Die CDU Mecklenburg-Vorpommern ist ein Landesverband der CDU im Bundesland Mecklenburg-Vorpommern. Nach der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2026 befindet sich der Landesverband in der außerparlamentarischen Opposition und wird ab Konstituierung eines neuen Landtages im Oktober 2026 nicht mehr im Landesparlament vertreten sein.

Geschichte Gründung und Gleichschaltung (1945–1952) mini|Werbeplakat der CDU Der Gründungsaufruf der CDU Mecklenburg-Vorpommern datiert vom 5. Juli 1945. Auf der Gründungsversammlung in Schwerin an diesem Tag wurden Reinhold Lobedanz als Vorsitzender, Hans Krukenmeyer als stellvertretender Vorsitzender und Heinrich Albert, Rudolf Behrens, Carl Garz, Martin Karsten, Werner Pöhls und Hans Wittenburg als Beisitzer gewählt. Der erste Landesparteitag vom 27. bis 28. April 1946 bestätigte diesen Vorstand.SBZ-Handbuch, Seite 536

Während in den anderen Landesverbänden die Landesvorstände eine aktive Rolle im Kampf gegen die Gleichschaltung der CDU der DDR zur Blockpartei gespielt hatten, war in Mecklenburg-Vorpommern der Landesvorsitzende Reinhold Lobedanz von Anfang an ein Vertreter einer SED-orientierten Politik. Konsequenterweise war er auch der einzige Landesvorsitzende, der nicht durch die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) zum Rücktritt gezwungen wurde. Er wirkte bis zu seinem Tod 1955 aktiv am Aufbau der DDR-Diktatur mit.

Die Opposition ging in Mecklenburg-Vorpommern deshalb von der Basis aus. Die Politik der SMAD war daher darauf gerichtet, diese Stimmen mundtot zu machen. So wurde Werner Jöhren als Landrat abgesetzt und zur Flucht gezwungen. Der Chefredakteur der CDU-Zeitung Der Demokrat trat zurück, nachdem die SMAD einen Abdruck eines gegen den damaligen Parteivorsitzenden Jakob Kaiser gerichteten Artikels erzwungen hatte. Eine Vielzahl von lokalen Funktionären der CDU wurde durch die SMAD ihrer Ämter enthoben oder floh in den freien Westen. Wirtschaftsminister Siegfried Witte und der Landtagsabgeordnete Karl-Heinz Kaltenborn wagten als letzte namhafte CDU-Vertreter noch Widerspruch gegen die erzwungene Politik.Michael Richter, Seite 56–58

Blockpartei in den drei Nordbezirken (1952–1989) Nachdem 1952 die Länder in der DDR aufgelöst wurden, passte sich die CDU organisatorisch den neuen Bezirken an. Statt des Landesverbandes gab es nun Verbände in den Bezirken Rostock, Schwerin und Neubrandenburg. Die CDU war als Blockpartei auch auf Bezirksebene über die Einheitslisten der Nationalen Front an allen politischen Gremien der Bezirke wie den Bezirkstagen oder dem Rat des Bezirkes beteiligt und stimmte stets mit der SED.

Neugründung nach der Wende (1989/1990) mini|Günther Krause (1990) Während der friedlichen Revolution im Herbst 1989 traten die Führungsspitzen der CDU in den drei Nordbezirken unter dem Druck der Ereignisse zurück und wurden durch CDU-Mitglieder der zweiten Reihe ersetzt. Am 8. November 1989 stellte der neue Bezirksvorstand in Rostock den Führungsanspruch der SED in Frage und räumte eigenes Versagen in der Vergangenheit ein.Hans Jörg Hennecke: Die CDU in Mecklenburg und Vorpommern, in: Parteien und Politik in Mecklenburg-Vorpommern, herausgegeben von Nikolaus Werz und Hans Jörg Hennecke, München 2000, S. 18. Er forderte eine durch das Volk zu billigende Verfassung, freie Wahlen, die Aufhebung des Schulfachs Wehrkunde, einen Zivilersatzdienst sowie die Zulassung neuer demokratischer Organisationen wie des Neuen Forums. Kurz darauf folgten die Bezirksverbände Schwerin und Neubrandenburg mit ähnlichen Erklärungen. Auf einem Berliner Sonderparteitag am 21. November 1989 erteilte die CDU nach intensiven Debatten dem Sozialismus eine Absage und bekannte sich zu einer ökologisch-sozialen Marktwirtschaft.Hans Jörg Hennecke: Die CDU in Mecklenburg und Vorpommern, in: Parteien und Politik in Mecklenburg-Vorpommern, herausgegeben von Nikolaus Werz und Hans Jörg Hennecke, München 2000, S. 19. Damit verbunden war eine Absage an den aufgezwungenen „christlichen Sozialismus“ und ein Bekenntnis zu Demokratie, Marktwirtschaft und Sozialstaat. Diese völlige Neuausrichtung war in Teilen der Partei sehr umstritten. Mit großem politischem Talent, aber auch mit einem bemerkenswerten Überzeugungswandel, profilierte sich Günther Krause, Parteimitglied seit 1975 und Kreisvorsitzender in Bad Doberan seit 1987, als Verfechter der Marktwirtschaft und der deutschen Einheit.Hans Jörg Hennecke: Die CDU in Mecklenburg und Vorpommern, in: Parteien und Politik in Mecklenburg-Vorpommern, herausgegeben von Nikolaus Werz und Hans Jörg Hennecke, München 2000, S. 21.

mini|Helmut Kohl als Wahlhelfer der Ost-CDU für die Volkskammerwahl in Rostock

Der Landesverband der CDU Mecklenburg und Vorpommern konstituierte sich am 3. März 1990 in Rostock aus den drei damaligen Bezirksverbänden Schwerin, Rostock und Neubrandenburg neu. Günther Krause setzte sich gegen den Schweriner Bezirksvorsitzenden Lothar Moritz bei der Wahl zum ersten Landesvorsitzenden durch. Die Union konnte – im Gegensatz zur neugegründeten SPD oder dem Bündnis 90, für die selbst Telefone und Druckmaschinen Mangelware warenndr.de: Vor 20 Jahren: Spannung bei erster freier Landtagswahl (29. September 2010) – auf die vorhandenen Organisationsstrukturen, das Parteivermögen sowie einen großen Mitgliederstamm der ehemaligen Blockpartei aufbauen und hatte somit bei den vier richtungsweisenden Wahlen des Jahres 1990 einen enormen Startvorteil.Karsten Grabow: Das Parteiensystem Mecklenburg-Vorpommerns, in: Parteien und Parteiensysteme in den deutschen Ländern, herausgegeben von Uwe Jun, Melanie Haas und Oskar Niedermayer, GWV, Wiesbaden 2008, S. 280. Dazu kam eine massive Wahlkampfhilfe der westdeutschen Union. Die überkommene CDU aus Blockparteizeiten galt allerdings sowohl konservativ orientierten DDR-Bürgerrechtlern als auch der Bonner CDU-Parteiführung als Altlast. Ein Teil der 1989 gebildeten Bürgerbewegungen, nämlich der Demokratische Aufbruch (DA) und die Deutsche Soziale Union (DSU) traten dennoch in einem Wahlbündnis mit der CDU als Allianz für Deutschland bei der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 an.

Die Allianz gewann die Volkskammerwahl deutlich. Krause wurde Fraktionsvorsitzender in der Volkskammer und gleichzeitig Staatssekretär beim Ministerpräsidenten, sodass ihm eine Schlüsselposition in der DDR-CDU zukam. Für den Landesverband blieb ihm angesichts dieser Belastung jedoch weniger Zeit. Das Wahlergebnis der CDU bei der Volkskammerwahl war im späteren Mecklenburg-Vorpommern – verglichen mit dem Gesamtergebnis – unterdurchschnittlich:

Bezirk/ParteiErgebnis Volkskammerwahl DDR Neubrandenburg Rostock Schwerin CDU 40,80 % 36,00 % 34,30 % 39,80 % DSU 6,30 % 2,00 % 2,80 % 2,00 % DA 0,90 % 0,50 % 0,70 % 0,60 %

Am 6. Mai 1990 folgten die Kommunalwahlen. Die CDU bestätigte dabei ihren Führungsanspruch in Mecklenburg und Vorpommern.

Im Juli 1990 schloss sich die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD), ebenfalls eine frühere Blockpartei, der Ost-CDU an. Am 4. August 1990 fusionierte der DA mit der CDU. Die DSU blieb dagegen als eigenständige Partei bestehen, konnte aber auf Landesebene keine Rolle spielen.

Schwarz-gelbe Landesregierung (1990–1994) mini|Alfred Gomolka (Dezember 1990) Mit der deutschen Wiedervereinigung entstand das Land Mecklenburg-Vorpommern auf der Grundlage des Ländereinführungsgesetzes am 3. Oktober 1990 neu. Bei den Landtagswahlen am 14. Oktober 1990 wurde die CDU mit 38,3 Prozent der Stimmen erwartungsgemäß deutlich stärkste Kraft im Schweriner Landtag. Dennoch kam es zu einem Patt: Sowohl die Union und die FDP auf der einen als auch SPD und PDS auf der anderen Seite erhielten zusammen jeweils 33 Mandate. Der Übertritt von Wolfgang Schulz, bis September 1990 Mitglied der SPD, zur CDU löste die Pattsituation auf, sodass die CDU mit der FDP, die die Fünf-Prozent-Hürde knapp hatte überwinden können, bereits am 27. Oktober eine Koalition bilden und mit Alfred Gomolka den Ministerpräsidenten stellen konnte. Gomolka hatte sich vor der Landtagswahl in einer Kampfkandidatur überraschend gegen Georg Diederich als Spitzenkandidat durchgesetzt.

Die Hälfte der Minister im Kabinett Gomolka, darunter Gomolka selbst, war bereits zu DDR-Zeiten Mitglied der CDU gewesen. Dieses Verhältnis spiegelte sich noch deutlicher in der Fraktion wider: Von den 37 Abgeordneten hatten 16 schon vor 1989 der CDU angehört, fünf weitere waren Mitglied der DBD gewesen.Hans Jörg Hennecke: Die CDU in Mecklenburg und Vorpommern, in: Parteien und Politik in Mecklenburg-Vorpommern, herausgegeben von Nikolaus Werz und Hans Jörg Hennecke, München 2000, S. 59. Vom Demokratischen Aufbruch waren dagegen nur drei Abgeordnete in die CDU-Fraktion gelangt. Vier Abgeordnete der CDU gaben auf Drängen der Partei- und Fraktionsspitze ihre Mandate zurück, nachdem ihre frühere Tätigkeit als Inoffizieller Mitarbeiter für das Ministerium für Staatssicherheit bekannt worden war.Hans Jörg Hennecke: Die CDU in Mecklenburg und Vorpommern, in: Parteien und Politik in Mecklenburg-Vorpommern, herausgegeben von Nikolaus Werz und Hans Jörg Hennecke, München 2000, S. 32.

Die Regierung war von heftigen Kontroversen innerhalb der CDU geprägt.Karsten Grabow: Das Parteiensystem Mecklenburg-Vorpommerns, in: Parteien und Parteiensysteme in den deutschen Ländern, herausgegeben von Uwe Jun, Melanie Haas, Oskar Niedermayer, VS Verlag, Wiesbaden 2008, S. 268. Diese entzündeten sich vor allem an der Privatisierung der Werftindustrie. CDU-Landeschef und Bundesverkehrsminister Günther Krause sprach sich gegen die von Gomolka und dem liberalen Wirtschaftsminister Conrad-Michael Lehment geplante Teilprivatisierung aus. Hinzu kamen persönliche Spannungen innerhalb des Kabinetts und Konflikte der Landesregierung mit der Landtagsfraktion der CDU. Nachdem Gomolka am 14. März 1992 den Justizminister Ulrich Born wegen „Illoyalität“ entlassen hatte, entzog ihm die CDU-Landtagsfraktion unter der Führung ihres Vorsitzenden Eckhardt Rehberg das Vertrauen.

Nachdem Gomolka am 19. März 1992, nach nur 18 Monaten im Amt, als Ministerpräsident zurücktrat, übernahm Berndt Seite dieses Amt (Kabinett Seite I). Seite war über das Neue Forum zur CDU gestoßen, seit 1990 Landrat im Kreis Röbel/Müritz und seit 1991 Generalsekretär der CDU in Mecklenburg-Vorpommern.Hans Jörg Hennecke: Die CDU in Mecklenburg und Vorpommern, in: Parteien und Politik in Mecklenburg-Vorpommern, herausgegeben von Nikolaus Werz und Hans Jörg Hennecke, München 2000, S. 34. Er führte die schwarz-gelbe Koalition fort. In die Amtszeit des Kabinetts Seite I fiel auch die Ablösung Günther Krauses, der über eine seiner zahlreichen Affären stolperte, durch Angela Merkel als Landesparteichefin der CDU im Juni 1993. Sie führte die Partei bis zum 20. Mai 2000. Mit Ausnahme des Fraktionsvorsitzenden Eckhardt Rehberg war damit die gesamte ersten Nachwende-Führungsriege der CDU in Mecklenburg-Vorpommern ausgetauscht worden.

Schwarz-rote Koalition (1994–1998) mini|Angela Merkel im Jahr 1995, Landesparteivorsitzende 1993–2000 Bei der Landtagswahl 1994, welche parallel zur Bundestagswahl stattfand, konnte die CDU ihre Position behaupten (37,7 %, −0,5 Prozentpunkte), während die SPD leicht zulegte (29,5 %, +2,5 Prozentpunkte). Da die FDP aus dem Landtag ausschied (1,9 %) und ansonsten nur noch die PDS im Landtag vertreten war, wurde eine große Koalition gebildet, der Seite als Ministerpräsident vorstand (Kabinett Seite II).

Die Landtagswahl offenbarte ein grundsätzliches, bei den folgenden Wahlen noch stärker zutage tretendes strategisches Problem der CDU in Mecklenburg-Vorpommern: Zwar war die Partei noch einmal deutlich stärkste Kraft im Schweriner Landtag geworden, doch ohne Aussicht auf eine absolute Mehrheit und ohne die FDP als Mehrheitsbeschaffer war sie auf die Sozialdemokraten angewiesen, die aber in Mecklenburg-Vorpommern stärker als irgendwo sonst mit einer Koalition mit der PDS liebäugelten.

Die CDU als Oppositionspartei (1998–2006)