und sich dort mit der Kampfgruppe Schulte zu vereinigen.S. 384, 386–387. Der heftige Vorstoß der Deutschen brachte ihre Kampfverbände bis 300 Meter an den Armeegefechtsstand von General Tschuikow. Nach Schätzungen der Roten Armee fielen 3.000 deutsche und 10.000 sowjetische Soldaten während des Angriffs auf das Traktorenwerk; Wehrmachtberichte nennen jedoch die Zahl von 538 Verlusten an deutschen Soldaten am 14. Oktober 1942. Die 14. PD verlor lediglich einen ihrer noch verbliebenen 50 Panzer.S. 391. Am 15. Oktober 1942 wurden die Kämpfe mit unverminderter Härte fortgesetzt. Obwohl Tschuikow an die 50 % seiner Verteidigungsstärke im Sektor Traktorenwerk einbüßte, kämpften zahlreiche kleine Gruppen von Rotarmisten und bewaffneten Arbeitern in den zerstörten Fabrikhallen weiter. Teile des Panzergrenadier-Regiments 103 gelangten bis an die Wolga und mussten sich nach nächtlichen Feuergefechten in der Umgebung der Öltanks eingraben. In Berichten des OKW wurde dies bereits als durchschlagender Erfolg gewertet.S. 393–395.
Die Kämpfe im Stalingrader Industriebezirk waren die blutigsten und verlustreichsten Begegnungen während der gesamten Stalingradschlacht.Piekałkiewicz: Stalingrad. Anatomie einer Schlacht. Heyne, München 1993, S. 235.
Geschützfabrik „Barrikaden“