mini|Laurentiuskirche heute mini|300px|Gliederung der Stadt Elsterberg mini|hochkant|Elsterberg, Lange Straße mit Kirche, Lichtdruck-Postkarte 1897

Die Stadt Elsterberg liegt im Vogtland an der Weißen Elster. Am 25. Juli 1952 kam die Stadt im Rahmen der DDR-Gebietsreform vom Bezirk Karl-Marx-Stadt (Sachsen) nach Thüringen und in den Bezirk Gera. Per Volksentscheid erfolgte am 1. April 1992 die Rückgliederung nach Sachsen in den Vogtlandkreis.

Geografie Geografische Lage Elsterberg befindet sich in einer von Greiz ausgehenden Tallage, umgeben von dichten Wäldern. Das Tal setzt sich vom Ortsteil Gippe aus zum Steinicht, einem Landschaftsschutzgebiet im Elstertal Richtung Plauen, zur Rentzschmühle und zur Elstertalbrücke an der Weißen Elster fort. Die B 92 von Plauen nach Greiz führt durch die Kleinstadt. Greiz ist etwa 6 km und Plauen etwa 13 km entfernt.

Nachbargemeinden

Stadtgliederung Stadtteile Elsterbergs sind die eingemeindeten Coschütz mit Feldwiese, Rückisch und Thürnhof Kleingera mit Reuth und Pfannenstiel Losa mit Wipplas Scholas Cunsdorf Görschnitz Noßwitz

Weiterhin gehören die Siedlungen Gippe und Hohengrün zur Stadt Elsterberg. Sie besitzen keinen Status als Gemeindeteil.

Geschichte Entstehung und Stadtgründung Die angeblich im Jahre 1198 ausgestellte Urkunde mit der Erwähnung eines Rayero de Elsterberg ist höchstwahrscheinlich eine Fälschung und kann frühestens Mitte des 13. Jh. verfasst worden sein. Andrei Zahn: Die Ersterwähnung Elsterbergs im Jahre 1198 – eine Fälschung?, in: Jahrbuch des Museums Reichenfels-Hohenleuben 67 (2022). Die erste sichere urkundliche Ersterwähnung Elsterbergs datiert auf den 25. April 1225. Ob die Burganlage Altes Haus Elsterberg, die 38 Meter über der Elster auf dem Weßnitzfelsen stand, älter ist als die Burg Elsterberg, ist archäologisch bisher nicht belegbar. Der Name der Stadt leitet sich aus dem Namen der Burg her – nach der Lage an der Elster.Ernst Eichler und Hans Walther: Sachsen. Alle Städtenamen und deren Geschichte, Faber und Faber Verlag, Leipzig 2007, ISBN 978-3-86730-038-4, S. 58

Zur gleichen Zeit kolonisierten die Herren von Lobdeburg die Gegend und bauten vor 1225 eine zweite Burg, die später Schloss Elsterberg genannt wurde. Unterhalb der Burg ließen sie eine Kirche errichten und siedelten aus Franken und Thüringen herbeigerufene Untertanen an.

Eine Stadtgründung war ursprünglich nicht vorgesehen, als aber im 13. Jahrhundert 36 umliegende Dörfer nach Elsterberg pfarrten und dort Handel ausübten, wurde ein Marktrecht eingeführt. Urkundlich erschien Elsterberg als Stadt erstmals 1354. Bis 1700 war es ein typisches Landstädtchen, in dem nur für den Eigenbedarf und innerhalb einer bestimmten Bannmeile erzeugt und gehandelt werden durfte.

In der Zeit der Reformation hielt sich mehrmals Thomas Müntzer in Elsterberg auf. Erst 1539 wurde Elsterberg evangelisch. Nach dem Schmalkaldischen Krieg ging Elsterberg 1547 als Teil des Plauener Amtes von den Ernestinern an die Vögte von Plauen über, bis es 1569 endgültig an Kursachsen fiel.

Stadtbrände Drei verheerende Stadtbrände zerstörten Elsterberg. 1492 stand der Großteil der Innenstadt in Flammen und 1702 fiel die Innenstadt bis auf die Pfarre und das Rittergut Frankenhof auf der anderen Elsterseite den Flammen zum Opfer. Im Jahr 1840 brannte die ganze Stadt mit Kirche und Rathaus. Alle stadtkundlichen Akten und Urkunden- bis auf die Kirchenbücher (Geburten, Trauungen, Sterbefälle) ab 1658 – gingen unwiederbringlich verloren. Erst nach dem Wiederaufbau ab 1840 entstand das heutige Stadtbild. Der beim Stadtbrand 1840 ebenfalls abgebrannte Frankenhof wurde nicht wieder aufgebaut. Die neu angelegte Schulstraße (heute: Karl-Marx-Straße) zerschnitt das einstige Rittergutsareal, auf dessen östlichen Teil das Gerichtsgebäude mit Gefängnis (heute Karl-Marx-Straße 57Erwähnung des Amtsgerichtsgefängnisses Elsterberg auf www.gedenkplaetze.info) errichtet wurde.Chronik der Stadt Elsterberg, Band III, S. 76f.

Die Industrialisierung zur Spinnfaserstadt Elsterberg gehörte bis 1856 zum kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Amt Plauen.Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0, S. 76 f. 1856 wurde die Stadt Sitz des Gerichtsamts Elsterberg, bis sie 1875 der Amtshauptmannschaft Plauen angegliedert wurde. Im Jahr 1886 wurde der sächsische Anteil von Sachswitz von Noßwitz nach Elsterberg umgegliedert. Im Jahr 1928 wurde er durch den Gebietsaustausch und der damit einhergehenden Grenzbereinigung zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Land Thüringen an Thüringen abgetreten und mit dem thüringischen Anteil von Sachswitz vereinigt.Karte mit den Austauschgebieten zwischen Sachsen und Thüringen im Jahr 1928 Bezüglich der kirchlichen Zugehörigkeit ist (Alt-)Sachswitz bis heute nach Elsterberg gepfarrt und gehört somit als Teil der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Elsterberg zum Kirchenbezirk Vogtland der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens.

1875 wurde Elsterberg an das Eisenbahnnetz (Bahnstrecke Gera Süd–Weischlitz zwischen Gera und Plauen) angeschlossen, was der Industrialisierung der Stadt sehr förderlich war. 1882 eröffnete die erste mechanische Weberei in Elsterberg, 1908/09 wurde die Kunstseidenfabrik als „Sächsische Kunstseidenwerke AG“ gegründet, aus der nach einigen Startschwierigkeiten 1919 erfolgreich die Spinnfaser-Aktiengesellschaft Elsterberg entstand, eines der bedeutendsten einschlägigen Unternehmen vor dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland. Auch die Lederindustrie boomte.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Von März 1933 bis zum 19. April 1933 befand sich im Gefängnis des Amtsgerichts Elsterberg ein frühes Konzentrationslager. Die Zahl der inhaftierten bzw. ums Leben gekommenen Personen ist nicht bekannt. Das Gebäude wird heute als Wohnhaus benutzt.Das KZ Elsterberg auf www.gedenplaetze.info

Die Kleinstadt Elsterberg blieb im Zweiten Weltkrieg von Bombenangriffen bis auf einige Blindgänger verschont. Die Besetzung durch amerikanische Truppen erfolgte am 16. April 1945. Im Juli des Jahres wurde die Stadt von sowjetischem Militär besetzt. Zahlreiche Umsiedler nach Vertreibung aus Böhmen, Mähren und Schlesien fanden seit 1945 Unterkunft in der Stadt. Versorgungsengpässe machten die Situation für alle Einwohner kompliziert.Paul Reinhard Beierlein: Geschichte der Stadt und Burg Elsterberg i. V. Verlag Theo Krumm, vier Bände, 1928–1934Karlheinz Zierdt: Die Geschichte der Stadt Elsterberg. In: Greizer Heimatbote. 1977.

Die Zeit von 1945 bis 1989 Alle Elsterberger Betriebe wurden 1946 enteignet und in Volkseigentum überführt, Industrieanlagen und Großgrundbesitz zum Teil gewaltsam konfisziert. Viele Maschinen wurden entsprechend dem alliierten Abkommen von Jalta abgebaut und in die Sowjetunion verbracht. Dennoch lief die Spinnfaserproduktion wie die Leder- und Herdfabrikation unter Schwierigkeiten wieder an.

Am 25. Juli 1952 wurde das bisher zum Kreis Plauen gehörende sächsische Elsterberg im Rahmen der Verwaltungsreform in der DDR und der damit verbundenen Aufhebung der föderalen Ordnung in den neuen Bezirk Gera, Kreis Greiz eingegliedert. mini|Eine Spinnerin im Kunstseidewerk „Clara Zetkin“ am 19. Dezember 1988 In den Jahren der DDR entwickelte sich Elsterberg zu einem wichtigen Industriestandort des Bezirkes Gera. Mit dem VEB Kunstseidenwerk Clara Zetkin, in dem Kunstseide und ab den 1970er Jahren auch Viskoseschwammtücher und Schwämme produziert wurden und das bis 1990 zum Chemiefaserkombinat gehörte, entwickelte sich Elsterberg zur modernen Industriestadt. Hier arbeiteten etwa 1600 Betriebsangehörige, darunter waren 1989 zahlreiche ausländische Vertragsarbeiter, darunter 66 Kubaner und 125 Vietnamesen.Siegfried R. Krebs, in: RotFuchs Januar 2015, Extra-Beilage S. III–IV Zu den Betrieben von Elsterberg gehörten auch der VEB Wäscheunion, der vorrangig Bettwäsche herstellte, der VEB Wärmegerätewerk, in dem die begehrten Glutos-Öfen gefertigt wurden, und die Lederfabrik.

Die Nachwendezeit ab 1989 Die politische Wende brachte den Zusammenbruch der Herd- und Lederindustrie in Elsterberg und auch die Textilindustrie blieb nicht verschont. Nach 1990 überlebten nur Teile der Spinnfaserproduktion. Die auf modernsten Stand gebrachte Produktion beschäftigte im Unternehmen Enka GmbH zwar nur einen Bruchteil der ursprünglichen Belegschaft, die Elsterberger Kunstseide blieb aber weiterhin international gefragt. Dies blieb so, bis 2009 trotz voller Auftragsbücher die International Chemical Investors Group den Standort Elsterberg zu Gunsten des Erhalts des Werkes im bayerischen Obernburg, dem einzig verbliebenen Glanzstoffwerk neben der Hauptverwaltung in Wuppertal, schloss und damit auch der letzte Elsterberger Industriebetrieb verloren ging. Die Stadt entwickelte sich trotz hoher Arbeitslosigkeit. Die Altstadt wurde saniert, das Waldbad modernisiert, eine Ortsumgehung gebaut, historische Bausubstanz mit Liebe zum Detail erneuert, der Burgkeller neu gestaltet und auch in den eingemeindeten Ortsteilen wurde viel getan.

Am 1. April 1992 wechselte die Stadt zusammen mit 8 anderen Thüringer Gemeinden wieder nach Sachsen, in den Kreis Plauen zurück. Grundlage hierfür war Staatsvertrag zwischen dem Freistaat Sachsen und dem Land Thüringen über die Änderung der gemeinsamen Landesgrenze vom 11. Februar 1992.(GrÄndStVtr SN/TH)

Eingemeindungen Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung CoschützStatistisches Landesamt des Freistaates Sachsen: Gebietsänderungen 1. Januar 1994 Cunsdorf 1. Januar 1995 FeldwieseDas Sachsenbuch, Kommunal-Verlag Sachsen KG, Dresden, 1943 vor 1880 Eingemeindung nach Coschütz Gippe 1868 Görschnitz 1. Oktober 1993 Kleingera 1. Januar 1994 LosaGemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt 1. April 1974 Eingemeindung nach Coschütz Noßwitz 1. Mai 1972 Pfannenstiel vor 1880 Eingemeindung nach Kleingera Reuth vor 1880 Eingemeindung nach Kleingera Rückisch vor 1880 Eingemeindung nach Coschütz Scholas 1. Januar 1979 Eingemeindung nach Coschütz Thürnhof, GutsbezirkFinanzministerialblatt für den Freistaat Sachsen, Nr. 8, 1921 1. April 1921 Eingemeindung nach Coschütz Wipplas vor 1880 Eingemeindung nach Losa

Einwohnerentwicklung 1557 wurden 89 besessene(r) Bürger, 19 Häusler und 25 Inwohner gezählt, 1748 waren es 80 Häuser in der Mauer, 84 Häuser in der Vorstadt und 10 Hufen je 30 Scheffel.

Einwohnerzahlen und Eingemeindungen (ab 1998 31. Dezember): Jahr 1834 1840 1895 1910 1960 1965 1971 1982 1990 1994 1998 2000 2002 Einwohner 2.320 2.081 4.814 5.196 5.762 5.673 5.502 5.156 4.766 5.735 5.502 5.448 5.280 Jahr 2004 2006 2008 2010 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Einwohner 5.139 4.991 4.803 4.627 4.354 4.263 4.229 4.188 4.119 4.004 3.937 3.925Quellen: Stadtverwaltung Elsterberg; ab 1998: Statistisches Landesamt Sachsen

Politik

Elsterberg ist Mitglied im Städteverbund Nordöstliches Vogtland. Stadtrat Der sechzehnköpfige Stadtrat wurde zuletzt bei der Stadtratswahl am 10. November 2024 gewählt und setzt sich wie folgt zusammen: +letzte StadtratswahlenWahlvorschlag20242024(*)20192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %Sitzein %Alternative Heimatliste1166,71168,0948,8952,6Gemeinsam für Elsterberg317,7319,8225,1211,4SPD214,3210,8212,4211,3Grüne–1,3–1,4––––Alternative Feuerwehrliste––––18,6––Evangelische Kirchgemeinde–––––5,115,7CDU––––––17,0Linke––––––16,4FDP–––––––5,6Wahlbeteiligung (in %)49,173,572,461,5(*) Die Wahl am 9. Juni 2024 war ungültig und wurde am 10. November wiederholt.

Bürgermeister mini|Rathaus Elsterberg