I Am What I Am („Ich bin, was ich bin“) ist das bekannteste Lied aus Jerry Hermans Musical La Cage aux Folles ([la kaʒ o fɔl]; dt. Ein Käfig voller Narren), uraufgeführt 1983 am New Yorker Broadway. Der Song ist die Abschlussnummer des ersten Aktes. Im selben Jahr erschien eine Disco-Version von Gloria Gaynor. Der Titel wurde auch von zahlreichen weiteren Interpreten gecovert. Es ist damit eines der wenigen Lieder eines schwulen Musicals, das außerhalb des Stücks Erfolg hatte.JD Doyle: Queer Music Heritage, Skript von der Sendung am 25. August 2003, queermusicheritage.us

Das Lied handelt davon, dass man nur wirklich lebt, wenn man zu sich selbst steht, und dass dies akzeptiert werden sollte. Es beinhaltet wesentliche Gefühle und Gründe für den letzten Schritt eines Coming-outs, das „Going Public“, und beschreibt grundlegende Gefühle des Gay Pride. Deshalb ist es eines von mehreren symbolträchtigen Liedern von LGBT-Menschen. Die behandelte Thematik ist aber auf viele ähnliche Sachverhalte anwendbar, was zur Beliebtheit beiträgt.

Die Phrase „I am what I am“ selbst wurde schon lange verwendet. Es gibt auch mehrere verschiedene Lieder mit diesem Titel, auch bei in anderen Sprachen übersetztem Titel. Auch im Umfeld der Schwulen und der Drag-Queens wurde diese Phrase schon vorher immer wieder verwendet.

La Cage aux Folles Rahmenhandlung Der Travestiestar Albin, auf der Bühne Zaza genannt, bereitet sich gerade in der Garderobe auf seinen Auftritt vor. Sein Lebensgefährte und Nachtclubmanager Georges erzählt ihm durch die Tür von Georges leiblichem Sohn, den beide gemeinsam aufgezogen haben. Dessen auserwählte Frau hat jenen sehr konservativen Politiker zum Vater, der an der Riviera seine strengen Moralvorstellungen umsetzen will. Jetzt soll ein Familienbesuch stattfinden. Weil ein gleichgeschlechtliches Paar, der Besitzer eines Nachtclubs und eine Tunte für den Brautvater als zukünftige Schwiegereltern nicht tragbar wären, gibt es den Plan, dass Albin während des Besuchs nicht anwesend sein soll. Georges wird sich als Diplomat aus dem Auswärtigen Amt ausgeben und mit der Mutter des Sohnes für eine Nacht das glückliche Ehepaar vortäuschen. Georges versucht ihm den Plan so schmackhaft wie möglich zu machen, aber Albin ist über die geplante Verleugnung seiner Person und die gesamte Täuschungsaktion verletzt und aufgebracht. Er kommt aus der Garderobe, sagt nur, dass er noch auf die Bühne muss, und tritt wie geplant mit dem Travestieensemble auf.

Vorspiel Das Ensemble der Cagelles trägt den schon zu Beginn des Musicals gespielten Titel We Are What We Are („Wir sind, was wir sind“) vor. Was sie sind, ist nur eine Täuschung, und sie lieben es, für Verwirrung zu sorgen. Dem manchmal süßen und manchmal bitteren Leben treten sie mit etwas Demontage und Glitter gegenüber. Zaza unterbricht nunmehr den Auftritt und bittet die anderen, ihn alleine zu lassen.

Das Lied Die Melodie des Liedes bleibt die gleiche. Albin beginnt zuerst ganz leise und zaghaft zu singen. Nach den ersten Worten setzt wieder die Musik mit wenigen Instrumenten ein. Während der ersten Strophe wird die Stimme immer fester, es setzen immer mehr Instrumente ein und der Takt wird schneller. Zu Beginn der zweiten Strophe ist das normale Tempo erreicht, steigert sich aber schrittweise weiter. Albin ist aufgebracht und singt sich in Rage, er fordert Akzeptanz ein für das was er ist, und macht Georges indirekt Vorwürfe. Je nach Bühneninterpret bewegt sich der Ausdruck zwischen Stolz, Wut und Verbitterung. (Im Gegensatz dazu wird das Lied außerhalb des theatralischen Rahmens einfach mit Stolz vorgetragen.) Mit der dritten Strophe verdoppelt das Orchester sein Tempo, und im Gegensatz dazu fällt Albin in seinem Vortrag auf die Hälfte des Tempos zurück. Nach dem Lied geht Zaza meist schroff ab, nimmt die Perücke ab und bewirft damit Georges.

Albin singt davon, dass er das ist, was er ist, etwas ganz eigenes, seine eigene Persönlichkeit. Er braucht für das was er ist keine Entschuldigung. Er möchte in seiner Welt ein wenig Stolz und sich nicht verschämt verstecken müssen. Denn das Leben ist keinen Pfifferling wert und nur eine Täuschung, bis man endlich sagen kann: „Hei Welt. Ich bin was ich bin“. Besonders dieser Teil ist auch an Georges gerichtet. Die Leute können einen rausschmeißen oder beglückwünschen. Er will aber keinen Lobpreis und kein Mitleid. Er lebt auf seine eigene Art und Weise, die manche schlecht finden, er findet sie nett. Und was ist daran, wenn man Schmuck und Glitter mag? Warum wird nicht einmal versucht, die Dinge aus einem anderen Winkel zu betrachten? Er kümmert sich um seine eigenen Angelegenheiten, manchmal Gutes, manchmal Schlechtes. Aber es gibt nur ein einziges, fortlaufendes Leben, und man kann nicht einen Teil wiederholen und auch kein Zwischenlager einrichten. Weil es nur ein fortlaufendes Leben gibt, ist es an der Zeit „den Schrank zu öffnen“, zu sich zu stehen und sich nicht weiter im Schrank zu verstecken. Denn das Leben ist nichts wert, solange man nicht sagen kann „Ich bin was ich bin.“

Enthaltene Idiome: I bang my own drum, Some think it's noise, I think its pretty („Ich schlage meine eigene Trommel, manche halten es für Krach, ich denke es ist schön“) verweist auf die amerikanische Redewendung march to [the beat of] a different drummer („zum Takt eines anderen Trommlers marschieren“), welche auch als bang[ing] on a different drum vorkommt. Im britischen Englisch existiert die Redewendung to march to a different tune („zu einer anderen Melodie marschieren“).Cambridge Idioms Dictionary, 2nd ed., Cambridge University Press, 2006, zitiert in The Free Dictionary unter „march to a different drummer“ Es beschreibt eine Person, welche sich in einer unüblichen Weise verhält, lebt und denkt,„drummer“ im Merriam Webster's Leaner's Dictionary von anderen Werten motiviert ist, als eine durchschnittliche Person.„drummer“ bei dictionary.com Ins Deutsche kann die Redewendung mit „aus der Reihe tanzen“ übersetzt werden.„to march to a different drummer“ im Leo-Online-Wörterbuch Durch den Verweis auf die eigene Trommel im Lied wird das Individualistische hervorgehoben.Der Ursprung der Redewendung liegt in dem 1854 erschienenen Buch Walden des amerikanischen Philosophen Henry David Thoreau.The Origins of Famous Literary Quotes, tutor.com, unter verweis auf The Facts On File Dictionary of Cliches, Second Edition Er schrieb darin: If a man does not keep pace with his companions, perhaps it is because he hears a different drummer. Let him step to the music which he hears, however measured or far away. („Wenn ein Mann nicht im Schritt mit seinen Kameraden bleibt, vielleicht ist es weil er auf einen anderen Trommler hört. Laß ihn zu der Musik schreiten, die er hört, wie gemäßigt oder weit entfernt sie sein mag.“) One life, so it's time to open up your closet („Ein Leben, somit ist es Zeit deinen Schrank zu öffnen“) verweist auf die damals vor allem unter Homosexuellen übliche Redewendung to come out of the closet („aus dem Schrank herauskommen“), also den letzten Schritt eines Coming-outs zu vollziehen, zu sich zu stehen, nicht mehr zu versuchen die eigene Homosexualität zu verheimlichen oder gar den anderen etwas vorzuspielen.

Weitere Verwertung Nach 15 Probevorführungen hatte das Stück am 21. August 1983 Premiere. Noch in derselben Woche schrieb das New York Magazine, dass das Lied schon als neue nationale Schwulenhymne bezeichnet werde.Ross Wetztsteon: ‚La Cage aux Folles‘ comes to Broadway, in: New York Magazine, 22. August 1983, S. 34 In einer generell sehr negativen Kritik, welche zwei Wochen später im gleichen Magazin erschien, heißt es, dass es als Schwulenhymne „aufdringlich angepriesen“ werde.John Simon: Guys as Dolls, in: New York Magazine, 5. September 1983, S. 62

Herman hatte das Lied für den spezifischen dramatischen Moment geschrieben, in dem ein Homosexueller zusammenbricht und Akzeptanz verlangt für das was er ist. Für einen Disco-Hit hätte er beispielsweise die Phrase „opening up your closet“ nicht verwendet. Der Verleger bat, einige Zeilen zu ändern für den Fall, dass jemand das Lied aufnehmen wolle. So schrieb Herman noch etwas mit „blow my horn and sound my trumpet / My song – and if you don't like it, you can lump it“. Herman kann sich nicht erinnern, diese Version jemals gehört zu haben, auch nicht bei Sammy Davis. Dass das Lied mit Gloria Gaynor ein Hit geworden war, hatte ihn sehr überrascht.Mark Steyn: Broadway Babies Say Goodnight: Musicals Then and Now, Routledge, 1999, ISBN 0-415-92286-0, S. 108 Im Widerspruch zu Herman sang Sammy Davis junior 1983 in der Fernsehsendung The Tonight Show mit Johnny Carson die geänderte Version ohne die zweite Strophe.Sammy Davis Jr. – I Am What I Am auf youtube.com In der Moderation verwies er aber auf das neue Musical.

Nach dem Erfolg von La Cage Aux Folles wurde das Lied auch in die zweite, erweiterte Version der Revue Jerry's Girls aufgenommen, welche auf Liedern von Jerry Herman basiert und 1984 in Palm Beach Premiere hatte. 1985 wurde sie am Brodway aufgeführt. In den nachfolgenden Filmen Ein Käfig voller Narren – Jetzt wird geheiratet und The Birdcage – Ein Paradies für schrille Vögel wurde dieses Lied nicht verwendet.

Interpreten Darsteller von Zaza / Albin Im Laufe der Jahre haben unzählige Darsteller auf internationalen Bühnen in der Rolle der Zaza (bzw. Albin) auch I Am What I Am dargeboten und dabei zum Teil neu interpretiert. Hier eine Auswahl: Broadway George Hearn (1983–1986) Walter Charles (1983–1987) Keene Curtis (1985–1987) Lee Roy Reams (1985–1987) Jack Davison (1985–1987) Gary Beach (2004–2005) Bryan Batt (2004–2005) Douglas Hodge (2010–2011) Harvey Fierstein (2011)

West End George Hearn (1986–1987) Douglas Hodge (2008–2010) Roger Allam (2009) Graham Norton (2009) John Barrowman (2009)Deutschland Helmut Baumann (1985–1986) Steve Barton (1986) Thomas Bäppler-Wolf (2012–2013) Samuel Schürmann (2012–2013) Guido Kleineidam (2013–2014) Hannes Fischer (2014) Uwe Kröger (2014) Christian Grygas (seit 2016), 26. Februar 2018

Österreich Karlheinz Hackl (1991–2007) Alfons Haider (2008)International Jon Ewing (Australien 1985) César Mora (Kolumbien 1991 und Filmaufnahme) Javier Díaz Dueñas (Mexiko 1993) Jacco van Renesse (Niederlande 1995) Tõnu Oja (Estland 1999) Andrés Pajares (Spanien 2001) José Raposo (Portugal 2009) Carlos Alberto (Portugal 2009) Roberto de Groot (Niederlande 2010), 18. Januar 2011 Jon van Eerd (Niederlande 2010–2011) Matthew Morrison (Vereinigte Staaten, Tony-Awards 2010) Christopher Sieber (Vereinigte Staaten, Tournee-Ensemble 2011–2012) Chung Sung-hwa (Korea 2012)Korea Times: La Cage 2012 Anders Baggesen (Dänemark 2013) Edwin Cedeño (Panama 2013) Rafael José (Puerto Rico 2013–2014) Mikael Samuelson (Schweden 2013–2014) András Stohl (Ungarn seit 2014) Todd McKenney (Australien 2014)https://www.broadwayworld.com/australia-melbourne/article/BWW-Reviews-LA-CAGE-AUX-FOLLES-A-Disappointing-End-to-2014-for-The-Production-Company-20141124http://artsreview.com.au/la-cage-aux-folles/http://artsreview.com.au/la-cage-aux-folles/http://www.smh.com.au/entertainment/musicals/musical-review-la-cage-aux-folles-uncages-wonderful-wit-of-simon-burke-and-todd-mckenney-20141124-11slll.html Audie Gemora (Philippinen 2015) Mario Iván Martínez (Mexiko 2015) Fredrik Lycke (Schweden 2015) John Partridge (Vereinigtes Königreich, Tournee-Ensemble 2017 und Musikvideo)

Gloria Gaynor