mini|Uebigau, Luftaufnahme (2019) mini|hochkant=1.66|Marktplatz in Uebigau
Uebigau ist ein linksseitig und westlich der Schwarzen Elster gelegener Ortsteil der Stadt Uebigau-Wahrenbrück im südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster und heute Teil der Verbandsgemeinde Liebenwerda. Der Ortsteil umfasst die Gemarkung Uebigau. Er hat entsprechend der brandenburgischen Kommunalverfassung und der Hauptsatzung einen direkt gewählten Ortsvorsteher.
Eine erste Burg zur Sicherung von Handelswegen und eines Flussübergangs gab es im Ortsteil, welcher slawischen Ursprungs ist, vermutlich bereits in der Zeit um 1000. Eine erste Erwähnung des Ortes erfolgte 1251 in einer Urkunde als „Vbgowe“. Seit 1303 besitzt Uebigau Stadtrecht. Im nördlich des Ortsteils gelegenen Naturschutzgebiet „Schweinert“ befindet sich eines der größten Hügelgräberfelder Mitteleuropas aus der Bronzezeit. Hier erfolgte nach der Schlacht bei Mühlberg im April 1547 die Gefangennahme des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich I. durch Truppen des Heeres von Kaiser Karl V., in deren Folge der Schmalkaldische Krieg mit der Wittenberger Kapitulation endete.
Geographie Geographische Lage mini|Klimadiagramm von Uebigau
Uebigau befindet sich etwa 3 Kilometer östlich des Bahnknotenpunktes Falkenberg/Elster an der Bahnlinie von Leipzig nach Cottbus. Es liegt linksseitig der Schwarzen Elster und ist etwa 85 Kilometer von der südöstlich gelegenen sächsischen Landeshauptstadt Dresden entfernt.
Das nördlich der Stadt liegende Naturschutzgebiet „Schweinert“ mit seinem bronzezeitlichen Gräberfeld wurde bereits 1961 zum Naturschutzgebiet erklärt...Verordnung über das Naturschutzgebiet „Schweinert“ vom 9. Dezember 1998. Abgerufen am 27. März 2022. An der Schwarzen Elster befindet sich das Landschaftsschutzgebiet „Elsteraue“.Liste der Landschaftsschutzgebiete in Brandenburg. (PDF; 387 kB). Abgerufen am 27. März 2022.
Klima Uebigau liegt mit seinem humiden Klima in der kühl-gemäßigten Klimazone, jedoch ist ein Übergang zum Kontinentalklima spürbar.Geoklima 2.1. Die nächsten Wetterstationen befinden sich in Richtung Nordosten in Doberlug-Kirchhain, südwestlich des Ortes in Torgau sowie südlich in Oschatz und Dresden.
Geschichte Frühgeschichte mini|Hügelgräberfeld „Schweinert“
Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung in Uebigau wurden an der Schwarzen Elster im etwa vier Kilometer nördlich der Stadt gelegenen, etwa sechzig Hektar großen Wald- und Naturschutzgebiet „Schweinert“ gefunden. Sie stammen aus der mittleren und späten Bronzezeit um 1200–800 v. Chr. Hier befindet sich eines der größten Hügelgräberfelder Mitteleuropas aus dieser Zeit. Etwa sechshundertfünfzig teils noch gut zu erkennende Hügelgräber sind hier bekannt und können der Lausitzer Kultur zugeordnet werden.
Zahlreiche ur- und frühgeschichtliche Funde sind auch im Altstadtbereich Uebigaus gefunden worden und lassen eine germanische oder slawische Vorbesiedlung des Stadtgebietes vermuten. (Broschüre).
Entstehung der Burg Uebigau In der Zeit um 1000 kam es in dem kurz zuvor durch das entstehende Deutsche Reich eroberten Gebiet östlich der Elbe zu militärischen Auseinandersetzungen mit den ebenfalls expandierenden polnischen Herzögen und Königen sowie den ansässigen slawischen Herrschern. Dabei wurden mehrere Burgen neu gegründet oder ausgebaut. Diese dienten wohl auch dem Schutz und der Kontrolle der parallel zur Schwarzen Elster verlaufenden Heer- und Handelsstraßen wie der Zucker- und Salzstraße sowie der Flussübergänge. Neben anderen Burgen wie Wahrenbrück, Liebenwerda, Würdenhain, Saathain, Elsterwerda und Mückenberg entstand so auch eine Burganlage in Uebigau, die sich an einer Nebenstraße der alten Salzstraße und späteren Niederstraße, welche von der Lüneburger Heide über den Harz, Eilenburg, Torgau und Doberlug nach Schlesien führte, befand.
Die ungefähr 900 Quadratmeter große Anlage einer Wasserburg lag auf einem künstlich aufgeschütteten Hügel, in dessen Zentrum sich ein etwa 5 Meter hoher Wohnturm befand. Standort dieser Burg war vermutlich eine noch sichtbare Bodenerhebung im Uebigauer Schlosspark, die zu DDR-Zeiten auch als slawischer Burgwall erfasst wurde. Ein nachgewiesener Burggraben an der Einfahrt zum Uebigauer Schloss, zwei noch bis 1950 bestehende Schlossteiche sowie mehrere Scherbenfunde aus dem 14./15. Jahrhundert lassen dies vermuten.
Ersterwähnung, Erlangung des Stadtrechts und Deutung des Ortsnamens Uebigau wurde 1251 erstmals als „Vbgowe“ in einer Urkunde des Nonnenklosters „Marienthron“ (Brief vom Meißner Markgrafen Heinrich der Erlauchte) erwähnt, welches 1250 von Torgau in die Nähe von Gera und schließlich 1291 nach Nimbschen verlegt wurde.
Weitere Schreibweisen des Ortsnamens waren 1251 Vbgowe, Vbegowe, 1285 Ubgowe, 1298 Ubegowe, 1303 in Vbegowe ciuitate, 1350 Ob(e)gow, 1424 Ubbigow, 1441 Obbigaw, 1505 Obigaw, 1555 Ubigau, 1602 Ibigaw, 1607 Ibigaw und 1752 Übigau.
Möglich ist eine Deutung des slawischen Ortsnamens als Uběgov(-a,-o), das heißt Besitz des Uběg. Der Sage nach soll zu Zeiten des Markgrafen Gero (um 900 bis 965) der Dorfälteste Ubeg einen Ritter überlistet und das einstige slawische Dorf so vor Plünderungen bewahrt haben. Jedoch ist eine Person mit diesem oder ähnlichen Namen nicht belegt. Wahrscheinlicher ist deshalb die Ableitung aus dem urslawischen Wort *běgati (laufen), was dann als Uběgovo (Ort wohin man gehen kann, also Zufluchtsort) gedeutet wird.Emilia Chrome: Die Ortsnamen des Kreises Bad Liebenwerda. Akademie-Verlag, Berlin 1968.
Die 1303 erfolgende Ersterwähnung als Stadt geht auf eine in Uebigau erstellte Urkunde hervor, die sich im sächsischen Hauptstaatsarchiv in Dresden befindet. In jenem Dokument bekundet Otto von Ileburg und Uebigau (der Jüngere), einen Tausch mit der Langennaundorfer Pfarrkirche getroffen zu haben. Als Zeugen traten einige seiner Vasallen, wie Cunrado de Tristewitz und Gunthero de Rozstoc, auf.
Frühe Neuzeit mini|Uebigau in einer Cabinetskarte um 1762 von Isaak Jacob von Petri mini|Uebigau auf einer geschichtlichen Karte des Kreises Liebenwerda (1910). Im nördlich von Uebigau gelegenen Waldgebiet „Schweinert“ erfolgte nach der Schlacht bei Mühlberg im April 1547 die Gefangennahme des sächsischen Kurfürsten Johann Friedrich I. durch Truppen des Heeres von Kaiser Karls V., in deren Folge der Krieg mit der Wittenberger Kapitulation endete.
Schlimme Verwüstungen brachte Uebigau der Dreißigjährige Krieg. Das Gebiet zwischen Elbe und Schwarzer Elster hatte in jener Zeit besonders schwer zu leiden, so dass am Ende des Krieges nahezu jede Ortschaft in Mitleidenschaft gezogen war. Nachdem bereits 1630 kroatische Reiter des Generals Götz Uebigau teilweise niederbrannten, kam im Winter 1636/37 schwedisches Kriegsvolk des Generals Banér, das in dieser Zeit im wenige Kilometer entfernten Torgau an der Elbe sein Winterquartier genommen hatte und die gesamte Gegend bis in den kleinsten Winkel durchstreifte, die Ortschaften ausplünderte, drangsalierte und niederbrannte. Bis 1640 fand das Gebiet keine Ruhe, und am Ende des Krieges lag Uebigau in Schutt und Asche. Der Überlieferung nach ist die Stadt allein zwischen 1612 und 1640 siebenmal abgebrannt.
Gleichzeitig kam es immer wieder zu verheerenden Pestepidemien, welche die Bevölkerung ebenfalls stark dezimierten. Pestjahre waren unter anderem 1631 mit 200 Pestopfern und 1637, in welchem Jahr 600 Menschen zum Opfer fielen. Opferzahlen über die Epidemien in den Jahren 1638/39 sowie 1648 sind nicht bekannt.
Noch lange Zeit nach dem Krieg hatte die Stadt unter den Folgen jener Zeit zu leiden, so dass 1672 der Pfarrer Hardtmann klagte, wie es „so ein elend Wesen sey, daß er wohl in 14 Tagen kein Heller sehn und daß mit Weib und armen Kindern an der Zahl 9, die nakend und bloß gehen.“ Die 1521 erstmals erwähnte Uebigauer Stadtmühle wurde schließlich 1712 wegen 1706 und 1707 im Großen Nordischen Krieg erlittener Kriegsschulden für 1.035 Taler an den Müller aus Postberga verkauft.
Dem Ackerbürgerstädtchen Uebigau standen im 18. Jahrhundert die Niedergerichte zu. Die Stadt wurde von den breiten Fließen der damals noch unregulierten Schwarzen Elster umschlossen und war nur über zwei Zugbrücken am Münchner und Torgauer Tor zu erreichen. Der 1580 erbaute Neugraben umschließt bis in die Gegenwart weite Teile der Altstadt. Uebigau hatte bereits 1577 das Recht erhalten, an St. Lukas sowie am 1. Adventssonntag einen Jahrmarkt auszurichten und an den Freitagen und Samstagen zuvor Viehmärkte abzuhalten. Laut dem Flurbuch von 1756, dessen Original sich in der Heimatstube befindet, hatte die Stadt 129 Häuser und 116 Hausbesitzer, von denen 49 brauberechtigt waren. Unter ihnen befanden sich 18 Leineweber, 2 Seiler, Zimmerleute, 2 Bäcker, 5 Böttcher und 8 Schneider.
In der Folgezeit hatten die Stadt und ihre Einwohner weiter unter Kriegen zu leiden. Während des Siebenjährigen Krieges plünderten Österreicher und Kroaten 1760 Uebigau, und während der Befreiungskriege erlebte die Umgebung gewaltige Truppenbewegungen französischer und preußischer Kriegsverbände. Zeitweise musste die Stadt bis zu 18.000 Franzosen Unterkunft und Verpflegung bieten, was etwa 150 Mann auf einen Uebigauer Bürger bedeutete.
Vom Wiener Kongress bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Nachdem Uebigau infolge der Bestimmungen des Wiener Kongresses 1815 vom Königreich Sachsen an den Regierungsbezirk Merseburg der preußischen Provinz Sachsen gefallen war, zählte die zum Kreis Liebenwerda gehörende Stadt 1835 gemeinsam mit den beiden Rittergütern 148 Wohnhäuser und insgesamt 1252 Einwohner. An Vieh wurden 106 Pferde, 421 Stück Rindvieh, 3 Ziegen und 20 Schweine gezählt. Etwa 15 Kilometer flussaufwärts begannen 1852 bei Zeischa Bauarbeiten zur Regulierung der Schwarzen Elster. Der Fluss bekam bis 1861 sein heutiges Bett, wurde durch Dämme eingedeicht, und ein Großteil der zahlreichen Fließe wurden trockengelegt. 1853 wurden die beiden Uebigauer Torhäuser zum Abbruch verkauft und 1874 der Kirchfriedhof geschlossen. mini|Das Uebigauer Bahnhofsgebäude um 1904.
Ende des 19. Jahrhunderts begann auch in Uebigau allmählich die Industrialisierung. Am 1. Dezember 1871 wurde die an der Stadt vorbeiführende Eisenbahnstrecke Cottbus–Falkenberg/Elster in Betrieb genommen. Da der Uebigauer Magistrat kein Interesse bekundete, bekam die Stadt allerdings erst am 1. Mai 1892 eine Personenhaltestelle. Das Bahnhofsgebäude wurde elf Jahre später übergeben. Im benachbarten Falkenberg entstand ein Eisenbahnkreuz, das sich in der Folgezeit zu einem der bedeutendsten Verkehrsknoten im ostdeutschen Raum entwickelte. Viele Uebigauer Einwohner fanden in den sich dort ansiedelnden Betrieben und auf dem Bahnhof Arbeit. Und bereits 1929 waren 199 Uebigauer als Eisenbahner beschäftigt.
Am 23. April 1945 trafen vorrückende Truppen der zur Roten Armee gehörenden 1. Ukrainischen Front auf Uebigau. Am gleichen Tag fanden diese in der Nähe des später eingemeindeten Langennaundorfs an der Schwarzen Elster einen als Verlorener Zug bekannt gewordenen verirrten Häftlingstransport aus dem Konzentrationslager Bergen-Belsen.
Eingemeindungen und Bildung der Stadt Uebigau-Wahrenbrück Am 1. Januar 1960 erfolgte die Eingemeindung von München.Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern. Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart 1995, ISBN 3-8246-0321-7. Zehn Jahre später wurde die Gemeinde Bomsdorf am 22. März 1970 nach Uebigau eingemeindet. Die Gemeinde Langennaundorf folgte am 31. Dezember 1998..
Ab 1977 bildete Uebigau gemeinsam mit der benachbarten Stadt Falkenberg und neun weiteren Gemeinden einen Gemeindeverband. Ab 1992 wurde die Stadt ein Teil des Amtes Falkenberg-Uebigau. Bei einer weiteren Gebietsreform im Land Brandenburg widersetzte sich die Uebigauer Bevölkerung einer Eingliederung nach Falkenberg.
Am 31. Dezember 2001 wurden die Städte Uebigau und Wahrenbrück mit den Gemeinden Drasdo, Bahnsdorf, Neudeck sowie Wiederau zusammengeschlossen., S. 37.